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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Borowski wandte mit einiger Mühe den Blick von der Türe und sah Villiers durch die Windschutzscheibe an. Der General hatte seine Scheinwerfer abgeschaltet und war jetzt im Begriff, aus dem Wagen zu steigen. Jason ließ die Kupplung los und rollte nach vorne, bis er mit der hinteren Stoßstange der Limousine kollidierte. Villiers fuhr in seinem Sitz herum.

Borowski schaltete seine eigenen Scheinwerfer ab und knipste das kleine Dachlicht im Wageninneren an. Er hob die Hand — die Handfläche nach unten — und hob sie dann noch zweimal, sagte dem alten Soldaten, er solle bleiben, wo er war. Villiers nickte, und Jason schaltete die Lichter ab.

Er blickte wieder zu der Türe hinüber. Der Mann war einen Schritt nach unten gegangen, ein letzter Befehl der Frau hatte ihn aufgehalten. Borowski konnte sie jetzt ganz deutlich sehen. Sie war Mitte bis Ende Dreißig und hatte kurzes, dunkles Haar, das modisch geschnitten war und ein von der Sonne gebräuntes Gesicht einrahmte. Sie war eine hochgewachsene Frau, fast statuenhaft, und das eng anliegende Tuch eines langen, weißen Kleides, das ihre braune Hautfarbe vorteilhaft zur Geltung brachte, hob ihre schwellenden Brüste hervor. Wenn sie Teil des Hauses war, hatte Villiers sie nicht erwähnt, und das bedeutete, daß sie das vermutlich nicht war. Sie schien eine Besucherin zu sein, die wußte, wann der richtige Zeitpunkt war, um zu dem Haus des alten Mannes zu kommen. Das bedeutete, daß es eine Kontaktperson in Villiers Haus gab, die mit ihr in Verbindung stand. Der alte Mann mußte sie eigentlich kennen!

Der grauhaarige Telefonist nickte ein letztes Mal, kam die Treppe herunter und ging schnell die Straße entlang. Die Türe schloß sich, und das Licht der Kutschenlampen beleuchtete die verlassene Treppe und die glänzende schwarze Tür mit den Bronzebeschlägen.

Warum bedeuteten jene Stufen und jene Türe etwas für ihn?

Waren es Bilder? Eine Realität, die nicht existierte?

Borowski stieg aus dem Renault, beobachtete die Fenster, hielt Ausschau nach der Bewegung eines Vorhangs; doch da war nichts. Er ging schnell zu Villiers Wagen; das vordere Seitenfenster wurde heruntergekurbelt, das Gesicht des Generals erschien, und seine dichten Augenbrauen hoben sich überrascht.»Was um Himmels willen tun Sie?«fragte er.

«Dort drüben bei Ihrem Haus«, sagte Jason und duckte sich ein wenig,»Sie haben es auch gesehen?«

«Ja, und?«

«Wer war die Frau? Kennen Sie sie?«

«Das will ich meinen! Sie ist meine Frau.«

«Ihre Frau!« Borowski war die Überraschung anzusehen.

«Ich dachte, Sie hätten gesagt… ich dachte, Sie hätten gesagt, sie sei eine alte Frau. Sie wollten, daß Sie mich anhört, weil Sie seit Jahren Ihrem Urteil blind vertrauen. Das haben Sie vorhin gesagt.«

«Nicht genau. Ich habe gesagt, sie sei eine alte Soldatenfrau. Und ich habe in der Tat großen Respekt vor ihrem Urteil. Aber sie ist meine zweite Frau — meine sehr viel jüngere zweite Frau — aber mir ebenso lieb wie meine erste, die vor acht Jahren starb.«

«O mein Gott… «

«Machen Sie sich keine Gedanken über den Altersunterschied. Sie ist stolz und glücklich, die zweite Madame Villiers zu sein. Sie war mir im Rat eine große Hilfe.«

«Es tut mir leid«, flüsterte Borowski.»Herrgott, es tut mir leid.«

«Was denn? Sie haben sie mit jemand anderem verwechselt?

