Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Der Medicus - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
1 ... 109 110 111 112 113 114 115 116 117 ... 162
Перейти на страницу:

Der Schmerz nahm bei jeder Reaktion ab, während er weiterlief. Doch die Füße, die er nicht mehr spürte, hoben und senkten sich weiter, trieben ihn vorwärts, klapp-klapp-klapp.

Diesmal schaute am maidan niemand die Darbietungen an, aber Karim hörte weder das Gebrüll, noch sah er die Leute. Er lief in seiner lautlosen Welt dem Ende eines dahinschwindenden Tages entgegen. Als er wieder auf die Allee der tausend Gärten kam, sah er hinter den Hügeln ein formloses, erlöschendes rotes Licht. Er hatte das Gefühl,

daß er sich ganz langsam, völlig langsam bewegte, über den flachen feil und den Hügel hinauf - den letzten Hügel, den er erklimmen mußte.

Er lief bergab. Das war die gefährlichste Strecke, denn wenn seine gefühllosen Beine ihn zum Stolpern und Stürzen brachten, würde er sich nicht mehr erheben können.

Als er einbog und durch die Tore des Paradieses kam, war die Sonne fort. Er sah jetzt undeutlich Menschen, die über dem Boden zu schweben schienen und ihn lautlos antrieben, doch sein Verstand war vollkommen klar. Er sah, wie ein mullah die enge Wendeltreppe der Moschee betrat, zu dem kleinen Umgang des hohen Turms emporstieg und darauf wartete, daß der letzte Lichtstrahl erstarb. Er wußte, daß ihm nur noch wenige Augenblicke blieben. Er versuchte, mit seinen tauben Beinen größere Schritte zu machen, bemühte sich, das bisherige Tempo zu beschleunigen. Vor ihm riß sich ein kleiner Junge von seinem Vater los und lief auf die Straße hinaus. Der Knirps blieb stehen und starrte auf den Riesen, der sich auf ihn zuschleppte.

Karim hob das Kind hoch und setzte es sich auf die Schultern, während er lief, und tosender Beifall ließ die Erde erbeben. Als er mit dem Jungen die Pfosten erreichte, erwartete ihn Alä Shahansha, und während er den zwölften Pfeil ergriff, nahm der Schah seinen Turban ab und tauschte ihn gegen die federgeschmückte Mütze des Läufers ein. Dem Toben der Menge gebot der Ruf des muezzins von den Minaretten der Stadt Einhalt. Die Menschen warfen sich in Richtung Mekka auf den Boden und versanken im Gebet. Das Kind, das immer noch bei Karim war, begann zu weinen, und er ließ es los. Dann war das Gebet vorüber, und als er sich erhob, stürzten sich der Schah und die Adeligen auf ihn. Hinter ihnen begannen die einfachen Leute wieder zu schreien. Sie drängten sich vor, um ihm näher zu sein, und es war, als gehöre ganz Persien plötzlich Karim Harun.

Fünfter Teil.

Der Feldscher 

Das Geständnis

»Warum mögen sie mich nicht?« fragte Mary Rob. »Ich weiß es nicht.« Er versuchte nicht, es zu leugnen; sie war nicht dumm. Als die jüngste Halevi-Tochter vom Nachbarhaus zu ihnen watschelte, lief ihre Mutter Judith, die dem fremden Juden kein warmes Fladenbrot mehr schenkte, zu der Kleinen, hob sie wortlos auf und flüchtete wie vor einem verderblichen Einfluß. Rob nahm Mary auf den jüdischen Markt mit und stellte fest, daß man ihn nicht mehr anlächelte, weil er der Jude mit dem calaat war, und daß er auch bei der Händlerin Hinda nicht mehr der bevorzugte Kunde war. Sie kamen an ihrer Nachbarin und deren draller Tochter Lea vorbei, und die beiden Frauen blickten ostentativ beiseite, als hätte Jakob ben Rashi nicht anläßlich eines Abendessens am Sabbat Rob zu verstehen gegeben, daß er ein Mitglied der Schuhmacherfamilie werden könne. Wo immer Rob durch die Jehuddijeh ging, verstummten plaudernde Juden und starrten ihn an. Er redete sich ein, daß es ihm nichts ausmache: Was bedeuteten ihm die Leute im Judenviertel wirklich? Bei Mirdin Askari war es etwas anderes; Rob bildete sich nicht nur ein, daß Mirdin ihm aus dem Weg ging. Wenn er ihm jetzt begegnete, zeigte ihm Mirdin jedesmal ein steinernes Gesicht, grüßte kurz und ging weiter.

Schließlich suchte Rob Mirdin auf, der im Schatten eines Kastanienbaums auf dem Gelände der madrassa den zwanzigsten und letzten Band des »Al-Hawi« von Rhazes las. »Rhazes war gut. Al-Hawi behandelt die gesamte Medizin«, erklärte Mirdin verlegen. »Ich habe bisher zwölf Bände gelesen. Zu den anderen komme ich bald.«

Rob sah ihn an. »Ist es schlimm, daß ich eine Frau gefunden habe, die ich liebe?«

Mirdin erwiderte seinen Blick. »Wie konntest du eine Andersgläubige heiraten!« »Sie ist ein Juwel, Mirdin.«

»Ja, die Lippen einer fremden Frau tröpfeln wie eine Honigwabe, und ihr Mund ist glatter als Öl. Sie ist eine Nichtjüdin, Jesse! Du Dummkopf, wir sind ein verstreutes, umzingeltes Volk, das um sein Überleben kämpft.

