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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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Kurz vor sechs verkündete Edward, er werde bei einem Treffen des Bürgerwehr-Komitees von Whitechapel erwartet. Ich wartete, bis er verschwunden war, und ging dann erst an den Schrank, um ein Speisemesser zu holen, und dann zum Schreibtisch, aus dem ich ein Blatt Schreibpapier nahm. Dann betrat ich die Speisekammer und begann, von den Rattenlöchern so viel Arsen wegzukratzen, wie ich konnte.

Wohltätigkeitsinstitut für bedürftige Kinder, Whitechapel, 23. Februar 1892 Inspector Abberline saß in meinem Büro und äußerte mit wohlwollendem Nicken seine Zustimmung für alles, was er gesehen hatte.»Schwer zu glauben«, meinte er,»dass das die selben dünnen, schmutzigen Kinder sind, die noch vor drei Monaten in Hauseingängen und unter Holzkisten geschlafen haben. Sie haben wahre Wunder vollbracht, Mrs. Wickham. Das Kuratorium hätte gar keine bessere Leiterin finden können. Lernen die Kinder Lesen und Schreiben? Können sie denn lernen?« «Manche schon«, antwortete ich.»Andere sind etwas langsamer. Die jüngsten sind die flinksten, scheint mir.

Auf sie setze ich große Hoffnungen.« «Ich frage mich, ob sie begreifen, was für ein Glück sie haben. Wie schade, dass Pfarrer Wickham es nicht mehr erleben kann. Er hätte sich so gefreut über das, was Sie da zustande gebracht haben.« «Ja. «Wirklich? Edward war immer der Meinung gewesen, die Armen sollten für sich selber sorgen.

Der Inspector weilte in Gedanken immer noch bei meinem verstorbenen Mann.»Ich hatte einmal eine Tante, die einer Bauchentzündung erlag«, sagte er.»Schreckliche Art zu sterben, schrecklich. «Er merkte plötzlich, dass ich vielleicht gar nicht so gern daran erinnert wurde, auf welche qualvolle Weise Edward dahingeschieden war.

«Ich bitte Sie sehr um Verzeihung — das war gedankenlos von mir.« Ich sagte, er solle sich deswegen keine Sorgen machen.

«Ich habe mich mit seinem Tod abgefunden, soweit es eben geht. Mein Leben ist jetzt hier, in der Schule, und es ist eine wirklich dankbare Aufgabe, mit der ich hier meine Tage verbringen darf.« Er lächelte.»Ich sehe, Sie sind in Ihrem Element. «Dann wurde er nüchtern.»Ich bin nicht nur gekommen, um Ihre Schule zu besichtigen, sondern auch, um Ihnen etwas zu sagen. «Er beugte sich auf seinem Stuhl nach vorn.»Die Akte mit dem Fall des Rippers ist offiziell geschlossen.

Seit seinem letzten Mord sind jetzt über zwei Jahre vergangen. Aus welchem Grund auch immer er aufhörte, er hat aufgehört. Diese Schreckensherrschaft ist jedenfalls vorbei. Der Fall ist abgeschlossen.« Ich verspürte Erleichterung. Um etwas zu erwidern, sagte ich:»Wieso, glauben Sie, hat er aufgehört, Inspector?« Er rieb sich den Nasenflügel.»Entweder, weil er tot ist oder weil er irgendwo eingesperrt ist, in einer Anstalt oder vielleicht im Gefängnis wegen eines anderen Verbrechens.

Verzeihen Sie meine Unverblümtheit, Mrs.

Wickham, aber ich hoffe doch sehr, dass es Ersteres ist. Man hört ja manchmal, dass Strafgefangene aus Anstalten oder Gefängnissen entkommen.« «Ich verstehe. Glauben Sie, die Akte wird je wieder eröffnet?« «Erst in hundert Jahren. Wenn ein Mordfall als abschlossen gekennzeichnet ist, werden die Akten versiegelt, und es wird darauf vermerkt, wann sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Es wird ein Jahrhundert dauern, bevor sich wieder jemand diese Papiere ansieht.« Offizieller konnte es nicht sein; der Fall war tatsächlich abgeschlossen.»Ein Jahrhundert … warum denn so lange?« «Nun, die Hundertjahrregel wurde eingeführt, um die Anonymität all derer zu wahren, die im Laufe der Ermittlungen bei der Polizei vertrauliche Aussagen gemacht haben. Es ist am besten so. Jetzt wird niemand die Nase in unsere Berichte über den Ripper stecken, jedenfalls nicht vor 1992. Es ist vorbei.« «Dem Himmel sei Dank dafür.« «Amen.« Inspector Abberline schwatzte noch ein wenig, dann verabschiedete er sich. Ich schlenderte gemächlich durch die Korridore meiner Schule, eines ehemaligen Kirchenbaus, der den neuen Erfordernissen angepasst worden war. In einem der Klassenzimmer verweilte ich.

