Der Medicus
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:
Der Medicus
Roman
Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon
Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
Der Stadthauptmann warf ihm einen eisigen Blick zu, als Rob schweigend den Kopf schüttelte.
Khuff ersuchte ihn zu warten und ging zu Alä, um ihm zu melden, daß der fremde Dhimmi]esse ihn zu sprechen wünsche, und gleich darauf führte der alte Soldat Rob zum König.
Alä roch nach Alkohol, hörte sich aber ziemlich nüchtern Robs Bericht an, daß sein Großwesir frömmelnde mullahs ausgesandt habe, um mit Feinden des Schahs zusammenzukommen und Absprachen zu treffen.
»Es hat keinen Bericht über Angriffe in Hamadhän gegeben«, sagte Alä langsam. »Es war also kein Raubzug der Seldschuken. Sie sind zweifellos zusammengekommen, um Verrat zu planen.« Er betrachtete Rob mit verschleierten Augen. »Mit wem hast du darüber gesprochen?« »Mit keinem Menschen, Majestät.« »So soll es auch bleiben.«
Statt eines weiteren Gesprächs stellte Alä Shahansha ein Schachbrett zwischen sie. Er freute sich sichtlich darüber, daß Rob ein ernstzunehmender Gegner geworden war.
»Ah, Dhimmi, du wirst geschickt und schlau wie ein Perser!« Es gelang Rob, eine Zeitlang Widerstand zu leisten. Am Ende schlug ihn Alä vernichtend, und es war wie immer shahtreng. Aber beide erkannten, daß das Spiel eine neue Dimension gewonnen hatte. Es war jetzt eher ein Kampf, und vielleicht hätte Rob sogar noch länger durchhalten können, wenn er es nicht so eilig gehabt hätte, wieder zu seiner Frau zu kommen.
Isfahan war die schönste Stadt, die Mary je gesehen hatte, oder vielleicht kam es ihr so vor, weil sie mit Rob dort lebte. Sie freute sich
Über das kleine Haus in der Jehuddijeh, obwohl das Judenviertel schäbig war. Das Haus war nicht so groß wie jenes, das sie und ihr Vater im Ahmads wadi in Hamadhän bewohnt hatten, aber es war solider gebaut.
Auf ihr Drängen kaufte Rob Mörtel und ein paar einfache Werkzeuge, und sie versprach, das Haus am ersten Tag, an dem sie allein war, herzurichten. Die volle Hitze des persischen Sommers lastete auf ihr, und das schwarze Trauerkleid mit den langen Ärmeln war bald durchgeschwitzt.
Am Vormittag klopfte der schönste Mann, den sie je gesehen hatte, an die Tür. Er trug einen Korb mit dunklen Pflaumen, den er abstellte, um ihr rotes Haar zu berühren, was sie in Angst versetzte. Er kicherte, sah beeindruckt aus und lächelte sie mit makellos weißen Zähnen im braungebrannten Gesicht an. Er sprach lange; es klang gewandt, angenehm und voll Gefühl, aber es war Persisch. »Es tut mit leid«, bedauerte sie.
»Ah.« Er verstand sofort und berührte seine Brust. »Karim.« Sie verlor ihre Befangenheit und war entzückt. »Ihr seid also der Freund meines Mannes. Er hat von Euch gesprochen.« Karim strahlte und führte sie, während sie mit Worten protestierte, die er nicht verstand, zu einem Stuhl, auf den sie sich setzte und eine süße Pflaume aß, während er den Mörtel zu der genau richtigen Konsistenz mischte, ihn in drei Sprünge an den Innenwänden verteilte und dann ein Fenstersims erneuerte. Sie erlaubte ihm auch ungehemmt, ihr beim Ausschneiden der großen, verwilderten Büsche im Garten zu helfen. Karim war noch da, als Rob nach Hause kam, und Mary bestand darauf, daß er an ihrer Mahlzeit teilnahm, die sie verschieben mußten, bis es dunkel geworden war, denn es war Ramadan, der neunte Monat, der Monat des Fastens.
»Ich mag Karim«, sagte sie, als er gegangen war. »Wann werde ich den anderen - Mirdin - kennenlernen?« Er küßte sie und schüttelte den Kopf. »Ich weiß es nicht.«
Ramadan erschien Mary als ein höchst merkwürdiges Fest. Es war Robs zweiter Ramadan in Isfahan, und er erklärte ihr, es sei ein düsterer Monat, der vor allem dem Gebet und der Buße geweiht war, aber alle dachten zumeist nur ans Essen, denn es war den Mohammedanern verboten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang feste Nahrung oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
Auf den Märkten und den Straßen gab es keine Essenverkäufer, die maidans blieben den ganzen Monat lang dunkel und still, obwohl Freunde und Familien sich abends versammelten, um zu essen und sich für das Fasten des nächsten Tages zu stärken.
