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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Miller’s Court, Spitalfields, 10. November 1888 Um drei Uhr morgens wartete ich, immer noch vollständig angekleidet, dass Edward ins Pfarrhaus zurückkehrte. Ich hatte es bereits vor Stunden aufgegeben, seine Abwesenheit vor mir selbst zu rechtfertigen. Seine Verpflichtungen zwangen ihn zwar häufig, lang auszubleiben, aber nie so lang. Ich überlegte gerade, ob ich zu Dr. Phelps gehen und um Hilfe bitten sollte, als ein aufgeregtes Klopfen an der Tür zu hören war.

Es war ein junger Dienstmann vom Markt namens Macklin, der gelegentlich in St. Juda zum Gottesdienst kam. Er war völlig außer sich.»Meine Frau«, keuchte er.

«Es ist so weit, und die Hebamme ist sturzbesoffen.

Können Sie kommen?« Ich sagte ja.»Lassen Sie mich nur ein paar Sachen holen. «Ich war außer mir vor Sorge und hätte ihn am liebsten weggeschickt, doch war es für die Macklins das erste Kind, und so konnte ich ihm seine Bitte um Hilfe nicht abschlagen.

Wir eilten in Richtung Spitalfields davon; das Ehepaar hatte vor kurzem ein Zimmer in einem Elendsquartier gegenüber von Miller’s Court gemietet. Die Gegend kannte ich ungefähr. Dort waren Edward und ich einmal in eine Unterkunft zu einem Sterbenden gerufen worden.

Damals war ich zum ersten Mal in einer dieser Absteigen gewesen. Ein riesiger Bau mit über dreihundert Betten, von denen jedes für die Nacht vermietet war.

Miller’s Court lag dieser Unterkunft direkt gegenüber.

Als wir den Hof betraten, kam ein etwa zwölfjähriges Mädchen aus der Tür, wo sie gekauert hatte, und zupfte an meinem Rockzipfel.

«Vier Pence für ’nen Platz zum Pennen, Lady?« «Raus hier«, schrie Macklin.»Weg mit dir!« «Einen Moment«, unterbrach ich ihn. Ich fragte das Mädchen, ob sie denn kein Zuhause hätte.

«Mam hat mich weggeschickt«, antwortete das Mädchen verdrießlich.»Ich soll mich nicht blicken lassen, bis es hell wird.« Ich verstand; hier schickten die Frauen ihre Kinder oft auf die Straße, wenn sie ihr Zimmer für unzüchtige Zwecke vermieten wollten.»Ich habe kein Geld«, sagte ich zu dem Mädchen,»du kannst aber mit hereinkommen.« «Aber nicht in mein Zimmer!«, rief Macklin.

«Sie kann vielleicht mit anpacken, Mr. Macklin«, sagte ich bestimmt.

Mürrisch gab er nach. Das Mädchen, Rose Howe mit Namen, folgte uns hinein. Ich fing sofort an zu niesen, denn die Luft war voll mit winzigen Tierfellpartikeln.

Jemand im Gebäude rupfte Hunde-, Kaninchen- oder sogar Rattenfelle, um sie dann an einen Kürschner zu verkaufen. Es herrschten auch noch andere Gerüche; im Gebäude war mindestens ein Fisch, der nicht erst gestern gefangen worden war. Ich konnte Kleister riechen, höchstwahrscheinlich von trocknenden Streichholzschachteln. Es war alles ziemlich

überwältigend.

Macklin führte uns eine Treppe hinauf, von der das Geländer entfernt worden war — zweifellos als Feuerholz.

Tapeten, von Ungeziefer wimmelnd, hingen in Fetzen über unseren Köpfen. Macklin öffnete die Tür zu einem Zimmerchen, in dem seine Frau in den Wehen lag.

Mrs. Macklin, selbst noch ein Kind, war nur ein paar Jahre älter als Rose Howe. Sie lag auf einer zweifellos ebenfalls von Flöhen wimmelnden Strohmatratze auf einem kaputten Bettgestell. Ein paar Kisten standen an eine Wand gestapelt; das übrige Mobiliar bestand aus einem quer über zwei Stapel Ziegelsteine gelegten Holzbrett. Ich schickte Macklin nach einem Eimer Wasser aus der Leitung im Hof und ließ Rose Howe dann ein paar Lappen auswaschen, die ich in einer Ecke fand.

Es waren lange Wehen. Rose rollte sich auf dem Fußboden zusammen und schlief ein. Macklin ging ein paar Biere kippen.

Es war bereits Tag geworden, als das Baby schließlich kam. Macklin war wieder da und wurde mit jedem Schmerzensschrei seiner jungen Frau nüchterner. Weil es schon hell war, hätte Rose Howe eigentlich in ihr eigenes Zimmer zurückkehren können, blieb aber da, um zu helfen. Standhaft ließ sie Mrs.

Macklin beim letzten Pressen ihr dünnes Handgelenk packen. Das Baby war viel zu klein, aber als ich der Kleinen Mündchen und Nase säuberte, stieß sie einen kräftigen Schrei aus, der unmissverständlich ihre Ankunft auf der Welt verkündete.

