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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Er blinzelte überrascht, als sich auch ein halbes Dutzend dunkelhaarige, von grausamen Wunden entstellte Männer in den Wappenröcken darthacischer Bogenschützen aus Audars Tagen dem Aufmarsch anschlossen. Sie machten einen großen Bogen um Rossfluten, drängten sich allerdings dicht an Ingrey heran. Die anderen Wiedergänger schienen sich nicht an ihrer Anwesenheit zu stören. Nachdem der Tod sie nun schon seit vier Jahrhunderten gleich machte, hatten sie womöglich ihren eigenen Frieden geschlossen. Ingrey hatte gehört, Audar habe die eigenen Toten wieder fortgebracht, um sie nicht in diesem verfluchten Boden beerdigen zu müssen, abgeschlossen von den Menschen und den Göttern. Aber die Schlacht war gewaltig gewesen, und sie wurde größtenteils im Dunkel ausgefochten. Es war nicht weiter verwunderlich, dass man einige Leichen übersehen hatte.

Die Krieger folgten dem königlichen Banner wie ein Trauerzug; ein Fluss des Leidens, ein flüsterndes Flehen.

Mit der sinkenden Sonne hatten sich die scharfen Schlagschatten im Talgrund aufgelöst, doch der Himmel über ihnen war immer noch blass erhellt. Das Geäst der Eichen über ihren Köpfen war verwoben wie verfilzte, schwarze Spinnennetze. Rossfluten schien vage auf die Mitte des Waldes zuzuhalten, jedoch nicht in gerader Linie. Er wirkte wie einer, der nach etwas suchte — und ein leises Aaah verriet Ingrey, dass er es gefunden hatte.

Das Dach aus Baumwipfeln über ihnen wurde dünner und öffnete sich dann um einen lang gezogenen, niedrigen Hügel, auf dem keine Bäume wuchsen. Rossfluten machte davor halt und zog Fara von ihrem unruhigen Pferd. Er half ihr den Hang hinauf und ließ sie dann den Schaft der Standarte neben ihren Füßen in den Boden rammen.

Das frei gelassene Pferd entfernte sich ängstlich zwischen den Bäumen und vermied es dabei, irgendjemanden aus der wachsenden Schar der neugierigen Geister zu berühren. Mehr als neugierig, erkannte Ingrey — aufgeregt! Ihre Unruhe brachte auch sein Blut in Wallung. Immer mehr versammelten sich in dichten Haufen um sie herum, und Ingrey spürte allmählich in seinem Innersten, was für eine ungeheure Anzahl viertausend dahingeschlachtete Männer waren. Er versuchte, sie zu zählen — einzelne Reihen zu zählen und dann malzunehmen. Doch immer wieder verlor er den Anschluss und gab es schließlich auf.

Es half ohnehin nicht, seinen heftig angegriffenen Verstand wieder zu ordnen.

Rossfluten kniete oben auf dem Hügel nieder, schob eine dünne Decke aus kränklichem Bewuchs beiseite und fuhr mit den Fingern durch das dunkle Erdreich. »In dieser Grube wurde ich begraben«, ließ er Ingrey im Plauderton wissen. »Ich und viele andere. Auch wenn ich niemals im wörtlichen Sinne mein Blut Am Heiligen Baum vergossen habe. Darauf hat Audar sehr sorgfältig geachtet. Das ist ein Versäumnis, das heute nachgeholt werden soll.« Müde richtete er sich wieder auf. »Alles soll heute nachgeholt werden.« Er nickte in Richtung der Geister, die sich unruhig regten.

An den äußeren Rändern des Kreises wimmelten noch Neuankömmlinge umher. Die wenigen, die noch dazu in der Lage waren, reckten die Hälse. Es machte den Anschein, als sprächen die Toten miteinander, doch Ingrey hörte ihre Stimmen nur schwach und verschwommen, etwa so, wie man Menschen am Ufer rufen oder streiten hört, während man selbst unter Wasser ist. Ingrey berührte den schmutzigen Verband an der Rechten, der kaum mehr war als ein Lumpen, notdürftig um die Hand gewickelt, damit keine Stöße auf dem zarten Gewebe der frisch verheilten Wunde schmerzen konnten. Zumindest blutete es nicht wieder. Noch nicht.

