Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Carpena ließ sich vor dem Gouverneur auf die Knie nieder. (S. 428.)
– Ich glaube im Sinne aller meiner Gäste zu sprechen, Herr Doctor Antekirtt, sagte der Gouverneur, wenn ich behaupte, daß man solche Dinge erst glauben kann, wenn man sie gesehen hat.
– Und dann auch nur schwer, warf einer der Anwesenden ein, der wahrscheinlich sehr mißtrauischer Natur war.
– Es ist bedauerlich, fuhr der Gouverneur fort, daß Sie nur so kurze Zeit in Ceuta bleiben. Sonst könnten Sie selbst gewiß uns ein solches Experiment zeigen.
– Gewiß kann ich es, antwortete der Doctor.
– Vielleicht jetzt gleich?
– Wenn Sie es wünschen, sofort.
– Wie also?… Bitte bestimmen Sie nur.
– Sie haben gewiß nicht vergessen, Herr Gouverneur, begann der Doctor, daß einer der Sträflinge des Präsidio vor drei Tagen auf der Straße nach der Residenz schlafend gefunden wurde und zwar war dieser Schlaf, wie ich Ihnen bereits sagte, magnetischer Natur.
– Ganz recht, bemerkte der Director der Anstalt, der Mann befindet sich jetzt im Hospital.
– Sie werden sich erinnern, daß ich es war, der ihn aufweckte, nachdem die Wächter alle möglichen Mittel, ihn aufzumuntern, vergebens angewendet hatten.
– Richtig.
– Dieses Geschehniß hat bereits zwischen mir und dem Deportirten… wie hieß er doch gleich?
– Carpena.
– Zwischen mir und Carpena ein Band geknüpft, welches ihn vollständig meiner Eingebung unterordnet.
– Wenn er sich Ihnen gegenüber befindet
– Nein, auch wenn wir einander nicht sehen.
– Während Sie hier in unserer Mitte und Jener sich im Hospital befindet? fragte der Gouverneur.
– Ja, und wenn Sie Befehl geben wollen, diesen Carpena freizulassen, daß man alle Thüren des Hospitals und des Gefängnisses vor ihm öffnet, wissen Sie, was er dann thun wird…
– Nun, er wird ausrücken,« rief lachend der Gouverneur.
Sein Lachen wirkte so ansteckend, daß alle Anwesenden einstimmten.
»Nein, meine Herrschaften, erwiderte der Doctor Antekirtt sehr ernst, dieser Carpena wird erst »ausrücken,« wenn ich es ihm befehle, und er wird nur das thun, was ich ihm zu thun vorschreibe.
– Und was zum Beispiel?
– Nun, wenn er das Gefängniß verlassen hat, will ich ihm eingeben, sich auf den Weg zu Ihrer Residenz zu machen, Herr Gouverneur.
– Hieher zu kommen?
– Hieher, an diesen Ort, wenn ich es will, und er soll darauf bestehen Sie sprechen zu wollen.
– Mich?
– Sie, und wenn Sie darin nichts Unziemliches erblicken, will ich ihm den Gedanken eingeben, Sie für eine andere Persönlichkeit anzusehen… nehmen wir an, für den König Alphons XII.
– Für seine Majestät den König von Spanien?
– Ja, Herr Gouverneur, und er soll Sie bitten…
– Um Gnade?
– Ja, um Gnade, und, wenn Sie auch darin nichts Unschickliches erblicken, um das Kreuz Isabella’s noch dazu.«
Ein abermaliges allgemeines Gelächter begleitete die letzten Worte des Doctors.
»Und der Mann wird wach sein, während er das thut? fragte der Director der Strafanstalt.
– So wach wie wir selbst.
– Nein!… Nein! Es ist nicht glaubbar, nicht möglich! rief der Gouverneur.
– Machen Sie die Probe!… Befehlen Sie, daß man Carpena jede Freiheit des Handelns lasse…. Zur größeren Sicherheit ordnen Sie ein oder zwei Wächter ab, die ihm von fern folgen, wenn er die Anstalt verlassen hat… Er wird Alles thun, was ich sagen werde.
– Abgemacht, und wann wünschen Sie…
– Es ist bald acht Uhr, antwortete der Doctor, indem er seine Uhr befragte. Ginge es um neun Uhr?
