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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Ich lehnte Inspector Abberlines Angebot ab, mich von einem seiner Assistenten nach Hause begleiten zu lassen.

«Demnach hat er also insgesamt sechs Frauen umgebracht, dieser Ripper«, sagte ich.»Da brauchen Sie alle Ihre Leute für die Ermittlungen.« Der Inspector rieb sich den Nasenflügel, eine typische Geste, die ich inzwischen als Zeichen von Unsicherheit deutete.»Um ehrlich zu sein, Mrs. Wickham, ich bin der Meinung, dass nur vier Frauen von ein und demselben Mann getötet wurden. Erinnern Sie sich an die, die in der Nähe von St. Juda ermordet wurde? Und an die in der Osborn Street?«Er schüttelte den Kopf.»Nicht das Werk des Rippers, da bin ich überzeugt.« «Wie kommen Sie darauf, Inspector?« «Weil man diesen beiden Frauen zwar die Kehlen durchgeschnitten hat, aber anders als bei den späteren Opfern. Die Art, wie der Ripper seinen Opfern den Hals aufschlitzt, hat etwas Teuflisches … wir wissen, dass er Linkshänder ist und stets zwei Schnitte macht, einen in jede Richtung. Die Schnitte sind tief, brutal … Annie Chapman hätte er fast den Kopf abgetrennt. Nein, Polly Nichols war sein erstes Opfer, dann die Chapman. Und nun dieser Doppelmord — Elizabeth Stride und Catherine Eddowes. Diese vier sind alle das Werk desselben Mannes.« Ich erschauderte.»Kannten die Frauen einander?« «Das konnten wir noch nicht feststellen«, erwiderte Inspector Abberline.»Offensichtlich hatten sie nichts gemeinsam, abgesehen von der Tatsache, dass sie alle vier Prostituierte waren.« Ich hatte noch weitere Fragen, hatte den Inspector nun aber lange genug aufgehalten. Ich verabschiedete mich und machte mich von der Golden Lane auf den langen Heimweg. Das Tageslicht begann bereits zu schwinden, doch ich hatte kein Geld für eine Droschke bei mir. Also zog ich mein Tuch fester um die Schultern und beschleunigte den Schritt, denn ich wollte nach Einbruch der Dunkelheit nicht draußen erwischt werden. Mein Mann war der Meinung, verheiratete Frauen hätten nichts zu befürchten, da der Ripper nur Prostituierte tötete. Ich war der Meinung, mein Mann vertraue allzu sehr darauf, dass der Ripper den Unterschied erkennen konnte.

Ich war schon fast zu Hause angelangt, als sich ein höchst bedauerlicher Zwischenfall ereignete. Auf der Middlesex Street näherte sich mir eine völlig aufgelöste Frau, auf dem Arm eine Art Lumpenbündel, das sie mir hastig hinstreckte. In die Lumpen gehüllt war ein totes Baby. Ich schrie auf und hätte den kalten kleinen Körper fast fallen gelassen.

«Er hätte bloß ein bisschen Milch gebraucht«, sagte die Mutter mit tränenüberströmtem Gesicht.

«O, das tut mir ja so Leid!«, stieß ich hilflos hervor. Die Ärmste schien selbst halb verhungert.

«In der Kirche um Hilfe bitten hätt’ keinen Sinn, hat’s geheißen«, schluchzte sie,»weil Sie noch nie was gegeben haben, bloß ein freundliches Wort.« Ich musste den Kopf senken, so schämte ich mich. Auch jetzt hatte ich keine zwei Pence in der Tasche, die ich ihr hätte geben können. Ich zog das Umschlagtuch herunter und wickelte es um den kleinen Leichnam.»Begraben Sie ihn darin.« Sie murmelte irgendetwas, während sie mir das Bündel wieder abnahm und davonstolperte. Sicher hatte sie die gute Absicht, ihr Kind in dem Tuch zu begraben, doch im letzten Moment würde sie ihm den warmen Schal wieder wegreißen und ihn für sich nehmen Weinen würde sie dabei um ihr totes Baby, doch sie würde es tun Ich betete darum, dass sie es tat.

Pfarrhaus von St. Juda, 16. Oktober 1888 Heute Morgen ließ ich mir von einem arbeitslosen Maurer für vier Pence unsere Feuerstellen säubern. In dem großen Kamin in der Küche machte er eine überraschende Entdeckung: Die rußgeschwärzten Knöpfe von dem vermissten Baumwollhemd meines Mannes kamen zum Vorschein. Als ich Edward später fragte, wieso er denn sein bestes Hemd verbrannt hätte, sah er mich völlig entgeistert an und wollte wissen, wieso ich es verbrannt hätte. Dabei lebt außer uns beiden sonst niemand im Pfarrhaus.

