Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Doch es war bei weitem der direkteste Weg in die Richtung, in die ich wollte. Und ich wagte es nicht, einen größeren Umweg zu machen; es war ja gut möglich, dass ich mich in der Wildnis verlief oder von Jamie und Dougal eingeholt wurde, falls sie früher als erwartet zurückkamen.
Mein Magen verkrampfte sich plötzlich, als ich an Jamie dachte. Gott, wie konnte ich das tun? Ihn ohne ein erklärendes oder entschuldigendes Wort verlassen? Spurlos verschwinden, nach allem, was er für mich getan hatte?
Bei diesem Gedanken beschloss ich endgültig, das Pferd zurückzulassen. Zumindest würde er glauben, dass ich ihn nicht freiwillig verlassen hatte; womöglich glaubte er ja, dass mich ein wildes Tier getötet hatte – ich fasste an den Dolch in meiner Tasche – oder dass mich Gesetzlose verschleppt hatten. Und wenn er keine Spur von mir fand, würde er mich irgendwann vergessen und erneut heiraten. Vielleicht ja die hübsche Laoghaire aus Leoch.
Absurderweise stellte ich fest, dass mich der Gedanke an Jamie, der Laoghaires Bett teilte, beinahe genauso bestürzte wie der Gedanke, ihn zu verlassen. Ich verfluchte mich als Idiotin, aber ich musste mir unwillkürlich ihr hübsches rundes Gesicht vorstellen, vor zärtlicher Sehnsucht errötet, und seine großen Hände, die sich in ihrem herrlichen Haar vergruben …
Ich löste meine Zähne voneinander und wischte mir entschlossen die Tränen von den Wangen. Ich musste gehen, und zwar sofort, solange ich die Gelegenheit dazu hatte. Es war vielleicht die beste Chance, die ich je bekam. Ich hoffte, dass mich Jamie schnell vergessen würde. Ich wusste, dass ich ihn niemals würde vergessen können. Doch jetzt musste ich jeden Gedanken an ihn verdrängen, sonst konnte ich mich nicht auf mein Vorhaben konzentrieren, und dieses war kniffelig genug.
Vorsichtig stieg ich die steile Böschung hinunter zum Rand des Wassers. Der Lärm des rauschenden Bachs übertönte jetzt jeden Vogelgesang. Das Terrain war zwar schwierig, aber immerhin war hier Platz, am Ufer entlangzugehen, das schlammig und voller Steine, jedoch passierbar war. Ein Stück weiter würde ich allerdings tatsächlich ins Wasser steigen müssen, um von Stein zu Stein zu balancieren, bis das Ufer wieder breit genug zum Gehen wurde.
Ich tastete mich vorsichtig voran und überlegte, wie viel Zeit mir wohl bleiben mochte. Jamie hatte nur gesagt, dass er bis zum Abend zurück sein würde. Eigentlich war es nicht allzu weit bis Lag Cruime, aber ich wusste ja nicht, wie die Straßen beschaffen waren oder wie lange das Gespräch mit Horrocks dauern würde. Wenn er denn dort war. Doch man konnte davon ausgehen, dass Horrocks kommen würde; Hugh Munro hatte es gesagt, und er war zwar eine seltsame Gestalt, doch Jamie betrachtete ihn eindeutig als verlässliche Informationsquelle.
Mein Fuß rutschte prompt vom ersten Felsen im Bach ab, so dass ich bis zum Knie im eisigen Wasser landete und mir den Rock durchnässte. Ich kehrte ans Ufer zurück, steckte mir die Röcke hoch, so gut ich es konnte, und zog sowohl Schuhe als auch Strümpfe aus. Diese schob ich in die Tasche, die durch meinen hochgeschürzten Rock gebildet wurde, und trat erneut mit dem Fuß auf den Felsen.
Schnell stellte ich fest, dass ich mich ohne Ausrutscher von Stein zu Stein bewegen konnte, wenn ich mich mit den Zehen festhielt. Doch die Stoffmassen meines Rocks erschwerten es mir zu erkennen, wohin ich als Nächstes treten musste, und ich fand mich mehr als einmal im Wasser wieder. Meine Beine wurden eiskalt, und je weniger ich meine Füße spürte, desto schwieriger wurde es, mich mit den Zehen festzukrallen.
Zum Glück wurde das Ufer wieder breiter, und ich ging dankbar an Land und lief durch den warmen, zähen Schlamm. Kurze Abschnitte mehr oder weniger bequemen Schlammtretens wechselten sich mit sehr viel längeren Strecken ab, auf denen ich inmitten eiskalter Stromschnellen von Stein zu Stein hüpfen musste. Dabei stellte ich allerdings erleichtert fest, dass ich viel zu beschäftigt war, um allzu intensiv über Jamie nachzudenken.
