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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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wieder nüchtern war und seine Worte bedauerte, würde es ihm nicht schwerfallen, den Zeugen rasch aus dem Weg zu räumen.

Aber Alä Shahansha zeigte keinerlei Unbehagen. Als ein versiegelter Krug Wein gebracht wurde, warf er ihn Rob zu und führte ihn dann zu den Pferden zurück. Sie machten keinen Versuch zu jagen, sondern ritten einfach durch den trägen Tag, bis ihnen heiß wurde und sie angenehm müde wurden. Die Hügel waren mit Blumen übersät, kelchartige rote, gelbe und weiße Blüten auf dicken Stengeln. Es waren Pflanzen, die Rob in England nie gesehen hatte. Alä konnte ihm ihre Namen nicht nennen, doch er wußte, daß sie keinem Samen entsprossen, sondern einer zwiebelähnlichen Knolle.

»Ich bringe dich nun an einen Ort, den du nie jemandem zeigen darfst«, sagte Alä und führte Rob durch dickes Gebüsch, bis sie sich am farnbewachsenen Eingang einer Höhle befanden. Es stank nach verdorbenen Eiern, doch in der Höhle war die Luft warm, und vor ihnen glänzte ein Teich mit dunklem Wasser, der von grauen Felsblök-ken umgeben war, auf denen purpurfarbene Flechten wuchsen. Alä entkleidete sich bereits. »Zögere nicht! Leg deine Kleider ab, du dummer Dhimmi!«

Rob folgte unsicher und zögernd der Aufforderung und fragte sich, ob der Schah zu den Männern gehörte, die den Körper eines anderen Mannes lieben. Doch Alä war schon im Wasser und betrachtete ihn unverfroren, aber ohne Begierde.

»Bring den Wein! Du bist nicht besonders üppig bestückt, Europäer.« Rob erkannte, daß es unklug wäre, darauf hinzuweisen, daß sein Glied größer war als das des Herrschers.

Der Schah war jedoch feinfühliger, als Rob vermutet hatte, denn er grinste und sagte. »Ich muß nicht wie ein Hengst gebaut sein, denn ich kann jede Frau haben. Ich treibe es nie zweimal mit derselben, weißt du. Deshalb veranstaltet kein Gastgeber mehr als eine Belustigung für mich, es sei denn, er bekommt eine neue Frau.« Rob setzte sich vorsichtig in das heiße, nach Schwefeldämpfen riechende Wasser, und Alä öffnete den Weinkrug und trank. Dann lehnte er

sich zurück und schloß die Augen. Schweiß drang ihm aus den Poren, bis jener Teil seines Körpers, der sich außerhalb des Wassers befand, ebenso naß war wie der untergetauchte. Rob beobachtete ihn und fragte sich, wie man sich als Herrscher wohl fühlen mochte. »Wann hast du deine Unschuld verloren?« fragte Alä mit geschlossenen Augen.

Rob erzählte ihm von der Witwe in England, die ihn in ihr Bett genommen hatte.

»Ich war auch zwölf Jahre alt. Mein Vater trug damals seiner Schwester auf, zu mir ins Bett zu kommen, wie es bei uns jungen Prinzen Brauch ist. Das ist sehr vernünftig. Meine Tante war zärtlich und erfahren, fast wie eine Mutter. Ich dachte jahrelang, daß hinterher jedesmal eine Schale warmer Milch und Zuckerwerk kommen muß.«

Sie lagen zufrieden im Wasser.

»Ich möchte der König der Könige sein, Europäer«, sagte Alä schließlich.

»Ihr seid der König der Könige.« »So werde ich genannt.«

Jetzt schlug er die Augen auf und schaute Rob direkt an, ohne zu blinzeln. »Xerxes. Alexander. Cyrus. Darius.

Alles große Männer, und wenn sie auch nicht alle Perser von Geburt waren, starben sie als persische Könige, als große Herrscher über große Reiche. Jetzt gibt es kein einheitliches Reich mehr. In Isfahan bin ich der König. Im Westen regiert Toghrul-beg über große Stämme von nomadischen Seldschu-ken. Im Osten regiert Sultan Mahmud die Bergfesten von Ghazna. Jenseits von Ghazna herrschen zwei Dutzend schwache Rajahs in Indien, aber sie stellen nur untereinander eine Bedrohung dar. Die einzigen Herrscher, die stark genug sind, um von Bedeutung zu sein, sind Mahmud, Toghrul-beg und ich. Wenn ich hinausreite, stürzen die chawns und beglerbegs, die die Städte und Stadtstaaten regieren, aus ihren Mauern, um mir Tribut zu zahlen und mir kriecherisch Ehrenbezeigungen zu erweisen. Ich weiß aber, daß die gleichen chawns und beglerbegs sowohl Mahmud als auch Toghrul-beg huldigen würden, wenn sie ihr Heer dorthin führten. Früher, in alten Zeiten, kämpften kleine Königreiche und Könige, um ein gewaltiges Reich zu erwerben. Schließlich hielten nur noch zwei Männer die ganze Macht in Händen. Ardashir und Ardewan traten einander im Zweikampf gegenüber, jährend ihre Heere zusahen. Zwei große, gepanzerte Männer umkreisten einander m der Wüste. Der Kampf endete damit, daß Ardewan mit einer Keule erschlagen wurde und Ardashir der erste Mann war, der den Titel Shabansbab annahm. Wärst du nicht gern so ein König der Könige?«

