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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Rossfluten schnaubte, und Ingrey fuhr knurrend herum. Wenzels gegenwärtiges Gesicht blickte in einer Mischung aus Erstaunen und Abscheu zu Ijada. »Du tauchst aber auch immer da auf, wo man dich nicht haben will, nicht wahr, Mädchen?«, sagte er in die leere Luft, oder vielleicht auch zu Ingrey. Ijada jedenfalls konnte ihn anscheinend nicht hören. »Immer ahnungslos, aber hält dich das auf? Dann koste nun vom Verrat der Götter. Ich speise schon seit Jahrhunderten davon.«

Er wandte sich ab und schaute über die versammelten Geister hinweg. »Es sind alle da«, hauchte er. Seine entsetzlichen Augen wirkten nun abwesend, entrückt, von einer unerbittlichen Ruhe erfüllt. »Aber nicht mehr lange, das verspreche ich Euch, meine teuren Krieger.«

Die Blicke, die die Widergänger ihm zuwarfen, waren alles andere als liebevoll, befand Ingrey, sondern bestürzt und enttäuscht. Sie wirkten schwach durchscheinend, als würden sie sich bereits auflösen. Der Geist eines frisch Verstorbenen, der nicht sogleich durch die von seinem Tod aufgestoßenen Tore bei den Göttern einging, mochte durch die göttliche Gegenwart bei den Wundern der Bestattungszeremonie vor der Verdammnis bewahrt werden, wie es Boleso zuteil geworden war. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Doch irgendwann war eine Seele unwiderruflich verloren, und durch ihre Verweigerung gegenüber den Göttern verdammte sie sich selbst zum Dahinschwinden. Die Spanne des unsicheren Verharrens war für diese Geister hier verlängert worden, nicht nur für Tage oder Wochen, sondern für Jahrhunderte. Da ihre Verbindung zum Wehen Wald nun gelöst worden war, würden sie nicht mehr lange bestehen können. Wie viel länger noch? Stunden? Minuten?

Ijada erhob sich, um zu Fara zu gehen, dann aber keuchte sie auf und sank zurück auf die Knie. Sie griff sich mit der Hand an die rechte Brust, dann an die Stirn. Überrascht bewegte sie die Lippen, presste sie dann schmerzerfüllt zusammen. Ingrey winselte lauter.

Die Masse der Geister machte erneut eine Gasse frei, und ein kräftiger Krieger trat nach vorn. Er trug einen breiten, goldbesetzten Gürtel und ein Banner mit Eisenspitze. Die aufgerollte Fahne daran zeigte die Farben Grün, Weiß und Blau. Der Geist hatte seinen Kopf am goldenen Gürtel hängen, befestigt mit den eigenen, grau-blonden Zöpfen. Unruhig wanderte der Blick des ergrauten Hauptes zu Rossfluten empor, der in überraschtem Wiedererkennen auffuhr und die Hand hob, um einen Gruß zu erwidern, der gar nicht gegeben worden war. Die Geste erstarb, als Rossfluten sich einen Augenblick zu spät dieses Umstandes bewusst wurde. Der Krieger kniete neben Ijada nieder und beugte sich besorgt über sie.

Ingrey sprang unruhig um die beiden herum und senkte das Wolfshaupt bis auf Augenhöhe mit dem Krieger. Dieser blickte in einer stummen Frage zu ihm hin. Ijada bog das Rückgrat durch, und ihr Griff um Ingreys blutige Hand erschlaffte, bis die Finger ihr entglitten und die Hand zu Boden sank. »Oh«, hauchte sie. Ihre Augen waren dunkel und weit aufgerissen. Sie wurde noch bleicher, beinahe grün im Gesicht. Als Ingrey, der Wolf, wiederum ihr Gesicht leckte, reagierte sie nicht.

Ingrey wich zurück und schaute auf. Dann erhob er sich auf die Hinterbeine und stützte sich mit einer Vorderpfote auf die Schulter des Kriegers, um das Gleichgewicht zu halten. Der Mann spannte sich an, um ihn stützen zu können. Dort oben auf der weidenblattförmigen Speerspitze war etwas aufgespießt. Ein Herz … nein, ein halbes Herz, dessen Pochen schwächer wurde.

Er verbeugte sich tief, erinnerte Ingrey sich an Ijadas Worte, und legte mein Herz auf einen Steinblock. Dann durchtrennte er es mit der verbliebenen Klinge seines geborstenen Schwertes … Die andere Hälfte steckte er auf seine Standarte. Ich habe nicht verstanden, ob es eine Bitte war, ein Opfer oder ein Pfand …

Alles drei zugleich, dachte Ingrey, alles drei.

