Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
„Wünsche viel Erfolg“, antwortete Kamow kurz.
Mehr war nicht zu sagen. Alles Notwendige hatte er Belopolski mitgeteilt. Nun galt es den Plan zu verwirklichen. Er war unter den gegebenen Umständen der einzig mögliche, und die Regierungskommission hatte ihn ohne Zögern angenommen.
Durch Hinweise von der Erde geleitet, mußte die„SSSR-KS3“ spätestens in drei Tagen jene Stelle erreicht haben, an der sich das Raumschiff der Phaetonen befand. Den an diesem Morgen gemachten Beobachtungen zufolge näherte es sich wieder der Venus mit einer Geschwindigkeit von fünfzig Kilometern in der Sekunde. So schnell konnte nötigenfalls auch die „SSSR-KS 3“ fliegen. Falls der „Phaetone“ seine Geschwindigkeit nicht noch steigerte, würde es Belopolski also gelingen, ganz dicht heranzugehen. Dann konnten Melnikow und Wtorow oder, wenn es schon zu spät war, ihre Leichname übernommen werden.
Aber wenn der „Phaetone“ nun doch seine Geschwindigkeit steigerte?
Kamow hielt das für unwahrscheinlich. Seiner Meinung nach stand es außer Zweifel, daß das ringförmige Raumschiff gesteuert wurde. Sein ganzes Verhalten sprach dafür. Ungesteuert mußte es auf die Sonne zufliegen. Steuern aber konnten es nur die an Bord befindlichen Menschen, nämlich Melnikow und Wtorow. Ein Autopilot war nicht imstande, das Schiff ohne sichtbares Ziel „hin und her zu jagen“. Nur Menschen konnten das — sie hatten es gelernt.
„Wenn es in dem Raumschiff einen Autopiloten gibt“, hielt man Kamow entgegen, „ist er wahrscheinlich ganz anders konstruiert als unser. Es handelt sich um die Technik einer Welt, die uns weit voraus ist. Wir wissen nicht, was das für ein Mechanismus ist und was er zu leisten vermag. Es ist durchaus möglich, daß der ›Phaetone‹ zunächst auf die Sonne zugehalten hat, jedoch als er sich ihr gefährlich näherte, automatisch wieder umkehrte. Das gleiche passierte dann bei der Annäherung an die Venus. Die Automatik bewahrt das Raumschiff vor dem Sturz auf die Himmelskörper. Daraus resultiert sein merkwürdiges Verhalten.“ Kamow konnte die Logik dieser Argumente nicht bestreiten, dennoch beharrte er auf seiner Meinung. Dabei ließ er sich mehr vom Gefühl und dem leidenschaftlichen Wunsch leiten, es möge so sein, wie er glaubte, als von der Vernunft.
Obwohl also unter den Mitgliedern der Kommission über diesen Punkt unterschiedliche Ansichten bestanden, wurde der Beschluß, die „SSSR-KS 3“ zum Raumschiff der Phaetonen zu schicken, einstimmig gefaßt. Die Meinungsverschiedenheiten waren rein theoretischer Natur.
Die Nachricht von den tragischen Vorgängen auf der Venus ging um die ganze Welt. Die Bevölkerung in allen Ländern wünschte von Herzen, daß Melnikow und Wtorow, die in eine Situation geraten waren wie kein Mensch vor ihnen, gerettet würden. William Jenkins, der gerade erst vom Mars zurückgekehrt war, bot sich und sein Raumschiff zur Hilfe an, doch mußte dieses Angebot abgelehnt werden. Der Flug von der Erde bis zum „Phaetonen“ hätte zu lange gedauert. Nur die „SSSR-KS 3“ hatte Aussicht, Melnikow und Wtorow noch lebend anzutreffen. Sieben, acht, ja sogar zehn Tage konnte ein Mensch ohne Nahrung auskommen, aber auf keinen Fall anderthalb Monate.
Die Vorstellung, im Raumschiff der Phaetonen könnten sich noch Nahrungsmittel befinden, stieß auf entschiedenen Widerspruch. Ganz abgesehen davon, daß es gefährlich war, unbekannte Dinge zu essen, mußten auch die Phaetonen in der langen Zeit, die sie auf der Venus zubrachten, ihre eigenen Vorräte aufgebraucht und gelernt haben, sich auf der Venus selbst Nahrung zu beschaffen. Außerdem war kaum anzunehmen, daß sich organische Stoffe, wie gut sie auch konserviert sein mochten, Jahrtausende halten könnten.
Eile tat not.
Die astronomischen Observatorien aller Länder vereinbarten, den „Phaetonen“ ununterbrochen zu beobachten. Wie einen Stafettenstab reichten sie ihn einander weiter. Sobald am Horizont des einen Observatoriums die Sonne aufging, übernahm das nächste, weiter westlich gelegene die Beobachtung. Das Kosmische Institut in Moskau stand mit allen Observatorien der Welt in Funkverbindung.
