Der Medicus
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:
Der Medicus
Roman
Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon
Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
»Man hat mir auch erzählt, daß ihr Haar hennafarben ist.« »Ja, Majestät.«
»Eine Frau sollte schwarzes Haar haben.«
Rob konnte nicht gut mit dem Schah streiten, und er hatte auch keinen Grund dazu, doch er war froh, daß seine Frau dem Schah nicht gefiel. Alä Shahansha entdeckte zu seiner Freude bei Mirdin tiefgehende Kenntnisse der persischen Geschichte, und während sie langsam in die Hügel hineinritten, sprachen sie darüber, daß Alexander einst Perse-polis geplündert hatte, was der Perser in Alä bedauerte und der Heerführer in ihm bewunderte. Im Laufe des Vormittags trat Alä an einer schattigen Stelle mit dem scimitar gegen Karim an, und während die Krummschwerter klirrend gegeneinanderschlugen, sprachen Mirdin und Rob leise über chirurgische Abbindungsschnüre und über die jeweiligen Vorzüge von Seide, von Leinenfäden - beide fanden, daß sich diese zu leicht zersetzten -, von Roßhaar und von den von Ibn Sina bevorzugten Menschenhaaren. Zu Mittag gab es im Schatten des königlichen Zeltes reichlich zu essen und zu trinken, und die drei Mediziner lösten einander beim Spiel des Schahs ab, das sie regelmäßig verloren, obwohl Mirdin sich wacker schlug und eine Partie beinahe gewonnen hätte, was für Alä den Sieg noch wertvoller machte. In Aläs geheimer Höhle lagen die vier gesellig im warmen Wasser beisammen, das ihre Muskeln lockerte, und sie gerieten dank eines unerschöpflichen Vorrats erlesener Getränke in eine gelöste Stimmung.
Karim ließ den Wein anerkennend auf der Zunge zergehen, ehe er ihn schluckte, und sagte dann lächelnd zu Alä: »Ich war ein Betteljunge.
Habe ich Euch das bereits erzählt, Majestät?«
Alä erwiderte sein Lächeln und schüttelte den Kopf.
»Ein Betteljunge trinkt jetzt den Wein des Königs der Könige.«
"Ja. Ich habe einen Betteljungen und zwei Juden zu meinen Freunden erwählt.« Alä lachte lauter und länger als sie. »Mit dem Sieger im chatir habe ich hochfliegende, vortreffliche Pläne, und diesen Dhimmimz^ ich schon lange.« Er versetzte Rob leicht betrunken einen freundschaftlichen Stoß. »Und nun erweist sich ein anderer Dkimmi als ausgezeichneter, bemerkenswerter Mann. Wenn du die madrassa beendet hast, Mirdin Askari, mußt du in Isf ahan bleiben und Medicus an meinem Hof werden.«
Mirdin errötete verlegen. »Ihr erweist mir große Ehre, Majestät. Ich bitte Euch, es nicht als Beleidigung aufzufassen, aber ich ersuche Euch, mir wohlwollend zu gestatten, wenn ich einst ein hakim bin, in meine Heimat, m die Länder am großen Golf, zurückzukehren. Mein Vater ist alt und leidend. Ich werde der erste Medicus in unserer Familie sein, und vor seinem Tod soll er noch erleben, daß ich mich im Schoß unserer Familie niederlasse.«
Alä nickte unbekümmert. »Was tut diese Familie, die am großen Golf lebt?«
»Unsere Männer sind, so weit man zurückdenken kann, die Küsten entlanggesegelt und haben Perlen von den Tauchern gekauft, Majestät.« »Perlen! Das ist gut, denn ich kaufe Perlen, sooft ich gute finde. Du wirst das Glück deiner Verwandten begründen, Dhimmi, denn du mußt ihnen auftragen, die größte, vollendetste Perle zu suchen und sie mir zu bringen. Ich werde sie kaufen und deine Familie reich machen.« Als sie nach Hause ritten, schwankten sie in den Sätteln. Alä mußte sich bemühen, aufrecht zu sitzen. Als sie die königlichen Stallungen erreichten und seine Diener und Untergebenen sich um die Ankommenden scharten, geruhte der Schah, mit seinen Begleitern zu prahlen. »Wir sind vier Freunde«, rief er so laut, daß der halbe Hof es hörte. »Einfach vier gute Männer, die Freunde sind!«
Diese Worte machten schnell die Runde und verbreiteten sich, wie jeder Klatsch, der den Schah betraf, in der ganzen Stadt.
»Bei manchen Freunden ist Vorsicht am Platze«, warnte Ibn SinaRob an einem Vormittag ungefähr eine Woche später.
