Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Es waren Sarcany und Namir. (S. 412.)
Der Doctor ließ die Umstehenden etwas zurücktreten. Er beugte sich über den trägen Körper, sprach leise zu ihm und betrachtete ihn andauernd, als wollte er eine seiner eigenen Willensäußerungen auf des Spaniers Gehirn übertragen.
Dann erhob er sich und sagte:
»Es hat nichts zu bedeuten. Der Mann ist ganz einfach in einen magnetischen Schlaf verfallen.
– Ah, wirklich? sagte der Gouverneur. Das ist allerdings sehr sonderbar. Und können Sie ihn diesem Schlafe entreißen?
– Nichts leichter als das,« antwortete der Doctor.
Er berührte die Stirn Carpena’s, hob leicht dessen Augenlider empor und sagte:
»Wacht auf!… Ich will es!«
Carpena bewegte sich, öffnete die Augen, blieb aber in dem schläfrigen Zustande. Der Doctor strich mehrere Male und in schräger Richtung mit der Hand vor dem Gesicht des Spaniers vorbei, um die Schlafsucht zu vertreiben und nach und nach entflog die Betäubung, Carpena erhob sich und ohne das Bewußtsein dessen zu haben, was vorgegangen war, begab er sich wieder in die Reihe seiner Genossen zurück. Der Gouverneur, der Doctor und Peter Bathory bestiegen wieder den Wagen, der seine Fahrt zur Stadt fortsetzte.
»Meinen Sie nicht, fragte der Gouverneur, daß der Spitzbube etwas getrunken hat?
– Ich glaube nicht, antwortete der Doctor. Die Erscheinung sah durchaus nach Somnambulismus aus.
– Doch durch was mag sie hervorgebracht worden sein?
– Darauf kann ich beim besten Willen nichts erwidern, Herr Gouverneur. Vielleicht neigt der Mann zu solchen Zufällen? Jetzt ist er wieder auf den Beinen und vorläufig wird der Anfall nicht wiederkommen.«
Der Wagen langte bald an den Wällen an; er fuhr in die Stadt hinein, dann in schräger Richtung durch dieselbe und hielt schließlich auf einem kleinen Platze, der die Einschissungsquais beherrscht. Der Doctor und der Gouverneur nahmen in herzlichster Weise von einander Abschied.
»Da liegt der »Ferrato«, sagte der Doctor und zeigte auf die Dampf-Yacht, welche sich in den Wellen graziös wiegte. Sie werden doch nicht vergessen, daß Sie mir versprochen haben, am Sonntag bei mir an Bord zu frühstücken?
– Ebenso wenig als hoffentlich Sie, lieber Herr Doctor Antekirtt, vergessen haben, daß Sie am Sonntag in meiner Residenz speisen wollen.
– Ich werde nicht ermangeln.«
Sie trennten sich und der Gouverneur verließ den Quai erst, nachdem er das Boot, welches die Reisenden ihrem Schiffe zuführte, hatte abstoßen sehen.
Unterwegs sagte der Doctor zu Peter, der ihn fragte, ob Alles nach seinem Wunsch verlaufen wäre:
»Ja!… Sonntag Abend soll Carpena mit Erlaubniß des Gouverneurs an Bord des »Ferrato« sein!«
Um acht Uhr verließ die Dampf-Yacht ihren Ankerplatz; sie dampfte nordwärts und bald war der Berg Hacho, der diesen Theil der marokkanischen Küste überragt, in den Abendnebeln verschwunden.
Zweites Capitel.
Ein Experiment des Doctors.
Der Passagier, dem man nichts über die Bestimmung des Schiffes, welches ihn trägt, gesagt hat, ahnt nicht, auf welchen Punkt der Erdkugel er den Fuß setzt, wenn er in Gibraltar landet.
Zuerst erblickt man den von vielen kleinen Häfen, in welchen die Schiffe anlegen können, durchbrochenen Quai, dann die Bastion einer Wallmauer, in welche ein Thor, das keinen besonderen Charakter trägt, eingelassen ist, sodann einen unregelmäßigen Platz, der von hohen, sich an die Anhöhen lehnenden Kasernen eingefaßt ist, schließlich ein Stückchen einer langen, schmalen gekrümmten Straße, welche den Namen Main-Street führt.
Am Ausgange dieser Straße, deren Pflaster bei jeder Witterung feucht bleibt, inmitten von Lastträgern, Schmugglern, Stiefelwichsern, Cigarren-und Wachsstreichhölzchenverkäufern, zwischen den Sturzkarren, Blockwagen, und den mit Früchten und Feldfrüchten beladenen Karren hindurch kommen und gehen in einem kosmopolitischen Durcheinander Malteser, Marokkaner, Spanier, Italiener, Araber, Franzosen, Portugiesen, Deutsche – Vertreter fast eines jeden Völkerstammes, sogar Bürger der Vereinigten Staaten, die ganz besonders kenntlich sind an den rothen Wämsern ihrer Fußsoldaten, den blauen der Artilleristen und an den Bäckerburschenkäppis, welche sich nur durch ein Wunder der Equilibristik auf dem Ohre zu halten scheinen.