Das ringförmige Raumschiff konnte nicht verlorengehen. Die geringste Änderung seiner Flugrichtung oder — geschwindigkeit würde man sofort der „SSSR-KS 3“ mitteilen, und Belopolsjki würde dementsprechend den Kurs ändern.
Natürlich fiel bald dieses, bald jenes Observatorium wegen Bewölkung aus, aber stets konnte ein anderes dafür einspringen, über dem der Himmel klar war. Es gab genug Observatorien auf der Erde.
Die ganze Welt lebte nur dem einen Wunsch, daß der „Phaetone“ seine Geschwindigkeit nicht erhöhte …
Die „SSSR-KS 3“ beschrieb einen großen Bogen. Um Zeit zu sparen, hatte Belopolski beschlossen, bei unverminderter Geschwindigkeit und mit kleinstmöglichem Radius zu wenden. Er wußte, daß jede verlorene Minute verhängnisvoll sein konnte.
Wenn Melnikow und Wtorow wirklich noch am Leben waren, brachte nur rasche Hilfe Rettung.
Belopolski litt schmerzlich unter dem Bewußtsein, einen nicht wiedergutzumachenden Fehler begangen zu haben. Weshalb hatte er verboten, über die Vorfälle auf der Venus zur Erde zu berichten? Früher oder später hätte es ja doch geschehen müssen.
Es wäre unverantwortlich gewesen, das Schreckliche bis zur Rückkehr zu verheimlichen. Was war mit ihm passiert? Was für komplizierte und schwer erklärbare Vorgänge hatten sich in seiner sonst stets so ausgeglichenen Psyche abgespielt? Durch seine Schuld waren zwei, und wenn man die Zeit für den Rückflug roch hinzurechnete, vier Tage verlorengegangen. Um wieviel einfacher wäre es gewesen, bereits zwei Tage zuvor umzukehren. Um wieviel größer wären da die Aussichten auf Rettung der beiden Genossen gewesen, deren mutmaßlicher Tod ihn aus dem Gleichgewicht gebracht und veranlaßt hatte, jenen verbrecherischen (jawohl, verbrecherischen, dachte Belopolski) Befehl zu geben.
Hätte sich Paitschadse nicht kurzentschlossen über die Anordnung des Kommandanten hinweggesetzt und Toporkow befohlen, mit der Erde Verbindung aufzunehmen — was wäre daraus geworden? Bei diesem Gedanken überlief es Belopolski eiskalt. Man hätte ihn für Wtorows und Melnikows Tod verantwortlich gemacht, er ganz allein wäre an ihrem Ende schuld gewesen. Aber auch jetzt… Wer weiß, vielleicht war es schon zu spät, vielleicht war schon zuviel Zeit vergeudet, waren die, die man hätte retten können, bereits umgekommen — durch sein Versagen.
Belopolski machte sich schreckliche Vorwürfe, doch keiner von der Besatzung bemerkte es. Sie sahen den gewohnten Belopolski vor sich: den „eisernen Kapitän“, den ruhigen, unbeugsamen, entschlossenen und fordernden Vorgesetzten. Die Nervenanspannung beim Start von der Venus schien bei ihm keine Spuren hinterlassen zu haben.
Aber so schien es nur. Innerlich war Belopolski nicht mehr der alte, war er ein gebrochener Mann. Für immer, das wußte er genau. Es kostete ihn große Anstrengung, sich wie gewohnt zu geben. Nur das Bewußtsein, daß außer ihm niemand das Raumschiff steuern konnte, hielt ihn aufrecht. Er würde das Steuerpult für immer verlassen, sobald die „SSSR-KS 3“ wieder auf dem Kosmodrom von Kamowsk gelandet war. Dieser Flug war sein letzter. Nie mehr würde er ein Raumschiff durchs Weltall lenken. Paitschadses Befürchtungen jedoch waren grundlos — an Selbstmord dachte Belopolski keinen einzigen Augenblick. Wie sehr ihn das Ganze auch erschüttert hatte, Kleinmut kannte er nicht. Er war nur unendlich müde.
Doch jetzt galt es, an andere Dinge zu denken. Kamows Anweisungen mußten befolgt werden, und mit gewohnter Energie ging Belopolski an ihre Ausführung.
Paitschadse versuchte vergeblich, das ringförmige Raumschiff zu entdecken. Der Refraktor im Observatorium der „SSSR-KS 3“ war zu schwach, als daß man mit seiner Hilfe bei einer derartigen Entfernung ein so kleines Objekt hätte ausmachen können.