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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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„Gehen wir weiter?“ fragte Wtorow.

„Ich denke gerade daran“, sagte Melnikow, „daß wir Menschen die Technik des Phaetonen vielleicht mal verstehen lernen und anwenden werden. Vielleicht sehen unsere Raumschiffe einmal genauso aus wie dieses, werden sie genauso gelenkt werden. Jetzt aber haben wir noch nicht die geringste Ahnung, wie das vor sich geht.“

„Wahrscheinlich sehr einfach wie bei allem Vollkommenen.

Aber es ist tatsächlich schwer zu begreifen. Was könnte jemand tun, der in diesem Sessel sitzt? Nur beobachten. Vielleicht ist dies gar kein Steuerpult, sondern ein astronomisches Observatorium.“ Wtorows Gedanke schien Melnikow einleuchtend. Doch was sollte man in diesen verschiedenfarbigen Facetten erblicken? Sie machten nicht den Eindruck, als seien sie durchsichtig.

„Vielleicht sieht man in ihnen nur etwas, wenn man im Sessel sitzt“, meinte Wtorow.

„Sei nicht unvorsichtig.“

„Wieso, Boris Nikolajewitsch? Ich rühre nichts an. Der Sessel ist zwar klein, paßt aber für einen Menschen noch gerade. Lassen Sie es mich versuchen. Vielleicht sehe ich tatsächlich etwas. Das würde es uns bedeutend erleichtern, den Zweck der Konstruktion verstehen zu lernen.“ Melnikow schwankte. Seine Unruhe wuchs instinktiv. Die fremdartige Einrichtung des Raumschiffs machte offenbar selbst seinen eisernen Nerven zu schaffen.

„Gut“, entschied er. „Setz dich rein, aber du darfst nur gucken und dich nicht bewegen.“

„Aber wird der Sessel unter meinem Gewicht nicht aus dem Leim gehen?“

„Der ›Steg‹ hat ja auch gehalten, und der Sessel scheint aus demselben Material zu sein“, antwortete Melnikow.

Vorsichtig nahm Wtorow auf dem halbrunden Sitz Platz.

Nichts Bedrohliches geschah. Der Sessel hielt die Last aus.

Augenblicklich aber flammte im Zentrum der vor ihm befindlichen Facette wieder der blaue Ring mit dem gelben Kreuz auf.

Er war nicht länger als eine Sekunde sichtbar.

„Rühr dich nicht!“ schrie Melnikow.

Steif und starr saß Wtorow da und wandte kein Auge von der Facette. Nichts war in ihr zu sehen, aber plötzlich kam es ihm so vor, als sei sie dunkler geworden. Die glitzernden Punkte hatten sich in bewegungslose Lichtchen verwandelt.

Eine Minute verging, und noch eine. Nichts weiter geschah, nichts veränderte sich. Allmählich beruhigte sich Melnikow wieder.

„Siehst du etwas?“ fragte er.

„Nichts.“

„Warum bewegen sich die Punkte auf einmal nicht mehr?“

„Ich weiß nicht.“

„Das muß etwas zu bedeuten haben.“

„Aber was?“ Anscheinend drohte doch keine Gefahr. Am ehesten war anzunehmen, daß der blaue Kreis vor einer Berührung des Steuerpultes warnte. Die Phaetonen hatten das Signal wohl in der Hoffnung hinterlassen, die vernünftigen Wesen von einem anderen Planeten würden seine Bedeutung verstehen.

„Steh wieder auf!“ sagte Melnikow. „Aber vorsichtig.“

„Filmen Sie mich doch bitte in diesem Sessel“, bat Wtorow.

Er hatte seinem Kameraden die Kamera übergeben, bevor er sich setzte.

Melnikow erfüllte den Wunsch. Ernste Folgen konnten daraus ja nicht entstehen.

„Aufnahme eines Phaetonen am Steuerpult“, scherzte er.

„Ich stelle mir gerade vor, daß ich das Raumschiff tatsächlich zu steuern verstehe“, sagte Wtorow. „Ich mache die erforderliche Bewegung, und das Raumschiff löst sich vom Boden der Venus…“ Donnerähnliches Getöse ließ ihn verstummen. Eine unwiderstehliche Gewalt preßte ihn in den Sitz. Er sah, wie Melnikow vom Steg purzelte und gegen die runde Wandung prallte. Ein durchdringendes Pfeifen erhob sich, steigerte sich rasch von tiefen Tönen bis zu schneidender Höhe und riß ab. Das bekannte Gefühl erhöhter Schwere ließ keinen Zweifel daran, daß das Raumschiff mit zunehmender Geschwindigkeit emporstieg.

Sie verließen die Venus!

Der Herzschlag stockte ihnen, und um die Stirn legte es sich wie ein eiserner Reif.

Warum hatten die Triebwerke zu arbeiten angefangen? Sie hatten doch beide nichts angerührt und keine gefährlichen Bewegungen gemacht!

