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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Dann zog er wütende Grimassen, die mir galten, ließ los und schubste mich mit dem Knie auf die Kante der Klamm zu. Einer der jüngeren Männer klammerte sich an die Büsche und tastete den Hang unter sich vorsichtig nach Halt für seine Füße ab. Er hatte ein Seil um die Taille geschlungen und ein anderes in Schlaufen über die Schulter gelegt.

»Verdammtes Miststück«, brüllte Hodgepile und bohrte seine Finger in meinen Arm, während er sich durch die beschädigten Büsche beugte. »Was habt Ihr Euch dabei gedacht, Hexe?«

Er hüpfte auf der Kante herum wie Rumpelstilzchen, schüttelte die Faust und fluchte wahllos sowohl auf mich als auch auf seinen verletzten Geschäftspartner ein, während die Rettungsaktion ihren Lauf nahm. Tebbe hatte sich in sichere Entfernung zurückgezogen und stand nun mit beleidigter Miene da.

Schließlich wurde Brown unter lautem Stöhnen heraufgehievt und ins Gras gelegt. Die Männer, die noch nicht im Fluss waren, sammelten sich verschwitzt und nervös rings um ihn.

»Habt Ihr vor, ihn zu heilen, Zauberin?«, fragte Tebbe und sah mich skeptisch an. Ich wusste nicht, ob er an meinen Fähigkeiten zweifelte oder sich einfach fragte, ob es klug war, wenn ich Brown half, aber ich nickte ein wenig unsicher und trat vor.

»Ich denke, schon.« Eid war Eid, obwohl ich mich durchaus fragte, ob Hippokrates je selbst in einer solchen Situation gesteckt hatte. Vermutlich schon; die alten Griechen waren schließlich ebenfalls ein brutaler Haufen.

Die Männer ließen mich bereitwillig durch; jetzt, da sie Brown aus der Klamm befreit hatten, war es offensichtlich, dass sie keine Ahnung hatten, was sie mit ihm anfangen sollten.

Ich machte eine hastige Bestandsaufnahme. Abgesehen von diversen Rissen und Prellungen unter einer dicken Staub- und Schlammschicht, hatte sich Mr. Brown das linke Bein an mindestens zwei Stellen gebrochen, sich das linke Handgelenk gebrochen und wahrscheinlich ein paar Rippen angeknackst. Nur einer der Brüche war offen, aber er war gemein, und das gezackte Ende des gebrochenen Oberschenkelknochens stach durch Haut und Hose, umrahmt von einem beständig wachsenden roten Fleck.

Unglücklicherweise hatte er sich nicht die Oberschenkelschlagader durchtrennt, denn dann wäre er schon tot gewesen. Dennoch stellte Mr. Brown zurzeit wohl keine persönliche Bedrohung mehr für mich dar, und das war gut so.

Ohne jede Ausrüstung oder Arznei, abgesehen von diversen schmierigen Halstüchern, einem Kiefernzweig und etwas Whisky aus einer Feldflasche, waren meine Zuwendungen notwendigerweise begrenzt. Ich schaffte es – unter beträchtlichen Schwierigkeiten und mit Hilfe einer ordentlichen Menge Whisky –, den Oberschenkelknochen einigermaßen zu richten und zu schienen, ohne dass Brown an einem Schock starb, was ich unter den gegebenen Umständen für eine beachtliche Leistung hielt.

Doch es war schwierig, und ich murmelte vor mich hin, ohne mir dessen bewusst zu sein, bis ich aufblickte und feststellte, dass Tebbe auf der anderen Seite von Browns Körper hockte und mich interessiert betrachtete.

»Oh, Ihr verflucht ihn«, sagte er beifällig. »Ja, das ist eine gute Idee.«

Mr. Browns Augen öffneten sich und quollen vor. Er war halb von Sinnen vor Schmerzen und inzwischen durch und durch betrunken, aber nicht betrunken genug, um das zu ignorieren.

»Sie soll aufhören«, sagte er heiser. »He, Hodgepile – sorg dafür, dass sie aufhört! Sie soll es zurücknehmen!«

»Was ist denn hier los? Was habt Ihr gesagt, Frau?« Hodgepile kochte jetzt nicht mehr ganz so heftig vor Wut, doch diese Worte entflammten seinen Kampfgeist blitzartig neu. Er streckte die Hand aus und packte mein Handgelenk, gerade als ich Browns verletzten Oberkörper abtastete. Es war das Gelenk, das er mir tags zuvor so brutal verdreht hatte, und Schmerz durchfuhr meinen Unterarm.

»Wenn Ihr es unbedingt wissen müsst, habe ich wohl ›Jesus H. Roosevelt Christ!‹ gesagt«, herrschte ich ihn an. »Lasst mich los!«

»Das hat sie auch gesagt, als sie dich verflucht hat! Bringt sie weg von mir! Sie darf mich nicht anfassen!« Brown versuchte in Panik wegzurobben, eine ziemlich dumme Idee, wenn man einen frischen Knochenbruch hat. Er wurde unter den Schmutzspuren totenbleich, und seine Augen rollten ihm in den Kopf.