»Voriges Jahr hielten wir uns während des Ramadan in Anatolien auf«, erinnerte sich Mary sehnsüchtig.. »Vater kaufte Lämmer von einem Hirten und gab ein Fest für unsere mohammedanischen Diener.«
»Wir könnten anläßlich des Ramadan ein Abendessen geben.« »Das wäre schön, aber ich bin m Trauer«, erinnerte sie ihn. Sie war zwischen widersprechenden Gefühlen hin und her gerissen, manchmal war der Kummer über ihren Verlust so groß, daß sie wie gelähmt war, dann wieder war ihr schwindelerregend bewußt, daß sie in ihrer Ehe die glücklichste Frau war.
Bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen sie das Haus verließ, schien es ihr, daß die Menschen sie feindselig anstarrten. Ihr schwarzes Trauerkleid glich ganz den Kleidern der anderen Frauen in der Jehud-dijeh, aber zweifellos war sie durch ihr unbedecktes rotes Haar als Europäerin kenntlich. Sie versuchte, ihren breitkrempigen Reisehut zu tragen, aber sie sah, daß die Frauen auf der Straße trotzdem mit Fingern auf sie zeigten und ihr gegenüber unvermindert kühl blieben. Während des ganzen Monats Ramadan besuchte sie nur Karim, und sie sah den jungen persischen Arzt auch mehrmals durch die Straßen laufen, ein Anblick, bei dem sie den Atem anhielt, denn es war, als beobachte sie ein elegantes Reh. Rob erzählte ihr von dem Wettlaut, dem chatir, der am ersten Tag des dreitägigen Festes stattfinden sollte, das Bairam hieß und am Ende der langen Fastenzeit gefeiert wurde. »Ich habe versprochen, Karim während des Wettlaufs beizustehen.« »Wirst du sein einziger Helfer sein?«
»Mirdin wird auch hinkommen. Aber Karim wird uns beide brauchen.«
»Dann bist du dazu verpflichtet«, erklärte sie entschieden. »Der Wettlauf selbst ist keine Feier. Es kann kein Verstoß sein, wenn jemand, der Trauer trägt, zusieht.« Sie dachte darüber nach, während der Bairam näherrückte, und
schließlich rang sie sich zu dem Entschluß durch, daß ihr Mann recht hatte und sie dem chatir beiwohnen würde.
Arn ersten Morgen des Monats Shawwa stand Karim früh auf, kochte einen großen Topf Erbsen mit Reis und bestreute den einfachen pilaw mit Selleriesamen, die er mit großer Sorgfalt abmaß. Er aß mehr, als er brauchte, stopfte sich voll, kehrte dann in sein Bett zurück und ruhte sich aus, während der Selleriesamen zu wirken begann. Er betete nicht um Sieg. Als er ein Junge war, hatte ihm Zaki-Omar oft genug gepredigt: »Jeder gelbe Hund von einem Läufer betet um den Sieg. Wie verwirrend für Allah! Es ist besser, wenn man Ihn bittet, einem Schnelligkeit und Ausdauer zu verleihen, um damit selbst die Verantwortung für Sieg oder Niederlage zu übernehmen.« Als er den Drang verspürte, stand er auf, ging zum Eimer und hockte sich lange und befriedigend darüber, um seine Gedärme zu entleeren. Die Menge Selleriesamen war richtig bemessen gewesen: Als er fertig war, war er entleert, aber nicht geschwächt.
Er wärmte Wasser, badete bei Kerzenlicht und rieb sich rasch trocken, denn die abnehmende Dunkelheit brachte Kühle. Dann fettete er sich mit Olivenöl gegen die Sonne ein, und jene Stellen zweimal, an denen durch Reibung offene Stellen entstehen konnten: Brustwarzen, Achselhöhlen, Leiste und Penis, die Gesäßfalte und schließlich die Füße, wobei er darauf achtete, auch die Zehenspitzen einzuölen. Er legte ein leinenes Hüfttuch und ein Leinenhemd an, leichte Laufschuhe und eine schmucke, federgeschmückte Mütze. Um den Hals hängte er den Köcher des Bogenschützen und ein Amulett in einem kleinen Stoffbeutel. Er warf sich einen Umhang über die Schultern, um sich gegen die Kühle zu schützen, und verließ dann das Haus. Er ging zuerst langsam und dann schneller, spürte die Wärme, die seine Muskeln und Gelenke lockerte. Es waren noch wenige Menschen unterwegs. Niemand bemerkte ihn, als er zu einem Busch trat und ein letztes Mal nervös seine Blase entleerte.