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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Das Wetter schlug um, und die Luft wurde so feucht und mild, daß sie Robs Haut liebkoste, als er das Haus verließ. Die ganze Welt war jung, und der Zajandeh, der Fluß des Lebens, toste seit der Schneeschmelze Tag und Nacht. In London war der April neblig, aber in Isfahan war der Monat Shaban milder und schöner als der englische Mai. Die vernachlässigten Aprikosenbäume hinter Robs kleinem Haus blühten in überwältigender weißer Pracht, als eines Morgens Khuff vor seiner Tür hielt und ihm die Nachricht überbrachte, daß Alä

Shahansha an diesem Tag bei einem Ausritt seine Gesellschaft wünsche.

Rob hatte Bedenken, seine Zeit mit dem launischen Monarchen zu verbringen, und er war überrascht, daß der Schah sich an sein Versprechen erinnert hatte, sie würden zusammen ausreiten. Im Stall des Hauses des Paradieses wurde ihm bedeutet, er möge warten. Er geduldete sich eine beträchtliche Weile. Schließlich kam Alä mit einem so großen Gefolge, daß Rob nicht mehr aus dem Staunen kam. »Nun, Dhimmi.« »Majestät.«

Alä Shahansha brach den ravi zemin ungeduldig ab, und sie schwangen sich rasch in den Sattel. Sie ritten tief in das Hügelland, der Schah auf einem weißen arabischen Hengst, der mühelos dahinzufliegen schien, während Rob hinter ihm herritt. Dann legte der Schah einen leichten Galopp vor und winkte Rob neben sich. »Du bist ein ausgezeichneter Arzt, weil du das Reiten verordnest, Jesse. Ich bin im Sumpf des Hofes versunken. Ist es nicht angenehm, fern von den Menschen zu sein?« »So ist es, Majestät.«

Rob warf einen Augenblick später verstohlen einen Blick zurück. Weit hinter ihnen kam der gesamte Hof: Khuff und seine Garde, die ein wachsames Auge auf den Monarchen hatten, Stallmeister mit Ersatzpferden und Packtieren, dazu Wagen, die schwankten und rasselten, während sie über das rauhe, freie Gelände gezogen wurden. »Möchtest du ein lebhafteres Pferd als Reittier?« Rob lächelte. »Es wäre eine Vergeudung der Großzügigkeit Eurer Majestät. Dieses Pferd paßt zu meiner bescheidenen Reitkunst.« In Wirklichkeit hatte er den braunen Wallach längst ins Herz geschlossen. Alä schnaufte. »Es ist klar, daß du kein Perser bist, denn kein Perser würde sich eine Gelegenheit entgehen lassen, ein besseres Pferd zu bekommen. Uns Persern geht das Reiten über alles, und männliche Kinder werden von ihren Müttern mit einem winzigen Sattel zwischen den Beinen geboren.« Er stieß dem Araber die Fersen übermütig in die Flanken. Das Pferd sprang über einen umgestürzten Baum, der Schah drehte sich um, spannte seinen riesigen Langbogen über die linke Schulter hin und lachte schallend, als der große Pfeil sein Ziel verfehlte.

»Kennst du die Geschichte, die hinter dieser Übung steckt?« »Nein, Majestät. Bei Eurer Belustigung haben sie Reiter vorgeführt.« »Ja, man sieht sie oft bei uns, und es gibt Leute, die sie hervorragend beherrschen. Die Übung heißt der parthische Schuß. Vor achthundert Jahren waren die Parther eines der vielen Völker unseres Landes. Sie lebten östlich von Medien in einem Gebiet, das vor allem aus schrecklichen Bergen und einer noch schrecklicheren Wüste, der Dasht-i-jCavir, besteht.«

»Ich kenne die Dasht-i-Kavir. Ich habe einen Teil von ihr durchquert, als ich zu Euch kam.«

»Dann kennst du auch den Menschenschlag, der dort leben kann«, sagte Alä und ziigelte kräftig den Hengst, um neben dem Wallach zu bleiben.

