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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Mit zitternden Händen steckte ich den Stoffstreifen in meine Tasche und versuchte, mich auf die Teezubereitung zu konzentrieren. Der große Kessel war schon ausgegangen, doch als ich ihn mit Wasser füllen wollte, fühlte er sich schwer an. Ich hob den Deckel und sah mich plötzlich einem Haufen menschlicher Gedärme gegenüber.

Ich fiel nicht in Ohnmacht … höchstwahrscheinlich war ich inzwischen schon völlig gefühllos. Ich versuchte zu denken. Das Stoffstück hatte Edward vielleicht benutzt, um das Messer abzuwischen. Dann hatte er den Stoff wohl in den Holzkasten gesteckt, um ihn später zu verbrennen.

Weshalb jedoch warten? Und die Gedärme im Teekessel

… sollte ich die etwa finden? Wollte Edward mich auf diese Weise um Hilfe bitten? Und wo war das Messer? Ich begann systematisch danach zu suchen, konnte jedoch auch nach fast zweistündiger intensiver Suche nichts finden. Er hätte sich des Messers ja auch auf dem Nachhauseweg entledigen können. Hätte es in der Kirche verstecken können. Er könnte es auch unter dem Kissen haben.

Ich ging ins Wohnzimmer und zwang mich dazu, mich hinzusetzen. Ich hatte fürchterliche Angst. Ich wollte nicht unter einem Dach mit ihm bleiben, nicht um seine Seele kämpfen. Hatte er überhaupt noch eine Seele? Der Edward Wickham, neben dem ich zwölf Jahre lang jede Nacht gelegen hatte, war falsch, ein Heuchler, dessen sorgsam erfundenes Wesen und Gebaren dazu ersonnen waren, den in ihm gefangenen Dämon zu kontrollieren und zu zügeln.

Die Täuschung hatte funktioniert, bis wir nach Whitechapel kamen. Dann hatten sich die Zügel gelockert, und der Dämon entwich. Was hatte den Wandel bewirkt – lag es an der Umgebung? An der ständigen Anwesenheit von Prostituierten auf den Straßen? Ich konnte es einfach nicht begreifen.

Die Anstrengungen der vergangenen vierundzwanzig Stunden waren schließlich doch zu viel für mich; mein Kopf fiel vornüber, und ich schlief ein.

Als ich Edwards Hand auf meiner Schulter spürte, wachte ich auf. Ich fuhr zusammen und starrte ihn furchtsam an, doch sein Gesicht zeigte nur Güte und Besorgnis.»Stimmt etwas nicht, Beatrice? Warum schläfst du denn am Nachmittag?« Ich presste die Fingerspitzen auf meine Augen.»Letzte Nacht habe ich nicht geschlafen. Das Macklin-Baby ist heute früh auf die Welt gekommen.« «Ach! Mutter und Kind sind wohlauf, hoffe ich? Du hast dem jungen Macklin hoffentlich eingeschärft, wie wichtig eine frühe Taufe ist. Aber, Beatrice, wenn du das nächste Mal weggerufen wirst, wäre ich dir sehr dankbar, wenn du mich irgendwie benachrichtigen könntest. Als du Mitternacht nicht zu Hause warst, begann ich mir schon Sorgen zu machen.« Das war die erste Unwahrheit, die ich von Edward zu hören bekam und die ich als solche erkannte. Ich war es gewesen, die um Mitternacht auf ihn gewartet hatte. Sein Gesicht war so offen, so scheinbar ohne Falsch … Hatte er wirklich keine Erinnerung mehr an die vorige Nacht, oder war er einfach außergewöhnlich geschult in der Kunst der Täuschung? Ich stand auf und begann auf und ab zu gehen.»Edward, wir müssen über gestern Nacht reden …

über das, was du letzte Nacht getan hast.« Seine Augenbrauen fuhren hoch.»Ich?« Ich konnte ihn nicht ansehen.»Ich habe ihre Eingeweide im Teekessel gefunden. Mary Kellys Eingeweide.« «Eingeweide?«Ich konnte den Ekel in seiner Stimme hören.

«Was soll das heißen, Beatrice? Und wer ist Mary Kelly?« «Das ist die Frau, die du gestern Nacht umgebracht hast!«, rief ich.»Bestimmt wusstest du ihren Namen!«Ich drehte mich um und starrte ihn an … und sah mich einem Ausdruck solchen Abscheus gegenüber, dass ich unwillkürlich einen Schritt zurücktrat.

«O!«Da stockte mir doch der Atem.»Bitte, schau mich nicht …« Edward? Jack?