»Da! Er ist tot!«, rief einer der Zuschauer. »Sie hat es getan! Sie hat ihn verhext!«

Dies resultierte in beträchtlichem Aufruhr, da Tebbe und seine Anhänger ihren Beifall kundtaten, ich selbst lautstark protestierte und Mr. Browns Freunde und Verwandte ihrer Besorgnis Ausdruck verliehen, bis sich einer von ihnen neben ihn hockte und ihm ein Ohr auf die Brust legte.

»Er lebt noch!«, rief dieser Mann aus. »Onkel Lionel! Geht es dir gut?«

Lionel Brown stöhnte laut und öffnete die Augen, was weitere Unruhe hervorrief. Der junge Mann, der ihn als Onkel bezeichnet hatte, zog ein großes Messer aus seinem Gürtel und zielte damit auf mich. Er hatte die Augen so weit aufgerissen, dass ringsum das Weiße zu sehen war.

»Zurück mit Euch!«, sagte er. »Rührt ihn nicht an!«

Ich hob die Hände mit nach außen gekehrten Handflächen, um meinen Verzicht anzuzeigen.

»Schön!«, schnappte ich. »Dann lasse ich es eben!« Es gab auch nicht mehr viel, was ich für Brown tun konnte. Er brauchte jetzt Wärme, ein trockenes Bett und viel Wasser, aber irgendetwas sagte mir, dass Hodgepile von derlei Vorschlägen nicht viel halten würde.

So war es auch. Mit wütendem, wiederholtem Gebrüll erstickte er die drohende Meuterei und erklärte dann, dass wir jetzt die Klamm überqueren würden, und zwar zügig.

»Dann legt ihn eben auf eine Tragbahre«, sagte er ungeduldig als Antwort auf die Proteste von Browns Neffen. »Und was Euch angeht –« Er baute sich funkelnd vor mir auf. »Habe ich Euch nicht gesagt, kein falsches Spiel?«

»Bring sie um«, kam Browns heisere Stimme vom Boden. »Bring sie sofort um.«

»Umbringen? Wohl kaum, alter Knabe.« In Hodgepiles Augen glänzte die Bosheit. »Für mich ist sie lebend nicht gefährlicher als tot – und viel einträglicher. Aber ich werd ihr zeigen, wo’s langgeht.«

Er hatte das Messer immer in Reichweite. Er hatte es in Sekundenschnelle gezogen und meine Hand ergriffen. Ehe ich auch nur Luft holen konnte, spürte ich den Druck der Klinge, die in meine Fingerwurzel schnitt.

»Ihr wisst doch noch, was ich Euch gesagt habe?« Es kam nur als Hauch, und sein Gesicht wurde vor Vorfreude ganz sanft. »Ich brauche Euch nicht unversehrt.«

Ich wusste es noch, und mein Bauch wurde hohl, meine Kehle trocken und stumm. Meine Haut brannte an der Stelle, wo er mich geschnitten hatte, und der Schmerz schoss wie ein Blitz durch meine Nervenbahnen; der Drang, meine Hand von der Klinge wegzureißen, war so stark, dass sich meine Armmuskeln verkrampften.

Ich konnte lebhaft den Stumpf spüren, aus dem das Blut spritzte, den Schock der brechenden Knochen, der zerrissenen Haut, den Schrecken des unwiderruflichen Verlustes.

Doch hinter Hodgepile hatte sich Tebbe erhoben. Sein seltsam starrender, fleckiger Blick hatte mich mit einem Ausdruck faszinierter Angst fixiert. Ich sah, wie sich seine Hand zur Faust schloss, wie sich seine Kehle bewegte, als er schluckte, und ich spürte, wie sich meine eigene Kehle wieder anfeuchtete. Wenn ich seinen Schutz behalten wollte, musste ich seinen Glauben erhalten.

Ich sah Hodgepile direkt in die Augen und zwang mich, mich zu ihm hinüberzubeugen. Meine Haut prickelte und zuckte, und das Blut in meinen Ohren rauschte lauter als der Katarakt – doch ich öffnete weit die Augen. Hexenaugen – sagten zumindest manche.

Ganz, ganz langsam hob ich meine freie Hand, an der Browns Blut noch feucht war. Ich streckte die blutigen Finger nach Hodgepiles Gesicht aus.

»Ich weiß es noch«, sagte ich, meine Stimme ein heiseres Flüstern. »Wisst Ihr noch, was ich gesagt habe?«

Er hätte es getan. Ich sah den Entschluss in seinen Augen aufblitzen, doch bevor er mit der Klinge zudrücken konnte, sprang der junge Indianer mit den buschigen Haaren vor und griff mit einem Schreckensschrei nach seinem Arm. Aus seiner Konzentration gerissen, ließ Hodgepile los, und ich befreite mich.

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