Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Im Restaurant soeben sagten Sie, daß Frankreich niemandes Lakai sein sollte. Aber ein General von Frankreich hat sich zum Lakai degradieren lassen. General Andre Villiers ist der Bote für Carlos, ist der Kontaktmann von Carlos, ist der Soldat von Carlos, ist der Lakai von Carlos.«
Die wütenden Augen weiteten sich, aber nicht so, wie Jason das erwartet hatte. In die Wut mischte sich plötzlich Haß, nicht Schock, nicht Hysterie, sondern tiefer, kompromißloser Abscheu. Villiers Handrücken schoß hoch, beschrieb einen Bogen, klatschte in Borowskis Gesicht, ein scharfer, schmerzhafter Laut. Und dann folgte ein weiterer Schlag mit der Handfläche, brutal, beleidigend, so kräftig, daß Jason zurückfuhr. Der alte Mann rückte nach, der Lauf der Waffe hielt ihn auf, aber er hatte keine Angst, sie bereitete ihm keinen Schrecken, ihn beherrschte nur der Drang, den anderen zu bestrafen. Die Schläge folgten dicht aufeinander, ein Besessener schlug hier zu.
«Schwein!«schrie Villiers.»Schmutziges, widerliches Schwein! Abschaum!«
«Ich schieße! Ich töte Sie! Aufhören!«Aber Borowski konnte den Abzug nicht betätigen. Er fühlte sich mit dem Rücken gegen den kleinen Wagen gedrängt, die Schultern gegen das Dach gepreßt. Und der alte Mann griff immer noch an, seine Hände flogen, schwangen, schmetterten ihm ins Gesicht.
«Töten Sie mich, wenn Sie es können — wenn Sie es wagen! Dreckskerl!«
Jason warf die Waffe weg und hob die Arme, um Villiers Angriff aufzuhalten. Seine linke Hand schoß vor, packte das rechte Handgelenk des alten Mannes, dann sein linkes, umklammerte den linken Unterarm, der wie ein Schwert herunterfuhr. Er drehte beide kräftig herum, zwang damit Villiers zu sich heran, zwang den alten Soldaten, reglos zu stehen, so daß ihre Gesichter nur ein paar Zoll voneinander entfernt waren, und der Brustkasten des alten Mannes sich hob und senkte, vor Empörung.
«Wollen Sie mir vielleicht sagen, daß Sie nicht Carlos' Mann sind? Leugnen Sie es?«
Villiers warf sich vor, versuchte, Borowskis Griff zu brechen, und sein mächtiger Brustkasten stieß gegen Jason.»Ich verabscheue Sie! Sie Bestie!«
«Verdammt — ja oder nein?«
Der alte Mann spuckte Borowski ins Gesicht, und das Feuer in seinen Augen war jetzt erloschen, Tränen standen in ihnen.»Carlos hat meinen Sohn getötet«, sagte er im Flüsterton.»Meinen einzigen Sohn hat er in der Rue du Bac getötet. Fünf Stangen Dynamit haben das Leben meines Sohnes auf der Rue du Bac beendet!«
Jason lockerte langsam den Druck seiner Finger. Schwer atmend sprach er, so leise er das konnte.
«Fahren Sie Ihren Wagen ins Feld und bleiben Sie dort. Wir müssen miteinander reden, General. Etwas ist geschehen, wovon Sie nichts wissen. Wir sollten besser beide mehr darüber erfahren.«
«Nie! Unmöglich! Das kann es nicht geben!«
«Das gibt es«, sagte Borowski, der vorne neben Villiers saß.
«Dann ist ein schrecklicher Fehler begangen worden! Sie wissen nicht, was Sie sagen!«
«Kein Fehler — und ich weiß, was ich sage, weil ich die Nummer selbst gefunden habe. Es ist nicht nur die richtige Nummer, es ist auch eine ausgezeichnete Deckung. Niemand, der im Besitz seines Verstandes ist, würde Sie mit Carlos in Verbindung bringen. Besonders angesichts des Todes Ihres Sohnes. Ist es allgemein bekannt, daß er von Carlos getötet wurde?«
«Können Sie sich etwas deutlicher ausdrücken, Monsieur.«
«Entschuldigung. Bitte, beantworten Sie meine Frage.«
«Allgemein bekannt? Was die Sürete angeht, eindeutig ja.