Spitalfields Market, 22. Oktober 1888 Der Apotheker teilte mir bedauernd mit, dass der Preis von Arsen gestiegen sei, woraufhin ich notgedrungen weniger als das übliche Quantum erstand und hoffte, dass Edward sich mit der geringeren Menge begnügte. Das Pfarrhaus rattenfrei zu halten war eine kostspielige Angelegenheit. Als wir in St. Juda einzogen, glaubten wir erst, die Ratten kämen aus den Lagerhallen an der Commercial Street herüber, doch dann stellte sich heraus, dass jedes Gebäude in Whitechapel mit Ungeziefer verseucht war. Sobald man einen Schädling tötete, tauchten an seiner Stelle andere auf.

Vor einer Bierschenke war eine Zeitung angeschlagen, die meine Aufmerksamkeit erregte. Ich hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, alles zu lesen, was über den Ripper veröffentlicht wurde. Das einzig Neue war, dass alle Bemühungen, die Familie von Catherine Eddowes ausfindig zu machen, dem letzten Opfer des Rippers, gescheitert seien. Ein Leitartikel auf der Titelseite forderte den Rücktritt des Polizeipräsidenten und verschiedener anderer hoch gestellter Persönlichkeiten. Drei Wochen waren vergangen, seit der Ripper zwei Opfer in einer Nacht geholt hatte, und die Polizei hatte noch immer keine brauchbaren Hinweise und keine Ahnung, wer der Ripper war oder wann er das nächste Mal zuschlagen würde.

Denn dass er wieder zuschlagen würde, bezweifelte niemand; und dass die Polizei die Frauen von Whitechapel schützen konnte, glaubte keiner.

In der nächsten Straße stieß ich auf einen Aufruf, in dem jeder, der etwas über die Identität des Mörders wusste, aufgefordert wurde, sich zu melden und der Polizei Mitteilung zu machen. Die Aufforderung machte mich traurig; deutlicher hätte die Polizei das Eingeständnis ihres Scheiterns nicht formulieren können.

Pfarrhaus von St. Juda, 25. Oktober 1888 Edward ist krank. Als er gestern zur Abendbrotzeit noch nicht im Pfarrhaus aufgetaucht war, begann ich mir Sorgen zu machen. Ich verbrachte einen unruhigen Abend, während ich auf ihn wartete. Es war schon weit nach Mitternacht, als ich endlich seinen Schlüssel in der Tür hörte.

Er sah aus wie ein Fremder. Seine Augen glänzten, und seine Kleidung war völlig in Unordnung. Statt in seiner sonst so stolzen Haltung ging er gebückt und mit gekrümmten Schultern, als wäre ihm kalt. Sobald er meiner ansichtig wurde, begann er mir Vorhaltungen zu machen, ich hätte das Arsen nicht gekauft, das er brauchte, um die Ratten zu vernichten. Erst als ich ihn in die Speisekammer führte, wo er das giftige Pulver selbst um die Rattenlöcher gestreut hatte, hörten seine Beschimpfungen auf. Seine Haut war heiß und trocken, und ich konnte ihn nur mit Mühe überreden, sich ins Bett zu legen.

Doch der Schlaf wollte sich nicht einstellen. Ich saß an Edwards Bett und sah zu, wie er sich unter der Decke hin und her warf und das kühle Tuch, das ich ihm auf die Stirn gelegt hatte, von sich schleuderte. Dabei wedelte er unablässig mit den Händen, als wollte er jemanden abwehren. Was für Albträume er wohl unter diesen geschlossenen Augenlidern sah? In seinem Fieberwahn begann er laut zu schreien. Erst waren die Worte nicht deutlich, doch dann verstand ich, was mein Mann da sagte.

«Huren! Huren! Alles Huren!« Als sich sein Fieber bis um zwei Uhr morgens nicht gesenkt hatte, wusste ich, dass ich Hilfe holen musste. Ich hüllte mich in meinen Umhang und machte mich auf den Weg, wobei ich mir jeden Gedanken daran verbot, was da im Schatten lauern könnte. Ich gestehe es ungern, aber ich verging fast vor Angst; nichts Geringeres als Edwards Krankheit hätte mich nachts auf die Straßen von Whitechapel treiben können. Doch erreichte ich mein Ziel ohne Zwischenfälle, weckte Dr. Phelps aus tiefem Schlaf und fuhr in seiner Kutsche mit ihm zurück zum Pfarrhaus.

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