Sobald einer von uns außerhalb unseres Glaubens heiratet, bedeutet dies das Ende zukünftiger Generationen der Unsrigen. Wenn du das nicht einsiehst, bist du nicht der Mann, für den ich dich gehalten habe, und ich kann nicht dein Freund sein.«

Er hatte sich getäuscht - die Menschen des Judenviertels waren ihm nicht gleichgültig, denn sie hatten ihn bereitwillig aufgenommen. Und dieser Mann war ihm am wichtigsten, denn er hatte ihm seine Freundschaft geschenkt, und Rob besaß nicht so viele Freunde, daß er auf Mirdin verzichten konnte. »Ich bin nicht der Mann, für den du mich gehalten hast.« Er fühlte sich verpflichtet, alles zu gestehen, glaubte felsenfest, daß er Mirdin gefahrlos ins Vertrauen ziehen konnte. »Ich habe nicht außerhalb meines Glaubens geheiratet.« »Sie ist Christin.« »Ja.«

Aus Mirdins Gesicht wich das Blut. »Soll das ein dummer Scherz sein ?« Als Rob nichts erwiderte, griff er nach dem Buch und stand auf. »Du Schurke! Sollte das wirklich wahr sein — falls du nicht verrückt bist -, setzt du nicht nur dein Leben aufs Spiel, sondern auch meines. Wenn du imfiqh nachliest, wirst du erfahren, daß du, indem du mir dies erzählt hast, mich zum Verbrecher und Mitschuldigen gemacht hast, wenn ich dich nicht anzeige.« Er spuckte aus. »Du Ausgeburt des Bösen, du hast meine Kinder in Gefahr gebracht, und ich verfluche den Tag, an dem wir einander kennengelernt haben!« Und Mirdin eilte davon. Tag um Tag verging, ohne daß die Männer des kelonter Rob holten. Mirdin hatte ihn nicht angezeigt.

Im Krankenhaus brachte Robs Heirat keine Schwierigkeiten. Die Neuigkeit, daß er eine Christin geehelicht hatte, hatte sich unter dem Stab des maristan verbreitet, aber er galt ohnedies als Sonderling - der Ausländer, der Jude, der vom Gefängnis zu einem calaat gekommen war -, und diese ungehörige Verbindung wurde hier als eine weitere Verirrung betrachtet. Ansonsten war der Umstand, daß jemand eine Frau nahm, in der mohammedanischen Gesellschaft, die jedem Mann vier Frauen zugestand, nichts Außergewöhnliches. Dennoch schmerzte ihn der Verlust Mirdins zutiefst. Zudem sah er in

diesen Tagen auch Karim nur selten: Der junge hakim war von den Adeligen des Hofes mit Beschlag belegt worden und ließ sich Tag und Nacht bei Empfängen feiern. Sein Name war seit dem chatir in aller Munde.

Somit war Rob mit seiner Frau so alleine wie sie mit ihm, und sie gewöhnten sich mühelos an ihr gemeinsames Leben. Sie war die Frau, die das Haus gebraucht hatte: Es war ein wärmerer, behaglicher Ort geworden.

Hingerissen verbrachte er jeden freien Augenblick mit ihr, und wenn sie getrennt waren, dachte er an ihr rosiges, feuchtes Fleisch, an die lange, zartgeschwungene Linie ihrer Nase und an ihre lebhaften, intelligenten Augen.

Sie ritten in die Hügel und liebten sich in dem warmen, schwefelhaltigen Wasser in Aläs geheimer Höhle. Er ließ das alte Buch mit den Bildern an einer Stelle liegen, wo sie es finden mußte, und als er die verschiedenen Stellungen ausprobierte, die dort abgebildet waren, merkte er, daß sie es studierte hatte. Manche dieser Praktiken waren angenehm, andere reizten sie eher zum Lachen. Sie lachten oft und ausgelassen auf ihrer Bettmatte und trieben seltsame, sinnliche Liebes-spiele.

Er blieb dabei immer der Wissenschaftler. »Was bringt dich bloß dazu, so feucht zu werden? Du bist wie ein Brunnen, der mich allmählich einsaugt.«

Sie stieß ihm den Ellbogen in die Rippen. Aber ihre eigene Neugierde war ihr nicht peinlich. »Er gefällt mir, wenn er so klein ist - schlaff und schwach und sich anfühlt wie Atlasseide. Was bringt ihn dazu, sich so zu verwandeln ? Ich hatte einmal eine Amme, die mir erzählte, er werde lang, schwer und kräftig, weil er sich mit Luft füllt.« Er schüttelte den Kopf. »Nicht mit Luft. Er füllt sich mit Pulsaderblut. Ich habe einen Gehängten gesehen, dessen steifer Schwanz so voller Blut war, daß er rot leuchtete wie ein Lachs.« »Dich habe ich aber nicht gehängt, Robert Jeremy Cole!« »Es hat mit den Gerüchen und dem Anblick des Partners zu tun. Einmal habe ich nach einer anstrengenden Reise ein Pferd geritten, das fast lahm war, so ermüdet war es. Aber der Wind trug dem Hengst den Geruch einer Stute zu, und noch bevor wir sie sahen, waren sein Geschlechtsorgan und seine Muskeln hart wie Stein, und er rannte so wild auf sie zu, daß ich ihn kaum zügeln konnte.«

1 ... 109 110 111 112 113 114 115 116 117 ... 162
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)