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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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»Erkläre mir, warum die Täuschung der Mühe wert ist.« Er zwang sich, seine Gründe in Worte zu fassen, ein schwieriges Unterfangen, dem er sich unterzog, weil er sie wollte und wußte, daß sie das Recht auf Wahrheit hatte.

»Weil ich berufen bin. Als hätte Gott gesagt: >Bei der Erschaffung des Menschen habe ich Fehler begangen, und ich beauftrage dich, einige meiner Fehler zu beheben.« Es ist nicht meine Entscheidung. Das Schicksal hat mich auserwählt.«

Seine Worte jagten ihr Angst ein. »Es ist eine Gotteslästerung, sich als jemanden hinzustellen, der Gottes Fehler verbessert!« »Nein, nein«, entgegnete er sanft. »Ein guter Arzt ist nur sein Werkzeug.«

Sie nickte, und nun glaubte er einen Schimmer von Verständnis, vielleicht sogar von Neid in ihren Augen zu erkennen. »Ich müßte dich immer mit einer Geliebten teilen.« Irgendwie spürt sie mein Verhältnis mit Despina, dachte er dummerweise und sagte: »Ich will nur dich.«

»Nein, du liebst nur deine Arbeit, und sie wird immer an erster Stelle stehen - vor deiner Familie, vor allem anderen. Aber ich liebe dich so, Rob, und ich will deine Frau sein.« Er schloß sie in die Arme.

»Die Cullens heiraten in der Kirche«, sagte sie, den Kopf an seine Schulter gelehnt. »Selbst wenn wir in Persien einen Priester fänden, würde er eine

Christin nicht mit einem Juden trauen. Wir müssen den Leuten weismachen, wir hätten in Konstantinopel geheiratet. Wenn meine Ausbildung als Medicus beendet ist, werden wir nach England zurückkehren und uns rechtmäßig trauen lassen.« »Und bis dahin?« fragte sie traurig.

»Eine in die Hand gelobte Ehe.« Er nahm ihre Hände in die seinen. Sie sahen einander ernst an.

»Selbst bei einer in die Hand gelobten Ehe sollten Worte gesprochen werden«, verlangte sie.

»Mary Cullen, ich nehme dich zu meiner Frau«, sagte er heiser. »Ich verspreche, für dich zu sorgen und dich zu beschützen, und du bist meiner Liebe sicher.« Er hätte die Worte gern besser gewählt, doch er war so tief gerührt, daß er seine Zunge nicht unter Kontrolle hatte. »Robert Jeremy Cole, ich nehme dich zum Mann«, sprach sie deutlich. »Ich verspreche, dir dorthin zu folgen, wo du hingehst, und immerdar dein Wohlergehen im Auge zu haben. Du besitzt meine Liebe, seit ich dich zum erstenmal sah.«

Sie drückte seine Hände so fest, daß es schmerzte, und er konnte das Pochen ihres Pulses fühlen. Er wußte, daß das frische Grab draußen Freude unschicklich erscheinen ließ, dennoch empfand er ein wildes Gemisch von Gefühlen, und er sagte sich, daß ihrer beider Gelübde besser gewesen sei als viele andere, die in der Kirche gesprochen wurden.

Er packte ihre Habseligkeiten auf sein braunes Pferd, und sie stieg auf den Rappen. Er legte den Packen jeden Morgen einem anderen Tier auf. In den seltenen Fällen, wenn der Weg gut und eben war, saßen er und Mary auf einem Pferd, aber die meiste Zeit ritt nur sie, und er ging zu Fuß voran. Es war eine langsame Reise, aber er hatte es nicht eilig. Sie war schweigsamer, als er sie in Erinnerung hatte, und er unternahm keinen Versuch, sie anzurühren, weil er ihren Kummer achtete. In der zweiten Nacht ihrer Reise nach Isfahan lagerten sie auf einer buschbestandenen Lichtung neben der Straße; er lag wach und hörte, wie sie endlich weinte.

»Wenn du Gottes Helfer bist und Seine Fehler behebst, warum konntest du dann ihn nicht retten?« »Ich weiß nicht genug.«

Es hatte lange gedauert, bis sie zu weinen anfing, und nun konnte sie nicht aufhören. Er schloß sie in die Arme.

Während sie den Kopf an seine Schulter legte, begann er ihr nasses Gesicht zu küssen. Schließlich küßte er ihren Mund, der so weich und nachgiebig war und genauso schmeckte wie in seiner Erinnerung. Er streichelte ihren Rücken und liebkoste die reizende Grube am Ende ihres Rückgrats und dann, als ihr Kuß drängender wurde und er ihre Zunge spürte, griff er unter ihre Kleider.

