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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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In der Luft stand der Gestank von Cullens Eingeweiden. »Hat er Durchfall gehabt?«

Sie nickte müde und berichtete mit tonloser Stimme die Einzelheiten. Das Fieber hatte vor Wochen mit Erbrechen und schrecklichen Schmerzen im Unterleib begonnen. Mary hatte ihren Vater aufopfernd gepflegt.

Nach einiger Zeit war das Fieber zurückgegangen, und zu ihrer großen Erleichterung war es ihm besser gegangen. Einige Wochen lang hatte er ständig zugenommen und sich fast schon wieder erholt, aber dann waren die Symptome wiedergekommen, diesmal in noch schwererer Form.

Cullens Gesicht war blaß und eingesunken, seine Augen blickten trüb. Sein Puls war kaum zu ertasten. Ein Schüttelfrost hatte ihn vollkommen geschwächt, und er litt an Durchfall und ständigem Erbrechen.

»Die Diener dachten, es handle sich um die Pest. Sie sind weggelaufen«, erklärte Mary.

»Nein. Die Pest ist es nicht.« Das Erbrochene war nicht schwarz, und Cullen hatte keine Beulen. Ein geringer Trost. Cullens Unterbauch war auf der rechten Seite hart wie ein Brett. Als Rob darauf drückte, schrie Cullen auf, obgleich er in die tiefe Bewußtlosigkeit des Komas verfallen war.

Rob wußte, was es war. Als ihm die Krankheit das letzte Mal begegnet war, hatte er jongliert und gesungen, damit ein kleiner Junge ohne Angst sterben konnte.

»Eine Krankheit des Dickdarms. Manchmal nennt man sie auch Seitenkrankheit. Es ist ein Gift, das vom Darm ausgeht und sich im ganzen Körper verbreitet.« »Wodurch ist es entstanden?«

Er schüttelte den Kopf. »Vielleicht kam es zu einem Knick oder einer Verstopfung im Darm.« Beide erkannten, wie trostlos seine Unwissenheit war.

Rob gab sich mit James Cullen große Mühe und versuchte alles, was Abhilfe versprach. Er verabreichte ihm Klistiere mit dem Tee wilder Kamillen, und als sie nicht halfen, versuchte er es mit Rhabarber und Abführsalzen.

Er machte heiße Umschläge auf den Unterbauch, doch da wußte er schon, daß es vergeblich war.

Er blieb am Bett des Schotten. Mary hätte er gern ins Nebenzimmer geschickt, damit sie die Ruhe fand, die sie sich bisher versagt hatte, aber er wußte, daß das Ende nahte, und fand, daß sie später noch genug Zeit zum Ausruhen haben würde.

Mitten in der Nacht machte Cullen eine leichte Bewegung, es war mehr ein Zucken. »Es ist ja schon gut, Dad«, flüsterte Mary und rieb seine Hände. Er glitt so still und leicht hinüber, daß eine Zeitlang weder sie noch Rob erkannten, daß ihr Vater nicht mehr am Leben war.

Sie hatte ein paar Tage vor seinem Tod aufgehört, ihn zu rasieren, weshalb nun der graue Bart abgenommen werden mußte. Rob kämmte das Haar und hielt den Leichnam in den Armen, während sie ihn wusch, ohne Tränen zu vergießen. »Ich bin froh, daß ich ihm den letzten Dienst erweisen kann. Bei meiner Mutter durfte ich seinerzeit nicht helfen«, sagte sie.

Cullen hatte eine lange Narbe auf dem rechten Oberschenkel. »Die hat er bei der Jagd auf einen wilden Eber im Dickicht abbekommen, als ich elf Jahre alt war. Er mußte den Winter im Haus verbringen. Wir haben zusammen eine Krippe für Weihnachten gebastelt, und damals habe ich ihn erst richtig kennengelernt.«

Nachdem ihr Vater zurechtgemacht war, holte Rob Wasser von der Quelle und wärmte es auf dem Feuer.

Während Mary badete, hob er ein Grab aus, was sich als höllisch schwierig erwies, denn der Boden war felsig, und geeignetes Werkzeug stand nicht zur Verfügung. Schließlich benutzte er Cullens Schwert, einen kräftigen, zugespitzten Ast und die Hände zum Graben. Als die Grube fertig war, machte er aus zwei Stöcken, die er mit dem Gürtel des Toten zusammenband, ein Kreuz.

