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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Trotz allem kamen sie nicht umhin, das Schiff noch einmal zu untersuchen. Melnikow und Wtorow hatten zuwenig gesehen. Sie mußten Aufnahmen von all seinen Teilen zur Erde mitbringen, damit sich die Fachwissenschaftler eine genauere Vorstellung von ihm machen und sich über seine Konstruktion klarwerden konnten. Belopolski wußte, daß man ihm, falls das nicht geschah, Vorwürfe machen würde, und mit Recht.

Schweren Herzens entschloß er sich zu einem zweiten Besuch.

„Du und Gennadi Andrejewitsch, ihr wart bereits im Raumschiff, und ihr wißt, wo die Türknöpfe sind“, sagte er zu Melnikow. „Außerdem habt ihr schon die Luft dort geatmet. Sollte sie trotz allem schädlich sein, wäre es unsinnig, auch die anderen noch der Gefahr auszusetzen. Ihr beide müßt noch einmal hin und alles, jede kleinste Einzelheit, von außen und von innen fotografieren. Daß ihr vorsichtig sein müßt, brauche ich nicht zu betonen. Das weißt du selbst recht gut. Außer euch lasse ich keinen dorthin. Auch ich gehe nicht.“

„Ich verstehe“, antwortete Melnikow. „Die Entscheidung ist richtig, Konstantin Jewgenjewitsch. Wir werden sehr vorsichtig sein und außer den Türknöpfen nichts anrühren.“

Am achten August um elf Uhr vormittags brach der Geländewagen in Richtung Wald auf. Außer Melnikow und Wtorow saß niemand in dem Fahrzeug.

Es war der zweite Tag des Aufenthalts der Expedition auf der Venus. Die Besatzungsmitglieder mußten sich beeilen, um die vorgesehenen Arbeiten in vollem Umfange durchzuführen.

„Vier Mann sind mit dem Bau des Hangars beschäftigt“, hatte Belopolski gesagt. „Die anderen vier müssen ständig an Bord bleiben. Du siehst ein, daß ich dir niemand weiter mitgeben kann.“

„Ist auch nicht nötig“, hatte Melnikow erwidert. „Den Weg kennen wir, und in unserer Abwesenheit wird keiner den Wagen stehlen. In etwa fünf Stunden sind wir wieder zurück.“

Der Geländewagen verschwand im Wald.

Melnikow und Wtorow hatten einen dreifachen Sauerstoffvorrat bei sich, um das Raumschiff, in dieser Hinsicht unbesorgt, gründlich untersuchen zu können.

Der Tag war erstaunlich klar. Seit dem frühen Morgen hatte sich keine einzige Gewitterfront dem See genähert. Der Wind war abgeflaut und die Oberfläche des riesigen Bergsees spiegelglatt. Vom Wasser stieg durchsichtiger Nebel auf, der sich langsam in der Luft verflüchtigte. Das Thermometer zeigte dreiundsiebzig Grad über Null. Das war weniger als am vorhergehenden Mittag in der Ebene — die Höhenlage machte sich bemerkbar. Die Raumfahrer arbeiteten in Kühlanzügen.

Um drei Uhr nachmittags versammelten sich alle an Bord wie gewöhnlich im Speiseraum. Zu dieser Zeit war Mittagspause.

„Sie müssen bald zurückkommen“, sagte Saizew und nahm am Tisch Platz. Andrejew hatte alles Notwendige bereits hingelegt und die „Gerichte“ aufgetragen.

Belopolski sah auf die Uhr, obwohl er ganz genau wußte, wie spät es war.

„Sie sind schon vier Stunden dort.“ Alle merkten seiner Stimme an, daß er sich Sorgen machte.

„Sie werden viel Neues mitbringen“, bemerkte Korzewski.

„Die Glücklichen!“ seufzte Knjasew.

Weiter wurde kein Wort gesprochen. Nicht nur Belopolski machte sich Sorgen, auch alle anderen waren beunruhigt, bemühten sich jedoch, es sich nicht anmerken zu lassen. Die Mittagspause endete früher als sonst, in völligem Schweigen.

„Auf!“ sagte Saizew, sich als erster erhebend. „Der Hangar muß heute noch fertig werden. Morgen früh geht’s gleich an die Montage des Flugzeugs.“ Als vier der Männer gerade die Luftschleuse betreten und die übrigen das Observatorium aufgesucht hatten, um dort an den Instrumenten Vorbereitungen zu treffen, erhob sich plötzlich ein durchdringendes Pfeifen. Es war so laut, daß sich alle trotz der dicken Stahlwände, die sie von der Außenwelt trennten, unwillkürlich die Ohren zuhielten. In der Tiefe beginnend, stieg das Pfeifen bis zu schmerzhafter Höhe an und brach dann unvermittelt ab.

