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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Hey, ich will doch gar nichts, ich meine, ich würde Ihnen doch nichts tun oder so. Ich hab nur keine Frau mehr gehabt, seit –«

Ich packte eine Handvoll seiner Haare, hob meinen Kopf und biss ihn fest ins Ohr. Er kreischte auf und rollte von mir herunter.

Der andere Mann war zum Feuer zurückgegangen. Jetzt drehte er sich jedoch um und rief: »Himmel, Donner, ist sie so gut? Dann muss ich es auch versuchen!« Er erntete Gelächter von den Männern, doch zum Glück verstummte es, und sie wandten sich wieder ihren eigenen Angelegenheiten zu. Ich auch – und meine Angelegenheit war die Flucht.

»Musste das sein?«, jaulte Donner leise und hielt sich das Ohr. »Ich hätte doch gar nichts gemacht! Himmel, Sie haben hübsche Titten, aber Sie sind doch so alt, Sie könnten glatt meine Mutter sein!«

»Klappe!«, sagte ich und setzte mich mühsam auf. Mir wurde schwindelig vor Anstrengung; winzige bunte Lichter flimmerten wie eine weihnachtliche Lichterkette am Rand meines Gesichtsfeldes auf. Trotzdem hatte ein Teil meines Gehirns den Betrieb wieder aufgenommen.

Er hatte zumindest teilweise recht. Wir konnten nicht sofort gehen. Nachdem er so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, würden die anderen erwarten, dass er nach ein paar Minuten zu ihnen zurückkehrte; wenn nicht, würden sie anfangen, nach ihm zu suchen – und wir brauchten mehr als nur ein paar Minuten Vorsprung.

»Wir können jetzt nicht gehen«, flüsterte er und rieb sich vorwurfsvoll das Ohr. »Sie würden es merken. Warten Sie, bis sie einschlafen, dann komme ich Sie holen.«

Ich zögerte. Ich war in Lebensgefahr, solange ich in Reichweite Hodgepiles und seiner wilden Bande war. Wenn ich überhaupt Beweise dafür gebraucht hätte, hatten es mir die Ereignisse der letzten beiden Stunden gezeigt. Dieser Donner musste sich wieder am Feuer zeigen – aber ich konnte mich davonstehlen. Lohnte es das Risiko, dass jemand mein Fehlen bemerkte, bevor ich weit genug weg war, um vor einer Verfolgung sicher zu sein? Es würde sicherer sein zu warten, bis sie schliefen. Aber konnte ich es wagen, so lange zu warten?

Und dann war da noch Donner selbst. Wenn er mit mir reden wollte, wollte ich erst recht mit ihm reden. Die Chance, über einen anderen Zeitreisenden zu stolpern …

Donner bemerkte mein Zögern, interpretierte es jedoch falsch.

»Sie gehen nicht ohne mich!« Er packte mich plötzlich alarmiert am Handgelenk, und bevor ich es ihm entreißen konnte, hatte er ein Stück des zerschnittenen Seils darum geschlungen. Ich wehrte mich, wich zurück und zischte ihn an, um es ihm zu erklären, doch der Gedanke, dass ich ohne ihn davonschlüpfen könnte, versetzte ihn in Panik, und er war nicht dazu zu bringen, mir zuzuhören. Da ich durch meine Verletzungen im Nachteil war und nicht so viel Lärm machen wollte, dass wir noch mehr Aufmerksamkeit erregten, konnte ich seine entschlossenen Bemühungen, mich wieder zu fesseln, nur hinauszögern, aber nicht verhindern.

»Okay.« Er schwitzte; ein warmer Tropfen fiel auf mein Gesicht, als er sich über mich beugte, um die Fesseln zu überprüfen. Immerhin hatte er mir die Schlinge nicht wieder um den Hals gelegt, sondern mich mit einem Seil um die Taille an den Baum gebunden.

»Ich hätte wissen müssen, wer Sie sind«, murmelte er, ganz auf seine Arbeit konzentriert. »Schon bevor Sie ›Jesus H. Roosevelt Christ‹ gesagt haben.«

»Was zum Teufel meinst du damit?«, fuhr ich ihn an und versuchte, mich seiner Hand zu entwinden. »Tu das nicht – ich werde ersticken!« Er versuchte, mir den Stoffstreifen wieder in den Mund zu schieben, schien aber den panischen Unterton in meiner Stimme aufzufangen, denn er zögerte.

»Oh«, sagte er verunsichert. »Na ja. Schätze –« Er sah sich noch einmal um, fasste dann aber seinen Entschluss und ließ den Knebel auf den Boden fallen. »Okay. Aber Sie sind still, okay? Was ich gemeint habe – Sie verhalten sich nicht so, als hätten Sie Angst vor Männern. Die meisten Frauen dieser Zeit tun das. Sie sollten mehr Angst zeigen.«

Und mit diesem Seitenhieb erhob er sich und strich sich das Laub aus den Kleidern, bevor er wieder auf das Feuer zuhielt.

