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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Von Cain ist er getäuscht worden! Borowski verfolgt die Spur jedes Gewährsmannes bis zu ihrem Ursprung. Er gibt falsche Informationen weiter und bringt uns dadurch in Gefahr, das gibt er unumwunden zu. Aber warum? Wir wissen jetzt, was und wer er ist, aber er läßt Washington zappeln. Er will im dunkeln bleiben.«

«Die Antwort«, sagte der Bettler,»liegt in der Vergangenheit begraben. Aber ich glaube, er will seine Ruhe haben. Die amerikanische Abwehr verfügt über genügend selbstherrliche Autokraten, die heute so und morgen so denken und selten miteinander in Verbindung stehen. In den Tagen des kalten Krieges konnte man viel Geld verdienen, wenn man denselben Stationen drei- oder viermal Informationen verkaufte. Vielleicht wartet Cain, bis er glaubt, daß es nur noch eine Möglichkeit gibt, die Dinge in Ordnung zu bringen.«

«Das Alter hat Ihren Verstand noch nicht getrübt, alter Freund. Deshalb habe ich auch Sie gerufen.«

«Ode r«, fuhr der Bettler fort,»es könnte natürlich auch sein, daß er es sich überlegt und kehrtgemacht hat. Das wäre nicht das erste Mal, daß so etwas passiert.«

«Das glaube ich nicht, aber darauf kommt es nicht an. Washington glaubt, daß er die Fronten gewechselt hat. Der >Mönch< ist tot, alle sind sie tot in Treadstone. Cain steht als der Killer fest.«

«Der >Mönch<?«sagte der Bettler.»Ein Name aus der Vergangenheit; er war in Berlin tätig, in Wien. Wir kannten ihn gut und waren froh, wenn wir ihm nicht zu nahe kamen. Da haben Sie Ihre Antwort, Carlos. Es war stets der Stil des >Mönchs<, die Zahl der Leute, mit denen er zu tun hatte, so gering wie möglich zu halten. Er ging von der Theorie aus, daß seine Kreise infiltriert und nicht zuverlässig waren. Er muß Cain Anweisung gegeben haben, nur ihm zu berichten. Das würde die Verwirrung in Washington erklären, die Monate des Schweigens.«

«Aber was bedeutet es für uns? Nichts ist passiert.«

«Das kann viele Ursachen haben. Krankheit, Erschöpfung, zur Ausbildung zurückgerufen. Oder einfach nur das Ziel, Verwirrung unter den Feinden zu säen. Der >Mönch< hatte immer einen ganzen Sack voller Tricks.«

«Und doch sagte er, ehe er starb, zu einem Kollegen, daß er nicht wüßte, was geschehen war. Daß er nicht einmal sicher sei, daß der Mann wirklich Cain war.«

«Wer war der Kollege?«

«Ein Mann namens Gillette. Er war unser Mann, aber das kann Abbott nicht gewußt haben.«

«Noch eine Möglichkeit: der >Mönch< hatte für solche Männer einen Instinkt. In Wien hieß es immer, David Abbott würde selbst dem lieben Gott nicht über den Weg trauen.«

«Möglich. Was Sie sagen, beruhigt mich; Sie suchen Dinge, die andere nicht suchen.«

«Ich hab' Erfahrung; ich war einmal ein wichtiger Mann. Unglücklicherweise habe ich keine Beziehung zum Geld.«

«Die haben Sie immer noch nicht.«

«Wir hätten einander in den alten Tagen kennen sollen.«

«Jetzt werden Sie anmaßend, Carlos.«

«So ist das immer. Sie wissen, daß ich weiß, daß Sie mein Leben jeden Augenblick auslöschen können, also muß ich einen Wert für Sie besitzen, der nicht nur mit Erfahrung zu erklären ist.«

«Was haben Sie mir noch mitzuteilen?«

«Es ist vielleicht nicht besonders wichtig, aber immerhin… Ich habe ordentliche Kleider angezogen und den Tag in der >Auberge du Coin< verbracht. Es gab dort einen Mann, einen korpulenten Mann — die Sürete hat ihn verhört und entlassen— dessen gehetzter Blick mir auffiel. Er schwitzte auch zu viel. Jedenfalls kam er mir verdächtig vor. Ich habe mich mit ihm unterhalten und zeigte ihm ein offizielles NATO-Ausweispapier, das ich mir Anfang der fünfziger Jahre hatte machen lassen. Anscheinend hat er gestern früh um drei Uhr einen Wagen vermietet. An einen blonden Mann in Begleitung einer Frau. Die Beschreibung paßt zu der Fotografie aus Argenteuil.«

«Vermietet?«

«So hat er es mir dargestellt. In ein oder zwei Tagen sollte die Frau den Wagen zurückgeben.«

