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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Statt dessen berichtete er alles, was er über den Killer wußte, den man Carlos nannte. Jenes Wissen war so profund, daß Villiers ihn verblüfft anstarrte und Informationen erkannte, von denen er wußte, daß sie streng geheim waren. Durch seinen Sohn hatte der General Zugang zu den geheimsten Akten seines Landes über Carlos gehabt, und manches in jenen Akten paßte zu dem, was ihm der Unbekannte hier erzählte.

«Diese Frau, mit der Sie in Argenteuil sprachen, die in telefonischer Verbindung zu meinem Haus steht, und die Ihnen gegenüber zugab, Kurier zu sein…«

«Ihr Name ist Lavier«, unterbrach Borowski.

Der General machte eine Pause.»Danke. Sie hat Sie durchschaut; sie hat Sie fotografieren lassen.«

«Ja.«

«Die hatten vorher also keine Fotografie?«

«Nein.«

«Also jagt Carlos Sie ebenso wie Sie ihn jagen. Aber Sie besitzen keine Fotografie. Sie kennen nur zwei Kuriere, von denen einer in meinem Hause war.«

«Ja.«

«Und mit meiner Frau gesprochen hat.«

«Ja.«

Der alte Mann wandte sich ab. Schweigen lastete über ihnen.

Sie erreichten das Ende des Weges, wo sich ein kleiner See befand. Er war mit weißem Kies eingesäumt, und alle zehn oder fünfzehn Fuß standen Bänke und umgaben das Wasser, wie eine Ehrenwache ein Grabmonument aus schwarzem Marmor umgibt. Sie gingen zur zweiten Bank. Jetzt brach Villiers sein Schweigen.

«Ich würde mich gerne setzen«, sagte er.»Mit dem Alter lassen die Kräfte nach. Das ist mir oft peinlich.«

«Das sollte es nicht sein«, sagte Borowski und setzte sich neben ihn.

«Das sollte es nicht«, pflichtete der General ihm bei,»aber das tut es. «Er wartete einen Augenblick und fügte dann leise hinzu:»Häufig in Gesellschaft meiner Frau.«

«Das ist doch nicht so schlimm«, sagte Jason.

«Sie mißverstehen mich. «Der alte Mann wandte sich dem jüngeren zu.»Ich meine nicht das Bett. Es gibt einfach Zeiten, wo ich mich genötigt sehe, meine Aktivitäten einzuschränken— eine Abendveranstaltung früher zu verlassen, an einer Wochenendreise ans Meer nicht teilzunehmen, auf das Skifahren in Gstaad zu verzichten.«

«Ich weiß nicht, ob ich Sie verstehe.«

«Meine Frau und ich sind oft getrennt. In vieler Hinsicht lebt jeder von uns ein Leben für sich, und erfreut sich an dem, was dem anderen Spaß macht.«

«Ich begreife immer noch nicht.«

«Machen Sie es mir nicht so schwer!«sagte Villiers.

«Wenn ein alter Mann eine junge, aufregende Frau findet, die darauf erpicht ist, sein Leben mit ihm zu teilen, versteht er gewisse Dinge ganz gut, andere nicht so ohne weiteres. Da ist natürlich die finanzielle Sicherheit ausschlaggebend, und in meinem Fall ein gewisses Maß an Zugang zum öffentlichen Leben. Luxus, gesellschaftliche Ereignisse, Freundschaft mit berühmten Leuten, alles das ist wunderbar. Für einen alternden

Mann ist es ein berauschendes Gefühl, eine schöne junge Frau an seiner Seite zu wissen. Stolz präsentiert er sie der Welt. Aber dann gibt es Augenblicke quälender Eifersucht. «Der alte Soldat beugte sich ein wenig vor; das, was er sagen mußte, fiel ihm nicht leicht.»Wird sie sich einen Liebhaber nehmen?«fuhr er dann mit leiser Stimme fort.»Sehnt sie sich nach einem jüngeren, kräftigeren Körper? Einem, der mehr mit dem ihren im Einklang ist? Man kann nichts dagegen unternehmen — nur hoffen, daß sie so vernünftig ist, diskret zu sein. Ein Staatsmann, den man zum Hahnrei macht, verliert seine Wählerschaft schneller als ein Quartalsäufer; es bedeutet einfach, daß er nicht mehr Herr seiner selbst ist. Und dann kommen noch andere Sorgen dazu. Wird sie seinen Namen mißbrauchen? Wird sie die Contenance bewahren, ihr jugendliches Temperament zu zügeln wissen? Das ist das Risiko, das man eingeht, das sind die Zweifel, die an einem nagen. Und deshalb frage ich mich, ob sie nicht Teil eines Planes ist, von Anfang an.«

«Sie haben es also gespürt?«fragte Jason leise.

