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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Namir war halb mit ihren Gedanken, halb mit ihren Handlungen an Sarcany durch eine Art mütterlicher Liebe geknüpft, sie war ihm vielleicht ergebener als es Zirone, sein Genosse in Freud und Leid, jemals geworden wäre. Auf ein Zeichen von ihm hätte sie für ihn ein Verbrechen begangen, auf einen Befehl von ihm ohne Zögern den Tod auf sich genommen. Sarcany konnte also zu Namir ein unbedingtes Vertrauen haben, und wenn er sie nach Gibraltar hatte kommen lassen, so war es deshalb, weil er mit ihr von Carpena sprechen wollte, von dem er jetzt Alles zu befürchten hatte.

Diese Unterredung war die erste, welche sie seit Sarcany’s Ankunft in Gibraltar mit einander hatten, sie sollte auch die einzige sein. Sie wurde in arabischer Sprache geführt.

Sarcany stellte zunächst eine Frage und die Antwort, die er empfing, betrachteten Beide jedenfalls als eine überaus wichtige, weil ihre Zukunft davon abhing.

»Sarah?… fragte Sarcany.

– Sie ist in Tetuan gut aufgehoben, erwiderte Namir, in dieser Beziehung kannst Du beruhigt sein.

– Auch während Deiner Abwesenheit?

– Während meiner Abwesenheit ist das Haus einer alten Jüdin anvertraut, die es nicht einen Augenblick verlassen wird. Sie befindet sich wie in einem Gefängnisse; Niemand kommt zu ihr hinein, Niemand vermag zu ihr zu dringen. Sarah weiß übrigens nicht, daß sie sich in Tetuan befindet, sie weiß auch nicht, wer ich bin, nicht einmal, daß sie in Deiner Gewalt ist.

– Du sprichst doch noch immer mit ihr von der Heirat?

– Ja, Sarcany, antwortete Namir. Ich lasse es nicht dazu kommen, daß sie sich von der Idee, Deine Frau zu werden, entwöhnt, und sie wird Deine Frau werden.

– Sie muß, Namir, sie muß es, um so eher, als das Vermögen von Toronthal jetzt kein beträchtliches mehr ist…. Das Spiel war dem armen Silas nie recht hold!

– Du wirst ihn nicht mehr brauchen, Sarcany, denn Du wirst reicher werden als Du jemals gewesen bist.

– Ich weiß wohl, Namir, doch der äußerste Termin, an dem meine Heirat mit Sarah vollzogen werden muß, naht heran. Ich brauche eine freiwillige Einwilligung ihrerseits, und wenn sie sich weigert…

– So werde ich sie zwingen, sich zu unterwerfen, antwortete Namir. Ich werde ihr ihre Einwilligung entreißen…. Du kannst Dich auf mich verlassen, Sarcany.«

Es wäre schwer gewesen, sich eine entschlossenere, wildere Physiognomie vorzustellen, als sie die Marokkanerin zur Schau trug, während sie so sprach.

»Schön, Namir! sagte Sarcany befriedigt. Fahre fort, gut aufzupassen. Ich werde nicht ermangeln, Dir zu Hilfe zu kommen.

– Liegt es nicht in Deiner Absicht, daß wir Tetuan bald verlassen? fragte die Marokkanerin.

– Nein, so lange ich nicht dazu gezwungen werde, gewiß nicht, denn dort kennt und kann Niemand Sarah kennen. Wenn die Ereignisse mich nöthigen werden, Euch von dort fortziehen zu lassen, so werde ich Dich schon rechtzeitig benachrichtigen.

– Und nun sage mir, Sarcany, warum hast Du mich nach Gibraltar kommen lassen?

– Weil ich mit Dir über gewisse Dinge sprechen muß, die man mündlich besser erörtert als in einem Briefe.

– Erzähle, Sarcany, und wenn es sich um einen Befehl handelt, den ich ausführen soll, so wird er ausgeführt, darauf kannst Du rechnen.

– Ich will Dir sagen, wie ich stehe, antwortete Sarcany. Frau Bathory ist verschwunden und ihr Sohn ist todt. Ich habe also von Seiten dieser Familie nichts mehr zu befürchten. Frau Toronthal ist todt und Sarah in meiner Macht. Also auch auf dieser Seite kann ich ruhig sein. Von den anderen Personen, die meine Geheimnisse kennen oder gekannt haben, ist der Eine, Silas Toronthal, mein Genosse, er steht völlig unter meiner Botmäßigkeit; der Andere, Zirone, ist bei der letzten Expedition in Sicilien umgekommen. Also von allen denen, die ich soeben genannt habe, kann Keiner sprechen und wird Keiner sprechen.

– Wen fürchtest Du also? fragte Namir.

– Ich fürchte einzig und allein die Einmischung zweier Individuen, von denen der Eine einen Theil meiner Vergangenheit kennt und von denen der Andere sich in mein jetziges Leben mehr zu mischen scheint, als es mir lieb sein kann.

– Der Eine ist Carpena?… fragte Namir.

