Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Die Netze des Wisteron waren jetzt überall. Sie bildeten ein riesiges Netzwerk, das die Bäume bedeckte wie Gazestreifen. Tote Wesen hingen in den Netzen und Hüllen von Lebewesen, deren Leben ausgesaugt worden war, die Überreste der Nahrung des Monsters. Es waren jedoch nur kleine Lebewesen. Der Wisteron nahm seine größere Beute mit in sein Lager.
Das nicht weit entfernt irgendwo vor ihnen lag.
Wren beobachtete die Schatten um sich herum. Da nichts ringsum sich bewegte, war sie noch ängstlicher geworden, als sie es schon vorher in der Stille gewesen war. Sie durchquerte einen toten Ort, eine Ödnis, in die keine Lebewesen gehörten, eine Unterwelt, die sie auf eigene Gefahr durchquerte. Sie dachte noch immer, sie würde irgendwo einen Farbfleck entdecken oder ein Kräuseln des Wassers oder einen Schimmer von Blättern und Gräsern. Aber der In Ju hätte in Eis gekleidet sein können, so erstarrt wirkte er. Sie befanden sich jetzt tief im Gebiet des Wisteron, und hierhin wagte sich nichts.
Nichts außer ihnen.
Sie hielt die Elfensteine, die sie von dem Lederbeutel befreit hatte, fest in ihrer Hand. Sie hielt sie zum Gebrauch bereit, denn sie wußte, daß das nötig sein würde. Sie machte sich keine Illusionen darüber, was von ihr verlangt werden würde. Sie hegte keine falschen Hoffnungen, daß sie den Gebrauch der Elfensteine vielleicht vermeiden könnte, weil ihre Fähigkeiten als Fahrende ausreichen könnten, sie zu retten. Sie dachte nicht darüber nach, ob es weise war, die Magie anzuwenden, obwohl sie wußte, wie sie auf sie wirkte. Daß sie sich hatte entscheiden können, war lange vorbei. Der Wisteron war ein Monster, das nur von den Elfensteinen überwältigt werden konnte. Sie mußte die Magie anwenden, weil dies die einzige Waffe war, über die sie verfügen konnte und die ihr in dem bevorstehenden Kampf nützen würde. Wenn sie sich erlaubte zu zögern, wenn sie erneut ihrer eigenen Unentschlossenheit zum Opfer fiele, würden sie alle sterben.
Sie schluckte gegen die Trockenheit in ihrer Kehle an. Seltsam, daß ihr Hals so trocken war, wo sie doch überall sonst so feucht war. Sogar ihre Handflächen schwitzten. Was war alles geschehen, seit sie mit Garth den Tirfing durchwandert hatte. Das schien ihr jetzt ein anderes Leben gewesen zu sein, frei von Sorge und Verantwortung, Herr ihrer selbst und nur dem Diktat der Zeit unterworfen.
Sie fragte sich, ob sie das Westland jemals wiedersehen würde.
Vor ihnen verdichtete sich die Dunkelheit zu Nestern tiefer Schatten, die Höhlen ähnlich sahen. Nebel kräuselte sich hervor und wand sich wie eine Schlange durch die Zweige der Bäume und die Weinranken. Netze umhüllten die hochgelegenen Zweige und füllten die Lücken dazwischen – dicke, beinahe durchsichtige Stränge, die vor Feuchtigkeit schimmerten. Stresa verlangsamte seinen Schritt und sah zu ihnen zurück. Er sagte nichts. Er mußte auch nichts sagen. Wren war sich bewußt, daß Garth und Triss ruhig und abwartend neben ihr standen. Sie nickte Stresa zu und bedeutete ihm weiterzugehen.
Sie dachte plötzlich an ihre Großmutter und fragte sich, was Ellenroh empfinden würde, wenn sie bei ihnen wäre, und überlegte, wie sie wohl gehandelt hätte. Sie konnte ihr Gesicht vor sich sehen, die leidenschaftlichen, blauen Augen als Kontrast zu ihrem gütigen Lächeln, die beeindruckende Ruhe, die alle Zweifel und alle Angst beiseite fegte. Ellenroh Elessedil, Königin der Elfen. Ihre Großmutter hatte anscheinend immer die Kontrolle über alles behalten. Aber selbst das hatte nicht ausgereicht, sie zu retten. Worauf konnte sie dann aber vertrauen, fragte Wren sich düster. Auf die Magie natürlich. Aber die Magie war nur so stark wie derjenige, der sie anwandte, und Wren hätte gerade jetzt die unbezwingbare Stärke ihrer Großmutter der eigenen bei weitem vorgezogen. Ihr fehlten Ellenrohs Selbstvertrauen und deren Sicherheit. Sogar jetzt, wo sie entschlossen war, den Ruhkstab und den Loden zurückzuholen, das Elfenvolk sicher ins Westland zu bringen und ihren Treueschwur zu erfüllen, spürte sie, daß sie eher aus Fleisch und Blut war als aus Eisen. Sie konnte versagen. Sie konnte sterben. Entsetzen lauerte am Rande derartiger Gedanken und ließ sich nicht vertreiben.
