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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Es waren alles Männer. Sie standen, saßen nicht; bewegten sich beiläufig, hielten Gläser in der Hand, Zigaretten, der Rauch kräuselte sich über ihren Köpfen. Es war unmöglich zu sagen, wie viele es waren — mehr als zehn, weniger als zwanzig vielleicht.

Und da sah er ihn, er bewegte sich von einer Gruppe zur anderen. Sein weißer Kinnbart leuchtete. General Villiers war tatsächlich zu einer Zusammenkunft gefahren, und alle

Wahrscheinlichkeit sprach dafür, daß dies eine Konferenz war, die sich mit den Fehlern der letzten achtundvierzig Stunden befaßte, Fehlern, die es einem Mann namens Cain gestatteten, am Leben zu bleiben.

Die Chancen. Wie standen die Chancen? Wo waren die Wachen? Wie viele und wo waren ihre Stationen? Im Schütze des Wäldchens arbeitete Borowski sich vorsichtig zum Vordereingang des Restaurants, bog die Zweige mit einem kaum wahrnehmbaren Knacken zur Seite und stand reglos da, hielt Ausschau nach Männern, die sich im Blattwerk oder in den Schatten des Gebäudes verbargen. Er sah niemanden und setzte seinen Weg fort, bis er schließlich den hinteren Teil des Restaurants erreichte.

Eine Tür öffnete sich. Ein Mann in einer weißen Jacke trat heraus. Er stand einen Augenblick da, die Hände vor dem Gesicht, zündete sich eine Zigarette an. Borowski blickte nach links, nach rechts, nach oben zur Terrasse, aber da tauchte niemand auf. Ein Wachtposten, der hier stationiert war, wäre von dem plötzlichen Licht zehn Fuß unter der Konferenz erschreckt worden. Um das Haus herum gab es keine Posten.

Ein weiterer Mann erschien unter der Türe; auch er trug eine weiße Jacke, aber dazu eine Kochmütze. Seine Stimme klang ärgerlich, und das Französisch, das er sprach, hatte die gutturalen Klänge des Gascogner Dialekts.»Wir schwitzen und ihr faulenzt hier! Der Dessertwagen ist halbleer. Füll ihn wieder auf. Jetzt, du Faulpelz!«

Der Kellner, der für den Nachtisch zuständig war, drehte sich um und zuckte die Achseln; er drückte seine Zigarette aus und ging wieder hinein, schloß die Türe hinter sich. Das Licht verschwand, nur ein schwacher Schein des Mondes blieb, aber es genügte, um die Terrasse zu beleuchten. Dort war niemand, kein Wächter, der die breiten Doppeltüren sicherte, die nach drinnen führten.

Carlos. Du mußt Carlos finden. Carlos in die Falle locken. Cain ist für Charlie, und Delta ist für Cain.

Borowski schätzte die Distanz und die Hindernisse ab. Er war höchstens vierzig Fuß vom hinteren Teil des Gebäudes entfernt, zehn oder zwölf Fuß unter dem Geländer, das die Terrasse umlief. In der Außenwand gab es zwei Lüftungsschlitze, aus denen jetzt Dampf strömte, und daneben ein Ablaufrohr, das von dem Geländer aus zu erreichen war. Wenn es ihm gelang, am Rohr nach oben zu klettern und sich dann irgendwie am unteren Lüftungsschlitz festzuhalten, würde er das Geländer packen und sich zur Terrasse hinaufziehen können. Aber es ging nicht, solange er den Mantel trug. Er zog ihn aus, legte ihn auf den Boden, den weichkrempigen Hut darauf und bedeckte beides mit Ästen und Zweigen. Dann ging er bis zum Rand des Wäldchens und rannte so leise wie möglich quer über die Kiesfläche auf das Abflußrohr zu.

Im Schatten zerrte er probeweise an dem gerippten Metall; es war fest im Boden verankert. Er streckte die Arme so hoch er konnte und sprang dann in die Höhe, packte das Rohr, drückte die Füße gegen die Wand, schob einen über den anderen, bis sein linker Fuß parallel zu der ersten Lüftungsöffnung stand. Er hielt sich fest, schob seinen Fuß in die Vertiefung und arbeitete sich ein Stück weiter an der Röhre nach oben. Jetzt war er noch achtzehn Zoll vom Geländer entfernt; wenn er sich kräftig von der Vertiefung in der Mauer abstieß, würde er die unterste Sprosse erreichen.

