Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
In drei Tagen hatten sie sich über zehn Millionen Kilometer von der Venus entfernt.
Somit mußten sie sich ganz auf die Hinweise von der Erde und auf mathematische Berechnungen verlassen. Wie bereits gesagt, hatte sich Belopolski entschlossen, in kürzester Zeit zur Venus zurückzukehren. Das Raumschiff sollte einen Halbkreis nach links beschreiben, dann geradeaus fliegen und seine Geschwindigkeit auf fünfzig Kilometer in der Sekunde steigern.
Vor Erreichen der Umlaufbahn der Venus sollte es erneut eine Kurve beschreiben, diesmal nach rechts, und sich so hinter den Planeten, in die unmittelbare Nähe des Raumschiffs der Phaetonen, manövrieren. Dann begann der schwierigste Teil des Plans. Es galt, sich dem äußeren Ring ganz dicht zu nähern, sich an ihm festzuhaken, damit eine plötzliche Geschwindigkeitsbeschleunigung des „Phaetonen“ die Operation nicht zum Scheitern brachte, und in Raumanzügen ins Innere einzudringen.
Das war der Plan des Kommandanten.
Die sieben Besatzungsmitglieder der „SSSR-KS 3“ hießen ihn gut. Sie alle waren von dem Wunsch beseelt, die Freunde zu retten. Nachdem diese Aufgabe für sie plötzlich real geworden war, nahm sie ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch, und sie dachten nicht daran, und wollten es auch gar nicht, welch schwere Belastung ihnen bevorstand. Durch die Wendung bei voller Geschwindigkeit und in einer verhältnismäßig engen Kurve sparten sie mehrere wertvolle Stunden ein. Das war die Hauptsache.
Konnten doch gerade diese wenigen Stunden die entscheidende Rolle spielen.
Das erste Wendemanöver begann. Es war auf nahezu drei Stunden berechnet. Ebensoviel Zeit erforderte auch das zweite.
Bei einer Geschwindigkeit von vierzig Kilometern in der Sekunde ist die Zentrifugalwirkung beträchtlich. Das Gewicht aller Gegenstände und Körper im Raumschiff nahm gegenüber seinem gewöhnlichen Gewicht auf der Erde erheblich zu. Jede Bewegung kostete große Mühe. Die Besatzung lag in den Hängematten und überließ es dem Autopiloten, den festgelegten Kurs zu halten.
Aber nicht alle konnten das. Laut Anordnung von der Erde hatte die Funkstation ständig besetzt zu sein, und niemand kam auf den Gedanken, auch nur für drei Stunden gegen diesen Befehl zu verstoßen. Konnte doch gerade während dieser Zeit die Mitteilung von einer Kursänderung des „Phaetonen“ eintreffen.
Dann kam es darauf an, so schnell wie möglich den eigenen neuen Kurs zu berechnen und einzuschlagen.
Knjasew kam Toporkow zu Hilfe. Sie lösten sich gegenseitig am Empfänger ab, bereit, jeden Augenblick einen Funkspruch aufzunehmen und an das zentrale Steuerpult weiterzugeben, wo Belopolski, Paitschadse und Saizew sich ständig befanden. Aber während diese drei ihre Arbeit liegend verrichten konnten, mußte der diensthabende Funker sitzen. Neben dem Funkgerät eine Hängematte anzubringen erwies sich als unmöglich, da man nicht wußte, woran man sie befestigen sollte, denn zum Anschweißen selbst einfacher Haken an die Wand war keine Zeit.
Den Konstrukteuren und Erbauern der „SSSR-KS 3“ war nicht im entferntesten der Gedanke gekommen, es könne der Fall eintreten, daß der Funker unter den Bedingungen erhöhter Schwere und dazu noch für längere Zeit Dienst tun müsse. So mußte er aufrecht sitzen. Die Sessellehne war hart und niedrig, sie reichte knapp bis zur Taille. Bald stellten sich beim Diensthabenden Kreuzschmerzen ein, die rasch heftiger wurden. Länger als zwanzig Minuten hielt niemand diese Tortur aus. Dann kletterte die Ablösung aus der Hängematte, kroch zur Luke, arbeitete sich hindurch und fuhr mit dem Lift zum Funkraum.
Auf demselben Wege begab sich der Abgelöste an seinen Ruheplatz. Zwanzig Minuten später wiederholte sich das Ganze.
Die drei Stunden erschöpften die beiden kräftigen jungen Männer bis zum äußersten.
Andrejew, Korzewski und Romanow bereuten bitter, daß sie nicht funken gelernt hatten, wie es Belopolski allen Mitgliedern der Besatzung nachdrücklich empfohlen hatte. Sie hatten geglaubt, sie würden es niemals brauchen, und nun … Fünf Männer hätten sich nur jeweils einmal abzulösen brauchen.