– Ja, antwortete Sarcany. Und der Andere ist dieser Doctor Antekirtt, dessen Beziehungen zu der Familie Bathory in Ragusa mir von Anfang an verdächtig erschienen sind. Ich habe auch von Benito, dem Herbergsvater von Santa Grotta vernommen, daß dieser Mann, der Millionen besitzt, mit Hilfe eines gewissen, in seinen Diensten stehenden Mannes, Namens Pescador, Zirone in einen Hinterhalt locken wollte. Der Zweck dieser Unternehmung konnte doch nur der sein, sich Zirone’s zu bemächtigen – da man mich nicht bekam – um ihm seine Geheimnisse abzuzwingen.

– Das klingt nur zu wahrscheinlich, sagte Namir. Mehr als je mußt Du jetzt diesem Doctor Antekirtt mißtrauen.

– Vor allen Dingen ist es nöthig, stets zu wissen, was er thut, und namentlich, wo er sich befindet.

– Ein schwieriges Ding, Sarcany, erwiderte Namir, denn, wie ich in Ragusa gehört habe, ist er eines schönen Tages an einem Ende des Mittelmeeres, und am folgenden an einem ganz entgegengesetzten.

– Ja, dieser Mann scheint die Gabe zu besitzen, sich vervielfältigen zu können, rief Sarcany. Doch soll damit nicht gesagt sein, daß ich mir ohne Weiteres mein Spiel von ihm durchkreuzen lassen werde, und wenn ich ihm bis auf seine Insel Antekirtta folgen müßte, so werde ich es…

– Ist die Heirat einmal vollzogen, meinte Namir, so wirst Du weder von ihm, noch von sonst Jemand etwas zu fürchten haben.

– Das stimmt, Namir, aber bis dahin…

– Bis dahin werden wir auf unserer Hut sein. Wir werden übrigens stets einen Vortheil vor ihm haben: denn wir werden stets wissen, wo er sich aufhält, während er nicht wissen kann, wo wir uns befinden. Sprechen wir jetzt von Carpena! Was hast Du von diesem Manne zu befürchten, Sarcany?

– Carpena weiß von meinen Beziehungen zu Zirone. Seit mehreren Jahren nahm er an Unternehmungen Theil, bei denen ich die Hand im Spiele hatte, und er kann erzählen…

– Vor allen Dingen, Carpena ist jetzt im Gewahrsam in Ceuta und zu lebenslänglicher Galeerenarbeit verurtheilt.

– Das ist es gerade, was mich beunruhigt, Namir…. Carpena kann, um seine Lage zu verbessern, um eine Begnadigung zu erhalten, Aussagen machen Ebenso wie wir wissen, daß er nach Ceuta gebracht worden ist, wissen es Andere auch, wieder Andere kennen ihn persönlich – zum Beispiel Pescador, der sich in Malta so geschickt an ihn machte. Dieser Mann kann dem Doctor Antekirtt das Mittel an die Hand geben, bis zu ihm zu dringen. Er kann ihm seine Geheimnisse zu goldenen Preisen abkaufen. Er kann sogar versuchen, ihn aus dem Präsidio entfliehen zu lassen. Das liegt nämlich in Wahrheit so nahe, Namir, daß ich mich schon vergebens gefragt habe, warum er es bis jetzt nicht gethan hat.«

Sarcany, sehr intelligent und umsichtig wie er war, hatte genau geahnt, welches die Projecte des Doctors bezüglich des Spaniers waren; er begriff genau, wessen er sich zu versehen hatte.

Namir mußte zugeben, daß Carpena in der Lage, in welcher er sich befand, sehr gefährlich werden konnte.

»Warum ist er nicht lieber als Zirone dort unten verschwunden? schrie Sarcany.

– Was sich in Sicilien nicht gemacht hat, erwiderte Namir kühl, sollte sich das nicht in Ceuta bewerkstelligen lassen?«

Da war gleich die Frage, auf die von beiden Seiten gewartet wurde, klar heraus. Namir erklärte in Folgendem Sarcany, daß nichts leichter wäre, als von Tetuan nach Ceuta, so oft als sie es für wünschenswerth erachten würde, zu gelangen. An zwanzig Meilen höchstens trennen diese beiden Städte, Tetuan liegt etwas weiter in das Land hinein als die Strafkolonie, südlich von der marokkanischen Küste. Da die Sträflinge meistens auf den Landstraßen arbeiten oder in der Stadt umhergehen können, so konnte es nicht sehr schwer fallen, mit Carpena in Verbindung zu kommen, der Namir ja kannte. Man könnte ihn glauben lassen, daß Sarcany sich für seine Flucht interessire, ihm etwas Geld zustecken oder irgend eine Beigabe zu der gewöhnlichen Kost des Häftlings. Und wenn selbst ein vergiftetes Stück Brod oder eine Frucht in Carpena’s Mund gelangte, wer hätte wohl um den Tod dieses Menschen besorgt sein sollen, oder seiner Ursache nachforschen wollen?

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