Er wusste nicht, was seine Handlungen an diesem unheimlichen Ort genau bedeuteten. Doch auch ohne Stimme war er nicht gänzlich ohne Macht. Ich habe Rossflutens Pferd niedergerungen, und nun ist es fort. Vielleicht kann ich noch mehr tun. Rossfluten ging offenbar davon aus, dass Ingrey verbraucht und seine Aufgabe vollbracht war. Möglicherweise wollte er Ingrey in dieser Trennung von Körper und Geist zurückzulassen, ihn sterben lassen, wenn die Geister und all ihre Magie dahingeschwunden waren. Und so weit es Ingrey selbst betraf, als einsamen Wolf, lag Rossfluten vermutlich gar nicht mal verkehrt. Aber ich bin hier nicht allein, nicht wahr? Diesmal nicht. Sie hat es gesagt, also muss es so sein. Wahrsagerin. Wann habe ich gelernt, die Wahrheit so sehr zu schätzen?

»Soll ich nun an gebrochenem Herzen sterben?«, murmelte Ijada, während sie auf Ingreys Brust niedersank. »Ich dachte stets, das wäre nur eine Redewendung. Wir sterben also gemeinsam? Nein! Mein Herr des Herbstes, in dieser Deiner Jahreszeit, steh uns bei …!«

Hier gibt es keine Götter.

Aber Ingrey war hier. Versuch etwas anderes. Versuch irgendetwas! Vielleicht verfügte auch dieser Hauptmann der Untoten über irgendeine Macht. Immerhin trug er ein Banner, im Alten Weald das heilige Symbol für die Rettung über den Tod und das Ende aller anderen Hoffnungen hinaus. Ingrey winselte und umkreiste den Mann. Er kratzte mit der Pfote an dessen Stiefel, kauerte sich zusammen und stieß immer wieder mit der Schnauze gegen die Schwertscheide, die gegenüber vom Kopf am Gürtel hing. Würde der Geist seine Bitte verstehen?

Der Mann drehte die Hüften, um ihn anschauen zu können. Seine sandfarbenen Brauen hoben sich vor Erstaunen. Er stand auf und zog das zerbrochene Schwert aus der Scheide. Ja! Ingrey stieß ein weiteres Mal die Hand des Geistes an und wandte den Kopf, um nach der eigenen Flanke zu schnappen.

Der Mann konnte nicht nicken, deutete jedoch eine Verbeugung an. Dann kniete er nieder, und Ingrey legte sich vor ihm auf den Boden. Seine Pfoten schlugen in lächerlicher Weise durch die Luft, und sein Bauch lag schutzlos nach oben. Wenn ich sie damit retten kann … Der scharfe Splitter, der noch von der Klinge stehen geblieben war, fuhr ihm in einem langen Schnitt durch die Brust.

Ijada hat nie davon gesprochen, dass es wehgetan hat! Ingrey unterdrückte ein Jaulen und zwang sich, still zu halten. Die geisterhafte Hand griff in die klaffende Wunde in der Wolfsbrust und kam rot tropfend wieder zum Vorschein. Dann schnitt die Schneide des Klingenstumpfs über ein glitschiges Ding auf der Handfläche des Kriegers, und schließlich schleuderte der Krieger etwas nach oben. Dann fuhr die blutige Faust wieder herab, und Ingreys Wolfsleib konnte wieder atmen, als die Hand leer zum Vorschein kam und der Schnitt sich zu einer langen roten Linie schloss. Ingrey kämpfte sich auf die Pfoten.

Hoch auf der Speerspitze schlug nun ein vollständiges Herz und begann gleichmäßig zu schlagen.

Ijada holte tief Luft und setzte sich auf. Blinzelnd schaute sie sich um. Ihr Blick kreuzte sich mit dem von Ingrey, dem Wolf, und sie riss erstaunt die Augen auf, als sie ihn erkannte. »Hier bist du also!« Ihr Kopf fuhr hin und her, als sie über die Menge der aufgeregten Geister blickte, die sich um diesen merkwürdigen Eingriff herum versammelt hatten. »Hier seid ihr alle. Ihr!« Taumelnd erhob sie sich und machte einen Knicks vor dem Bannerträger. »Nach Euch habe ich gesucht, mein Marschall, aber ich konnte Euch nicht sehen.«

Der Geist erwiderte die Verbeugung in tiefster Ehrerbietung. Ijada schob die Finger in das dichte Fell an Ingreys Nacken, hielt ihn fest und streichelte ihn. Er drängte sich den Liebkosungen entgegen. Sie blickte zu ihm hinab — nicht sehr tief, denn sein großer Kopf verweilte beinahe auf Höhe ihrer Brust. »Warum hast du dich so entzweigeteilt? Was geht hier vor?« Ihr Blick wanderte über die Lichtung, bis sie den vielgesichtigen Rossfluten entdeckte. »Oh.« Sie zuckte zusammen, straffte sich dann aber wieder. »So seht Ihr also unverhüllt aus. Was macht Ihr hier auf meinem Land?«

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