»Es gab einen Kampf um die Herrschaft über Rom. Einer der Bewerber um die Macht war der alternde Crassus, Statthalter von Syrien. Er brauchte einen militärischen Erfolg, um die Taten seiner Rivalen Caesar und Pompeius zu übertreffen, und er beschloß, die Parther herauszufordern. Das parthische Heer, das ein Viertel der gefürchteten römischen Legionen des Crassus ausmachte, wurde von einem General namens Suren angeführt. Es bestand zumeist aus Bogenschützen auf kleinen, schnellen persischen Pferden und einer kleinen Streitmacht von gepanzerten Soldaten, Reitern, die lange, todbringende Lanzen trugen. Die Legionen des Crassus marschierten geradewegs auf Suren zu, der sich in die Dasht-i-Kavir zurückzog. Crassus verfolgte ihn in die Wüste, statt sich nach Norden, nach Armenien zu wenden. Und etwas Wunderbares geschah. Die gepanzerten Reiter griffen die Römer an, bevor diese die Möglichkeit gehabt hatten, ihre klassische Verteidigungsformation zu bilden. Nach dem ersten Angriff zogen sich die Lanzenreiter zurück, und die Bogenschützen griffen ein. Sie verwendeten persische Langbogen, die so aussahen wie meiner und durchschlagskräftiger waren als die römischen. Ihre Pfeile durchbohrten die römischen Schilde, Brustharnische und Beinschienen, und zur Verblüffung der Legionen schössen die Parther ihre Pfeile treffsicher über ihre Schultern ab, während sie sich zurückzogen.« »Der parthische Schuß«, sagte Rob.

»Der parthische Schuß. Zunächst hielt die Kampfmoral der Römer an, weil sie erwarteten, daß den Parthern der Vorrat an Pfeilen bald ausgehen würde. Aber Suren brachte mit Lastkamelen neue Pfeile herbei, und die Römer konnten ihre gewohnte Taktik des Nahkampfes nicht anwenden. Crassus schickte als Ablenkung seinen Sohn auf ein Stoßtruppunternehmen, doch der Kopf des jungen Mannes wurde ihm auf der Spitze einer persischen Lanze zurückgeschickt. Die Römer flohen im Schutz der Nacht - die mächtigste Armee der Welt! Zehntausend Mann entkamen unter der Führung von Cassius, einem der späteren Mörder Caesars. Zehntausend wurden gefangengenommen. Und zwanzigtausend, darunter Crassus, fanden den Tod. Die Verluste der Parther waren unbedeutend, und seit diesem Tag übt jeder persische Schuljunge den parteiischen Schuß.«

Alä ließ dem Hengst die Zügel schießen und versuchte es wieder. Diesmal schrie er vor Freude, als der Pfeil tief in den Stamm eines Baumes drang. Dann hob er den Bogen hoch in die Luft, ein Zeichen für sein Gefolge, daß es zu ihm aufschließen solle.

Ein dicker Teppich wurde herbeigebracht und ausgerollt, und auf ihm stellten die Soldaten das Zelt des Königs auf. Bald wurden die Speisen aufgetragen, während drei Musikanten leise auf Zimbeln spielten. Alä setzte sich und winkte Rob, neben ihm Platz zu nehmen. Man setzte ihnen Brüste von verschiedenem, mit schmackhaften Gewürzen gebratenem Wildgeflügel vor, eine pilaw-Pa.stete, Brot, Melonen, die man über den Winter in einem Keller aufbewahrt haben mußte, und drei verschiedene Weine. Rob aß mit Vergnügen, während Alä nur wenig von den Speisen kostete, dafür beständig von allen drei Weinen trank. Als Alä das Spiel des Schahs verlangte, wurde sofort ein Schachbrett mit Figuren gebracht. Rob erinnerte sich an die verschiedenen Züge, aber der Schah schlug ihn mit Leichtigkeit dreimal hintereinander, obwohl er weiteren Wein verlangte und ihn rasch hinunterstürzte. »Qandrasseh will die Verordnung gegen das Weintrinken mit Gewalt durchsetzen«, sagte Alä

Shahansha. Rob fiel keine unverfängliche Antwort ein.

»Ich will dir von Qandrasseh erzählen, Dhimmi. Qandrasseh nimmt an - zu Unrecht! -, daß die Hauptaufgabe des Herrschers darin besteht, die Übertretung des Qu'ran zu ahnden. Das Königtum dient jedoch der Vergrößerung des Reichs und dazu, es zu einem Machtfaktor zu machen, nicht, um sich um die häßlichen Sünden von Dorfbewohnern zu kümmern. Aber der Imam glaubt, er sei Allahs schreckliche rechte Hand. Es genügt ihm nicht, daß er vom Vorsteher einer kleinen Moschee in Medien zum Großwesir des Schahs von Persien aufgestiegen ist. Er ist nämlich entfernt mit der Abbasidenfamilie verwandt, in seinen Adern fließt das Blut der Kalifen von Bagdad. Er würde allzu gern eines Tages in Isfahan herrschen und von meinem Thron aus mit religiösem Fanatismus zuschlagen.«

Auch wenn ihm eine Antwort eingefallen wäre, hätte Rob diesmal nichts entgegnen können, denn er war starr vor Schreck. Die vom Wein gelöste Zunge des Schahs hatte ihn in höchste Gefahr gebracht, denn wenn Alä

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