Ich sah, wie ein Lächeln die Gesichter der beiden jungen Mädchen erhellte, während Rose die Kleine wusch und sie ihrer Mutter in den Arm legte. Dann hielt Rose die Nabelschnur, die ich an zwei Stellen mit Faden abband und mit meiner Nähschere durchschnitt.

Macklin war ganz der liebende Gatte.»Mach dir nix draus, Schatz«, sagte er zu seiner Frau.»Das nächste wird

’n Junge.« Ich sagte zu Rose Howe, den Rest würde jetzt ich sauber machen und sie solle nach Hause gehen. Dann sagte ich zu Macklin, er solle seine Tochter in St. Juda taufen lassen.

Als ich endlich fertig war und gehen konnte, stand die Morgensonne bereits hoch am Himmel.

Zu meiner Verwunderung war der kleine Innenhof voller Leute, darunter ein Polizeiwachtmeister. Ich versuchte, mich bis zur Straße durchzukämpfen, aber keiner wollte mir Platz machen. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass sie mich bemerkten. Jeder versuchte, durch das zerbrochene Fenster in ein Zimmer im Erdgeschoss zu spähen.

«Wachtmeister?«, rief ich dem Mann zu.»Was ist denn hier passiert?« Er erkannte mich, stellte sich vor das Fenster, damit ich nichts sehen konnte, und sagte:»Schauen Sie da lieber nicht rein, Mrs. Wickham.« Eine Faust aus Eis schloss sich um mein Herz. Obwohl der Gesichtsausdruck des Wachtmeisters es mir bereits verriet, musste ich fragen. Ich schluckte.»Der Ripper?« Er nickte bedächtig.»Scheint so, Madam. Ich habe Inspector Abberline schon verständigt — he, Sie da, zurückbleiben!«Dann wandte er sich wieder mir zu:»Er hat bisher noch nie drinnen gemordet. Das ist was Neues bei ihm.« Ich hatte Mühe, Luft zu bekommen.»Das heißt … dass er sich diesmal nicht beeilen musste. Das heißt, er konnte sich so lange Zeit lassen, wie er wollte.« Der Wachtmeister verzog gequält das Gesicht.»So ist es. Er hat sich Zeit gelassen.« Du lieber Gott. »Wer ist es, wissen Sie das schon?« «Der Mieteintreiber hat sie gefunden. He, Thomas, wie heißt sie noch gleich?« Ein verängstigtes Männchen meldete sich.»Mary …

Mary Kelly. Drei Monate mit der Miete im Rückstand war sie. Ich dachte, die versteckt sich vor mir.« Der Wachtmeister sah ihn finster an.»Und da haben Sie das Fenster zertrümmert, um reinzukommen?« «Also hören Sie, das Fenster is schon seit sechs Wochen hin! Ich hab den Lumpen rausgezogen, wo sie in das Loch gesteckt hat, damit ich reingreifen konnte und den Vorhang wegziehen — so wie Sie grade, Chef, wie Sie reingucken wollten!«Der Mieteintreiber wollte noch mehr sagen, doch seine Worte wurden vom wachsenden Lärm der Menge erstickt, die inzwischen so angeschwollen war, dass sie sich von Miller’s Court bis in einen Durchgang zur Straße ergoss. Ein paar Frauen schluchzten, eine war einem Schreikrampf nahe.

Inspector Abberline kam mit zweien seiner Leute an, alle drei grimmigen Blickes. Der Inspector versuchte es erst an der Tür und stellte dann fest, dass sie verschlossen war.

«Brechen Sie das Fenster vollends heraus«, befahl er.

«Alle anderen, zurückbleiben. Mrs.

Wickham, was machen Sie denn hier? Das Fenster rausbrechen, sag ich!« Einer seiner Leute brach den Rest der Scheibe heraus und kletterte über das Fensterbrett. Wir hörten einen kurzen, gedämpften Aufschrei, dann wurde die Tür von innen geöffnet. Inspector Abberline und sein anderer Mann schoben sich in den Raum … worauf letzterer unter heftigem Würgen gleich wieder herausrannte. Der Wachtmeister eilte ihm zu Hilfe, und ohne weiter nachzudenken, trat ich ins Zimmer.

Was von Mary Kelly noch übrig war, lag auf einem Klappbett neben einem kleinen Tisch. Ihre Kehle war so brutal durchgeschnitten worden, dass der Kopf beinahe abgetrennt war. Ihre linke Schulter war abgehackt worden, so dass ihr Arm nur noch mit einem Hautlappen am Körper hing. Ihr Gesicht war aufgeschlitzt und völlig entstellt, die Nase abgehackt … und behutsam auf den kleinen Tisch neben dem Klappbett gelegt worden. Ihre Brüste waren abgeschnitten und auf dem gleichen Tisch abgelegt worden. Von der Stirn war ihr die Haut abgeschält, die Schenkel waren ebenfalls gehäutet worden.

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