Belopolski und Paitschadse befanden sich in diesem Augenblick gerade am Fenster des Observatoriums. Nur sie beide sahen, wie sich etwas Gelbgraues aus dem Waldesdickicht losriß, in die Luft schoß und in den Wolken verschwand.

Einen Augenblick standen sie starr und benommen da, nicht begreifend, was sich vor ihren Augen abspielte.

Dann stürzte Belopolski mit unterdrücktem Aufschrei zum Ausgang.

Gleich danach schrillten im ganzen Raumschiff die Alarmglocken, flammten über allen Türen und Luken die roten Lämpchen auf.

„An die Plätze!“ scholl es aus allen Lautsprechern.

Schon ließen die arbeitenden Triebwerke den Rumpf des Raumschiffs leise erzittern. Die „SSSR-KS 3“ erhob sich in die Lüfte und gewann rasch an Geschwindigkeit.

Der plötzliche Start kam für die Besatzung völlig überraschend. Jeder ließ sich dort fallen, wo ihn das Alarmsignal gerade erreichte. Das Gefühl erhöhter Schwere zeigte an, daß das Raumschiff nicht als Düsenflugzeug, sondern als Rakete flog. Es verließ eindeutig die Venus, aber außer Paitschadse und Belopolski kannte niemand den Grund. Vier der Männer lagen auf dem Boden der Luftschleuse oder vielmehr auf der zum Boden gewordenen Seitenwand, drei im Observatorium.

Belopolski saß am Steuerpult. Ohne die Ausführung seines eigenen Kommandos abzuwarten, war er mit hoher Beschleunigung gestartet.

Ohne sich zu rühren, lagen die Männer geduldig und warteten, daß die Triebwerke zu arbeiten aufhörten und sie sich zum Steuerpult begeben könnten, um zu erfahren, was geschehen war.

Dreiunddreißig Minuten lang schwebten sie in völliger Ungewißheit. Jeder stellte die unwahrscheinlichsten Vermutungen an und verwarf sie wieder als völlig irreal.

Sobald der Zustand der Schwerelosigkeit eingetreten war und das Raumschiff, wie sie wußten, mit voller Geschwindigkeit durch den Weltraum jagte, fragten sie einander wie aus einem Munde: „Was wird aus Melnikow und Wtorow?“ Die beiden waren, so mußte man annehmen, auf der Venus zurückgeblieben. Andrejew glaubte schon, Belopolski habe den Verstand verloren. Doch da tönte aus dem Lautsprecher die Stimme des Kommandanten: „Arsen, ans Teleskop! Toporkow, an die Radargeräte! Wir müssen das Raumschiff um jeden Preis finden!“ Jetzt war allen klar, was das Pfeifen bedeutet hatte. Das Raumschiff der Phaetonen hatte die Venus verlassen. Und mit ihm Melnikow und Wtorow.

Auch der eigene unter Verletzung aller Regeln erfolgte Blitzstart erhielt damit seine Erklärung: Die „SSSR-KS 3“ hatte die Verfolgung des Raumschiffs der Phaetonen aufgenommen. Vielleicht konnte man es einholen und so Melnikow und Wtorow retten. Aber mit welcher Geschwindigkeit flog das andere Schiff?

Niemand wußte es.

Belopolski beobachtete aufmerksam die Geräte am Steuerpult. Er schien ruhig wie immer. Doch als Saizew „zufällig“ den Kommandoraum betrat, erkannte er seinen Kommandanten nicht wieder. Vor ihm saß ein Greis, aber nicht der Mann, den er noch vor einer halben Stunde gesehen hatte.

Belopolski wandte sich um und blickte den Ingenieur an.

Tränen liefen ihm über die Wangen, und er versuchte nicht einmal, es zu verbergen.

„Was soll ich machen, Konstantin Wassiljewitsch?“ fragte er.

„Außer mir kann keiner das Raumschiff zur Erde zurückbringen. Aber ich … wage nicht zurückzukehren.“ In seiner Stimme lag eine solche Verzweiflung, daß Saizew heftiges Mitleid verspürte.

„Ihnen macht ja keiner einen Vorwurf“, sagte er so sanft wie möglich.

„Meinen Sie? O nein, ich bin schuld! Ich hätte sie nicht in dieses verdammte Raumschiff schicken dürfen!“

„Wenn hier einer schuld ist, dann nur die beiden selbst. Sie sind Opfer ihrer eigenen Unvorsichtigkeit geworden.“

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