«Gefühle sind nicht die Realität!«konterte der alte Soldat heftig.»Sie haben keinen Platz in den Beobachtungen.«

«Warum sagen Sie mir das dann?«

Villiers' Kopf lehnte sich nach hinten, fiel dann wieder nach vorne, so daß seine Augen den See erfaßten.»Ich bete dafür, daß es eine einfache Erklärung für das gibt, was wir beide heute Abend gesehen haben, und ich werde ihr jede Gelegenheit bieten, mir diese Erklärung zu liefern. «Wieder hielt der alte Mann inne.»Aber in meinem Herzen weiß ich, daß es keine solche Erklärung gibt. Ich wußte es in dem Augenblick, in dem Sie mir von Les Classiques erzählten. Ich blickte über die Straße auf die Türe meines Hauses, und plötzlich wurden mir eine Anzahl Dinge schmerzhaft klar. Die letzten zwei Stunden habe ich den Teufelsadvokaten gespielt; es hat keinen Sinn, das fortzusetzen. Vor dieser Frau gab es meinen Sohn.«

«Aber Sie sagten doch, Sie hätten Vertrauen in ihre Urteilskraft. Sagten, sie wäre Ihnen eine große Hilfe.«

«Das stimmt, Sie müssen wissen, ich wollte ihr vertrauen, wünschte mir ganz verzweifelt, ihr vertrauen zu können. Es ist die einfachste Sache auf der Welt, sich selbst zu überzeugen, daß man recht hat. Und je älter man wird, desto leichter fällt einem das.«

«Und was haben Sie erkannt?«

«Genau die Hilfe, die sie mir war, das Vertrauen, das ich in sie setzte. «Villiers wandte sich um und sah Jason an.»Sie besitzen ein außergewöhnliches Wissen über Carlos. Ich habe jene Akten so genau studiert, wie das nur irgendein Mensch getan hat, denn ich würde mehr als jeder Mensch darum geben, daß man ihn faßt und hinrichtet, und daß ich alleine das Erschießungspeloton wäre. Doch so dick sie auch sind, jene Akten kommen nicht entfernt an das heran, was Sie wissen. Dabei haben Sie sich einzig und allein auf seine Morde konzentriert, seine Methoden. Sie haben die andere Seite von Carlos übersehen. Er ist nicht nur Waffenhändler, er ist auch Agent.«

«Das weiß ich«, sagte Borowski.»Das ist es nicht, was — «

«Zum Beispiel«, fuhr der General fort, als hätte er Jason nicht gehört.»Ich habe Zugang zu Geheimdokumenten, die sich mit der nuklearen Sicherheitspolitik Frankreichs beschäftigen. Es gibt vielleicht fünf weitere Männer — die alle über jeden Verdacht erhaben sind —, die ebenfalls Zugang dazu haben. Und doch stellen wir mit erschütternder Regelmäßigkeit immer wieder fest, daß Moskau dies, Washington jenes, und Peking schließlich wieder etwas anderes erfahren hat.«

«Sie haben mit Ihrer Frau über diese Dinge gesprochen?«fragte Borowski überrascht.

«Natürlich nicht. Jedesmal, wenn ich solche Papiere mit nach Hause bringe, verwahre ich sie in meinem Safe in meinem Büro. Niemand darf den Raum betreten, wenn ich nicht zugegen bin. Es gibt nur eine einzige Person, die einen Schlüssel besitzt, eine einzige Person, die den Alarmschalter kennt. Meine Frau.«

«Ich hätte gedacht, das sei ebenso gefährlich, wie über die Akten zu diskutieren. Man könnte sie zwingen — «

«Es gab einen Grund. Ich bin in einem Alter, in dem das Unerwartete zur Alltäglichkeit wird; ich darf Sie nur auf die Todesanzeigen verweisen. Wenn mir etwas zustoßen sollte, hat sie Anweisung, den Conseiller Militaire anzurufen, in mein Büro zu gehen, und bei dem Safe zu bleiben, bis die Sicherheitsbeauftragten erscheinen.«

«Könnte sie nicht einfach an der Türe Wache halten?«

«Es ist schon vorgekommen, daß Männer meines Alters an ihrem Schreibtisch gestorben sind. «Villiers schloß die Augen.

«Sie war es…«

«Sind Sie ganz sicher?«

«Mehr als ich mir selbst einzugestehen wage. Sie war es, die auf der Heirat bestand. Ich wies sie mehrmals auf den Altersunterschied zwischen uns hin, aber das wollte sie nicht hören. Sie sagte immer wieder, daß es auf die gemeinsamen Jahre ankäme, nicht auf jene, die unsere Geburtsdaten trennten. Sie erbot sich, eine Erklärung zu unterzeichnen und jeglichen Erbanspruch auf das Villierssche Erbe aufzugeben, und ich wies das natürlich von mir, das bewies ja, wie ergeben sie mir war. Das alte Sprichwort stimmt schon, >der schlimmste Narr ist ein alter Narr<. Aber ich hatte immer Zweifel; fast jedesmal bei Reisen oder bei unerwarteten Trennungen.«

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