Was die militärische Abwehr und Interpol betrifft, ganz bestimmt. Ich habe die Berichte gelesen.«
«Was stand in ihnen?«
«Man vermutete, daß Carlos seinen Freunden aus den Tagen der Radikalen einen Gefallen tat. Bis zu dem Punkt, da er insgeheim zuließ, daß sie die Verantwortung für die Tat auf sich nahmen. Sie hatten politische Motive, müssen Sie wissen. Mein Sohn war ein Opfer, ein Exempel für andere, die sich gegen die Fanatiker stellten.«
«Fanatiker?«
«Die Extremisten bildeten eine falsche Koalition mit den Sozialisten und machten Versprechungen, die sie nie zu halten beabsichtigten. Mein Sohn erkannte das, deckte es auf und forderte neue Gesetze, um das Bündnis zu blockieren. Dafür hat man ihn getötet.«
«Haben Sie deshalb Ihren Abschied aus der Armee genommen und sich zur Wahl gestellt?«
«Mit ganzem Herzen. Üblicherweise führt der Sohn das Werk des Vaters fort…«Der alte Mann hielt inne, und das Mondlicht beleuchtete sein verhärmtes Gesicht.»In dieser Angelegenheit war es das Vermächtnis des Vaters, das Werk des Sohnes fortzuführen. Er war kein Soldat und ich kein Politiker, aber Waffen und Explosivstoffe sind mir nicht fremd. Sein Gedankengut war von mir geprägt. Seine Philosophie entsprach der meinen, und dafür hat man ihn getötet. Meine Entscheidung stand fest. Ich würde das, was wir für richtig hielten, in die politische Arena tragen und mich seinen Feinden stellen. Der Soldat war auf sie vorbereitet.«
«Mehr als ein Soldat, vermute ich.«
«Was meinen Sie damit?«
«Jene Männer in dem Restaurant. Sie sahen so aus, als hätten sie einmal die halbe französische Streitmacht angeführt.«
«Das haben sie, Monsieur. Es sind die legendären zornigen jungen Kommandeure von Saint-Cyr. Die Republik war korrupt, das Militär unfähig, die Maginotlinie ein Witz. Hätte man damals auf sie gehört, wäre Frankreich nicht gefallen. Sie wurden die Führer der Resistance. Sie kämpften in ganz Europa und Afrika gegen die Boches und Vichy.«
«Und was tun sie jetzt?«
«Die meisten leben von ihren Pensionen, und viele läßt die Vergangenheit nicht in Ruhe. Sie beten zur Heiligen Jungfrau, daß diese Vergangenheit endgültig begraben sein möge. Aber die Fakten sprechen dagegen. Das Militär ist zu einer Farce geworden, Kommunisten und Sozialisten in der Nationalversammlung sorgen dafür, daß die Macht der Streitkräfte ausgehöhlt wird. Nur Moskau bleibt sich treu, es ändert sich über all die Jahrzehnte nicht. Eine freie Gesellschaft verführt zur Infiltration, und sobald sie einmal infiltriert ist, schreiten die Veränderungen fort, bis jene Gesellschaft völlig pervertiert ist. Verschwörung ist überall; man muß sich gegen sie stellen.«
«Das alles klingt sehr extrem.«
«Wieso? Weil es ums Überleben geht? Weil es die Ehre anbelangt? Sind das Begriffe, die Ihnen anachronistisch erscheinen?«
«Ich glaube nicht. Aber ich kann mir vorstellen, daß man im Namen dieser Begriffe viel Schaden anrichten kann.«
«Da gehen unsere Ansichten auseinander, aber ich will nicht darüber streiten. Sie haben mich nach meinen Kameraden gefragt, und ich habe Ihnen Antwort gegeben. Aber jetzt bitte zu dieser unglaublichen Fehlinformation, die Sie haben. Ich bin fassungslos. Sie wissen nicht, wie es ist, wenn man einen Sohn verliert, wenn einem ein Kind getötet wird.«
Der Schmerz packt mich wieder, wenn ich wüßte weshalb.
Schmerz und Leere, ein Vakuum am Himmel. Vom Himmel. Tod am Himmel und vom Himmel. Herrgott, tut das weh. Es. Was ist es?
«Ich kann Ihnen das nachfühlen«, sagte Jason und verkrampfte die Hände ineinander, um das plötzliche Zittern besser verbergen zu können.«
«Niemand, der im Vollbesitz seines Verstandes ist, würde mich mit Carlos in Verbindung bringen, geschweige denn dieses Schwein persönlich. Es wäre ein Risiko, das er nie eingehen würde. Undenkbar.«
«Genau. Deshalb sage ich ja, daß Sie mißbraucht werden; es ist undenkbar. Sie sind der perfekte Zwischenträger für definitive Anweisungen.«
«Unmöglich! Wie sollte das gehen?«
«Jemand, der Zugang zu Ihrem Telefon hat, steht in direkter Verbindung mit Carlos. Man benutzt Codes, gewisse Worte, um jene Person ans Telefon zu locken. Wahrscheinlich, wenn Sie nicht da sind, möglicherweise aber sogar dann. Bedienen Sie ihr Telefon selbst?«