– Gewiß, und nach dem Experiment…
– Nach dem Experiment wird Carpena ruhig in das Hospital zurückkehren und nicht einmal die leiseste Erinnerung an das, was geschehen ist, zurückbehalten. Ich wiederhole Ihnen – und das ist zugleich die einzige Erklärung, welche man dem Phänomen geben kann – Carpena wird sich unter dem Einflusse der Suggestion, der Eingebung befinden, die von mir ausgeht und in Wirklichkeit ist es nicht er, der die verschiedenen Dinge ausführt, sondern ich bin es.«
Der Gouverneur, dessen Unglaube hinsichtlich dieses Phänomens offenbar war, schrieb einige Zeilen, welche dem Oberaufseher des Präsidio den Befehl ertheilten, den Sträfling Carpena sich vollständig frei bewegen zu lassen; man sollte sich lediglich darauf beschränken, ihm in einiger Entfernung zu folgen. Das Billet wurde unverzüglich von einem der Adjutanten in das Gefängniß gebracht.
Da das Diner inzwischen sein Ende erreicht hatte, so erhoben sich die Gäste, und sie begaben sich auf die Einladung des Gouverneurs hin in den großen Salon.
Die Unterhaltung beschäftigte sich natürlich auch jetzt noch mit den verschiedenen Erscheinungen des Magnetismus oder Hypnotismus, welche, wie bekannt, Anlaß zu großer Meinungsverschiedenheit gegeben und ebenso viele Gläubige als Ungläubige geschaffen haben. Doctor Antekirtt erzählte, während die Kaffeetassen umherwanderten, die Cigarren und Cigaretten ihre Rauchwölkchen verbreiteten – von solchen Dingen sind die Spanier anerkannte Liebhaber – zwanzig Vorfälle, deren Zeuge oder Veranlasser er während Ausübung seiner ärztlichen Praxis gewesen war. Diese Vorfälle waren alle wahrscheinlicher, fast unbestreitbarer Natur und dennoch schienen sie Keinen wirklich überzeugen zu können.
Er ergänzte noch seine Mittheilungen dahin, daß diese Suggestionsmöglichkeit die Gesetzgeber, Criminalisten und Magistrate sehr ernstlich werde beschäftigen müssen, da sie leicht zu verbrecherischen Zwecken ausgenützt werden könnte. Mit Hilfe dieser Gedankenübertragung könnten sich unbestreitbare Fälle ereignen oder Verbrechen begangen werden, deren Urheber zu entdecken eine Unmöglichkeit wäre.
Plötzlich, siebenundzwanzig Minuten vor neun Uhr, unterbrach sich der Doctor und sagte:
»Carpena verläßt in diesem Augenblick das Hospital.«
Eine Minute später fuhr er fort:
»Jetzt durchschreitet er das Thor des Gefängnisses.«
Der Ton, in welchem diese Worte vorgebracht wurden, verfehlte nicht, Eindruck auf die Anwesenden zu machen, nur der Gouverneur schüttelte unüberzeugt mit dem Kopfe.
Die Unterhaltung begann von Neuem, der Eine war für, der Andere gegen den Doctor, Alle sprachen auf einmal, bis der Doctor fünf Minuten vor neun Uhr noch einmal den Redeschwall unterbrach und sagte:
»Carpena steht vor der Thür der Residenz!«
Fast in demselben Augenblicke betrat ein Diener den Salon und benachrichtigte den Gouverneur, daß ein in der Sträflingskleidung steckendes Individuum ihn dringlichst zu sprechen wünschte.
»Laß ihn eintreten,« antwortete der Gouverneur, dessen Unglaube vor der Augenscheinlichkeit der Thatsachen merklich abzunehmen begann.
Es schlug gerade neun Uhr, als Carpena sich an der Thür des Salons zeigte. Er schien keinen der Anwesenden zu bemerken, obwohl seine Augen vollständig offen waren und ging direct auf den Gouverneur zu. Er ließ sich vor ihm auf die Knie nieder und sagte:
»Sire, ich bitte um Gnade!«
Der Gouverneur, vollständig verwirrt, als wenn er selbst sich unter dem Eindrucke einer Hallucination befände, wußte nicht, was er ihm antworten sollte.
»Sie können ihm mit ruhigem Gewissen Gnade zu Theil werden lassen, sagte der Doctor lachend. Er wird keine Erinnerung an dieselbe behalten.
– Ich begnadige Dich! antwortete der Gouverneur mit der Würde eines Königs aller Spanier.
– Wollen, Sire, nicht Ihrer Gnade das Kreuz Isabella’s hinzufügen? bettelte Carpena, noch immer auf den Knien liegend.
– Ich verleihe es Dir!«
Carpena machte eine Bewegung, die ausdrücken sollte, daß er einen ihm von dem Gouverneur gereichten Gegenstand entgegennähme und dieses imaginäre Kreuz an seine Brust hefte. Dann stand er auf und schritt rückwärts aus dem Salon.