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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Plötzlich kniete er rittlings über mir, hieb und schlug, und seine Schläge hagelten dumpf und schwer auf mich nieder wie Meereswellen, die auf Sand klatschten, noch zu fern, als dass ich den Schmerz gespürt hätte. Ich wand und drehte mich, hob meine Schulter und versuchte, mein Gesicht schützend in den Boden zu drücken, und dann war sein Gewicht verschwunden.

Er war aufgestanden. Er trat mich und fluchte, keuchte und schluchzte fast, während sein Stiefel in meine Seiten und meinen Rücken hämmerte, gegen meine Oberschenkel und meine Pobacken. Ich keuchte abgehackt und versuchte zu atmen. Mein Körper zuckte und zitterte bei jedem Tritt, ich rutschte über das Laub und klammerte mich an das Gefühl des Bodens unter mir, versuchte verzweifelt einzusinken, vom Erdboden verschluckt zu werden.

Dann hörte es auf. Ich konnte hören, wie er keuchte, zu sprechen versuchte. »Gottverdammt … gottverdammt … oh, gottverdammt … verflu… verfluchte … Hexe …«

Ich lag reglos da und versuchte, in der Dunkelheit zu verschwinden, die mich umgab, weil ich wusste, dass er gegen meinen Kopf treten würde. Ich konnte hören, wie meine Zähne zertrümmert wurden, wie meine zerbrechlichen Schädelknochen zersplitterten und sich in den weichen Brei meines Hirns bohrten, und ich biss zitternd die Zähne zusammen, um mich vergeblich vor dem Aufprall zu schützen. Es würde wie eine zerplatzende Melone klingen, dumpf, klebrig und hohl. Würde ich es hören?

Es kam nicht. Es gab ein anderes Geräusch, ein schnelles, festes Rascheln, das keinen Sinn ergab. Ein schwach fleischiges Geräusch, Haut auf Haut in einem leise klatschenden Rhythmus, und dann stöhnte er, und warme Flüssigkeit landete nass in meinem Gesicht und auf meinen Schultern, spritzte auf die nackte Haut unter meinem zerrissenen Hemd.

Ich erstarrte. Irgendwo in einem entfernten Winkel meines Verstandes fragte sich der sachliche Beobachter, ob dies wohl wirklich das Ekelhafteste war, das ich je erlebt hatte. Nun, nein, das war es nicht. Einige der Dinge, die ich im L’Hôpital des Anges gesehen hatte, ganz zu schweigen von Vater Alexandres Tod oder der Dachkammer der Beardsleys … dem Feldlazarett von Amiens … Himmel, nein, an diese Dinge kam das hier nicht im Entferntesten heran.

Ich lag stocksteif da, die Augen geschlossen, rief mir alle möglichen üblen Erlebnisse aus meiner Vergangenheit ins Gedächtnis und wünschte, ich wäre in der Tat irgendwo dort anstatt hier.

Er beugte sich über mich, packte mein Haar und schlug meinen Kopf keuchend mehrere Male gegen den Baum.

»Habt Ihr davon«, knurrte er, dann ließ er die Hand sinken, und ich hörte ihn schlurfend davonstolpern.

Als ich schließlich die Augen öffnete, war ich allein.

Ich blieb allein – ein kleiner Segen. Bobles brutaler Angriff schien die Jungen verscheucht zu haben.

Ich drehte mich auf die Seite, lag still da und atmete einfach nur. Ich fühlte mich sehr müde und völlig verloren.

Jamie, dachte ich, wo bist du?

Ich hatte keine Angst vor dem, was als Nächstes passieren könnte. Ich konnte nicht über den gegenwärtigen Moment hinausblicken, den nächsten Atemzug, den nächsten Herzschlag. Ich dachte an nichts und weigerte mich zu fühlen. Noch nicht. Ich lag einfach nur still und atmete.

Allmählich begann ich, Kleinigkeiten wahrzunehmen. Ein Rindenstückchen, das sich in meinem Haar verfangen hatte und mich an der Wange kratzte. Die dichte, nachgiebige Laubschicht unter mir, die meinen Körper umschloss. Das Gefühl der Anstrengung, jedes Mal, wenn sich meine Brust hob. Zunehmender Anstrengung.

Ein winziger Nerv begann neben meinem Auge zu zucken.

Ganz plötzlich begriff ich, dass ich mit dem Knebel im Mund und meiner rapide zuschwellenden Nase ernsthaft in Gefahr war zu ersticken. Ich wand mich auf die Seite, so weit ich es konnte, ohne stranguliert zu werden, rieb erst mein Gesicht über den Boden, bohrte dann – mit wachsender Verzweiflung – die Fersen in den Boden und kämpfte mich hoch, um mit dem Gesicht über die Baumrinde zu kratzen. Doch meine Versuche, den Knebel zu lockern, blieben erfolglos.