Das geschieht häufig; sie ist schließlich eine auffallende Schönheit. Ich bin sehr stolz auf sie. «Villiers öffnete die Tür, während Jason sich aufrichtete.»Warten Sie hier«, sagte der General,»ich gehe hinein und sehe nach; wenn alles in Ordnung ist, öffne ich die Tür und gebe Ihnen ein Zeichen. Wenn nicht, komme ich zum Wagen zurück, dann fahren wir weg.«

Borowski blieb reglos vor Villiers stehen und hinderte damit den alten Mann am Aussteigen.»General, ich muß Sie etwas fragen. Ich weiß nicht recht, wie ich es anstellen soll, aber ich muß. Ich sagte Ihnen ja, daß ich Ihre Telefonnummer in einer Verbindungsstation gefunden habe, die Carlos benutzt. Ich habe Ihnen nicht gesagt, wo. Nur, daß sie von einer Person bestätigt wurde, die zugab, Nachrichten zwischen Carlos und dessen Kontaktpersonen zu vermitteln. «Borowski atmete tief, und sein Blick wanderte kurz zu der Tür auf der anderen Straßenseite.»Jetzt muß ich Ihnen eine Frage stellen und Sie bitten, sorgfältig nachzudenken, ehe Sie antworten. Kauft Ihre Frau ihre Kleider in einem Geschäft, das sich Les Classiques nennt?«

«In Saint-Honore?«

«Ja.«

«Ich weiß zufällig, daß sie das nicht tut.«

«Sind Sie sicher?«

«Ganz und gar. Nicht nur, daß ich nie eine Rechnung von diesem Geschäft gesehen habe, sondern sie hat mir auch gesagt, daß ihr die Stoffe dort nicht gefallen. Meine Frau kennt sich in Modedingen sehr gut aus.«

«Mein Gott.«

«Was?«

«General, ich kann dieses Haus nicht betreten. Ich kann dort nicht hineingehen.«

«Warum nicht? Was wollen Sie damit sagen?«

«Der Mann auf der Treppe, der mit Ihrer Frau sprach. Er kommt von der Verbindungsstelle; das ist Les Classiques. Er ist ein Kontaktmann für Carlos.«

Alles Blut wich aus Andre Villiers Gesicht. Er wandte sich um, starrte über die von Bäumen gesäumte Straße zu seinem Haus hinüber auf die glänzende schwarze Tür und die Bronzedekoration, die das Licht der Kutschenlampen spiegelte.

Der pockennarbige Bettler kratzte sich die Bartstoppeln, nahm seine fadenscheinige Mütze ab und zwängte sich durch das Bronzeportal der kleinen Kirche in Neuilly-sur-Seine.

Er ging unter den mißbilligenden Blicken zweier Priester den rechten Aufgang hinunter. Die beiden Kleriker ärgerten sich; das war eine wohlhabende Gemeinde, und allem biblischen Mitgefühl zum Trotz hatte der Wohlstand doch

seine religiösen Privilegien. Eine dieser Privilegien bestand darin, daß man eine gewisse Klasse von Gläubigen bevorzugte

— und dieses alte, heruntergekommene Wrack paßte eigentlich nicht hierher.

Der Bettler machte einen mißglückten Versuch einer Kniebeuge und setzte sich dann in einen Betstuhl in der zweiten Reihe, bekreuzigte sich und kniete nieder, den Kopf

im Gebet versunken, schob mit der rechten Hand den linken

Ärmel seines Mantels zurück. An seinem Handgelenk war eine Uhr zu sehen, die irgendwie nicht zu seiner sonstigen

Kleidung paßte. Es war eine teure Digitaluhr mit großen, auffälligen Ziffern. Ein Besitzstück, von dem man sich nie trennen würde, denn es handelte sich um ein Geschenk von Carlos. Vor einiger Zeit war er einmal fünfundzwanzig Minuten zu spät zur Beichte gekommen und hatte damit seinen Wohltäter verärgert, und keine andere Entschuldigung vorbringen können, als daß er keine genaue Uhr besessen habe. Bei ihrer nächsten Verabredung hatte Carlos sie unter dem halbdurchsichtigen Vorhang durchgeschoben, der den Sünder vom heiligen Manne trennte.

Stunde und Minute stimmten. Der Bettler erhob sich und ging auf den zweiten Beichtstuhl zur Rechten zu. Er öffnete den Vorhang und trat ein.

«Angelus Domini.«

«Angelus Domini, Kind Gottes. «Das Flüstern hinter dem schwarzen Tuch klang hart.»Sind deine Tage angenehm?«

«Sie werden angenehm gemacht… «

«Sehr gut«, unterbrach die Silhouette.»Was hast du mir gebracht? Meine Geduld geht zur Neige. Ich zahle Tausende — Hunderttausende — wofür? Für Unfähigkeit und Versagen. Was geschah in Montrouge? Wer war für die Lügen verantwortlich, die von der Botschaft in Montaigne kamen? Wer hatte damit zu tun?«

«Die >Auberge du Coin< war eine Falle. Es ist schwierg herauszufinden, was eigentlich los war. Wenn der Attache namens Corbelier nur Lügen wiederholte, sind unsere Leute zumindest überzeugt, daß er sich dessen nicht bewußt war. Er ist von der Frau getäuscht worden.«

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