Sie trug das schwarze Kleid, in dem er sie kennengelernt hatte. Er hatte Cullen in eine Wolldecke gewickelt, die sie von daheim mitgebracht hatten und die so schön und warm war, daß es ihm leid tat, sie ins Grab zu legen.

Eigentlich hätte er eine Seelenmesse lesen müssen, aber er konnte nicht einmal ein richtiges Totengebet sprechen, denn er war nicht sicher, ob er den lateinischen Text richtig aufsagen konnte. Doch fiel ihm ein Psalm ein, den ihn seine Mutter gelehrt hatte.

»Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele, erführet mich aufrechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.«

Er schaufelte das Grab zu und stellte das Kreuz auf. Als er wegging, verharrte Mary mit geschlossenen Augen auf den Knien. Ihre Lippen bewegten sich und formten Worte, die nur ihr Geist hören konnte.

[•> !u'ß ihr Zeit, im Haus allein zu sein. Sie hatte ihm erzählt, daß sie ihre beiden Pferde freigelassen hatten, damit sie sich selbst unter dem sp.; 'hchen Bewuchs des wadi Nahrung suchen konnten, und er ritt iU;.. .im die Tiere einzufangen.

Er sah, daß sie mit einem Dornbuschzaun eine Koppel eingefriedet hatten. Drinnen fand er die Knochen von vier Schafen, die wahrscheinlich Raubtiere getötet und gefressen hatten. Zweifellos hatte Cullen viel mehr Schafe gekauft, die dann von Menschen gestohlen worden waren.

Dieser verrückte Schotte! Er hätte nie eine Herde bis nach Schottland bringen können. Und nun würde er selbst auch nicht mehr heimkommen, und seine Tochter war in einem unwirtlichen Land allein auf sich gestellt.

An einem Ende des schmalen, steinigen Tales entdeckte Rob die Überreste von Cullens Schimmel. Vielleicht hatte er sich ein Bein gebrochen und war so zu einer leichten Beute geworden; der Kadaver war fast ganz aufgezehrt. Rob erkannte die Spuren von Schakalen, kehrte zu dem frischen Grab zurück und legte schwere, flache Steine darauf, damit die Tiere die Leiche nicht ausgruben. Er fand Marys schwarzes Pferd am hinteren Ende des wadi, so weit von den fressenden Schakalen entfernt, wie es ihm möglich gewesen war. Es war nicht schwer, dem Pferd ein Halfter anzulegen, denn es sehnte sich offensichtlich nach Geborgenheit und Sicherheit.

Als er zum Haus zurückkam, war Mary gefaßt, aber noch sehr blaß. »Was hätte ich getan, wenn du nicht gekommen wärst?« Er lächelte und erinnerte sich an die verbarrikadierte Tür und das Schwert m ihrer Hand.

»Was notwendig gewesen wäre.« Sie war sehr beherrscht. »Ich möchte mit dir nach Isfahan gehen.« »Das möchte ich auch.« Sein Herz tat einen Sprung, doch ihre nächsten Worte ernüchterten ihn. Gibt es dort eine Karawanserei?« Ja. Sie ist sehr gut besucht.«

Dann werde ich mich einer Karawane mit Begleitschutz anschließen, die nach Westen zieht zu einem Haien, von dem aus ich eine Passage nach Hause buchen kann.«

Er trat zu ihr und ergriff ihre Hände, es war das erste Mal seit ihrem Wiedersehen, daß er sie berührte. Ihre Finger waren von der Arbeit

rauh geworden und nicht so glatt wie die Hand einer Haremsdame, aber er wollte sie nicht loslassen. »Mary, ich habe einen schrecklichen Fehler begangen. Ich kann dich nicht wieder gehen lassen.« Ihre Augen ruhten ruhig auf ihm. »Komm mit mir nach Isfahan, aber bleib dort bei mir!« Es wäre leichter gewesen, wenn er nicht gezwungen gewesen wäre, ihr schuldbewußt alles über Jesse ben Benjamin und die Notwendigkeit, sich zu tarnen, zu erzählen.

Es war, als fließe ein Strom zwischen ihren Fingern, aber aus ihren Augen sprach Aufgebrachtheit, eine Art Entsetzen. »So viele Lügen!« tadelte sie ihn ruhig. Sie löste sich von ihm und ging ins Freie. Sie blieb so lange draußen, daß er sich bereits Sorgen machte, da kam sie wieder zurück.

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