Vierzig Kilometer in der Sekunde betrug die für die „SSSR-KS 3“ vorgesehene normale Fluggeschwindigkeit. Im Notfall konnte sie auf fünfzig gesteigert werden, wenn man die Energiereserve angriff. Die Reserve galt im allgemeinen als unantastbar, aber jetzt war ein Fall eingetreten, da man auf sie zurückgreifen mußte. Belopolski beabsichtigte jedoch, die Geschwindigkeit erst zu erhöhen, wenn das Raumschiff wieder geradeaus flog. In der Kurve war sie ohnehin schon allzu hoch. Hätten Melnikow und Wtorow nicht in Lebensgefahr geschwebt, hätte sich der Kommandant niemals zu diesem Manöver entschlossen, mit dem er die Gesundheit der Besatzungsmitglieder aufs Spiel setzte. Aber es blieb keine andere Wahl.
Das Triebwerk, das den Ablenkstrahl erzeugte, verbrauchte all seine Energie für das Wendemanöver und blieb ohne Einfluß auf die Geschwindigkeit des Raumschiffs im ganzen.
Am schlimmsten für die Besatzung war die Ungewißheit der Erfolgsaussichten. Alles baute auf der Voraussetzung auf, daß der „Phaetone“ noch mindestens zwei Tage mit gleichbleibender Geschwindigkeit auf die Venus zuflog. Er brauchte aber nur einen anderen Kurs einzuschlagen — und das war ja wiederholt geschehen, seit Subbotin ihn entdeckt hatte —, und schon müßten auch sie ihren Kurs ändern, ohne die geringste Garantie übrigens, daß der „Phaetone“ nicht erneut die Richtung wechselte.
Die „SSSR-KS 3“ konnte derartige Manöver nicht endlos ausführen. Außerdem war die Geschwindigkeit des verfolgten Raumschiffes sehr variabel. Wer garantierte, daß fünfzig Kilometer in der Sekunde seine „Höchstgeschwindigkeit“ war? Womöglich flog es noch schneller, dann war nicht mehr daran zu denken, es einzuholen.
Voller Unruhe sah die Besatzung jeder neuen Nachricht von der Erde entgegen. Doch bisher hatte es noch keine bedrohlichen Anzeichen gegeben.
Der Abend des elften August kam heran (Abend war es natürlich nur auf der Erde, in der UdSSR, nicht aber im Raumschiff). Voller Ungeduld warteten die Männer, daß es acht Uhr wurde. Je näher die ersehnte Stunde rückte, desto unerträglicher dünkte ihnen die Belastung. Der bleischwer gewordene Körper drohte den Dienst zu versagen.
Aufhören! hätte jeder am liebsten geschrien. Ist es nicht ganz gleich, ob wir eine Minute früher oder später eintreffen? Aber sie wußten ganz genau, daß Belopolski das Triebwerk keine Sekunde früher abstellen würde.
Ein kaum merkliches Zittern ging durch das Raumschiff. Alle atmeten erleichtert auf. Der Körper empfand die Schwerelosigkeit als eine Wohltat. Wie schön war es doch, das eigene Gewicht nicht zu spüren!
Vor ihnen lagen vierzig Stunden ruhigen Geradeausflugs. Die Geschwindigkeitssteigerung auf fünfzig Kilometer in der Sekunde würde nur mit einer Beschleunigung von einem Meter pro Sekundenquadrat erfolgen. Das verlieh ihnen ein Zehntel der iidischen Schwere. Kleinigkeit!
„Mitteilung von der Erde“, ertönte Knjasews Stimme. Die in jedem Raum angebrachten Lautsprecher trugen seine Worte durchs ganze Schiff. „Dringende Meldung!“ Niemand rührte sich von der Stelle. Nur Toporkow begab sich eilig zum Funkraum, um Knjasew abzulösen. Das hatte er jedesmal getan, wenn sich die Erde meldete, und damit oft seine Erholungspause geopfert.
Dringende Meldung! Da mußte etwas passiert sein! Alle warteten in gedrückter Stimmung.
Dann leuchteten die Bildschirme auf und zeigten Belopolskis finsteres Gesicht.
„Genossen!“ sagte er. „Das Raumschiff der Phaetonen macht eine Wendung. Im Augenblick ist noch nicht abzusehen, welche Richtung es einschlagen wird. Das wird sich in zwei, drei Stunden zeigen. Ruht euch aus! Eine weitere Richtungsänderung auch unseres Schiffs wird unvermeidlich sein.“ Und wieder arbeitete das Ablenktriebwerk. Wieder quälte erhöhte Schwerkraft die Männer. Wieder kämpften Toporkow und Knjasew, einander ablösend, gegen die erdrückende Last des eigenen Gewichts. Und wieder war keine Gewähr gegeben, daß sich ihre Leiden wirklich auszahlten.