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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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»Er erinnert sich wohl an nichts? fragte er.

– An nichts, antwortete der Gouverneur. Uebrigens ist er augenblicklich nicht bei den Pflasterarbeiten thätig.

– Wo ist er denn? fragte der Doctor, etwas beunruhigt, was aber nur Peter bemerken konnte.

– Er befindet sich im Hospital, erwiderte der Gouverneur. Es scheint, daß jener Anfall seine kostbare Gesundheit angegriffen hat.

– Wer ist dieser Mann?

– Er ist ein Spanier, Namens Carpena, ein gemeiner Mörder, wenig Ihres Interesses werth, Doctor Antekirtt; sein Tod wäre wahrlich kein Verlust für das Präsidio.«

Dann kam man auf andere Dinge zu sprechen. Es paßte dem Doctor augenscheinlich nicht, des Weiteren von dem Deportirten und seinem Leiden zu sprechen, der nach einigen Tagen schon als gesund aus dem Hospital entlassen werden sollte.

Nach Beendigung des Frühstücks wurde der Kaffee auf Deck eingenommen und der Rauch der Cigarren und Cigarretten verflüchtete unter dem Zeltdache des Hinterdecks. Später bot der Doctor dem Gouverneur an, ihn sofort zu begleiten. Er gehörte jetzt ihm und wäre bereit, die spanische Enclave in allen ihren Abtheilungen zu besichtigen.

Das Anerbieten wurde mit Freuden angenommen und bis zur Stunde des Diners hatte der Gouverneur vollauf Zeit, dem berühmten Besucher der Kolonie die Honneurs zu machen.

Der Doctor und Peter Bathory wurden also gewissenhaft in der ganzen Enclave, der Stadt und der Landschaft herumgeführt. Kein Detail wurde ihnen geschenkt, weder in dem Gefängnisse noch in den Kasernen. An jenem Tage – einem Sonntage – waren die Sträflinge natürlich ihrer gewöhnlichen Arbeiten überhoben, der Doctor konnte sie also unter neuen Verhältnissen beobachten. Carpena sah er nur, als er durch einen der Säle des Lazareths schritt; der Doctor schien ihm keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Dieser gedachte noch in derselben Nacht nach Antekirtta zurückkehren zu können, doch wollte er zuvor noch den größten Theil des Abends beim Gouverneur verbringen. Gegen sechs Uhr Abends betrat er die Residenz, woselbst ein elegant servirtes Diner ihn erwartete, das als Gegenstück zu dem von ihm gegebenen Frühstück am Vormittag betrachtet wurde.

Der Doctor wurde, was eigentlich selbstverständlich ist, auf seinem Spaziergange »intra et extra muros« von Namir verfolgt; er ahnte wohl kaum, daß er der Gegenstand einer so peinlichen Spionage war.

Man dinirte in sehr heiterer Laune. Einige hervorragende Persönlichkeiten der Kolonie, mehrere Officiere mit ihren Damen, zwei oder drei reiche Kaufleute waren ebenfalls gebeten worden und verbargen unschwer ihr Vergnügen, den Doctor Antekirtt sehen und sprechen hören zu können. Dieser erzählte gern und viel von seinen Reisen im Orient, durch Syrien, Arabien und Nordafrika.

Dann wendete sich die Unterhaltung wieder Ceuta zu und der Doctor konnte nicht umhin, dem Gouverneur für seine verdienstvolle Verwaltung der spanischen Enclave ein lautes Lob zu sagen.

»Macht Ihnen, fügte er hinzu, die Ueberwachung der Gefangenen nicht mitunter große Sorge?

– Und warum, mein lieber Herr Doctor?

– Ich denke, diese Leute machen oftmals den Versuch zu entfliehen? Da jeder Gefangene öfter an die Bewerkstelligung seiner Flucht denkt, als seine Wächter daran, sie zu verhindern, so folgt daraus, daß der Gefangene im Vortheil ist. Ich würde wirklich nicht überrascht sein, von Ihnen zu hören, daß so manchmal Einer beim Abendappell vermißt wird.

– Niemals, antwortete der Gouverneur, niemals! Wohin sollten diese Flüchtlinge auch gehen? Der Weg über das Meer ist ihnen vollständig abgeschnitten. In das Land hinein und unter die wilden Stämme Marokko’s zu fliehen, wäre sehr gefährlich. Folglich bleiben unsere Sträflinge ruhig im Präsidio, wenn auch nicht mit großem Vergnügen, so doch aus Klugheit.

