Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Als Dr. Phelps sich über das Bett beugte, riss Edward plötzlich die Augen weit auf. So heftig packte er den Arzt am Oberarm, dass dieser gequält zusammenzuckte.»Man muss ihnen Einhalt gebieten!«, flüsterte mein Mann heiser.»Man … muss ihnen Einhalt gebieten!« «Wir werden ihnen Einhalt gebieten«, erwiderte Dr. Phelps sanft und schob Edwards Hand weg. Mein Mann schloss die Augen und begann wieder, sich wild umherzuwerfen.
Der Arzt untersuchte ihn flüchtig.»Wegen des Fiebers hat er Halluzinationen«, teilte er mir mit.»Das beste Heilmittel ist Schlaf, gefolgt von ausreichend Bettruhe.« Er nahm ein kleines Röhrchen aus seiner Tasche und bat mich um ein Glas Wasser. Dann gab er ein paar Tropfen von der Flüssigkeit in das Wasser, das er Edward einflößte, während ich meinem Mann den Kopf hielt.
«Was haben Sie ihm gegeben?«, fragte ich.
«Laudanum, damit er einschläft. Ich lass Ihnen das Röhrchen da. «Dr. Phelps rieb sich den Arm an der Stelle, wo Edward ihn gepackt hatte.»Komisch, aber ich erinnere mich gar nicht, dass Mr. Wickham Linkshänder ist.« «Er ist beidhändig. Dieses Fieber … Wird er wohl bald wieder gesund?« «In ein paar Stunden werden wir es wissen. Geben Sie ihm noch von dem Laudanum, aber nur wenn er aufwacht und wieder so verwirrt ist, und dann auch nur einen einzigen Tropfen auf ein Glas Wasser. Ich komme später wieder, um zu sehen, wie es ihm geht.« Nachdem Dr. Phelps gegangen war, legte ich Edward ein frisches kühles Tuch auf die Stirn und nahm wieder meinen Platz an seinem Bett ein. Edward schien tatsächlich ruhiger, er hatte aufgehört, sich so herumzuwerfen, und nur die gelegentlich zuckenden Hände deuteten noch auf seine innere Aufgewühltheit hin.
Bis zum Morgengrauen schlief er schließlich tief und fest, und auch das Fieber schien sich gelegt zu haben.
Ich war innerlich zu aufgeregt, als dass ich hätte schlafen können, und beschloss, mich mit Hausarbeit zu beschäftigen. Edwards schwarzer Mantel musste kräftig abgebürstet werden, und damit wollte ich beginnen. Dabei entdeckte ich die rostfarbenen Flecken an den Ärmelaufschlägen. Sie sahen nicht neu aus, doch ich war mir nicht sicher. Um sie zu entfernen, musste ich behutsam vorgehen, denn der Mantel hatte schon bessere Tage gesehen und der Stoff würde einer energischen Behandlung nicht standhalten. Schließlich bekam ich die schlimmsten Flecken jedoch heraus und hängte den Mantel in den Kleiderschrank.
Dann kniete ich mich am Schlafzimmerfenster nieder und betete. Ich bat Gott, den Argwohn zu bezwingen, der sich wie eine düstere Wolke über mein Gemüt gelegt hatte.
Whitechapel hatte Edward verändert. Seit er die Pfarrei von St. Juda übernommen hatte, war er immer abweisender geworden, immer entrückter. Er war schon immer ein zurückhaltender Mensch gewesen, hatte selten von sich und niemals von seiner Vergangenheit gesprochen. Ich wusste nichts von seiner Kindheit, nur dass er in London geboren war. Er hatte immer abgewehrt, wenn ich ihn nach der Zeit fragte, bevor wir uns begegnet waren. Hätten meine Eltern noch gelebt, als Edward um mich zu werben begann, sie hätten mir niemals gestattet, einen Mann zu empfangen, der keine Vorgeschichte hatte, keine Familie und keinen Bekanntenkreis. Doch inzwischen hatte ich das Alter überschritten, das man gemeinhin als das heiratsfähige betrachtet, und war hoch beglückt, als aus dem Nichts plötzlich ein Herr von verwandter Denkungsart auftauchte, der sich wünschte, dass ich mit ihm durchs Leben ging. Das Einzige, was ich von Edward wusste, war die Tatsache, dass er ein wenig älter war als die meisten frisch ordinierten Vikare, was darauf hindeutete, dass er früher einen anderen Beruf ausgeübt oder zumindest darin ein Ausbildung gemacht hatte, bevor er Priester wurde. Wir hatten gemeinsam zwölf friedliche Jahre verbracht, und ich hatte meine Entscheidung nie bereut.
Doch obwohl er es nach Kräften zu verbergen versucht hatte war Edwards Haltung während unserer Pfarrzeit in Whitechapel immer unnachgiebiger geworden. Leider brachte er den Menschen, denen er hier geistlichen Beistand zu leisten hatte, keinerlei Achtung entgegen.