«Das wird nie geschehen.«

«Natürlich nicht, aber es läßt Rückschlüsse zu… Warum sollte Cain sich die Mühe machen, sich ausgerechnet auf die Weise ein solches Fahrzeug zu beschaffen?«

«Um so schnell wie möglich wegzukommen.«

«In diesem Falle ist die Information wertlos«, sagte der

Bettler.»Andererseits gibt es so viele Möglichkeiten, auf weniger auffällige Art zu verreisen. Und Borowski muß jedem mißtrauen.«

«Worauf wollen Sie hinaus?«

«Ich gebe zu bedenken, daß Borowski sich diesen Wagen zu dem einzigen Zweck beschafft haben könnte, um jemanden hier in Paris zu verfolgen. Kein Herumlungern in der Öffentlichkeit, wo man ihn vielleicht entdecken könnte, keine Mietwagen, die Hinweise geben, keine hektische Suche nach Taxis. Statt dessen einfach nur ein Austausch von Zulassungsschildern und ein unauffälliger schwarzer Renault in den überfüllten Straßen. Wo sollte man da suchen?«

Die Silhouette wandte sich ihm zu.»Die Lavier«, sagte der Meuchelmörder im Beichtstuhl leise.»Und jeder andere in Les Classiques, den er verdächtigt. Das ist der Ort, wo man sie beobachten kann. Binnen Tagen — vielleicht binnen Stunden— wird man einen unauffälligen schwarzen Renault sehen und ihn finden. Haben Sie eine Beschreibung des Wagens?«

«Bis auf die letzte Beule am hinteren Kotflügel.«

«Gut. Sagen Sie den anderen alten Männern Bescheid. Durchkämmen Sie die Straßen, die Garagen und die Parkplätze. Derjenige, der den Renault findet, hat für alle Zeiten ausgesorgt.«

«Weil wir schon gerade bei dem Thema sind…«

Ein Umschlag schob sich zwischen dem Vorhang und der Filzbespannung des Beichtstuhls durch.»Wenn sich Ihre

Theorie als richtig erweist, können Sie das als eine rein symbolische Geste betrachten.«

«Ich habe recht, Carlos.«

«Warum sind Sie so überzeugt?«

«Weil Cain das tut, was Sie tun würden, was ich getan hätte— damals, in den alten Tagen. Man muß den Hut vor ihm ziehen.«

«Töten muß man ihn«, sagte der Meuchelmörder.»Im

Zeitablauf ist Symmetrie. In ein paar Tagen ist der 25. März. Am 25. März 1968 wurde Jason Borowski im Dschungel von Tam Quan exekutiert. Jetzt, Jahre später — fast auf den Tag genau — wird ein anderer Jason Borowski gejagt, und die

Amerikaner sind ebenso eifrig erpicht wie wir, daß er getötet wird. Ich frage mich, wer von uns diesmal den Abzug drücken wird.«

«Ist das wichtig?«

«Ich will ihn haben«, flüsterte die Silhouette.»Er war nie echt, und das war sein Fehler. Sagen Sie den alten Männern, sie sollen in Parc Monceau Bescheid sagen, wenn sie ihn finden. Sie sollen ihn nur im Auge behalten. Ich möchte, daß er am 25. März noch am Leben ist. Am 25. März werde ich ihn selbst töten und seine Leiche an die Amerikaner ausliefern.«

«Ich werde sofort Bescheid geben.«

«Angelus Domini, Kind Gottes.«

«Angelus Domini«, sagte der Bettler.

Kapitel 26

Der alte Soldat schritt schweigend neben dem jüngeren Mann den mondbeschienenen Weg im Bois de Boulogne hinab. Keiner von beiden sagte etwas, es war schon viel zuviel gesagt worden. Villiers mußte über das Gehörte nachdenken. Und er bezog Stellung.

Der junge Mann schien die Wahrheit zu sprechen. Seine Augen, seine Stimme, jede seiner Gesten ließen keine Zweifel zu. Der Mann ohne Namen log nicht. Die Zelle des Verrates befand sich in Villiers' Haus. Das erklärte viele Dinge, die er vorher nicht zu fragen gewagt hatte. Ein alter Mann wollte weinen.

Für den Mann ohne Erinnerung blieb alles beim alten. Seine Geschichte klang überzeugend, weil hier die Wahrheit war. Er mußte Carlos finden, mußte erfahren, was der Meuchelmörder wußte; wenn ihm das nicht gelang, würde es für ihn kein Leben geben. Er erwähnte Marie St. Jacques nicht, auch nicht die Ile de Port Noir, oder die Nachricht, die von einem oder mehreren Unbekannten geschickt wurde, oder das Mysterium seiner eigenen Person.

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