Die Rinde kratzte mir Lippen und Wangen auf, doch das Halstuch, das um meinen Kopf gebunden war, saß so fest, dass es mir in die Mundwinkel schnitt und meinen Mund mit Gewalt offen hielt, so dass ständig Speichel in den Stoffball in meinem Mund sickerte. Ich würgte, weil mich das nasse Tuch im Hals kitzelte, und spürte ganz hinten in der Nase das Brennen von Erbrochenem.

Du wirst nicht, du wirst nicht, duwirstnichtduwirstnicht wirst dich nicht übergeben! Ich holte blubbernd durch meine blutige Nase Luft, schmeckte Kupfer, als mir der Schleim durch den Hals lief, würgte fester, beugte mich vor – und sah weißes Licht am Rand meines Blickfeldes, weil sich die Schlinge um meinen Hals zuzog.

Ich fiel zurück, und mein Kopf schlug fest gegen den Baum. Ich merkte es kaum; die Schlinge lockerte sich wieder, Gott sei Dank, und es gelang mir, zwei, drei kostbare Atemzüge blutverklebter Luft zu holen.

Meine Nase war von Wange zu Wange aufgedunsen und schwoll rapide an. Ich biss die Zähne auf dem Knebel zusammen und pustete durch meine Nase, um sie zu reinigen, wenn auch nur für einen Moment. Eine Mischung aus Galle und Blut spritzte warm über mein Kinn, tropfte auf meine Brust – und ich holte aus Leibeskräften Luft und kam etwas zu Atem.

Puste, atme ein. Puste, atme ein. Puste – aber meine Nase war jetzt fast zugeschwollen, und fast hätte ich vor Panik aufgeschluchzt, als keine Luft kam.

Himmel, nicht weinen! Du bist tot, wenn du weinst, in Gottes Namen, bloß nicht weinen!

Pusten … pusten … Ich prustete mit dem letzten Rest Kraft Luft aus meinen Lungen und schaffte etwas Freiraum, genug, um sie wieder zu füllen.

Ich hielt die Luft an und versuchte, lange genug bei Bewusstsein zu bleiben, um eine Möglichkeit zum Atmen zu finden – es musste eine Möglichkeit geben zu atmen.

Ich würde nicht zulassen, dass ein Nichtsnutz wie Harley Boble mich schlicht aus Versehen umbrachte. Das war einfach nicht richtig; es durfte nicht sein.

Ich schob mich halb sitzend an dem Baum hoch, um den Zug an der Halsschlinge so weit wie möglich zu verringern, und ließ den Kopf nach vorn fallen, so dass das Blut aus meiner Nase nach unten tropfte. Das half ein wenig. Allerdings nicht lange.

Meine Augenlider spannten zunehmend; meine Nase war definitiv gebrochen, und das Gewebe in meiner oberen Gesichtshälfte quoll jetzt auf, weil Blut und Lymphe aus den geplatzten Gefäßen es anschwellen ließen, mir die Augen zudrückten und mir die Luftzufuhr weiter abschnürten.

Ich biss in quälender Frustration auf den Knebel, dann begann ich, von Verzweiflung gepackt, darauf zu kauen, mahlte den Stoff zwischen meinen Zähnen, um ihn zu zermalmen, zu komprimieren, ihn irgendwie in meinem Mund zu verschieben … Ich biss mir auf die Innenseite der Wange und spürte den Schmerz, doch er machte mir nichts aus, es zählte nur das Atmen, o Gott, ich bekam keine Luft, bitte hilf mir atmen, bitte …

Ich biss mir auf die Zunge, keuchte vor Schmerz – und merkte, dass es mir gelungen war, meine Zunge an dem Knebel vorbeizuschieben und mit der Zungenspitze an meinen Mundwinkel zu gelangen. Durch mein festes Bohren hatte ich einen winzigen Luftkanal geschaffen. Es konnte nur ein Hauch von Sauerstoff hindurchsickern – doch es war Luft, und das war alles, was zählte.

Ich hielt den Kopf unter Schmerzen zur Seite geneigt und drückte mit der Schläfe gegen den Baum, hatte aber Angst, mich zu rühren, weil ich fürchtete, die lebenswichtige Luftleitung wieder zu verlieren, falls sich der Knebel bei einer Bewegung meines Kopfes verschob. Ich saß mit verkrampften Händen still, holte in langen, gurgelnden, flachen Zügen Luft und fragte mich, wie lange ich es wohl so aushalten konnte; meine Halsmuskeln zitterten bereits vor Anstrengung.

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