Einmal hörte ich ihn zu einem anderen Pfarrer sagen:»Die unteren Schichten leisten keine nützlichen Dienste. Sie schaffen keinen Wohlstand — sondern zerstören ihn eher noch. Was sie auch anfassen, verdirbt ihnen, und der Einzelne ist kaum imstande, seine Lage zu verbessern.
Sparsamkeit und gutes Haushalten bedeuten ihnen nichts.
Ich möchte sie nicht gerade als unrettbar bezeichnen, aber vielleicht sind sie das ja.« Der Edward Wickham, den ich geheiratet habe, hätte nie so gesprochen.
«Beatrice.« Ich blickte zum Bett hinüber; Edward war wach und beobachtete mich. Ich erhob mich und ging zu ihm hinüber.»Wie fühlst du dich, Edward?« «Schwach, als ob ich viel Blut verloren hätte. «Er wirkte verwirrt.»Bin ich krank?« Ich erklärte ihm die Sache mit dem Fieber.»Dr. Phelps sagt, du brauchst viel Ruhe.« «Dr. Phelps? War er hier?«Edward wusste nicht mehr, dass der Arzt da gewesen war. Er konnte sich auch nicht erinnern, wo er in der vorigen Nacht gewesen oder dass er überhaupt nach Hause gekommen war.»Das macht mir Angst«, sagte er mit zitternder Stimme. Er sprach schleppend, was auf das Laudanum zurückzuführen war.
«Mir fehlen einige Stunden meines Lebens, und ich habe keinerlei Erinnerung daran?« «Darum kümmern wir uns später. Jetzt versuche erst mal, noch ein wenig zu schlafen.« «Schlafen … ja. «Ich setzte mich hin und hielt seine Hand, bis er wieder einschlummerte.
Als er ein paar Stunden später erneut aufwachte, brachte ich ihm eine Schale Brühe, die er mit wiedergewonnenem Appetit zu sich nahm. Mein Mann war deutlich auf dem Wege der Besserung und erwog sogar aufzustehen, als Dr. Phelps vorbeikam. per Arzt freute sich über Edwards Fortschritte.»Ruhen Sie sich den Rest des Tages noch aus«, sagte er,»dann dürfen Sie morgen aufstehen. Geben Sie Acht, dass Sie sich nicht überanstrengen, sonst kommt das Fieber wieder.« Edward tat zwar so, als wollte er protestieren, doch ich glaube, er war insgeheim froh, dass man von ihm nichts anderes verlangte, als den ganzen Tag im Bett liegen zu bleiben. Ich begleitete den Arzt zur Tür.
«Sorgen Sie dafür, dass er isst«, sagte er zu mir.»Er muss wieder zu Kräften kommen.« Ich versprach, mich darum zu kümmern. Dann zögerte ich, ich musste es einfach unbedingt erfahren.»Dr. Phelps, ist gestern Nacht irgendetwas passiert?« «Wie bitte?« Er wusste nicht, was ich meinte.»Hat der Ripper wieder zugeschlagen?« Dr. Phelps lächelte.»Ich freue mich, das verneinen zu können. Vielleicht ist es ja jetzt vorbei mit diesen entsetzlichen Morden, hmm?« Meine Erleichterung war so groß, dass ich beinahe in Tränen ausgebrochen wäre. Als der Arzt gegangen war, fiel ich erneut auf die Knie, um zu beten, und diesmal bat ich Gott um Vergebung für die treulosen Gedanken, die ich gegenüber meinem eigenen Gatten gehegt hatte.
Polizeiwache Leman Street, Whitechapel, 1. November 1888 Und so verließ ich das Pfarrhaus an diesem hellen, frischen Dienstagmorgen unbeschwert und leichten Herzens. Mein Mann hatte sich von seiner Unpässlichkeit erholt und ging seinen alltäglichen Verpflichtungen nach.
Ich hatte zwei ermutigende Antworten auf meine Petitionen erhalten, in denen ich um wohltätige Unterstützung für die Kinder von Whitechapel bat. Und London hatte den ganzen Monat Oktober überstanden, ohne dass der Ripper noch einmal gemordet hätte.
Ich war gerade unterwegs, um zwei Briefe aufzugeben, meine Antworten an die Philanthropen, die geneigt waren, meiner Bitte Gehör zu schenken. Ich hatte sie davon unterrichtet, dass über die Hälfte aller in Whitechapel geborenen Kinder sterben, bevor sie fünf Jahre alt geworden sind. Und diejenigen, die nicht sterben, sind geistig und körperlich unterentwickelt. Viele von denen, die in Armenschulen gehen, werden für abnorm dumm, wenn nicht regelrecht schwachsinnig erklärt. Häufig kommen Kinder vor Hunger weinend in der Schule an und brechen in ihren Schulbänken zusammen. Im Winter ist ihnen so kalt, dass sie nicht in der Lage sind, Lesen und Schreiben zu lernen oder ihre Rechenaufgaben zu machen.