Rob schüttelte den Kopt. »Ich will nur ein Medicus sein.« Er sah das Staunen auf dem Gesicht des Schahs.

»Etwas Neues! In meinem ganzen Leben hat noch niemand eine Gelegenheit versäumt, mir zu schmeicheln.

Doch du würdest mit dem Herrscher nicht tauschen wollen, das ist klar. Ich habe mich über dich erkundigt. Es heißt, daß du als Schüler bemerkenswert bist. Daß große Dinge von dir erwartet werden, wenn du einmal bakim wirst. Ich werde Männer brauchen, die großer Taten fähig sind und nicht meinen Hintern küssen. Ich werde mich der Tücke und der Macht des Thrones bedienen, um Qandrasseh abzuwehren. Die Schahs mußten immer kämpfen, um Persien zu behalten. Ich werde meine Heere und mein Schwert gegen die anderen Könige wenden.

Bevor ich sterbe, wird Persien wieder ein großes Reich sein, und ich werde mich mit Berechtigung Shahanshah nennen.«

Seine Hand faßte Robs Handgelenk. »Willst du mein Freund sein, Jesse ben Benjamin?«

Rob wußte, daß er von einem schlauen Jäger geködert und in die Falle gelockt worden war. Alä versicherte sich seiner zukünftigen Treue für seine Zwecke. Und er ging dabei kühl und berechnend vor. In diesem Monarchen steckte eindeutig mehr als ein betrunkener Wüstling. Rob hätte sich aus eigenem Antrieb nie dazu entschlossen, sich mit Politik zu befassen, und er bedauerte, daß er an diesem Morgen mit aufs Land hinausgeritten war. Aber es war geschehen, und er wußte genau, daß er in der Schuld des Schahs stand.

Er ergriff das Handgelenk des Schahs. »Ich bin Euer Gefolgsmann, Majestät.«

Alä nickte. Er tauchte wieder in den heißen Teich ein und kratzte sich auf der Brust. »So. Und gefällt dir mein Lieblingsort?« »Es stinkt hier so schwefelig wie ein Furz, Majestät.« Alä war kein Mann, der schallend lachte.

Er öffnete nur die Augen und lächelte. Schließlich sagte er wieder etwas: »Du kannst ruhig eine Frau mit hierher bringen, wenn du Lust hast, Dhimmi«, gestattete er träge.

»Mir gefällt das nicht«, meinte Mirdin, als er hörte, daß Rob mit Alä ausgeritten war. »Er ist unberechenbar und gefährlich.« »Es ist eine große Chance für dich«, sagte dagegen Karim. »Aber eine Chance, die ich gar nicht haben will«, erwiderte Rob. Zu seiner Erleichterung vergingen Tage, und der Schah rief ihn nicht wieder zu sich.

Er hatte das Bedürfnis nach Freunden, die keine Herrscher waren, und verbrachte einen großen Teil seiner Freizeit mit Mirdin und Karim.

Karim gewöhnte sich an das Leben eines jungen Arztes und arbeitete wie zuvor im maristan, nur daß ihm jetzt al-Juzjani ein kleines Gehalt für die tägliche Untersuchung und Behandlung seiner Patienten bezahlte. Da er mehr Zeit für sich selbst und etwas mehr Geld zur Verfügung hatte, besuchte er regelmäßig die maidans und die Freudenhäuser. »Komm doch mit!« drängte er Rob. »Ich bringe dich zu einer Hure, deren Haare so schwarz wie Rabenfedern und so fein wie Seide sind.«

Rob schüttelte lächelnd den Kopf. »Was für eine Frau möchtest du?« »Eine mit feuerrotem Haar.«

Karim grinste. »Die laufen einem hier nicht über den Weg.« »Ihr beide braucht Ehefrauen«, erklärte ihnen Mirdin gelassen, aber keiner der beiden hörte auf ihn. Rob widmete seine ganze Energie dem Studium, während Karim seine Schürzenjägerei fortsetzte, und seine Unersättlichkeit wurde für den Stab im Krankenhaus zu einer ständigen Quelle der Heiterkeit.

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