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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Rossfluten war inzwischen ruhig geworden und hatte eine Haltung größter Gleichgültigkeit eingenommen. Doch die letzte Bemerkung ließ ihn zornig auffahren. »Euer Land? Das ist der Ort Am heiligen Baum!«

»Ich weiß«, versetzte Ijada kühl. »Und es ist mein Erbe. Denn Ihr seid fertig damit, nicht wahr?«

Rossflutens Gestalt erstarrte, und sein zu einem spöttischen Ausdruck verzogener Mund flüsterte: »Das ist wahr, wir gehen. Leider werdet Ihr feststellen, dass Ihr Euer Erbe … nur sehr kurz genießen werdet.« Der Mund grinste boshaft, und Ingrey konnte ein Knurren nicht unterdrücken. Ijadas Hand krallte sich fester in sein Fell.

»Und was ist mit ihnen?« Ijada schaute zu dem Marschall mit dem goldenen Gürtel hinüber und wies dann auf die versammelten Geister.

»Ich bin ihr letzter, wahrer Geheiligter König. Sie müssen mir folgen.«

»In die Verdammnis?«, stellte sie ihn entrüstet zur Rede. »Sollen sie ein zweites Mal für Euch sterben? Was für ein König seid Ihr eigentlich?«

»Ich schulde Euch gar nichts. Nicht einmal eine Erklärung.«

»Ihnen schuldet Ihr alles!«

Er konnte sich nicht von ihr abwenden, solange seine Gesichter rings um den Schädel durcheinander jagten, aber zumindest drehte er die Schultern von ihr fort. »Es ist vorbei. Es ist schon lange vorbei.«

»Ist es nicht

Er fuhr wieder herum und stieß wütend hervor: »Sie werden mir in die Dunkelheit folgen, und den Göttern, die sich mir verweigert haben, werden auch wir uns verweigern. Verdammnis und Rache. Sie haben mich zu dem gemacht, der ich bin — und Ihr könnt es nicht ungeschehen machen.«

»Ich nicht …« Sie zögerte und wies dann auf das Banner, an dem der Marschall sich festhielt und zuhörte. Dann hob sie den Kopf und zeigte auf den Hügel, wo Wenzels Körper zusammengesunken lag und Fara schweigend und mit großen Augen daneben kniete. »Ihr seid gestorben, würde ich sagen. Der Tod beendet die Königswürde, wie auch alles andere zurückbleibt, was man in der materiellen Welt angesammelt hat. Wir alle gehen nackt und gleich zu den Göttern, wie bei jeder anderen Geburt, nur mit unseren Seelen und dem, was wir daraus gemacht haben. Und dann kürt die Versammlung der Sippen den neuen König.« Herausfordernd blickte sie die Geister an. »Oder nicht?«

Ein sonderbares Rascheln lief durch die Reihen der Wiedergänger. Der Marschall verfolgte die Szene mit einem eigentümlichen Gesichtsausdruck, einer Mischung aus Kummer und ruchloser Freude. Ingrey wurde sich bewusst, dass dieser Mann Rossflutens erster königlicher Bannerträger gewesen sein musste, der an der Seite seines Herrn auf dem Blutfeld gefallen war. Ohne Zweifel lag sein Körper unter demselben Hügel begraben, denn Rossfluten hatte berichtet, dass man sein Banner zerbrochen und hinter ihm in die Grube geworfen hatte. Und dieser Krieger hätte es niemals aufgegeben, solange noch Leben in ihm war. Der königliche Bannerträger hätte das geheiligte Königtum in Gewahrsam nehmen sollen, um es zur nächsten Versammlung zu bringen und an den nächsten König zu übergeben — aber der große, unterbrochene Zauber hatte das Königtum stattdessen bis in diese ferne, unfreundliche Zukunft getragen.

»Ihr seid gestorben«, beharrte Ijada. »Dies hier ist eine Versammlung der Sippen des Alten Weald, die letzte, die es jemals geben wird. Sie können einen anderen König küren, einen, der sie nicht über den Tod hinaus verraten wird.«

Rossfluten schnaubte. »Es gibt keinen anderen.«

Das Rascheln wurde lauter und lief wie ein Feuer ringsum durch die Menge, bis es wieder am Ausgangspunkt anlangte. Der Marschall richtete sich auf und grüßte dann Ijada mit dieser eigenartig verschlungenen heiligen Geste. Ein Lächeln legte sich auf seine geisterhaften Lippen. Er ließ das Banner fallen. Ijada fing es auf und hielt es fest.