Sie nahmen an einer Belustigung teil, die von Fath Ali, einem reichen Mann, gegeben -wurde, dessen Handelshaus Wein an das Haus des Paradieses und die meisten Adeligen am Hof lieferte. Rob freute sich, Ibn Sina zu sehen.
Ihre Anwesenheit war durch die Tatsache bedingt, daß jeder von ihnen der Empfänger eines ca.la.at war, aber Rob langweilten die königlichen Belustigungen. »Ich würde viel lieber im maristan arbeiten, wo ich hingehöre«, sagte er.
Ibn Sina sah sich vorsichtig um. Sie gingen allein auf dem Besitz des Kaufmanns spazieren. »Du darfst nie vergessen, daß der Umgang mit einem Monarchen schwieriger ist als mit einem gewöhnlichen Mann. Ein Schah ist kein Mensch wie du und ich. Er läßt gleichgültig die Hand sinken, und Leute wie wir werden getötet. Oder er winkt mit einem Finger, und jemandem ist das Leben geschenkt.« Rob hob die Schultern. »Ich suche nie die Gesellschaft des Schahs und hege auch nicht den Wunsch, mich in die Politik einzumischen.« Ibn Sina nickte zustimmend. »Es ist eine Eigenheit der Monarchen im Orient: Sie wählen gern Ärzte als Wesire, weil sie das Gefühl haben, daß Heller von Haus aus Allah näherstehen. Als ich jünger war, habe ich zweimal im Hamadhän den Titel Wesir angenommen. Es war ein gefährlicheres Amt als die Ausübung der Medizin. Nach dem ersten Mal entging ich nur knapp der Hinrichtung. Ich wurde in das Schloßgefängnis geworfen, wo ich monatelang schmachtete. Nachdem ich daraus entlassen wurde, wußte ich, daß ich, Wesir oder nicht, in Hamadhän meines Lebens nicht sicher war. Ich machte mich mit al-Juzjani und meiner Familie auf den Weg nach Isfahan, wo ich seither unter Aläs Shahanshas Schutz lebe.«
»Welch ein Glück für Persien, daß Alä großen Ärzten gestattet, ihren Beruf auszuüben«, meinte Rob.
Ibn Sina lächelte. »Es paßt in seine Pläne, als großer König bekannt zu werden, der die Künste und Wissenschaften fördert«, stellte er trocken fest. »Schon als junger Mann sehnte er sich nach einem mächtigen Reich. Jetzt muß er es vergrößern und seine Feinde verschlingen, bevor sie ihn verschlingen.« »Die Seldschuken.«
»Wenn ich Wesir in Isfahan wäre, würde ich die Seldschuken am meisten fürchten«, sagte Ibn Sina. »Aber am aufmerksamsten beobachtet der Schah Mahmud von Ghazna, denn die beiden sind vom gleichen Schlag. Alä hat vier Raubzüge nach Indien unternommen, bei denen er achtundzwanzig Kriegselefanten erbeutet hat. Mahmud befindet sich näher an der Quelle, er ist öfter in Indien eingefallen und besitzt über fünfzig Kriegselefanten. Ala beneidet und fürchtet ihn Wenn Alä seinen Traum verwirklichen will, muß er Mahmud als nächsten ausschalten.«
Ibn Sina blieb stehen und legte Rob die Hand auf den Arm. »Du mußt überaus vorsichtig sein. Achtsame Männer behaupten, daß Qandras-sehs Tage als Großwesir gezählt sind. Und daß ein junger Medicus seinen Platz einnehmen soll.«
Rob schwieg, doch ihm fiel plötzlich ein, daß Alä erwähnt hatte, er habe mit Karim »hochfliegende, vortreffliche Pläne«. »Wenn das wahr ist, wird Qandrasseh mitleidlos jeden zu treffen suchen, den er für einen Freund oder Anhänger seines Rivalen hält. Es genügt nicht, daß du dich aus der Politik heraushältst. Wenn ein Am mit den Mächtigen verkehrt, muß er lernen, sich zu fügen und auszuweichen, oder er überlebt nicht.«
Rob bezweifelte, daß er fähig war, sich zu fügen und auszuweichen. »Sei nicht allzu besorgt«, ermahnte ihn Ibn Sina. »Alä ändert seine Meinung oft und rasch, und man kann sich nicht auf das verlassen, was er in Zukunft unternehmen wird.«
Sie gingen weiter und erreichten die Gärten, kurz bevor der Gegenstand ihres Gesprächs entspannt und gut gelaunt aus Fath Aus Harem zurückkehrte.
Im Lauf des Nachmittags begann Rob sich zu fragen, ob Ibn Sina jemals Gastgeber einer Belustigung für den Schah und Beschützer gewesen war. Er machte sich an Khuff heran und fragte ihn beiläufig danach.