– Wenn dem so ist, so kann man Ihnen Glück wünschen, Herr Gouverneur, denn es steht zu befürchten, daß dieses Hüten von Gefangenen in Zukunft eine noch schwierigere Sache sein wird, als sie es schon ist.

– Wie ist das zu verstehen, Herr Doctor? fragte einer der Gäste, den diese Unterhaltung ganz besonders interessirte, weil er der Director der Strafanstalt war.

– Weil, mein Herr, antwortete der Doctor, das Studium der magnetischen Erscheinungen große Fortschritte gemacht hat, weil die Proceduren mit Jedermann vorgenommen werden können, weil schließlich die Wirkungen der Suggestion von Tag zu Tag sich vermehren und auf nichts Kleineres hinauslaufen, als eine Person vollständig durch eine andere zu ersetzen.

– Wie könnte das in diesem Falle…? fragte der Gouverneur.

– In diesem Falle, denke ich wohl, wird es gerathen sein, die Wächter der Gefangenen nicht weniger überwachen zu lassen als letztere selbst. Ich war auf meinen Reisen häufig ein Zeuge so außerordentlicher Vorgänge, Herr Gouverneur, daß ich von dieser Gattung phänomenaler Erscheinungen eigentlich Alles erwarte. Es liegt in Ihrem Interesse, nicht zu vergessen, daß, wenn ein Gefangener unter dem Einflusse eines fremden Willens unbewußt entfliehen kann, ein demselben Einflusse unterworfener Wächter ihn nicht weniger unbewußt entfliehen lassen kann.

– Würden Sie wohl die Güte haben, uns zu erklären, worin diese überraschende Erscheinung besteht? fragte der Director der Strafanstalt.

– Sehr gern, Herr Director, an einem Beispiele werden Sie am Besten erkennen können, was ich meine, erwiderte Doctor Antekirtt. Nehmen Sie an, ein Wächter besäße eine natürliche Veranlagung, dem magnetischen oder hypnotischen Einflusse, was dasselbe ist, zu unterliegen, und nehmen wir ferner an, daß ein Sträfling diesen Einfluß auf ihn ausübt… Nun gut, so ist von diesem Augenblicke an der Gefangene zum Herrn über den Wächter geworden, er wird diesen thun lassen, wie es ihm gefälle, er wird ihn gehen lassen, wohin es ihm gefällt, er wird ihn nöthigen, ihm das Thor seines Gefängnisses aufzuschließen, wenn er in ihm diese Idee wachrufen wird.

– Sehr richtig, antwortete der Director, doch kann er es nur unter einer Bedingung; er muß den Wächter vorher eingeschläfert haben….

– Darin täuschen Sie sich, Herr Director, antwortete der Doctor. Alle Handlungen können in wachendem Zustande vorgenommen werden und trotzdem vollführt der Wächter sie unbewußt.

– Wie? Sie behaupten…?

– Ich behaupte und will es gern beweisen, daß ein Gefangener unter Ausübung des magnetischen Einflusses zu seinem Wächter sagen kann: An dem und dem Tage, zu der und der Stunde wirst Du das und das thun, und der Wächter wird es thun! An dem und dem Tage bringst Du mir die Schlüssel zu meiner Zelle und er wird sie bringen! An dem und dem Tage wirst Du mir das Thor des Präsidio öffnen und er wird es öffnen. An dem und dem Tage werde ich an Dir vorübergehen und Du wirst mich nicht vorübergehen sehen.

– Im wachenden Zustande?

– Vollständig wachend!«

Bei dieser Behauptung des Doctors machte sich unter den Anwesenden eine schlecht verhehlte Bewegung des Unglaubens geltend.

»Und doch ist, was der Herr Doctor sagt, vollständig richtig, schaltete Peter Bathory ein, ich selbst habe solch’ ähnliche Erscheinungen beobachtet.

– Man kann also, fragte der Gouverneur, die Materiellität einer Person durch die Blicke einer zweiten vollständig aufheben?

– Vollständig, wiederholte der Doctor, bei gewissen Individuen kann man eine so bedeutende Sinnennacht heraufbeschwören, daß sie Salz für Zucker,

Gibraltar.

Milch für Weinessig oder gewöhnliches Wasser für Bitterwasser ansehen und genießen. Im Reiche der Illusionen oder Hallucinationen ist nichts unmöglich, das Gehirn ist jedem Einflusse zu unterwerfen.

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