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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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„Um so besser.“ Mit diesen seltsamen Worten wandte sich Wtorow der Stelle zu, an der sich die Tür befinden mußte.

Augenblicklich zeichneten sich die Konturen des Fünfecks ab.

Gleich darauf war der Durchgang frei.

„Sehen Sie“, sagte Wtorow mit vor Erregung zitternder Stimme. „Ich habe recht. Die Automatik funktioniert einwandfrei. Und wir haben gedacht, sie sei hinüber.“ Melnikow begriff nichts. Hatte Gennadi etwa den Verstand verloren? Wovon redete er?

Sie krochen durch die Öffnung. Sofort schloß sie sich wieder hinter ihnen.

„Schließen tun sie sich von allein“, sagte Wtorow. „Ach, ihr prächtigen, klugen Phaetonen!“

„Sei endlich so gut und erklär mir, was das zu bedeuten hat.“

„Das hat zu bedeuten, daß wir gerettet sind. Wir können das Raumschiff lenken, und sogar sehr einfach.“

„Nun schieß schon los!“

„Erst mache ich noch einen Versuch“, sagte Wtorow. „Dann haben wir den endgültigen Beweis. Passen Sie auf!“ Er verharrte regungslos.

Gleich darauf flammte unmittelbar vor ihnen der blaue Ring mit dem gelben Kreuz auf, und anschließend öffnete sich die Tür zu dem Raum mit dem Steuerpult.

„Und jetzt schließt sie sich wieder“, sagte Wtorow.

Die Tür schloß sich tatsächlich wieder.

„So!“ Wtorow fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als wolle er sich den Schweiß abwischen. „Alles ist klar!“

„Es sind doch nicht etwa die Gedanken, die alles bewirken?“

„Nein, nicht die Gedanken. Der Mensch denkt vorwiegend in Worten. Es ist was anderes. Dies hier hängt wohl mit den Bioströmen des Organismus zusammen. Jetzt weiß ich jedenfalls, warum wir gestartet sind. Als ich die verhängnisvollen Worte sagte, stellte ich mir ganz deutlich vor, daß das Raumschiff startet. Die Vorstellung war real, sichtbar. So als ob ich selbst… Verstehen Sie? Es ist schwer zu erklären. Nehmen wir ein Beispieclass="underline" Können Sie, auf irgendeinen Gegenstand, sagen wir einen Stuhl, blickend, ihn in Gedanken hochheben? Nein, nicht in Gedanken, sondern mit der Empfindung des Hochhebens? Ich weiß wirklich nicht, wie ich es Ihnen erklären soll.“

„Nicht nötig. Du hast zweifellos recht. Die Automatik des Raumschiffs wird durch Bioströme gelenkt. Offensichtlich war die Disziplin des Denkens bei den Phaetonen hoch entwickelt.

Und nicht nur die des Denkens, sondern auch die der Vorstellungskraft. Jetzt begreife ich auch, warum sich die Türen nicht immer sofort öffneten. Sie warteten, bis du sie unbewußt, kraft deines Wunsches, sie möchten sich öffnen, öffnetest. Ich erinnere mich, wie ich einmal allein vor eine Tür trat — du warst zurückgeblieben — und sie sich partout nicht öffnen wollte. Sie tat es erst, nachdem du hinzugekommen warst. Ich habe nicht so eine starke Vorstellungskraft wie du. Du bist nervöser, deine Vorstellungen erzeugen daher leicht Bioströme. Die Mechanismen der Phaetonen aber sind außergewöhnlich empfindlich.“

„Wer konnte das aber auch ahnen!“

„Wir hätten es uns denken können. Auch auf der Erde gibt es bereits eine Bionik. Sie hat jedoch noch nicht den Stand wie bei den Phaetonen erreicht.“

„Es läuft also darauf hinaus, daß ich an allem schuld bin“, sagte Wtorow bekümmert. „Hätte Sie jemand anders begleitet…“

„… wäre das Raumschiff nicht gestartet“, beendete Melnikow den Satz. „Nein, Gennadi, so können wir nicht argumentieren. Wenn und falls! Du hast das Raumschiff gestartet, und du wirst es auch wieder auf die Venus zurückbringen. Jetzt ist es gerade unser Glück, daß deine Vorstellungskraft und deine Nervenimpulse stark genug sind, um auf die Mechanismen des Raumschiffs einzuwirken. Aber du mußt außerordentlich vorsichtig sein. Eine steile Kurve des Raumschiffs zum Beispiel wäre unser Verderben.“

„Die Phaetonen werden sich kaum ganz und gar auf die eigene Vorstellungskraft verlassen haben“, meinte Wtorow.

