Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Das tat ich, und ich wusste, warum er sie mir gezeigt hatte – damit ich keine Angst vor ihrer Rückkehr, ihrer Rache hatte. Aber es war mir nicht in den Sinn gekommen, sie zu zählen. Oder mir ihre Gesichter genauer anzusehen. Und selbst wenn ich sicher gewesen wäre, wie viele es waren … Erneut überlief mich ein Schauer, und Brianna legte mir ein warmes Handtuch um die Schultern und murmelte mir etwas zu, das ich im Radau der Fragen in meinem Kopf nicht hörte.
War Donner unter den Toten? Oder hatte er auf mich gehört, als ich ihm sagte, dass es klug sein würde zu fliehen. Er war mir nicht besonders klug vorgekommen.
Allerdings war er mir wie ein Feigling vorgekommen.
Warmes Wasser spülte an meinen Ohren vorbei und übertönte Jamies und Briannas Stimmen über mir; ich schnappte nur hier und dort ein Wort auf, doch als ich mich wieder aufsetzte, ein Handtuch um meinen Kopf gewickelt, während mir das Wasser über den Hals tropfte, hatte sich Brianna zögernd in Richtung ihres Umhangs in Bewegung gesetzt, der an einem Haken neben der Tür hing.
»Bist du sicher, dass du zurechtkommst, Mama?« Das besorgte Stirnrunzeln war wieder da, doch diesmal brachte ich ein paar beruhigende Worte zuwege.
»Danke, Schatz; das war wundervoll«, sagte ich völlig aufrichtig. »Alles, was ich jetzt will, ist schlafen«, fügte ich schon weniger überzeugend hinzu.
Ich war zwar furchtbar müde, doch jetzt war ich hellwach. Was ich wirklich wollte, war … nun, ich wusste nicht genau, was ich wollte, aber trostbeflissene Gesellschaft gehörte nicht dazu. Außerdem hatte ich vorhin einen kurzen Blick auf Roger geworfen, der blutbefleckt und kreidebleich vor Erschöpfung schwankte; ich war nicht das einzige Opfer dieses unangenehmen Zwischenfalls.
»Geh nach Hause, Kleine«, sagte Jamie leise. Er nahm den Umhang vom Haken, schwang ihn um ihre Schultern und tätschelte sie sanft. »Sieh zu, dass dein Mann etwas zu essen bekommt. Bring ihn ins Bett, und sprich ein Gebet für ihn. Ich kümmere mich um deine Mutter, aye?«
Briannas Blick pendelte zwischen uns hin und her, blau und sorgenvoll, doch ich setzte eine Miene auf, von der ich hoffte, dass sie beruhigend war – ein schmerzhaftes Unterfangen –, und nach kurzem Zögern nahm sie mich fest in den Arm, küsste mich ganz sanft auf die Stirn und ging.
Jamie schloss die Tür und stellte sich davor, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Ich war an die ungerührte Fassade gewöhnt, die er normalerweise aufsetzte, um seine Gedanken abzuschirmen, wenn er bestürzt oder wütend war; jetzt fehlte sie, und sein Gesichtsausdruck bestürzte mich.
»Du brauchst dir meinetwegen keine Sorgen zu machen«, sagte ich, so beruhigend ich konnte. »Ich bin nicht traumatisiert oder dergleichen.«
»Das brauche ich nicht?«, fragte er vorsichtig. »Nun … vielleicht würde ich das ja auch nicht, wenn ich wüsste, was du damit meinst.«
»Oh.« Ich tupfte behutsam mein feuchtes Gesicht ab und drückte das Handtuch gegen meinen Hals. »Nun ja. Es bedeutet … sehr schwer verletzt – oder furchtbar erschüttert. Es ist Griechisch, glaube ich – den Wortstamm, meine ich, ›trauma‹.«
»Oh, aye? Und du bist nicht … erschüttert. Was du nicht sagst.«
Er kniff die Augen zusammen und betrachtete mich mit jener Art von kritischer Aufmerksamkeit, die er sonst an den Tag legte, wenn er über den Kauf eines wertvollen Zuchttiers nachdachte.
»Mir geht es gut«, sagte ich und wich ein wenig zurück. »Nur – mir fehlt nichts. Ich bin nur etwas … verstört.«
Er trat einen Schritt auf mich zu, und ich wich abrupt zurück, während mir etwas verspätet zu Bewusstsein kam, dass ich das Handtuch an meine Brust geklammert hielt wie einen Schutzschild. Ich zwang mich, es etwas sinken zu lassen, und spürte, wie das Blut in meinem Gesicht und an meinem Hals unangenehm prickelte.
Er stand völlig reglos da und betrachtete mich nach wie vor mit zusammengekniffenen Augen. Dann richtete sich sein Blick auf den Fußboden. Er stand da wie in Gedanken versunken, und dann dehnte er seine kräftigen Hände. Einmal, zweimal. Ganz langsam. Und ich hörte – in aller Deutlichkeit – das Geräusch, mit dem sich Arvin Hodgepiles Wirbel voneinander trennten.