Nach einer Weile hatte ich es heraus. Auftreten, mit den Zehen zukrallen, innehalten und so weiter. Ich muss übermütig geworden sein oder vielleicht auch einfach nur müde, denn ich wurde unvorsichtig und trat zu kurz. Mein Fuß rutschte kraftlos an der Vorderseite eines schleimbedeckten Felsens ab. Wild wedelte ich mit den Armen und versuchte, zurück auf den Felsen zu steigen, auf dem ich gestanden hatte, doch ich war schon zu weit aus dem Gleichgewicht geraten. Mitsamt meiner Röcke und Unterröcke, in deren Stoffschichten auch irgendwo der Dolch vergraben war, tauchte ich ins Wasser.
Und tauchte immer tiefer. Der Bach war zwar eigentlich nur einen guten halben Meter tief, doch hier und dort hatte das rauschende Wasser Vertiefungen in den Fels gefressen. Der Stein, auf dem ich den Halt verloren hatte, stand am Rand einer solchen Vertiefung, und als ich ins Wasser fiel, versank ich selbst wie ein Stein.
Ich erschrak so sehr, als mir das eisige Wasser in Mund und Nase drang, dass ich nicht mal aufschrie. Silberne Bläschen kamen aus meinem Mieder geschossen und gurgelten an meinem Gesicht vorbei an die Oberfläche. Der Baumwollstoff saugte sich blitzartig voll, und der eisige Griff des Wassers lähmte mir den Atem.
Nach dem ersten Schock begann ich sofort, mich wieder nach oben zu kämpfen, aber das Gewicht meiner Kleider zog mich unweigerlich hinab. Panisch zerrte ich an den Schnüren meines Mieders, doch es gab keine Hoffnung, mich der Kleider zu entledigen, ehe ich ertrank. Mir schossen eine ganze Reihe böser, undankbarer Gedanken über Schneiderinnen, Frauenkleider und die Idiotie langer Röcke durch den Kopf, während ich hektisch die Beine bewegte, um mich nicht in den Falten des Stoffs zu verfangen.
Das Wasser war kristallklar. Meine Finger streiften die Felswand und glitten durch lange dunkle Girlanden aus Wasserpest und Algen. Schlüpfrig wie Nixenkraut, hatte Jamie gesagt, über meine …
Dieser Gedanke riss mich aus meiner Panik. Plötzlich begriff ich, dass ich meine Kräfte nicht mit dem Versuch verschwenden durfte, an die Oberfläche zu schwimmen. Das Wasser konnte nicht mehr als zweieinhalb Meter tief sein; was ich tun musste, war, mich zu entspannen, auf den Grund zu sinken, dort Schwung zu holen und mich nach oben abzustoßen. Mit etwas Glück konnte ich zumindest Luft holen, und selbst wenn ich wieder unterging, konnte ich mich mit frischer Luft in den Lungen immer wieder vom Boden abstoßen, bis ich dicht genug an den Rand gelangte und einen Felsen zu fassen bekam.
Ich versank quälend langsam. Da ich mich nicht länger nach oben kämpfte, blähte sich mein Rock rings um mich auf und trieb vor meinem Gesicht dahin. Ich drückte ihn beiseite; mein Gesicht durfte keinesfalls verdeckt werden. Als meine Füße endlich den glatten Grund der Vertiefung berührten, standen meine Lungen kurz vor dem Bersten, und vor meinen Augen tanzten dunkle Flecken. Ich ging in die Knie, presste meine Röcke an mich und stieß mich mit aller Kraft nach oben ab.
Es funktionierte, wenn auch nur gerade eben. Mein Kopf durchbrach im letzten Moment die Oberfläche, und ich hatte Zeit für einen kurzen, lebensrettenden Atemzug, ehe das Wasser wieder über mir zusammenschlug. Doch das reichte. Ich wusste, dass ich es wiederholen konnte. Ich drückte die Arme an meine Seiten, um stromlinienförmiger zu sein und rascher nach unten zu sinken. Noch einmal, Beauchamp, dachte ich. Geh in die Knie, hol Schwung, spring ab!
Ich schoss aufwärts, die Arme über den Kopf gestreckt. Als ich das letzte Mal an die Wasseroberfläche gekommen war, hatte ich etwas Rotes aufblitzen sehen; eine Eberesche musste über das Wasser ragen. Vielleicht würde es mir gelingen, einen ihrer Äste zu fassen.