Einige der Kinder passten auf, was die Lehrerin sagte, andere träumten vor sich hin, ein paar malten. Genau wie Kinder anderswo auch.

Nicht allen Kindern, die hier bei uns sind, kann geholfen werden; manche werden sich ein besseres Los erarbeiten, andere aber werden wieder in das Leben in der Gosse zurückfallen. Ich kann keines von ihnen retten. Ich darf zu meinen anderen Verfehlungen nicht auch noch den Hochmut hinzufügen, indem ich mir die Rolle der Retterin anmaße. Einer wie mir vertraut Gott nicht das Werk der Erlösung an. Doch ist es mir vergönnt, den Kindern eine Chance zu bieten, ihnen die Gelegenheit zu geben, über ein Leben voll Elend und Verbrechen hinauszuwachsen, das einzige, das sie je gekannt haben. Ich danke Gott aus tiefstem Herzen, dass er mir dieses Vorrecht vergönnt.

In regelmäßigen Abständen kehre ich zum Miller’s Court zurück. Nicht weil es der Schauplatz von Edwards letztem Mord ist, sondern weil ich dort Rose Howe zum letzten Mal gesehen habe, das junge Mädchen, das mir geholfen hat, das Macklin-Baby auf die Welt zu bringen.

In meiner Schule ist ein Platz für Rose reserviert. Ich habe sie noch nicht gefunden, werde aber weiter nach ihr suchen.

Mein Leben gehört jetzt den Kindern von Whitechapel.

Ihnen gelten meine Gebete; diese Gebete sind die einzigen, die wahrscheinlich je erhört werden. Wenn ich einmal für mich selbst bete dann nur, um zu bitten, dass mir in der Hölle ein leichterer Platz beschieden wird.

Geisterbahnhof

von CAROLYN WHEAT

Carolyn Wheat (*1946) arbeitete dreiundzwanzig Jahre in New York als Rechtsbeistand für Bedürftige, später als Verwaltungsrichterin. Als sie in Dead Men’s Thoughts (1983; dt. Rechte nicht mit dem Richter) die Brooklyner Anwältin Cass Jameson einführte, hatte die Schwemme von Juristenkrimis, die mit dem Erfolg von Scott Turow und John Grisham losbrechen sollte, noch nicht eingesetzt.

Dieser Erstlingsroman wurde positiv aufgenommen und auch für den Edgar nominiert, doch da Wheat sich als alles andere als eine Vielschreiberin erwies, erschien der zweite Jameson erst drei Jahre später und der dritte dann nach weiteren elf Jahren. Als sie mit Büchern wie Mean Streak (1996; dt. Ein gefährlicher Klient) und Troubled Waters (1997) — einem Roman, der einen viel knapperen, aber nicht weniger gründlichen Rückblick auf den radikalen Aktivismus der sechziger Jahre bietet als Turows The Law of Our Fathers (1996) — die Produktion steigerte, wurde offensichtlich, dass Wheat nicht nur unter den schreibenden Anwälten, sondern unter den Kriminalschriftstellern überhaupt ganz oben rangiert.

Nachdem sie ihre Anwaltstätigkeit aufgegeben hatte, wurde sie zu einer hochgeschätzten Dozentin im Bereich Kreatives Schreiben, wozu auch ein kurzes Zwischenspiel als Autorenstipendiatin an der University of Oklahoma zählte.

Wheats Kurzgeschichten, versammelt in dem Band Tales Out of School (2000) erweisen sich in ihrer Vielseitigkeit ebenso bemerkenswert wie in ihrer generell hervorragenden Stilsicherheit. Wie zu erwarten, spielen einige — darunter» Cruel and Ununsual«, eine schaurige Erzählung aus dem Geschworenenraum, und» The Adventure of the Angel’s Trumpet«, ein außergewöhnlicher Sherlock-Holmes-Gerichtskrimi — im Juristenmilieu, viele andere dagegen nicht. In» Geisterbahnhof«, der Geschichte über eine U-Bahnpolizistin in New York, verarbeitet die Autorin ihre Erfahrungen bei der New Yorker Polizei.

Wenn ich eins nicht ausstehen kann, dann eine Säuferin.

Die Worte brannten in meinem Gedächtnis, wie der irische Whiskey in meiner Kehle gebrannt hatte, bloß dass danach kein angenehmer Alkoholdusel folgte. Nur ein bitterer Schmerz in der Herzgegend.

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