Sie weinte wieder, ließ aber seine Hände gewähren, und schließlich spreizte sie die Beine, um ihn in sich aufzunehmen. Bei aller Leidenschaft empfand er Dankbarkeit und nahm unendliche Rücksicht auf sie. Ihre Vereinigung war ein zartes, köstliches Schaukeln, bei dem sie sich kaum bewegten. Es ging immer weiter, immer weiter, bis er herrlich zum Höhepunkt gelangte. Beim Versuch zu heilen wurde er selbst geheilt, beim Versuch zu trösten wurde er selbst getröstet. Um aber auch ihr ein wenig Trost zu spenden, mußte er sie mit der Hand zum Höhepunkt führen.

Nachher hielt er sie in den Armen und sprach leise zu ihr, erzählte ihr von Isfahan und der Jehuddijeh, von der madrassa, vom Krankenhaus und von Ibn Sina. Und von seinen Freunden, dem Mohammedaner und dem Juden: Karim und Mirdin. »Haben sie Frauen?«

»Mirdin hat eine Frau. Karim hat viele Frauen.« Ineinander verschlungen schliefen sie ein.

Im trüben, grauen Morgenlicht wurde er von knirschendem Sattelleder und langsamem Hufgetrappel auf staubiger Straße geweckt. Er hörte jemanden husten und die Unterhaltung von Männern, die auf den Tieren saßen.

Er blickte über Marys Schulter durch den dornigen Busch, der ihr Versteck von der Straße trennte, und sah einen Trupp Soldaten vorbeireiten. Sie sahen grimmig aus, trugen die gleichen orientalischen Schwerter wie Aläs Männer, führten aber Bogen mit, die kürzer waren als die persischen. Die Soldaten trugen zerlumpte Kleidung und ehemals weiße Turbane mit dunklen Schweiß- und Schmutzflecken. Ein Gestank ging von ihnen aus, der bis zu Rob drang. Voller Angst wartete er darauf, daß eines seiner Pferde ihn verraten oder ein Reiter durch die Büsche spähen und ihn und die schlafende Frau entdecken könnte.

£jn vertrautes Gesicht kam in Sicht, und er erkannte Hadad Khan, den ungestümen Gesandten der Seldschuken am Hof von Alä Shahansha. pas waren also Seldschuken. Und neben dem weißhaarigen Hadad Khan ritt noch jemand, den er kannte, ein mullah namens Musa Ibn Abbas, persönlicher Gehilfe des Imam Mirza-abul Qandrasseh, des persischen Großwesirs.

Rob sah noch sechs andere mullahs und zählte sechsundneunzig berittene Soldaten. Er konnte unmöglich wissen, wie viele vorbeigeritten waren, während er noch geschlafen hatte.

Weder sein Pferd noch das von Mary wieherte oder gab ein Geräusch von sich, das ihre Anwesenheit verraten hätte. Endlich ritt der letzte Seldschuke vorbei, und Rob wagte wieder zu atmen, während er hörte, wie der Lärm schwächer wurde.

Nun küßte er seine Frau, um sie zu wecken, und dann verlor er keine Zeit mehr. Er brach das primitive Lager ab, und sie machten sich auf den Weg, denn jetzt hatte er jeden Grund zur Eile.

Der Chatir

»Verheiratet?« fragte Karim. Er sah Rob grinsend an.

»Eine Frau! Ich hatte nicht erwartet, daß du meinen Rat annehmen würdest«, strahlte Mirdin. »Wer hat diese Ehe vereinbart?«

»Niemand. Das heißt«, unterbrach sich Rob hastig, »es gab vor einem Jahr eine Heiratsvereinbarung, die aber bis jetzt nicht durchgeführt wurde.«

»Wie heißt sie?« fragte Karim.

»Mary Cullen. Sie ist Schottin. Ich habe sie und ihren Vater in einer Karawane auf meiner Reise nach dem Osten kennengelernt.« Er erzählte ihnen von James Cullen, seiner Krankheit und seinem Tod. Mirdin schien kaum zuzuhören. »Eine Schottin. Sie ist Europäerin?«

»Ja. Sie stammt aus einem Ort nördlich von meiner Heimat.«

»Sie ist Christin?«

Rob nickte.

»Ich muß diese Europäerin kennenlernen«, sagte Karim. »Ist sie hübsch?«

»Sie ist sehr schön!« platzte Rob heraus, und Karim lachte. »Aber ich will, daß ihr euch selbst ein Urteil macht.«

Rob dehnte durch eine Handbewegung die Einladung auf Mirdin aus, merkte aber, daß sein Freund bereits gegangen war.

Rob freute sich nicht gerade darauf, dem Schah zu berichten, was er gesehen hatte, aber er wußte, daß er sich zur Treue verpflichtet hatte und ihm keine andere Wahl blieb. Als er im Palast erschien und verlangte, den König zu sprechen, lächelte Khuff hart. »Was ist Euer Begehr?«

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