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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Die Beine selbst waren in einer unanständigen Pose gespreizt und dann bis auf die Knochen aufgeschlitzt worden. Mary Kellys Unterleib war aufgerissen worden, und zwischen ihren Füßen lag eines ihrer inneren Organe

… möglicherweise die Leber. Auf dem Tisch lag ein weiteres Organ, in ein Stückchen von dem braun karierten wollenen Unterrock des Opfers gewickelt. Die fehlende Haut war sorgfältig neben die anderen Körperteile auf dem Tisch geschichtet, als hätte der Ripper sein Opfer neu zusammensetzen wollen. Anders als zuvor hatte der Mörder dem Opfer die Eingeweide jedoch nicht auf die Schulter gehäuft, diesmal hatte er sie mitgenommen. Und als letzte Zierde hatte er Mary Kelly die rechte Hand in den aufgerissenen Bauch gesteckt.

Hast du sie auch genug gestraft, Jack? Willst du ihr nicht noch mehr wehtun?

Ich fühlte, wie mich eine Hand am Arm packte und mich energisch nach draußen bugsierte.»Sie sollten nicht hier drin sein, Mrs. Wickham«, sagte Inspector Abberline. Ich blieb an die Wand des Gebäudes gelehnt stehen, während er wieder hineinging. Eine Hand berührte mich an der Schulter, und Thomas, der Mieteintreiber, sagte:»Da können Sie sich hinsetzen, da drüben. «Er führte mich zu einer umgedrehten Holzkiste, auf der ich mich dankbar niederließ. Eine Weile saß ich mit dem Kopf über die Knie gebeugt da, dann hatte ich mich so weit gesammelt, dass ich ein Gebet für Mary Kellys Seele sprechen konnte.

Inspector Abberlines Leute fragten in der ganzen Menge herum. Als einer auf mich zutrat, erklärte ich, ich hätte Mary Kelly überhaupt nicht gekannt und sei nur deswegen hier, weil im gleichen Gebäude das Macklin-Baby auf die Welt gekommen sei. Der Inspector kam selbst herüber und gebot mir, sofort nach Hause zu gehen; ich hatte nicht die Absicht, mich dem Befehl zu widersetzen.

«Dieses letzte Opfer passt offenbar nicht in Ihr Muster«, sagte der Inspector, als ich gerade gehen wollte.»Mary Kelly war Prostituierte, aber erst Anfang zwanzig. Und soviel wir wissen, hatte sie keinen Mann und keine Kinder.« Das letzte Opfer war also weder mittleren Alters noch verheiratet, noch Mutter gewesen. Es war nicht festzustellen, ob die arme Mary Kelly hässlich gewesen war oder nicht. Diesmal jedoch hatte sich der Ripper ganz klar eine Frau ausgesucht, die sich deutlich von den früheren Opfern unterschied, hier war er von seinem üblichen Muster abgewichen. Ich fragte mich, was das zu bedeuten hatte. War in seinem verzerrten, bösartigen Gehirn eine Veränderung eingetreten? War er ein Stück tiefer im Wahnsinn versunken?

Auf dem Weg von Miller’s Court nach Hause dachte ich darüber nach. Darüber dachte ich nach und über Edward.

Pfarrhaus von St. Juda, 10. November 1888 Es war fast zwölf Uhr mittags, als ich schließlich im Pfarrhaus ankam. Edward schlief tief und fest.

Normalerweise schlief er tagsüber nie, doch das Fläschchen Laudanum, das Dr. Phelps ihm dagelassen hatte, stand auf dem Nachttisch. Edward hatte sich betäubt und schlief den Schlaf des Vergessens.

Ich hob seine Kleider vom Boden auf, wo er sie hatte fallen lassen, und begutachtete sorgfältig jedes einzelne Stück; nirgends ein Tropfen Blut. Aber Mary Kelly war ja drinnen abgeschlachtet worden, und der Schlächter hätte seine Sachen einfach ausziehen können, bevor er mit seiner» Arbeit «anfing. Als nächstes überprüfte ich sämtliche Feuerstellen, doch in keiner war etwas verbrannt worden. Es konnte auch Zufall sein, sagte ich mir. Ich wusste nicht, wie lange Edward weggetreten war.

Vermutlich war es gar nicht so eigentümlich, wie ich dachte, wenn einer seiner Anfälle mit einer Mordtat des Rippers zusammenfiel. Das redete ich mir ein.

Ich war von der letzten Nacht ganz erschöpft. Appetit hatte ich keinen, konnte aber eine Tasse Tee gebrauchen.

