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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Die verrückten Colonels von Algier — was war von ihnen geblieben? Männer, die die Erinnerung an ein Frankreich trieb, das es nicht mehr gab, eine Welt, die es nicht mehr gab, die die jetzige schwach und wirkungslos fanden. Solche Männer konnten einen Pakt mit Carlos schließen, und wäre es nur um der Macht willen, die ihnen das verlieh.

Der General hob jetzt die Stimme; Jason bemühte sich, die Worte durch das Glas zu hören. Er konnte jetzt deutlicher verstehen.

«… unsere Gegenwart wird ihre Wirkung zeitigen, man wird unser Ziel verstehen. Wir stehen gemeinsam und unverrückbar; man wird uns hören! Im Gedenken all jener, die gefallen sind— unsere Brüder in Uniform — die ihr Leben für den Ruhm Frankreichs gegeben haben. Wir werden unser geliebtes Land vor schädlichen Einflüssen zu bewahren wissen; es wird herrschen. Jene, die sich gegen uns stellen, werden unseren Zorn kennenlernen. Auch darin sind wir uns einig. Wir beten zum allmächtigen Gott, daß jene, die vor uns hingegangen sind, den Frieden gefunden haben mögen, denn wir befinden uns immer noch im Konflikt… Meine Herren: auf unsere Dame — unser Frankreich!«

Ein Murmeln einstimmiger Billigung war zu vernehmen, und die alten Soldaten blieben starr und steif stehen, und dann erhob sich eine andere Stimme, die ersten fünf Worte nur von einer Stimme gesungen, beim letzten Wort schloß sich der Rest der Gruppe an.

Allons enfants de la patrie,

Lejour de gloire est arrive…

Borowski wandte sich ab. Was er in dem Raum gesehen und gehört hatte, ekelte ihn an. Schafft Verwüstung im Namen des Ruhmes; der Tod der gefallenen Kameraden verlangt gewaltsam nach weiterem Sterben, selbst wenn es einen Pakt mit Carlos, dem Meuchelmörder, bedeutet.

Was störte ihn so? Was war es, das den Ekel auslöste? Er haßte Menschen wie Andre Villiers, verachtete die Männer in jenem Raum. Sie waren alles alte Männer, die Krieg führten… und den jungen das Leben stahlen.

Warum schlossen sich die Nebel wieder um ihn? Warum war der Schmerz plötzlich wieder so bohrend? Jetzt war nicht die Zeit für Fragen, nicht die Kraft, sie zu ertragen. Er mußte sich auf Andre Francois Villiers konzentrieren, Krieger und Kriegsherr, dessen Ziele ins Gestern gehörten, aber dessen Pakt mit einem Meuchelmörder heute den Tod verlangte.

Er würde den General in eine Falle locken, ihn zur Strecke bringen, um alles zu erfahren. Männer wie Villiers verdienten es nicht zu leben. Ich bin wieder in meinem Labyrinth, und seine Mauern sind mit Dornen gespickt. O Gott, wie weh das tut.

Jason kletterte in der Dunkelheit über das Geländer und klammerte sich an die Regenrinne, jeder Muskel in seinen Gliedern schmerzte. Schmerz — auch das mußte er auslöschen. Er mußte ein verlassenes Stück Straße im Mondlicht erreichen und dort einen Gesandten des Teufels in die Falle locken.

Kapitel 25

Borowski wartete in dem Renault, zweihundert Meter östlich vom Restauranteingang. Er ließ den Motor laufen und war bereit, in dem Augenblick loszufahren, in dem er Villiers herauskommen sah. Einige andere hatten das Haus bereits verlassen, jeder in seinem eigenen Wagen. Verschwörer hielten ihre Verbindungen geheim, und diese alten Männer waren Verschwörer im wahrsten Sinne des Wortes. Sie hatten allen Ruhm, den sie sich erworben hatten, für die Waffe und die Organisation eines Mörders eingetauscht. Alter und Vorurteil hatten sie ihrer Vernunft beraubt, so wie sie ihr Leben damit verbracht hatten, andere ihres Lebens zu berauben. Die Jungen und die sehr Jungen.

Was war das? Warum läßt es mich nicht los? Irgend etwas Schreckliches sitzt tief in mir, versucht herauszubrechen, versucht mich zu töten. Angst und Schuld peinigen mich… aber ich kenne den Grund. Warum sollten diese verkalkten, alten Militärschädel so viel Furcht und Schuld in mir hervorrufen… und so viel Abscheu?

Sie verkörperten den Krieg. Den Tod. Auf Erden und im Himmel. Im Himmel… Hilf mir, Marie. Um Gottes willen, hilf mir!