Augenblick, dachte Ingrey. Wir Lebenden können diese geisterhaften Erscheinung nicht berühren. Sie fließen wie Wasser durch unsere Finger …

Ijada packte die Standarte mit beiden Händen und schüttelte sie mit einem heftigen Ruck. Über ihrem Kopf entfaltete sich das Banner und breitete sich in der windstillen Luft aus. Ein Wolfskopf fletschte darauf die Zähne, das Zeichen der Wolfengrunds in Schwarz auf Rot.

Ingrey blinzelte aus seinen menschlichen Augen zu dem Banner empor und kam benommen auf die Füße. Er war wieder zurück in seinem Körper, und es fühlte sich verblüffend an. Er atmete ein. Sein Wolf war fort … Nein! Er berührte seine Brust. Er ist hier drin. Heulte freudig durch seine Adern. Und da war noch etwas anderes … Eine Verbindung verlief zwischen ihm und Rossfluten: Jener Kanal zwischen Ingrey und Ijada, den Rossfluten geschaffen, gebrochen und dann wieder an sein Königtum gebunden hatte. Nun schien eine Anspannung durch diesen Kanal zu laufen, wurde vor- und zurückgeschleudert und nahm mit jedem Mal an Kraft zu. Der Zug zwischen ihnen war gewaltig, erschöpfend.

Rossfluten griff nach unten und zerrte Fara auf die Füße. Dann schloss er ihre Finger fester um den Schaft seiner Standarte. »Halt fest!« Sie starrte ihn verängstigt an und umklammerte das Banner, als hinge ihr Leben davon ab. Auf diesem Fundament, diesem Hügel aus Tod und Leid, entfaltete das alte Königtum eine ungeheure Kraft.

Ingrey befeuchtete sich die Lippen und räusperte sich. Er tastete nach seiner Zauberstimme: »Was hast du zu sagen, Fora?«

Er konnte spüren, wie Rossflutens Schweigebann von ihrem Gesicht fortsprang und davonwirbelte wie eine losgelassene Metallfeder. Fara holte tief Luft.

Rossfluten wandte sich ihr zu, und zum ersten Mal kam Wenzels Gesicht gänzlich an die Oberfläche. Er streckte eine Hand nach ihr aus. »Fara …?« Seine jugendliche Stimme zitterte. »Meine Gemahlin …?«

Fara zuckte zusammen, wie von einem Armbrustbolzen getroffen. Schmerzerfüllt schloss sie die Augen. Öffnete sie wieder. Blickte Ijada an, dann Ingrey. Schließlich den gespenstischen Wiedergänger vor ihr. »Ich habe versucht, dir eine Gemahlin zu sein«, flüsterte sie. »Aber du hast niemals versucht, mir ein Gemahl zu sein.«

Und sie senkte die Spitze der Standarte zu Boden, sodass das graue Tuch sich wie eine Lache ausbreitete. Dann setzte sie den Fuß auf das morsche Holz und brach es entzwei.

Kapitel Vierundzwanzig

Rossfluten trat einen Schritt zurück. Die Hälfte seiner Gesichter war wutverzerrt, andere zeigten spöttischen Verzicht, Abscheu und Ekel vor sich selbst, und auf einer einzelnen, traurigen Miene war eine zeitlose und würdevolle Standhaftigkeit zu lesen. Er ließ die Arme an den Seiten herabhängen, und der Strom zwischen ihm und Ingrey verebbte wie Funken, die im Dunkeln erloschen. Unaussprechliche Qual stand in seinen Augen, die auf Ingrey gerichtet waren, und das meiste davon schmolz zu bitterem Mitleid.

Ingrey musste sich an Ijadas Bannerschaft klammern, um nicht zu Boden zu gehen. Die ungeheure, brausende Last von Rossflutens Königtum war genau genommen nicht verschwunden, doch sie schien sich zu zerstreuen, als stürze sie von allen Seiten zugleich auf ihn ein und nicht nur aus einer Richtung. Und dann kam ein Augenblick der Stille, ein leichtes Zögern, und der auf ihn einbrandende Strom des Königtums schien sich umzukehren und nach außen zu drängen. Und damit einher ging eine unklare Furcht wie keine andere, die er in diesen langen Stunden voll grimmen Schreckens erlebt hatte.

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