Irgendwann kommt ein Punkt, an dem der Körper einfach nicht mehr kann. Er klammert sich an den Schlaf, ganz gleich, welche Bedrohung in der Zukunft liegt. Ich hatte es schon öfter beobachtet: die Jakobitensoldaten, die dort, wo sie standen, in den Gräben einschliefen, die britischen Piloten, die in ihren Flugzeugen schliefen, während die Mechaniker sie auftankten, und dann rechtzeitig zum Start in voller Alarmbereitschaft hochfuhren. Und auch Frauen, deren Geburten sich lange hinziehen, schlafen oft zwischen den Wehen.

Genauso schlief ich auch.

Doch diese Art von Schlaf ist weder tief noch friedvoll. Ich tauchte daraus auf, weil eine Hand auf meinem Mund lag.

Der vierte Mann war weder unfähig noch brutal. Er war untersetzt, und er hatte seine verstorbene Frau geliebt. Das wusste ich, weil er in mein Haar weinte und mich am Ende mit ihrem Namen anrief. Er war Martha.

Einige Zeit später erwachte ich erneut. Augenblicklich, hellwach, donnernden Herzens. Doch es war nicht mein Herz. Es war eine Trommel.

Aus der Richtung des Feuers kamen erschrockene Laute, Männer fuhren alarmiert aus dem Schlaf auf.

»Indianer!«, rief jemand, und das Licht erlosch zu einem Glühen, als jemand auf das Feuer trat, um seine Reste zu verstreuen.

Es war keine Indianertrommel. Ich setzte mich auf und lauschte angestrengt. Es war eine Trommel mit einem Klang wie Herzschlag, langsam und rhythmisch, dann schnell wie ein Aufwerfhammer, wie der panische Galopp eines gejagten Tiers.

Ich hätte ihnen sagen können, dass nicht Indianer ihre Trommeln als Waffen benutzten; Kelten taten es. Es war der Klang eines Bodhrans.

Und was kommt als Nächstes?, dachte ich am Rand der Hysterie, Dudelsäcke?

Es war Roger, mit Sicherheit; nur er konnte eine Trommel so zum Sprechen bringen. Es war Roger, und Jamie war in der Nähe. Ich rappelte mich zum Stehen auf, wollte, musste mich unbedingt bewegen. Ich zerrte in ungeduldiger Raserei an dem Seil um meine Taille, doch es saß fest.

Eine zweite Trommel hub an, weniger kunstvoll, aber genauso bedrohlich. Der Klang schien sich zu bewegen – er bewegte sich tatsächlich. Wurde leiser, kehrte mit voller Wucht zurück. Eine dritte Trommel begann, und jetzt schienen die Schläge überallher zu kommen, schnell, langsam, spottend.

Jemand feuerte in Panik einen Schuss in den Wald.

»Aufhören!«, erklang Hodgepiles Stimme, laut und wütend, aber vergeblich; Gewehrschüsse ertönten wie platzendes Popcorn, doch im Klang der Trommeln gingen sie fast unter. Ich hörte es dicht neben meinem Kopf klatschen, und eine Handvoll Nadeln rieselte an mir vorbei. Mir dämmerte, dass es eine gefährliche Strategie war, aufrecht dazustehen, während ringsum blind drauflosgeschossen wurde. Ich ließ mich blitzartig fallen und grub mich in der Nadelschicht ein, während ich versuchte, den Baumstamm zwischen mich und die Männer zu bekommen.

Die Trommeln wanderten, einmal näher, einmal weiter entfernt; ihr Klang ging selbst dem an die Nieren, der wusste, was es war. Sie umkreisten das Lager, zumindest schien es so. Sollte ich rufen?

Ich wurde aus der Qual der Entschlusslosigkeit gerettet; die Männer am Lagerfeuer machten solchen Lärm, dass mich niemand gehört hätte, selbst wenn ich mich heiser geschrien hätte. Sie riefen Warnungen, brüllten Fragen, bellten Befehle – die der weiterhin hörbaren Verwirrung nach anscheinend keine Beachtung fanden.

Jemand krachte auf der Flucht vor den Trommeln dicht in meiner Nähe durch das Unterholz. Einer, noch zwei – das Geräusch keuchender Atemzüge und knirschender Schritte. Donner? Der Gedanke kam mir ganz plötzlich, und ich setzte mich auf, ließ mich aber wieder fallen, als erneut ein Schuss über meinen Kopf pfiff.

Das Trommeln verstummte abrupt. Am Feuer herrschte Chaos, obwohl ich hören konnte, wie Hodgepile versuchte, seine Männer zur Ordnung zu rufen. Er brüllte und drohte; seine näselnde Stimme übertönte den Rest. Dann setzten die Trommeln wieder ein – viel näher.

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