Ich wollte gerade in die Küche gehen, als mich ein Klopfen an der Tür aufhielt. Es war der Wachtmeister, mit dem ich in Miller’s Court gesprochen hatte.

Er überreichte mir einen Briefumschlag.»Inspector Abberline sagte, das soll ich Ihnen geben. «Er tippte sich an die Mütze und ging.

Ich stellte mich ans Fenster, wo das Licht besser war. In dem Umschlag befand sich eine hastig hingekritzelte Mitteilung.

Meine liebe Mrs. Wickham, Es sind inzwischen weitere Neuigkeiten ans Licht gekommen, die es so erscheinen lassen, als wäre Ihre Theorie von einem Muster bei den Ripper-Morden doch nicht so abwegig. Obwohl Mary Kelly gegenwärtig keinen Ehemann hatte, war sie doch früher einmal verheiratet gewesen. Im Alter von sechzehn Jahren heiratete sie einen Bergmann, der ein knappes Jahr danach starb. Während ihrer Witwenschaft begegnete sie einer Reihe von Männern, die sie jeweils eine Zeit lang unterstützten, bis sie schließlich in der Gosse endete. Und ebenso wie die vier anderen Opfer war auch sie der Trunksucht ergeben. Am aufschlussreichsten ist jedoch die Tatsache, dass Mary Kelly schwanger war.

Das würde erklären, weshalb sie um so viel jünger war als die früheren Opfer des Rippers: Er gebot ihr Einhalt, bevor sie ihre Kinder im Stich lassen konnte.

Gruß, Ihr Frederick Abberline Aha. Gestern Nacht hatte der Ripper also zwei Menschen statt einem das Leben genommen und dafür gesorgt, dass eine gebärfähige junge Frau niemals Kinder austragen würde, die dann Gefahr liefen, verlassen zu werden. Es lag nicht in der Natur des Rippers, sich darum zu scheren, dass seine Opfer in ihrem Elend selbst einmal im Stich gelassen worden waren. Polly Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride und Catherine Eddowes hatten sich alle der Trunksucht ergeben, und das aus Gründen, die niemand je erfahren würde, und waren daraufhin vor die Tür gesetzt worden. Und nun auch noch Mary Kelly, verwitwet, während sie selbst fast noch ein Kind war, und ohne Auskommen — bestimmt hatte sie weder über die Ausbildung noch über die Mittel verfügt, sich ihren Lebensunterhalt auf ehrbare Weise zu verdienen. Polly, Annie, Elizabeth, Catherine und Mary … Sie alle hatten unmoralisch und in Schande gelebt, jede von ihnen. Doch keine einzige von ihnen hatte sich bewusst dafür entschieden.

Ich legte Inspector Abberlines Mitteilung in eine Schreibtischschublade und kehrte in die Küche zurück.

Um Tee zu kochen, würde ich Feuer machen müssen.

Weil der Holzkasten erst kürzlich neu gefüllt worden war, musste ich die größeren Stücke wegschieben, um zum Anzündholz darunter zu gelangen. Da war noch etwas darunter. Ich zog einen langen Streifen aus braun kariertem Wollstoff hervor, auf dem braune Flecken waren. Braun karierte Wolle. Mary Kellys Unterrock.

Mary Kellys Blut.

Der Raum begann sich um mich zu drehen. Da hatte ich es. Schluss mit den Ausreden. Schluss mit dem Leugnen.

Ich war mit dem Ripper verheiratet.

Zwölf Jahre lang hatte Edward das abscheuliche Geheimnis seines abnormalen inneren Wesens verborgen gehalten, sich hinter einer Maske aus Ehrbarkeit, ja sogar Frömmigkeit versteckt. Er hatte sein Geheimnis gut bewahrt. Aber damit war es vorbei. Die Maske war gefallen. Ich sank auf die Knie und bat um Führung. Mein inständiger Wunsch war es, nach Inspector Abberline zu schicken, damit er das Ungeheuer mitnahm, das dort im oberen Stockwerk schlief. Doch wenn der vom Laudanum herbeigeführte Schlaf genauso wirkte wie zuvor während seiner Krankheit, würde Edward als der gewohnt vernünftige Mensch aufwachen. Wenn ich mit ihm reden, ihm begreiflich machen könnte, was er getan hatte, ihm Gelegenheit geben könnte, sich freiwillig der Polizei zu stellen … es wäre das Gottgefälligste, was ich unter diesen entsetzlichen Umständen tun konnte. Wenn Edward überhaupt Erlösung gewährt werden könnte, musste er sowohl Gott als auch die Menschen um Vergebung bitten.

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