Mit einiger Mühe brachte Ingrey ein Räuspern zustande. »Majestät, wozu sind wir hier?«

Rossfluten lächelte schwach. »Wir bringen es zu Ende, Ingrey. Falls du deine Aufgabe erfüllst, heißt das, und die Bannerträgerin die ihre. Dann bringen wir das alles zu einem Ende.«

»Wollt Ihr uns dann nicht erklären, was wir zu tun haben?«

»Ja«, seufzte Rossfluten. »Es ist an der Zeit.« Er blickte zum Himmel. »Ohne Sonne, Mond oder Sterne als Zeugen, in einer Stunde, die weder Tag ist noch Nacht. Was könnte es für einen würdigeren Augenblick geben? Lang waren die Vorbereitungen, lang und mühsam. Aber die Tat … ah. Die Tat ist einfach und rasch vollbracht.« Er zog das Messer aus dem Gürtel, dasselbe, mit dem er auch die Kehle von Ijadas Stute durchtrennt hatte. Ingrey spannte sich an. Ob königliches Charisma oder nicht: Wenn Rossfluten sich gegen Fara wendete, würde Ingrey versuchen müssen … Er wollte die Hand zum Schwertgriff führen, doch sie war mit einem Mal schwer geworden und wollte ihm nicht mehr gehorchen. Sein Herz schlug schneller vor Bestürzung über diese unerwartete Beschränkung.

Rossfluten allerdings drückte stattdessen den Messergriff in Faras schlaffe Finger; dann nahm er ihr die Standarte ab und drückte den Schaft noch tiefer in den Boden, sodass er von selbst aufrecht stehen blieb, wenn auch ein wenig geneigt. »Am besten macht man es im Knien«, sinnierte er. »Diese Frau ist schwach.«

Er wandte sich wieder Ingrey zu. »Fara«, er nickte in Richtung seiner Frau, die ihn aus weit aufgerissenen Augen anstarrte, »wird mir gleich die Kehle durchschneiden. Als meine Bannerträgerin wird sie, zumindest für einen Augenblick, meine Seele und mein Königtum hier festhalten. Solange ihr Griff hält — keinen Augenblick länger — hast du Zeit, mich von meinem Pferdegeist zu reinigen. Wenn du scheiterst, wirst du als Nächster, wenn auch nicht als Erster, erfahren können, was es heißt, mein Erbe zu sein. Was dann geschieht, kann nicht einmal ich voraussagen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es nichts Angenehmes sein wird. Und es wird ewig so weitergehen. Also scheitere nicht, mein königlicher Schamane!«

Ingreys Herzschlag pochte in seinen Ohren, und sein Magen verkrampfte sich. »Ich dachte, Ihr könntet nicht sterben. Ihr sagtet, der Zauber würde Euch an die materielle Welt binden.«

»Dann schreite diesen Kreis einmal ganz ab, Ingrey. Die Bäume und die Summe allen Lebens am Heiligen Baum sind an die Seelen meiner Krieger gebunden und sorgen dafür, dass sie in der materiellen Welt bestehen bleiben. Diese hier«, er wies mit einer ausladenden Geste auf die versammelten Geister, »bringen mein geheiligtes Königtum hervor, das sie an mich bindet. Mein Pferdegeist«, er legte die Hand auf die Brust, »meine Macht als Schamane, bindet die Bäume an die Männer.

Wenn ich mich recht entsinne, habe ich dir bereits gesagt, dass der Geheiligte König die Nabe des Zaubers war, der Unbesiegbarkeit verleihen sollte. Wenn diese Verbindung an einer Stelle durchtrennt wird, bricht auch der Kreis auseinander. Und dies ist die Verbindung, an der du ansetzen kannst.«

Und Ihr selbst könnt das nicht? Nein … das konnte er nicht. Rossfluten war in seinen eigenen Zauber eingebunden, wie ein Schlüssel im Innern der verschlossenen Truhe. »Darum also ging es die ganze Zeit? Ein besonders kunstvoller Selbstmord?«, stellte Ingrey entrüstet fest. Er versuchte erneut, sich in Bewegung zu setzen, seinen materiellen Körper unter seine Herrschaft zu zwingen, doch er brachte nur ein leichtes Zittern zustande.

»Ich nehme an, so könnte man es nennen.«

»Wie viele Menschen habt Ihr ermordet, um das in die Wege zu leiten?« So achtlos, wie Ihr mich auf Ijada angesetzt habt?

»Nicht so viele, wie du glaubst. Sie sterben ganz von selbst.« Rossfluten kräuselte die Lippen. »Und wenn ich jetzt sage, dass ich lieber sterben würde als all das noch einmal zu tun, kommt das der Wahrheit ebenso nahe, wie es sie vollkommen verfehlt.«

Ingreys Verstand tat einen Sprung. »Und das würde den Zauber lösen.«

»Ja. Eines hängt am anderen.«

»Und was geschieht dann mit diesen da?« Ingrey wies auf die herandrängenden Geister. »Werden sie auch zu den Göttern gehen?«

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