Jamie riss erschrocken den Kopf hoch, und ich begriff, dass ich hinter dem Stuhl stand, der mich jetzt von Jamie trennte, und das erneut hochgezogene zusammengeballte Handtuch vor meinen Mund gepresst hatte. Meine Ellbogen bewegten sich wie rostige Scharniere, steif und langsam, doch es gelang mir, das Handtuch wieder sinken zu lassen. Meine Lippen waren fast genauso steif, doch ich sprach.
»Ich bin ein wenig verstört, ja«, sagte ich sehr deutlich. »Das wird schon wieder. Mach dir keine Sorgen. Ich will nicht, dass du dir Sorgen machst.«
Die sorgenvolle Gründlichkeit in seinem Blick geriet plötzlich ins Schlingern wie das Glas einer von einem Stein getroffenen Fensterscheibe in dem Bruchteil einer Sekunde vor dem Zerspringen, und er schloss die Augen. Er schluckte und öffnete sie wieder.
»Claire«, sagte er ganz leise, und die Splitter und Bruchstücke waren deutlich in seinen Augen zu sehen, scharf und kantig. »Ich bin vergewaltigt worden. Und du sagst, ich soll mir keine Sorgen um dich machen?«
»Oh, gottverdammt!« Ich schleuderte das Handtuch zu Boden und wünschte mir sofort, ich hätte es zurück. In meinem Hemd hatte ich das Gefühl, nackt dazustehen, und ich verabscheute die plötzliche Leidenschaft, die meine Haut erschauern ließ, so sehr, dass ich mir zu gern auf den Oberschenkel geschlagen hätte, um sie abzustellen.
»Verdammt, verdammt! Ich will nicht, dass du wieder daran denken musst. Ich will es nicht!« Und doch hatte ich von Anfang an gewusst, dass es so geschehen würde.
Ich packte mit beiden Händen die Stuhllehne, hielt sie fest und versuchte, ihn mit meinem Blick zu beschwören, denn ich hätte mich so gern über diese glitzernden Scherben geworfen, ihn davor beschützt.
»Hör mir zu«, sagte ich, um eine feste Stimme bemüht. »Ich will nicht – ich will dich nicht dazu bringen, dass du an Dinge denkst, die besser vergessen bleiben.«
Bei diesen Worten zuckte doch tatsächlich sein Mundwinkel.
»Gott«, sagte er und klang beinahe verwundert. »Du glaubst, ich hätte irgendetwas davon vergessen?«
»Vielleicht nicht«, sagte ich und gab auf. Ich sah ihn an, und mein Blick verschwamm. »Aber – oh, Jamie, ich habe mir so gewünscht, du würdest es vergessen!«
Er streckte ganz vorsichtig die Hand nach der Stuhllehne aus und berührte meine Zeigefingerspitze mit der seinen.
»Denk nicht darüber nach«, sagte er leise und zog den Finger zurück. »Es spielt jetzt keine Rolle. Möchtest du schlafen, Sassenach? Oder etwas essen?«
»Nein. Ich möchte nicht … nein.« Eigentlich konnte ich mich nicht entscheiden, was ich wollte. Ich wollte überhaupt nichts tun. Außer meine Haut aufzureißen, hinauszusteigen und davonzulaufen – und das schien mir nicht machbar zu sein. Ich holte ein paar Mal tief Luft in der Hoffnung, mich zu beruhigen und wieder zu diesem netten Zustand völliger Erschöpfung zurückzufinden.
Sollte ich ihn nach Donner fragen? Doch was gab es da zu fragen? »Habt ihr zufällig einen Mann mit langen Locken umgebracht?« Ein Stück weit sahen sie doch alle so aus. Donner war Indianer gewesen – war es möglicherweise immer noch –, doch das würde in der Dunkelheit und in der Hitze des Gefechts niemandem aufgefallen sein.
»Wie – wie geht es Roger?«, fragte ich, weil mir nichts Besseres einfiel. »Und Ian? Fergus?«
Er sah ein wenig erschrocken aus, als hätte er ihre Existenz vergessen.
»Sie? Oh, den Jungs geht es gut. Es ist niemand im Kampf verletzt worden. Wir haben Glück gehabt.«
Er zögerte, dann trat er vorsichtig einen Schritt auf mich zu und beobachtete dabei mein Gesicht. Ich schrie nicht, noch flüchtete ich, und er kam noch einen Schritt näher, bis er so dicht bei mir stand, dass ich die Wärme seines Körpers spüren konnte. Diesmal erschrak ich nicht, und da mir in meinem feuchten Hemd kalt war, entspannte ich mich ein wenig, lehnte mich ihm entgegen und sah, wie sich als Reaktion auch seine Schultern etwas entspannten.