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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Wtorow erstarrte vor Schreck. Er stierte den Kameraden an und erwartete, Zeichen von Atemnot bei ihm zu sehen.

Doch Melnikow atmete tief. Im ersten Augenblick kam ihm die Luft im Raumschiff ungewöhnlich dicht vor, als befinde er sich unter erhöhtem Druck. Aber dieses Gefühl ließ bald nach.

Wie er erwartet hatte, war der Sauerstoffgehalt völlig ausreichend.

„Da siehst du’s!“ sagte er.

„Wie konnten Sie sich dazu entschließen?“

„Ich war überzeugt, daß wir diese Luft atmen können. Alles, was uns von den Phaetonen bekannt ist, spricht dafür. Kannst du dir den Grund meiner Überzeugtheit nicht denken?“

„Nein. Sie konnten doch ersticken!“

„Wir hätten, wenn nicht jetzt, so spätestens in sechs Stunden den Helm abnehmen und probieren müssen, ob die Luft des Raumschiffs für uns geeignet ist oder nicht. Da war es schon besser, das auf der Stelle zu tun. Jetzt wissen wir, daß wir weit mehr als sechs Stunden zur Verfügung haben. Die Sauerstoffvorräte sind hier unbegrenzt.“

„Woraus schließen Sie das?“ fragte Wtorow verwundert.

Ebenso wie Melnikow nahm er den Helm ab und verspürte keinerlei Atembeschwerden. Die Luft war rein und unterschied sich, abgesehen von dem schwachen fremdartigen Geruch, den sie auch vorher schon durch den Filter wahrgenommen hatten, nicht von der irdischen.

„Ich bin durch einfache logische Schlußfolgerungen darauf gekommen“, antwortete Melnikow. „Erinnere dich an den Film der Phaetonen. Sowohl auf dem Mars als auch auf der Venus trugen sie ebensolche Raumanzüge wie wir. Für sie wie für uns ist also die Venusluft ungeeignet. Erinnere dich an ihr Äußeres — sie sehen aus wie wir. Also brauchten sie auch Sauerstoff. Sie haben viele Jahre auf der Venus zugebracht. In der Venusatmosphäre ist nur sehr wenig Sauerstoff vorhanden. Wo haben sie ihn also hergenommen? Zweifellos haben sie ihn auf synthetischem Wege aus Atomteilchen gewonnen. Wir können ganz sicher sein, daß uns unbekannte Apparate den Sauerstoff in der Luft auch jetzt noch erneuern und die Kohlensäure und andere schädliche Beimischungen beseitigen. Wir beide haben Venusluft ins Raumschiff eingeschleppt. Aber riechst du noch was von Formaldehyd? Es ist keines mehr da, es wurde beseitigt. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Wissenschaft der Phaetonen der irdischen weit voraus war.“

„Sie haben recht, Boris Nikolajewitsch. Aber trotzdem ist hier so ein merkwürdiger Geruch. Wir könnten uns mit einer unbekannten Krankheit infizieren. Die Mikroben und Bakterien des Phaeton können unmöglich die gleichen sein wie auf der Erde.“ Melnikow lachte laut auf.

„Noch vor fünf Minuten hast du vom unvermeidlichen Tod gesprochen. Und jetzt hast du Angst, krank zu werden. Vollkommenheit in der Technik geht zwangsläufig mit Vollkommenheit in anderen Wissenschaften einher. Bei den Phaetonen war zweifellos auch die Medizin hoch entwickelt. Ich glaube, daß es in ihrem Raumschiff überhaupt keine Bakterien gab. Sie mußten Maßnahmen gegen die Bakterien auf der Venus treffen und gleichzeitig auch die eigenen vernichten. Das ist mehr als wahrscheinlich, das steht außer Zweifel.“

„Ihrer Meinung nach sind wir also mit Luft versorgt? Aber wie steht’s mit der Ernährung? Wir haben doch nichts mitgenommen.“

„Das stimmt. Der Hunger droht uns. Aber wir werden schon durchhalten.“

„Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren“, sagte Wtorow. „Wir sprechen hier über alles mögliche, und derweil vergeht die Zeit.“

„Auch das ist richtig. Doch bevor wir auf Rettung sinnen, wollte ich dich erst einmal beruhigen. Damit du mit kühlem Kopf überlegen kannst. Wir haben einige Minuten verloren.

Aber das fällt nicht ins Gewicht. Selbst wenn wir herausfinden sollten, wie das Raumschiff zu lenken ist, wird noch eine Menge Zeit vergehen, bevor wir zur Venus zurückkehren oder gar zur Erde fliegen können. Mit dem Herausfinden allein ist es ja nicht getan, wir müssen uns auch die nötigen Fertigkeiten aneignen.“

„Nun, bis zur Erde schaffen wir’s unmöglich“, meinte Wtorow.