Das war er. Die Scheinwerferstrahlen schossen aus der Einfahrt, und das lange, schwarze Chassis spiegelte das Licht der Außenbeleuchtung der Häuser. Jason ließ die eigenen Scheinwerfer ausgeschaltet, als er sich aus dem Schatten löste. Er beschleunigte, jagte die Straße hinunter, bis er die erste Kurve erreichte, wo er die Scheinwerfer einschaltete und das Gaspedal bis zum Boden durchdrückte. Das isolierte Stück Straße war etwa zwei Meilen entfernt; er mußte schnell dort hinkommen.

Es war zehn nach elf, und ebenso wie vor drei Stunden gingen die Felder in die Hügel über, beide vom Licht des Märzmondes gebadet, der jetzt geradewegs im Zenit stand. Der Randstreifen war breit, grenzte an eine Wiese, und das bedeutete, daß man beide Fahrzeuge von der Straße holen konnte. Aber sein unmittelbares Ziel war es, Villiers zum

Halten zu veranlassen. Der General war alt, aber nicht schwächlich. Alles kam auf die Wahl des richtigen Zeitpunkts an.

Borowski drehte den Renault herum und wartete, bis er in der Ferne die Scheinwerfer aufleuchten sah, dann beschleunigte er plötzlich und riß daß Steuer ruckartig zurück. Der Wagen schoß über die Straße — ein Fahrer, dem das Fahrzeug aus der Kontrolle geraten war, der außerstande war, auf gerader Spur zu fahren, der aber dennoch schnell fuhr.

Villiers hatte keine Wahl; er bremste ab, als Jason wie ein Wahnsinniger auf ihn zugeschossen kam. Und dann, als die beiden Fahrzeuge noch höchstens zwanzig Fuß voneinander entfernt waren, unmittelbar vor dem Zusammenstoß, riß Borowski das Steuer nach links und bremste so scharf, daß die Reifen quietschten. Endlich kam der Wagen zum Stehen. Borowski hatte sein Fenster offen und stieß einen undefinierbaren Schrei aus, der wie das Stöhnen eines Kranken oder eines Betrunkenen klang, aber jedenfalls nicht drohend. Er schlug mit der Hand auf den Fensterrahmen und verstummte, zusammengekauert im Sitz, die Waffe im Schoß.

Er hörte, wie die Türe von Villiers' Limousine sich öffnete und spähte sachte hinüber. Der alte Mann war nicht bewaffnet, wenigstens war keine Waffe zu sehen; er schien nichts zu argwöhnen, war nur erleichtert, daß es nicht zum Zusammenstoß gekommen war. Der General ging auf das linke Fenster des Renault zu, seine Stimme klang besorgt, hatte aber zugleich einen befehlsgewohnten Unterton.

«Was soll das? Was haben Sie sich eigentlich gedacht? Sind sie verletzt? Alles in Ordnung bei Ihnen?«Seine Hände griffen nach dem Fensterrahmen.

«Ja, aber bei Ihnen nicht«, erwiderte Borowski in englischer Sprache und hob die Waffe.

«Was…«Der alte Mann hielt die Luft an, stand plötzlich ganz aufrecht da.»Wer sind Sie und was soll das?«

Jason stieg aus dem Renault, die linke Hand über dem Lauf der Waffe.»Ich bin froh, daß Sie so fließend Englisch sprechen. Gehen Sie zu Ihrem Wagen zurück. Fahren Sie ihn von der Straße herunter.«

«Und wenn ich mich weigere?«

«Dann töte ich Sie sofort. Es gehört nicht viel dazu, mich zu reizen.«

«Stammen diese Worte von den Roten Brigaden? Oder vom

Pariser Zweig der Baader-Meinhof-Gruppe?«

«Warum? Könnten Sie dann Gegenbefehl geben?«

«Ich pfeife auf sie! Und auf Sie auch!«

«Niemand hatte je Zweifel an Ihrem Mut, General. Gehen Sie zu Ihrem Wagen.«

«Das ist keine Frage des Mutes!«sagte Villiers ohne sich zu bewegen.»Das ist eine Frage der Logik. Wenn Sie mich töten, erreichen Sie gar nichts, und noch viel weniger, wenn Sie mich entführen. Meine Befehle stehen fest, und mein Stab und meine Familie werden sie befolgen. Die Israeli haben völlig recht. Es kann keine Verhandlungen mit Terroristen geben. Schießen Sie schon, Sie Abschaum! Oder verschwinden Sie!«

Jason studierte den alten Soldaten und war sich plötzlich zutiefst unsicher. Er wagte einen Vorstoß, er würde sich nicht täuschen lassen.

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