Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
„Vorwärts.“ Melnikow ging zu der Wand, die offensichtlich diesen Raum vom nächsten trennte, und suchte nach einem Knopf.
Es war keiner vorhanden.
„Dann müssen wir zurück“, sagte er.
Aber diesmal funktionierte der Mechanismus wieder automatisch.
Das Fünfeck wurde sichtbar, „zerschmolz“, und der Durchgang war offen.
Dahinter befand sich ein Raum, wie sie ihn vorher bereits gesehen hatten. Längs der Wände lagen verschiedenfarbige Zylinder, und in der Mitte verlief ein fast unsichtbarer Steg.
Die Türen funktionierten ungewöhnlich launenhaft. Die einen öffneten sich augenblicklich von selbst, bei den anderen dauerte es geraume Weile. Vor einer dieser Türen standen sie fast zehn Minuten.
„Unser anfänglicher Eindruck, daß die Automatik sich glänzend erhalfen hat, ist offensichtlich falsch“, sagte Melnikow.
„Die Zeit ist doch nicht spurlos an ihr vorübergegangen.“ Nachdem sie drei Abteilungen durchwandert hatten, die alle ganz gleich aussahen, befanden sie sich wieder in der radialen Röhre.
„Anscheinend besteht der ganze innere Ring aus Räumen mit Zylindern“, sagte Melnikow. „Außer dem einen, in dem wir den ›Film‹ gesehen haben. Die andere Hälfte lohnt es da nicht, in Augenschein zu nehmen. Am besten gehen wir hinüber zum äußeren Ring. Da finden wir vielleicht interessantere Dinge.“
„In welchen Ring gehen wir?“ fragte Wtorow. „In den ganz außen oder in den zweiten?“
„Zuerst in den ganz außen.“ Sehr langsam (die Launen der Türen und Wtorows fortwährendes Filmen hielten sie auf) durchschritten sie die eine Hälfte des äußeren Ringes und überzeugten sich, daß es auch dort nichts Neues zu sehen gab — überall nur Zylinder.
„Ich möchte wissen, was sie darstellen“, sagte Wtorow.
„Das sind höchstwahrscheinlich die Triebwerke oder Treibstoffbehälter.“
„Und wo sind die Räume für die Besatzung?“
„Im zweiten Ring. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht mehr.“ Melnikow sollte recht behalten.
Der zweite äußere Ring, der ganz nahe beim ersten lag, hatte mit den beiden von ihnen bereits besichtigten nichts gemein.
Hier war alles anders. Es gab keinen einzigen Zylinder und nirgends einen zerbrechlichen „gläsernen“ Steg. Die in sich nochmals unterteilten Räume — für ein Raumschiff nichts Ungewöhnliches — hatten Fußböden aus einem rosa Material. Die Einrichtung bewies es, daß hier die Besatzung gewohnt hatte. Möbel fehlten, aber es lagen viele Netze umher, die wie Hängematten aussahen. Sie waren ziemlich klein, entsprechend der Größe derer, die sie benutzt hatten, und augenscheinlich nicht nur als Betten, sondern auch als Sitzgelegenheiten gedacht. Auch auf eine Art Schränke von vielkantiger Form und ohne Türen stießen sie. Wie diese „Schränke“ zu öffnen waren, blieb ein Rätsel.
„Sie müssen ihre Sachen ja irgendwo aufbewahrt haben“, sagte Melnikow. „Das sind zweifellos Schränke, aber sie lassen sich nicht wie unsere öffnen.“ Wahrscheinlich hatten noch mehr Gegenstände im Raumschiff als Möbel gedient, aber sie glichen den irdischen so wenig, hatten eine so merkwürdige Form, daß es unmöglich war, ihren Zweck auch nur annähernd zu erraten. Offensichtlich war das Alltagsleben der Phaetonen trotz der großen Ähnlichkeit ihrer Körperform mit der der Erdenmenschen vom irdischen grundverschieden gewesen. Aber vielleicht unterschied sich diese Eintichtung völlig von derjenigen in den Häusern auf dem Planeten Phaeton, war sie speziell für den Raumflug bestimmt. Wer konnte das wissen?
Auch die Einrichtung von „SSSR-KS 3“, überlegte Melnikow, hat wenig gemein mit der eines Hauses auf der Erde.
Er trat zur Wand, suchte den Knopf und drückte darauf.
Wtorow sah sich währenddessen noch etwas um.
Es vergingen zwei Minuten, doch die Tür öffnete sich nicht.
An die Launen der phaetonischen Technik bereits gewöhnt, wartete Melnikow geduldig.
Wtorow trat zu ihm.
„Wieder eine Störung“, sagte Melnikow.