„Das wäre zu gefährlich gewesen. Höchstwahrscheinlich kann man mit den Bioströmen nur die Triebwerke in Gang setzen sowie Kurs und Geschwindigkeit allgemein verändern. Die detaillierte Technik all dieser Manöver aber ist anscheinend automatisiert, damit die kritischen Punkte nicht überschritten werden. Wir haben ja ein Beispiel dafür. Die Beschleunigung hörte ohne mein Dazutun auf.“

„Bist du davon überzeugt? Vielleicht…“ Wtorow senkte den Kopf.

„Ich bin überzeugt“, sagte er kaum vernehmlich. „Es ist beschämend für mich, aber mein ganzes Denken und Fühlen war damals durch Furcht gelähmt.“

„Eine rettende Furcht“, scherzte Melnikow. „Du hättest sonst vielleicht die Triebwerke abgestellt, und das Raumschiff wäre auf die Venus gestürzt. In dem Falle wäre von uns herzlich wenig übriggeblieben. So hat sich alles zum besten gewendet.

Aber jetzt empfehle ich dir, dich auszuruhen und dann an die Arbeit zu gehen.“

„Ausruhen?“ staunte Wtorow. „Haben wir denn dazu genügend Zeit?“

„Mehr als genug. Du stehst vor einer harten Belastungsprobe.

Du sollst dieses Raumschiff lenken lernen. Dazu mußt du vollkommen frisch sein. In deinem jetzigen Zustand darfst du nichts unternehmen. Nur eine Katastrophe könnte dabei herauskommen. Unsere Rettung hängt von deiner Kaltblütigkeit ab. jetzt heißt es schlafen, und zwar mindestens acht Stunden.“

„Und die ›KS 3‹? Sie kann uns jeden Augenblick einholen.“ Melnikow seufzte.

„Sie holen uns nicht ein“, sagte er. „Schon deshalb nicht, weil sie uns nicht ausmachen können. Von der ›KS 3‹ aus gesehen, befinden wir uns genau vor der Sonne, hoffnungslos in ihren Strahlen verloren. Sie können uns nicht sehen.“

„Aber Sie haben doch selber gesagt…“

„Das tat ich deinetwegen. Jetzt, da du dich wieder beruhigt hast, kann ich’s dir offen sagen: Auf die ›KS 3‹ brauchen wir nicht zu hoffen. Ich zweifle nicht, daß die Genossen aufgebrochen sind, um uns einzuholen, aber sobald sie sich von der Undurchführbarkeit ihrer Absicht überzeugt haben, werden sie bestimmt zur Venus zurückkehren. Dort werden wir sie wiedersehen.“

„Sie glauben, daß sie umkehren?“

„Keinen Augenblick zweifle ich daran. Die Arbeit muß zu Ende geführt werden.“ Wtorow gab keine Antwort. Wirklich, dachte er, warum sollte die Expedition die Arbeit abbrechen? Es sind noch zwei Männer umgekommen, aber das ist kein Grund. Es wird Zeit, daß ich mich an die Geduld und Selbstbeherrschung der Kosmonauten gewöhne. Laut aber sagte er: „Wir fliegen auf die Sonne zu. Wäre es da nicht besser, bevor wir uns ausruhen, zu versuchen, das Raumschiff auf einen anderen Kurs zu bringen?“

„Die Sonne ist noch sehr weit. Selbst wenn wir auf sie zustürzen, haben wir noch mehrere Wochen zur Verfügung. Bevor du dich nicht richtig ausgeruht hast, lasse ich dich nicht ans Pult.“

„Also ruhen wir uns aus“, stimmte Wtorow gehorsam zu.

In einer schwerelosen Welt sind keine Betten notwendig. Der Mensch kann in jeder beliebigen Lage in der Luft schlafen. Die Macht der Gewohnheit jedoch veranlaßte Melnikow und Wtorow, jenen Raum aufzusuchen, in dem sie die Hängematten de£ Phaetonen gesehen hatten. Diese Hängematten bestanden aus einer Art Seidenfaser. Sie waren für Menschen zu kurz, aber das spielte keine Rolle. Die beiden Männer wollten ja nicht darin liegen, sondern sich nur an ihnen festhalten. So waren sie es von ihrem Raumschiff her gewohnt.

Jeder hüllte sich in eine Hängematte ein.

„Es stört mich, daß die Wände durchsichtig sind“, sagte Wtorow.

„Das hängt ja von dir ab“, sagte Melnikow schmunzelnd.

„Und wie steht’s mit Ihnen?“

„O weh! Ich habe mich nie durch reiche Phantasie ausgezeichnet. Ich kann nur denken, hier aber ist etwas anderes nötig. Versuch du’s, Gennadi.“ Wtorow schloß die Augen. Zunächst trachtete er, sich die Sternenwelt rings um das Raumschiff so real wie möglich vorzustellen. Dann malte er sich aus, die Wände hörten auf, durchsichtig zu sein, die Sterne verschwänden, und ringsum gäbe es nur noch Metallwände.

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