„Da sind wir längst verhungert.“

„Das bleibt abzuwarten. Aber ich möchte meine Frage von vorhin wiederholen: Was meinst du, um das Wievielfache war die Schwerkraft beim Start vergrößert?“

„Ich schätze, um das Dreifache.“

„Mir kam es weniger vor. Etwa um das Doppelte. Aber du kannst recht haben. Sagen wir, um das Zweieinhalbfache. Die Beschleunigung hat dreizehn Minuten angehalten, in dieser Zeit sind wir etwa zehntausend Kilometer geflogen. Mit welcher Geschwindigkeit fliegen wir also jetzt?“

„Das ist nicht schwer auszurechnen.“

„Ich weiß. Moment mal… Annähernd fünfundzwanzig Kilometer in der Sekunde. Es genau auszurechnen, hat keinen Sinn.

Wir kennen sowieso nicht die genauen Beschleunigungswerte.

Jedenfalls wissen wir jetzt, daß das Raumschiff der Phaetonen bedeutend langsamer fliegt als die ›KS 3‹. Wenn uns die Genossen erst entdeckt haben, holen sie uns mit Leichtigkeit ein.“

„Ja, wenn!“ seufzte Wtorow.

„Wir legen ja auch nicht die Hände in den Schoß“, fuhr Melnikow fort. „Beschäftigen wir uns mit dem Hauptproblem. Erinnere dich bis ins kleinste an alle deine Bewegungen vor dem Start.“

„Soll ich nicht lieber erst mal vom Pult weggehen?“ fragte Wtorow.

Jetzt erst kam es Melnikow zum Bewußtsein, daß Wtorow ja noch immer vor den geheimnisvollen Facetten saß, in deren Tiefe die verschiedenfarbigen Funken glitzerten.

Ein unverzeihlicher Leichtsinn! Wie hatte er das nur vergessen können. Wer weiß, vielleicht löste man nicht nur den Start, sondern auch die Manöver des Raumschiffs auf dieselbe rätselhafte Weise aus.

„Natürlich“, sagte er. „Das hättest du schon längst tun sollen.“ Wtorow glitt vom Sessel. Sie entfernten sich von der Konstruktion, die sie für das Steuerpult hielten. Beide bemerkten, daß sich das Glitzern der winzigen Funken sofort verstärkte.

Solange Wtorow unmittelbar vor der einen Facette gesessen hatte, waren die Funken darin fast unbeweglich gewesen. Wir werden kaum jemals darauf kommen, wie das Pult arbeitet, dachte der junge Ingenieur. Das Ganze hat mit irdischen Dingen zu wenig gemein.

„Meiner Meinung nach habe ich überhaupt keine Bewegungen gemacht“, antwortete er auf Melnikows Frage. „Sie haben sie mir doch selbst verboten. Ich habe regungslos dagesessen.“

„Es kann aber keinen Zweifel daran geben, daß du die Triebwerke in Gang gesetzt hast. Weißt du noch, bevor wir hier hereinkamen, haben wir doch den blauen Ring mit dem gelben Kreuz gesehen? Der gleiche Ring war auch vor dir zu sehen, als du dich in den Sessel setztest. Er bedeutete ein Warnsignal. Im ersten Fall galt es uns beiden, im zweiten nur dir.“

„Ja, so muß es sein“, pflichtete Wtorow ihm bei. „Aber ich erinnere mich ganz genau, daß ich keine Bewegungen gemacht habe.“

„Also müßte das Raumschiff gestartet sein, weil du vom Start gesprochen hast. Doch das ist unmöglich. Ich gebe zu, daß eine Automatik so konstruiert sein kann, daß sie auf Laute reagiert, aber die Phaetonen konnten doch unmöglich die russische Sprache kennen. Außerdem sind die Laute ihrer Sprache den unseren ganz und gar nicht ähnlich.“

„Natürlich. Ich habe vorhin gesagt — dessen erinnere ich mich ganz genau —: ›Ich mache die erforderliche Bewegung, und das Raumschiff…‹ Das Raumschiff! Boris Nikolajewitsch, mir kommt eben ein ganz verrückter Gedanke! Die Türen! Verstehen Sie, die Türen!“

„Was für Türen?“

„Die Türen hier im Schiff! Die fünfeckigen Konturen!“

„Ich verstehe gar nichts.“

„Gehen wir raus“, sagte Wtorow. „Ich glaube, ich hab’s. Wir dürfen hier drinnen nicht weitersprechen.“

„Ich habe auch schon gedacht, daß es besser wäre, von hier zu verschwinden“, erwiderte Melnikow, vergeblich darüber nachsinnend, was sein Kamerad meinen könnte. „Aber es sind ja keine Knöpfe da.“

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