Der Ausdruck verschwand sofort — er wusste es, er wusste, was er tat!» Du sagst, ich habe gestern Nacht jemanden umgebracht?«, fragte er, sich wieder vernünftig gebärdend.»Und dann ihre Eingeweide … in den Teekessel gesteckt? Dann zeig es mir doch, Beatrice!« Ich misstraute dem Vorschlag, ging aber trotzdem voran in die Küche. Wie ich schon fast erwartet hatte, war der Teekessel leer und makellos sauber. Schweren Herzens zog ich das Stückchen braun karierten Stoff aus meiner Tasche.»Aber hier ist etwas, das du versehentlich nicht vernichtet hast.« Er sah mich finster an.»Ein schmutziger Lappen?« «Ach Edward, hör auf, so zu tun, als wüsstest du nichts davon! Das ist ein Stück von Mary Kellys Unterrock, wie dir wohl klar sein dürfte! Edward, du musst zur Polizei gehen. Gestehe alles, mach deinen Frieden mit Gott.

Niemand sonst kann deine nächtlichen Touren ein Ende bereiten — du musst dir selber Einhalt gebieten! Geh zu Inspector Abberline.« Er hielt die Hand auf.»Gib mir den Lappen«, sagte er ausdruckslos.

«Denk an deine Seele, Edward! Es ist deine einzige Gelegenheit zur Rettung! Du musst gestehen!« «Den Lappen, Beatrice.« «Ich kann nicht! Edward, begreifst du denn nicht? Du bist verflucht — deine eigenen Taten haben dich verdammt!

Du musst niederknien und um Vergebung bitten!« Edward ließ die Hand sinken.»Du bist krank, meine Liebe. Deine Wahnvorstellung, ich sei der Ripper — darauf läuft deine Anschuldigung doch hinaus, nicht wahr? Diese Geistesstörung ist höchst unziemlich für die Frau des Pfarrers von St. Juda. Der Gedanke ist mir unerträglich, dass man dich womöglich schon bald völlig umnachtet von der Straße auflesen wird. Wir werden zusammen beten und Gott bitten, er möge dir Selbstbeherrschung verleihen.« Ich glaubte zu verstehen, was er damit sagen wollte.

«Nun gut … wenn du dich der Polizei nicht stellen willst, bleibt dir nur noch eins zu tun. Du musst dich selbst töten.« «Beatrice!«Er war schockiert.»Selbstmord ist Sünde!« Seine Reaktion war so absurd, dass ich ein hysterisches Lachen unterdrücken musste. Doch nun begriff ich, dass weiteres inständiges Bitten nichts fruchten würde. Er war hoffnungslos wahnsinnig; ich würde nie bis zu ihm durchdringen können.

Edward schüttelte den Kopf.»Nun bin ich aber doch sehr beunruhigt, Beatrice. Diese geistige Verwirrung bei dir sitzt tiefer, als ich zunächst dachte. Ich muss gestehen, ich bin mir nicht sicher, ob ich für dich sorgen kann, solange du unter Wahnvorstellungen leidest. Vielleicht ist eine Anstalt die richtige Lösung.« Ich war sprachlos.»Du würdest mich in eine Anstalt stecken?« Er seufzte.»Wo sonst finden wir Ärzte, die sich auf die Behandlung geistiger Verwirrung verstehen? Wenn du diese irren Wahnvorstellungen nicht kontrollieren kannst, sehe ich keinen anderen Ausweg. Du musst beten, Beatrice, du musst beten um die Fähigkeit, deine Gedanken zu beherrschen.« Er konnte mich sehr wohl wegsperren lassen; er konnte mich wegsperren lassen und dann mit seinen abscheulichen Morden ungehindert fortfahren, ohne sich um eine Ehefrau scheren zu müssen, die zu viel merkte. Es dauerte eine Weile, bis ich sprechen konnte.

«Nun gut, Edward. Ich werde tun, was du sagst. Ich werde beten.« «Ausgezeichnet! Ich werde mit dir beten. Aber zuerst – den Lappen, bitte.« Langsam, widerstrebend reichte ich ihm den Streifen von Mary Kellys Unterrock. Edward nahm ein Streichholz und zündete es an, und das Beweisstück, das ihn mit dem Mord in Verbindung brachte, löste sich in dünnem schwarzem Rauch auf, der sich spiralförmig in den Kamin hinaufwand. Dann beteten wir; wir baten Gott, mir die geistige und spirituelle Willenskraft zu verleihen, an der es mir gebrach.

Nach diesem scheinheiligen Akt meinte Edward, ich solle uns nun Tee machen. Ich stellte den großen Kessel beiseite und benutzte meinen kleineren. Während der Teestunde ging es um mehrere kirchliche Verpflichtungen, die Edward noch zu erledigen hatte. Ich sprach nur, wenn das Wort an mich gerichtet wurde, und bemühte mich, mir nichts zuschulden kommen zu lassen. Ich tat alles, was ich konnte, um meinem Mann das Gefühl zu geben, dass ich mich seiner Autorität fügte.

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