Der Tod war ihnen sicher, baldiger, unvermeidlicher Tod! Sie wußten ja nicht, wie dieses Raumschiff zu steuern war.

Gleichsam um die letzten Zweifel zu beseitigen, daß sie wirklich flogen, wurden die Wände der Kugel plötzlich durchsichtig.

Über ihnen gleißte die Sonne, und unter ihnen dehnte sich als ununterbrochener weißer Teppich das Wolkenmeer der Venus.

Das Blau des Himmels dunkelte rasch und wurde zum Schwarz.

Schon blitzten die ersten Sterne auf.

Sie flogen schneller und schneller, ins Unbekannte.

Melnikow lag immer noch an der Wandung, bestrebt, sich nicht zu rühren. Beim Fallen war er unverletzt geblieben, der Steg befand sich nur knapp einen Meter über dem „Boden“. Er wußte sofort, was geschehen war, verspürte aber ebenso wie Wtorow keine Furcht. Vier Weltraumfahrten mit ihren ständigen Gefahren hatten ihn gelehrt, in allen Situationen Ruhe zu bewahren.

Selbst die Besorgnis wich sofort und machte angestrengter Denkarbeit Platz.

Wie lange würde die Beschleunigung dauern? War sie begrenzt? Welche Geschwindigkeit konnte das Raumschiff der Phaetonen erreichen? Dem Gefühl nach überstieg die Beschleunigung nicht die der „SSSR-KS 3“. Wahrscheinlich betrug sie etwa zwanzig Meter pro Sekundenquadrat.

Weshalb war das Raumschiff gestartet? Der blaue Kreis hatte offensichtlich vor einer Gefahr gewarnt. Doch was hatten Wtorow und er getan, daß sie die Triebwerke dadurch in Gang setzten? Nur wenn sie das herausfanden, bestand Aussicht auf Rettung. „Wahrscheinlich sehr einfach wie bei allem Vollkommenen“, erinnerte er sich der Worte Wtorows. Ja, natürlich, sehr einfach — alles sprach dafür. Dermaßen einfach, daß man nicht darauf kam.

Bis in alle Einzelheiten rief sich Melnikow ihr Verhalten während der letzten Minuten in die Erinnerung zurück. Wtorow hatte gesessen, er selbst gestanden. Beide hatten sie sich nicht bewegt, abgesehen von der Filmaufnahme. Doch der Start erfolgte, als die Aufnahme bereits fertig war. Weitere Bewegungen hatten sie nicht mehr vollführt.

Das Raumschiff war nach den Worten Wtorows gestartet. Er hatte gerade vom Start gesprochen. Ein merkwürdiger Zufall.

Die Automatik des phaetonischen Raumschiffs konnte doch unmöglich Russisch verstehen und darauf reagieren! Das war doch’ absurd. Aber warum dann der Start?

Die Wand, auf der Melnikow lag, war völlig durchsichtig.

Er hatte den Eindruck, im leeren Raum zu schweben. Über ihm, ebenfalls im leeren Raum, schwebte Wtorow und vor ihm das vielfarbige Steuerpult. Daß dies wirklich das Steuerpult war, daran bestand nun kein Zweifel mehr.

Alles andere war verschwunden. Linker Hand sahen sie die von der Sonne beleuchteten anderen Ringe sowie das Zentrum des Raumschiffs, rechter Hand ein Stück des äußeren Ringes.

Über ihnen strahlte die Sonne. Melnikow schien es, als flögen sie geradewegs auf sie zu.

Ihm wurde bewußt, daß ein ungelenktes Raumschiff gar nicht anders reagieren konnte. Unausweichlich erwartete sie also der Tod, lange bevor noch das Schiff seinen letzten Flug beendet hatte und spurlos in den Feuerarmen der Sonne verschwunden war. Es sei denn, sie kamen hinter das Geheimnis des Steuermechanismus …

Die Verfolgung

„Die Erfolgschancen sind sehr gering“, schloß Kamow. „Selbst wenn Melnikow und Wtorow mit Luft versehen sind, fehlt es ihnen doch an Nahrung. Dennoch müssen wir den Versuch unternehmen, sie zu retten. Ich schlage vor, daß Sie wieder Kurs auf die Venus nehmen. Das Raumschiff der Phaetonen befindet sich immer noch in der Nähe des Planeten. Wir bleiben von nun an in ununterbrochener Funkverbindung. So werden Sie schließlich, von der Erde aus gelenkt, das Raumschiff finden.“ Acht Minuten später kam die Antwort: „Haben alles verstanden. Gehen jetzt an Ausführung Ihres Planes. ›SSSR-KS 3‹ wird sofort wenden. Bleiben von nun an in ständiger Funkverbindung. Teilen Hoffnung auf glücklichen Ausgang. Belopolski. Gehe auf Empfang.“

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