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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Claire, du weißt, was es mich gekostet hat, das für dich zu tun – Randalls Leben zu verschonen. Falls es so weit kommt, versprich mir, dass du zu Frank zurückgehen wirst.« Seine Augen durchforschten mein Gesicht, tiefblau wie der Himmel hinter ihm im Fenster. »Ich habe schon zweimal versucht, dich zurückzuschicken. Und ich danke Gott, dass du dich geweigert hast zu gehen. Aber wenn es zu einem dritten Mal kommt – dann versprich mir, dass du zu ihm zurückkehren wirst – zu Frank. Denn das ist der Grund, warum ich Jack Randall ein Jahr lang verschone – um deinetwillen. Versprichst du es, Claire?«

»Allez! Allez! Montez!«, rief der Kutscher von oben, um sein Gespann eine Steigung hinaufzutreiben. Wir waren beinahe da.

»Also schön«, sagte ich schließlich. »Ich verspreche es.«

Die Stallungen von Argentan waren sauber und luftig, und sie dufteten nach Sommer und nach Pferden. Jamie wanderte in einer offenen Box betört wie eine Pferdebremse um eine Percheron-Stute herum.

»Oh, was für ein hübsches Mädchen du bist! Komm her, Schätzchen, zeig mir deine schöne Kruppe. Mm, aye, so ist es gut!«

»Ich wünschte, mein Mann würde mit mir so reden«, stellte die Duchesse de Neve fest und brachte damit die anderen Damen der Ausflugsgesellschaft zum Lachen, die im Mittelgang im Stroh standen und zusahen.

»Vielleicht würde er das ja tun, Madame, wenn er Eure Rückenansicht ähnlich stimulierend fände. Andererseits, vielleicht teilt Euer Gemahl Mylord Broch Tuarachs Vorliebe für einen wohlgeformten Hintern nicht.« Der Comte St. Germain ließ seinen Blick mit einem Hauch von verächtlicher Belustigung über mich hinwegschweifen. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie seine schwarzen Augen durch die Schlitze einer Maske glitzerten, und es gelang mir nur zu gut. Unglücklicherweise fielen ihm die Rüschen an den Handgelenken bis weit über die Fingerknöchel; ich konnte seine Daumengabelung nicht sehen.

Jamie, der das Geplänkel mitbekam, stützte sich gemütlich auf den breiten Rücken der Stute, so dass nur sein Kopf, seine Schultern und seine Unterarme über ihren Rumpf hinweg zu sehen waren.

»Mylord Broch Tuarach weiß Schönheit in jeder Form zu schätzen, Monsieur le Comte, ganz gleich, ob in einem Tier oder einer Frau. Anders als andere jedoch, die ich hier nennen könnte, bin ich imstande, den Unterschied zwischen beidem zu erkennen.« Er grinste St. Germain boshaft an, dann klopfte er der Stute zum Abschied auf den Hals, während die Umstehenden in Gelächter ausbrachen.

Jamie nahm meinen Arm, um mich zum nächsten Stall zu führen, und die anderen folgten uns langsamer.

»Ah«, sagte er und atmete die Mischung aus Pferd, Zaumzeug, Mist und Heu ein, als wäre es Weihrauch. »Wie mir der Stallgeruch fehlt. Auf dem Land bekomme ich Heimweh nach Schottland.«

»Sieht Schottland aber nicht sehr ähnlich«, sagte ich und blinzelte in die helle Sonne, als wir aus dem Zwielicht der Stallgasse traten.

»Nein, aber wir sind auf dem Land«, sagte er. »Es ist sauber, es ist grün; es hängt kein Rauch in der Luft, und man hat keine Fäkalien unter den Füßen – es sei denn, man zählt Pferdemist dazu, was ich nicht tue.«

Die Frühsommersonne schien auf die Dächer von Argentan, die zwischen sanfte grüne Hügel eingebettet lagen. Das königliche Gestüt befand sich gleich außerhalb der Ortschaft und war deutlich solider konstruiert als die nahen Häuser der Untertanen Seiner Majestät. Die Scheunen und Stallungen waren aus massivem Feldstein; sie hatten Steinböden und Schieferdächer, und die Sauberkeit, die dort herrschte, übertraf den Zustand im Hôpital des Anges um einiges.

Hinter der Ecke des Stallgebäudes erscholl lautes Geschrei, und Jamie blieb gerade noch rechtzeitig stehen, um Fergus auszuweichen, der vor uns um die Ecke geschossen kam wie mit einer Gummischleuder abgefeuert, dicht gefolgt von zwei deutlich größeren Stalljungen. Ein dunkelgrüner Miststreifen im Gesicht des ersten Jungen gab uns einen Hinweis auf den Grund ihrer Zwistigkeit.