Man ist eben auf Gibraltar. Diese Main-Street durchschneidet die ganze Stadt, denn sie geht von dem Meerthor bis zur Porta d’Alameda. Von dort verlängert sie sich bis zur Punta d’Europa an bunten Landhäusern und grünenden Anlagen vorüber, durch Blumenparterres und Kugelgärten, Batterien mit Geschützen jeder Gattung, Pflanzengebüsche jeder Zone. Ihre Ausdehnung beträgt viertausenddreihundert Meter, das heißt beinahe so viel, als der ganze Felsen von Gibraltar mißt, welches ein Dromedar ohne Kopf, niedergekauert im Sande von San Roque und mit in das Mittelmeer hineinhängendem Schweife zu sein scheint.
Dieser mächtige Felsblock steigt vom Festlande aus, welches er mit seinen Kanonen, mehr als siebenhundert Geschützen, bedroht, deren Schlünde durch die unzähligen Schießscharten der Casematten gähnen – die »Zähne der Greisin« schimpfen die Spanier sie – bis zu einer Höhe von vierhundertfünfundzwanzig Meter steil empor. Zwanzigtausend Einwohner, sechstausend Mann Garnison, bevölkern die unteren Abhänge des Berges, ausschließlich der Vierfüßler, der berühmten »Monos«, schwanzloser Affen, Abkömmlinge der älteren Geschlechter dieses Ortes, in Wahrheit der wirklichen Eigenthümer dieses Bodens, die noch die Höhen des alten Calpe bewohnen. Von dem Gipfel des Berges beherrscht man die Meerenge, überwacht das ganze marokkanische Gestade, auf der einen Seite das Mittelländische Meer, auf der anderen den Atlantischen Ocean. Die Fernröhre der Engländer bestreichen einen Umkreis von zweihundert Kilometern innerhalb dessen sich auch nicht der kleinste und verborgenste Punkt ihrer Beobachtung entziehen kann – und wie gut beobachten sie!
Wenn glückliche Umstände es ermöglicht haben würden, daß der »Ferrato« zwei Tage früher auf der Rhede von Gibraltar hätte eintreffen können, wenn zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang der Doctor Antekirtt und Peter Bathory an dem kleinen Quai gelandet wären, das Meerthor durchschritten, die Main-Street passirt, durch das Thor von Alameda die Stadt verlassen hätten, um die schönen Gärten zu erreichen, die sich auf der linken Seite bis zur halben Höhe des Berges hinaufziehen, so würden vielleicht die im Laufe der Erzählung berichteten Ereignisse einen schnelleren und wahrscheinlich einen wesentlich anderen Verlauf genommen haben.
Am 19. September Nachmittags nämlich saßen auf einer der hochlehnigen Holzbänke, welche die englischen Gartenanlagen zieren, im Schatten der großen Bäume, den Rücken den die Rhede bestreichenden Kanonen zugewandt, zwei Personen plaudernd, welche das Bestreben zeigten, von den dort Promenirenden nicht gehört zu werden: es waren Sarcany und Namir.
Man hat gewiß nicht vergessen, daß Sarcany mit Namir in Sicilien zusammentreffen wollte, als die Expedition nach Casa Inglese unternommen wurde, die mit dem Tode Zirone’s endete. Sarcany, rechtzeitig benachrichtigt, änderte seinen Feldzugsplan, was zur Folge hatte, daß der Doctor vergebens acht Tage hindurch mit seinem Schiffe vor Catania ankerte. Namir verließ auf die empfangenen Befehle hin unverzüglich Sicilien und kehrte nach Tetuan zurück, woselbst sie damals hauste. Von Tetuan kam sie nach Gibraltar, wohin sie Sarcany bestellt hatte. Sie war am Abend zuvor angekommen und gedachte, am folgenden Tage abzureisen.
Namir, die wilde Genossin Sarcany’s, war diesem mit Leib und Seele ergeben. Sie war es, die ihn in den Duars von Tripolis erzogen hatte, als wenn sie seine Mutter gewesen wäre. Sie hatte ihn niemals verlassen, selbst damals nicht, als er Maklergeschäfte in der Regentschaft verrichtete, wo sie durch geheime Vertraulichkeiten mit den furchtbaren Sectenanhängern des Senusismus in Verbindung stand, deren Pläne auf die Einnahme von Antekirtta hinausliefen, wie schon weiter oben gesagt wurde.