Eine Tür flog krachend unter ihm auf; weißes Licht ergoß sich über die Kiesfläche, reichte bis zu den Bäumen. Eine Gestalt torkelte heraus, hatte Mühe, ihr Gleichgewicht zu halten, und dicht hinter ihr kam der Koch mit seiner weißen Mütze und schrie:

«Verdammter Scheißkerl! Besoffen bist du, das sag ich dir! Die ganze Nacht warst du schon besoffen! Backwerk überall am Boden. Zum Kotzen sieht das aus. Hau ab, keinen Sou bekommst du!«

Die Türe wurde zugeschlagen, und das Geräusch des Riegels klang endgültig. Jason hielt sich an der Regenrinne fest, seine Arme und Gelenke schmerzten, und auf der Stirn brach ihm der Schweiß in Strömen aus. Der Mann unter ihm taumelte rückwärts, machte mit der rechten Hand eine obszöne Handbewegung für den Koch, der freilich bereits nicht mehr zu sehen war. Seine glasigen Augen wanderten an der Mauer nach oben, erreichten schließlich Borowskis Gesicht. Jason hielt den Atem an, als ihre Augen sich begegneten; der Mann starrte ihn an, blinzelte dann und starrte erneut. Er schüttelte den Kopf, schloß die Augen, öffnete sie dann wieder weit; ungläubiges Staunen lag in seinem Blick. Er ging rückwärts, torkelte, wäre beinahe ausgeglitten und beschleunigte dann seine Schritte, wandte sich um, war offensichtlich zu dem Schluß gelangt, daß er einer optischen Täuschung erlegen war, und torkelte um die Ecke. Ein Mann, der mit sich jetzt wieder im Gleichgewicht war, weil er das Verrückte, das seinen Blick verwirrt hatte, von sich gewiesen hatte.

Borowski atmete auf, ließ sich erleichtert gegen die Wand sinken.

Aber nur einen Augenblick lang; der Schmerz an seinem Fußgelenk war zum Fuß hinuntergewandert, erzeugte dort jetzt einen Krampf. Er machte einen Satz nach oben, packte die Eisenstange, mit der das Geländer begann, mit der rechten Hand und ließ mit der Linken die Dachrinne los. Er drückte die Knie gegen die Schindeln und zog sich langsam an der Mauer nach oben, bis sein Kopf über den Terrassenrand blickte. Sie war verlassen. Jetzt schwang er das rechte Bein auf den Sims, und seine rechte Hand griff nach der Brüstung; er gewann sein Gleichgewicht und schwang sich darüber.

Er befand sich jetzt auf einer Terrasse, die in den Frühlings- und Sommermonaten zum Essen benutzt wurde, der mit Kacheln bedeckte Boden bot leicht zehn bis fünfzehn Tischen Platz. In der Mitte der Mauer, die den umbauten Teil von der Terrasse trennte, befand sich die breite Doppeltüre, die er von dem Wäldchen aus gesehen hatte. Die Leute drinnen waren jetzt reglos, standen still, und Jason fragte sich einen Augenblick lang, ob irgendwo ein Alarm ausgelöst worden war— und sie vielleicht auf ihn warteten. Er stand völlig reglos, die Hand an der Waffe; nichts geschah. Er ging auf die Mauer zu, hielt sich im Schatten. Dort angelangt, drückte er sich gegen die Holzvertäfelung und näherte sich der ersten Tür, bis seine Finger den Türrahmen berührten. Zentimeter für Zentimeter kam er der Glasscheibe näher und sah endlich hinein.

Was er drinnen sah, faszinierte ihn, wirkte fast erschreckend. Die Männer standen in Reihen da — drei Reihen von jeweils vier Männern — und sahen Andre Villiers an, der zu ihnen sprach. Insgesamt dreizehn Männer, von denen zwölf nicht nur standen, sondern Habtacht-Stellung eingenommen hatten. Es waren alte Männer, aber keine gewöhnlichen alten Männer; es waren alte Soldaten. Keiner trug eine Uniform, aber jeder hatte kleine Bänder am Revers, Regimentsfarben und Auszeichnungen für Tapferkeit. Und wenn es etwas gab, das alle gemeinsam hatten, so war auch das nicht zu verkennen. Dies waren Männer, die ein Kommando gewöhnt waren. Das stand in ihren Gesichtern, ihren Augen, zu lesen, in der Art, wie sie lauschten — voll Respekt, aber das war kein blinder Respekt, das war Achtung, die auf Überlegung und Urteilsvermögen beruhte. Ihre Körper waren alt, dennoch spürte man die Kraft, die in jenem Raum versammelt war. Ungeheuere Kraft. Das war es, was beängstigend wirkte. Wenn diese Männer Carlos angehörten, dann waren die Hilfstruppen dieses Terroristen nicht nur weitreichend, sondern außergewöhnlich gefährlich. Denn dies waren keine gewöhnlichen Männer; dies waren erfahrene Berufssoldaten, mutige Kämpfer.

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