Triss stieß von hinten gegen sie und drängte sie vorwärts. Er flüsterte eine hastige Entschuldigung und fiel wieder zurück. Wren lauschte auf das Dröhnen ihres Blutes, ein Pochen in ihren Ohren und ihrer Brust, eine Mahnung, wie kurz die Spanne zwischen Leben und Tod sein konnte.
Sie war sich ihrer selbst immer so sicher gewesen...
Etwas huschte auf dem Boden vor ihnen davon, ein Aufblitzen dunkler Bewegung vor dem Grün. Stresas Stacheln hoben sich, aber er verlangsamte trotzdem nicht seinen Schritt. Der Wald öffnete sich in einen See von Sumpfgras zu einem Hain uralter Akazien, die sich schwer aneinander lehnten. Der Boden unter ihnen war ausgewaschen und dem Sumpf gewichen. Die Gefährten folgten dem Stacheltier nach links an einer kleinen Erhebung vorbei. Die Bewegung kam schnell und plötzlich wieder, dieses Mal mehr als ein Wesen. Wren versuchte ihm mit Blicken zu folgen. Irgendein Insekt, entschied sie, lang und schmal, mit vielen Beinen.
Stresa fand einen Flecken fester Erde, der breiter war als sein Körper, und wandte sich zu ihnen um.
»Phfffft. Habt ihr sie gesehen?« flüsterte er rauh. Sie nickte. »Aasfresser! Orps werden sie genannt. Hsssst! Sie fressen alles. Ha, alles! Sie leben von dem, was der Wisteron übrig läßt. Ihr werdet noch viel mehr von ihnen zu sehen bekommen, bevor wir unser Ziel erreichen. Habt keine Angst, wenn ihr sie seht.«
»Wie weit ist es noch?« flüsterte Wren zurück und beugte sich weit zu ihm hinunter.
Der Stachelkater legte den Kopf schief. »Es ist genau vor uns«, grollte er. »Kannst du die toten Wesen nicht riechen?«
»Und was ist dort hinten?«
»Ssssttt! Wie soll ich das wissen, Wren von den Elfen? Ich lebe noch!«
Sie ignorierte seinen Blick. »Wir werden nachsehen. Wenn wir verhandeln können, werden wir verhandeln. Wenn nicht, werden wir uns zurückziehen und entscheiden, was zu tun ist.«
Sie sah abwechselnd Garth und Triss an, um sicherzugehen, daß sie sie verstanden, und richtete sich dann auf. Faun hing an ihr wie eine zweite Haut. Sie würde den Baumschreier absetzen, bevor sie weiterging.
Sie schlichen durch die Gräser und die verdorrenden Bäume hinüber. Die Orps erschienen jetzt von überallher und stoben bei ihrem Auftauchen davon. Sie sahen aus wie riesige Silberfische, wenn sie schnell und lautlos unter die Erde oder das Holz verschwanden. Wren versuchte, sie nicht zu beachten, aber das war schwierig. Die Wasseroberfläche des Sumpfs blubberte und spuckte um sie herum. Es war das erste Geräusch, das sie seit einiger Zeit hörten. Der Killeshan machte sich auf immer größere Entfernung bemerkbar. Als sie das Gras verließen und zwischen die Bäume traten, legte sich die Dunkelheit in Schichten um sie herum. Es wurde wieder still, die Luft war leer und tot. Wren atmete langsam und tief, und ihre Hand schloß sich fester um die Elfensteine.
Dann gingen sie durch den Akazienhain über eine sumpfige Senke zu einer Ansammlung riesiger Nadelbäume, deren Zweige sich in enger Umarmung verflochten hatten. Fäden von Netzen hingen überall, und als sie sich dem jenseitigen Rand der Senke näherten, entdeckte Wren am Rande der Bäume verstreute Knochen. Orps schossen an ihnen vorbei, flogen über die Oberfläche der Kuhlen ringsum und verschwanden im Laubwerk vor ihnen.
Stresa war so langsam geworden, daß sie jetzt fast krochen.
Sie erreichten den Rand des Morastes, krochen durch eine Öffnung zwischen den Bäumen hindurch und erstarrten.
Unter den Bäumen lag eine tiefe Schlucht, eine Felseninsel, die im Sumpf zu schweben schien. Die Nadelbäume erhoben sich von dem Untergrund zu einem Gewirr dunkler Stämme, das aussah, als sei es mit Hunderten von Netzen zusammengebunden worden. Tote Wesen hingen in den Netzen, und Knochen bedeckten den Grund der Schlucht. Orps krochen über alles hinweg wie ein schimmernder Teppich aus Bewegung. Das Licht über der Schlucht war grau und diffus. Es wurde vom Vog und dem Nebel zu schwachen Schatten gefiltert. Der Geruch von Tod hing über allem, er wurde von den Felsen und den Bäumen und dem Dunst darüber festgehalten. Es war ruhig im Lager des Wisteron. Außer den Orps bewegte sich nichts.