Plötzlich tauchte an der Stelle, wo die fünfeckige Tür hätte erscheinen sollen, ein blauer Ring mit zwei sich x-förmig kreuzenden gelben Streifen auf. Dann verschwand er wieder, und nun öffnete sich die Tür.
Melnikow warf einen Blick in die nächste Abteilung.
Sie glich keiner der bisher gesehenen, hatte nicht die Form einer Röhre, sondern die einer regelmäßigen Kugel. Ihr Durchmesser ließ darauf schließen, daß sie ganz innerhalb der Röhre lag und daher von außen nicht zu erkennen gewesen war. In der Mitte der Kugel hing eine merkwürdige Konstruktion von blauer, gelber und lila Farbe. Ein Fußboden war nicht vorhanden. Einander kreuzend, führten in verschiedene Richtungen die bereits bekannten gläsernen „Stege“. Obschon die beiden Kosmonauten die Schwelle noch nicht überschritten hatten, war der Raum bereits von Licht durchflutet. Um die mehrfarbige Konstruktion herum standen vier kristallen funkelnde Gegenstände, die wie Sessel ohne Beine aussahen. Worauf sie standen, war nicht zu erkennen. Sie schienen aus Glas zu sein.
Melnikow blickte Wtorow unschlüssig an.
„Wir wissen nicht, was der blaue Kreis mit dem gelben Kreuz zu bedeuten hat“, sagte er. „Vielleicht besagt er: Eintritt verboten?“
„Wäre es so“, entgegnete Wtorow, „hätte sich die Tür bestimmt nicht geöffnet.“
„Auf jeden Fall stellte er ein Warnsignal dar. Nur wovor warnte er?“
„Vielleicht eine Ermahnung zur Vorsicht?“
„Das ist am wahrscheinlichsten. Am besten, wir gehen gar nicht erst hinein.“
„Es sieht aus wie das Steuerpult des Raumschiffs“, sagte Wtorow. „Vielleicht bedeutete das Signal ›Ruhe! Nicht stören!‹ Aber mag sein, was will, ich muß filmen.“
„Sei nur ja vorsichtig und mach keine plötzlichen Bewegungen.“ Nacheinander überschritten sie die Schwelle und betraten einen der Stege. Die fünfeckige Öffnung schloß sich sofort wieder hinter ihnen.
„Ist Ihnen auch schon aufgefallen“, sagte Wtorow, „daß die Türen nur beim Öffnen launisch sind? Das Schließen dagegen funktioniert ausgezeichnet.“
„Ich habe es schon lange bemerkt“, erwiderte Melnikow.
„Und es will mir gar nicht gefallen.“ Er verspürte innerlich eine dumpfe Unruhe. Der blaue Kreis ging ihm nicht aus dem Sinn. Was mochte er zu bedeuten haben?
Zu jedem der Sessel führten Stege. Vorsichtig fuhr Melnikow mit der Hand unter einen der Sessel und fühlte, daß sie an der zentralen Konstruktion befestigt waren. Die Befestigungen waren jedoch völlig unsichtbar wie jener Sockel im Zentrum des Raumschiffs, auf dem die Schale stand. Worauf und wie die Konstruktion selbst befestigt war, konnten sie nicht feststellen, da Melnikow sie nicht anzurühren wagte.
Auf den bizarr gebrochenen Facetten dieses merkwürdigen Gegenstandes unbekannter Bestimmung glitzerten eine Unzahl verschiedenfarbiger Punkte wie blaue, gelbe und lila Funken.
Jede Facette hatte ihre eigene Farbe und schien abgrundtief zu sein. Weder Schaltknöpfe oder — hebel noch Instrumente waren zu sehen.
„Wenn das ein Steuerpult ist“, sagte Melnikow, „hat es eine recht merkwürdige Form.“ Wtorow antwortete nicht. Nur das leise Surren der Filmkamera unterbrach die tiefe Stille. Die bläulich leuchtende Luft, das Glitzern des „Steuerpults“, die scheinbar in der Luft aufgehängten durchsichtigen „Sessel“ — das alles war so ungewöhnlich, daß sich der sonst nicht zum Phantasieren neigende Melnikow Träumereien hingab.
Hier in diesem Sessel, dachte er, hat einst ein kleiner Phaetone gesessen und das ungewöhnliche Raumschiff, ich weiß nicht wie, in die Leere des Weltraumes hinausgesteuert. Ahnte er, daß er niemals in die Heimat zurückkehren und seine Tage auf der Venus beschließen würde? Mit welchem Ziel haben sie damals wohl den Weltraumflug angetreten?
Das Surren der Kamera verstummte.