Mit beträchtlicher Geistesgegenwart vollführte Fergus eine Kehrtwendung, schoss an seinen Verfolgern vorüber und flitzte mitten in die Ausflugsgesellschaft hinein, wo er Zuflucht hinter dem Bollwerk suchte, das ihm Jamies kiltumhüllte Hüften boten. Seine Verfolger, die einsehen mussten, dass ihre Beute einen sicheren Hafen gefunden hatte, warfen einen angsterfüllten Blick auf die herannahende Phalanx aus Höflingen und prunkvollen Kleidern, dann machten sie gleichzeitig kehrt und liefen davon.

Als er sie flüchten sah, steckte Fergus den Kopf hinter meinem Rock hervor und rief auf Straßenfranzösisch ein paar Worte, die ihm eine anständige Ohrfeige von Jamie einbrachten.

»Ab mit dir«, sagte er energisch. »Und wirf um Gottes willen nicht mit Pferdeäpfeln auf Leute, die größer sind als du. Jetzt geh und sieh zu, dass du keinen Ärger bekommst.« Diesem Ratschlag ließ er einen gesunden Klaps auf Fergus’ Hosenboden folgen, und Fergus stolperte in die entgegengesetzte Richtung davon wie seine Angreifer.

Ich war mir alles andere als sicher gewesen, ob es klug war, Fergus auf diesen Ausflug mitzunehmen, doch die meisten Damen hatten ihre Pagen dabei, die ihnen als Laufburschen dienten und die Körbe mit der Verpflegung und anderen Gegenständen trugen, die man für einen solchen Tagesausflug anscheinend unbedingt brauchte. Und Jamie hatte den Jungen mit aufs Land nehmen wollen, weil er der Meinung war, dass dieser einen freien Tag verdient hatte. Alles schön und gut, nur dass Fergus, der Paris in seinem Leben noch nie verlassen hatte, vor lauter Glück über die Luft, das Licht und die herrlichen großen Tiere wie berauscht war und seit unserer Ankunft von einer Schwierigkeit in die nächste geriet.

»Weiß Gott, was er als Nächstes anstellen wird«, sagte ich finster, während ich Fergus hinterherblickte. »Wahrscheinlich setzt er einen der Heuschober in Brand.«

Jamie ließ sich von dieser Vermutung nicht aus der Ruhe bringen.

»Ihm passiert schon nichts. Pferdeäpfelschlachten sind für Jungen ganz normal.«

»Tatsächlich?« Ich drehte mich um und betrachtete St. Germain, der sich gerade – makellos in weißem Leinen, weißem Serge und weißer Seide – höflich lauschend der Herzogin zuwandte, die langsam über den mit Stroh bestreuten Hof schlenderte.

»Für dich war so etwas vielleicht normal«, sagte ich. »Für ihn nicht. Für den Bischof auch nicht, glaube ich.« Allmählich fragte ich mich, ob dieser Ausflug eine gute Idee gewesen war. Jamie war bei den gewaltigen Percherons in seinem Element, und der Herzog war sichtlich von ihm beeindruckt – so weit, so gut. Andererseits hatte ich elende Rückenschmerzen von der Kutschfahrt, und meine Füße steckten heiß und geschwollen in den engen Lederschuhen.

Jamie blickte lächelnd auf mich hinunter und drückte mir die Hand, die auf seinem Arm lag.

»Nicht mehr lange, Sassenach. Der Stallmeister will uns die Deckhalle zeigen, und dann kannst du dich mit den anderen Damen hinsetzen und essen, während die Männer herumstehen und geschmacklose Witze über die Schwanzlänge der anderen machen.«

»Ist das die Wirkung, die eintritt, wenn man Pferden bei der Paarung zusieht?«, fragte ich fasziniert.

»Nun, zumindest bei Männern; ich weiß nicht, wie es auf Frauen wirkt. Halt die Ohren offen, dann kannst du es mir später erzählen.«

Es herrschte tatsächlich unterdrückte Erregung unter den Ausflüglern, als wir uns nun in die Enge der Deckhalle begaben. Wie die anderen Gebäude war sie aus Stein, doch anstelle abgetrennter Boxen an beiden Seiten war sie mit einem kleinen Pferch ausgestattet, der zu beiden Seiten an eine kleine Box grenzte, und mit einer Art Laufgang an der Rückseite, in dem man Zwischentore öffnen und schließen konnte, um ein Pferd in die gewünschte Position zu bringen.

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