Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»O Gott.« Er ging in die Hocke und fuhr sich mit der Hand durch sein langes, wirres Haar. »Ich bin jetzt sechs Jahre hier, soweit ich das sagen kann. Aber Sie haben gesagt – ein zweites Mal. Wenn Sie es nach Hause geschafft haben, warum zum Teufel sind Sie zurückgekommen? Oh – halt. Sie haben es nicht nach Hause geschafft, Sie sind in einer anderen Zeit gelandet als der, in der Sie aufgebrochen sind? Wann sind Sie aufgebrochen?«
»Schottland, 1946. Und nein, ich bin nach Hause gekommen«, sagte ich, ohne ins Detail gehen zu wollen. »Aber mein Mann war hier. Ich bin mit Absicht zurückgegangen, um bei ihm zu sein.« Ein Entschluss, an dessen Klugheit ich zur Stunde ernsthaft zweifelte.
»Und wo wir gerade von meinem Mann sprechen«, fügte ich hinzu und bekam das Gefühl, eventuell doch noch ein paar Fetzen gesunden Menschenverstandes zu besitzen, »das war kein Witz. Er kommt. Ich versichere dir, dass es besser wäre, wenn er mich nicht in deiner Gefangenschaft antrifft. Aber wenn du –«
Er beugte sich aufgeregt zu mir vor, ohne meine Worte zu beachten.
»Aber das heißt ja, dass Sie wissen, wie es funktioniert! Sie können steuern!«
»Etwas in der Art«, sagte ich ungeduldig. »Dann haben deine Begleiter und du also nicht gewusst, wie man steuert, wie du es ausdrückst?« Ich massierte eine Hand mit der anderen und biss die Zähne zusammen, so heftig pulsierte das Blut. Ich konnte die Abdrücke spüren, die das Seil in meiner Haut zurückgelassen hatte.
»Wir dachten, wir wüssten es.« Ein Hauch von Bitterkeit lag in seiner Stimme. »Singende Steine. Edelsteine. Damit haben wir es gemacht. Raymond hatte gesagt … aber es hat nicht funktioniert. Oder vielleicht … vielleicht hat es doch funktioniert.« Er spann seine Gedanken weiter, ich konnte hören, wie die Aufregung in seinem Tonfall wieder zunahm.
»Sie haben Bob Springer getroffen – Otterzahn, meine ich. Also hat er es geschafft! Und wenn er es geschafft hat, dann die anderen ja vielleicht ebenfalls. Und ich dachte schon, sie wären alle tot. Ich dachte … dachte, ich wäre allein.« Seine Stimme war belegt, und trotz meiner Notlage und meiner Verärgerung ihm gegenüber spürte ich einen Stich des Mitgefühls. Ich wusste sehr gut, wie es sich anfühlte, auf diese Weise allein zu sein, gestrandet in der Zeit.
Irgendwie hätte ich ihm seine Illusionen gern gelassen, doch es hatte keinen Sinn, ihm die Wahrheit vorzuenthalten.
»Ich fürchte, Otterzahn ist tot.«
Er erstarrte plötzlich und saß ganz still da. Der schwache Feuerschein, der durch die Bäume drang, zeigte mir seinen Umriss; ich konnte sein Gesicht sehen. Ein paar seiner langen Haare hoben sich im Wind. Sie waren alles, was sich bewegte.
»Wie?«, sagte er schließlich mit leiser, erstickter Stimme.
»Von den Irokesen umgebracht«, sagte ich. »Den Mohawk.« Mein Verstand begann ganz allmählich, wieder zu arbeiten. Vor sechs Jahren war dieser Mann – wer immer er war – erschienen. Das wäre also 1767. Und doch war Otterzahn, der Mann, der einmal Robert Springer gewesen war, mehr als eine Generation zuvor gestorben. Sie waren zusammen aufgebrochen, jedoch in verschiedenen Zeiten herausgekommen.
»Mist«, sagte er, obwohl die deutliche Verstörung in seiner Stimme mit Ehrfurcht vermischt war. »Das muss ja ein ziemlicher Hammer gewesen sein, vor allem für Bob. Er hat diese Typen vergöttert.«
»Ja, ich vermute, dass es ihn sehr aus der Fassung gebracht hat«, erwiderte ich ausgesprochen trocken. Meine Augenlider fühlten sich dick und schwer an. Es kostete mich Mühe, sie offen zu halten, aber ich konnte immer noch etwas erkennen. Ich blickte in Richtung des Feuerscheins, konnte aber nichts weiter sehen als Schatten, die sich verschwommen bewegten. Wenn es tatsächlich eine Warteschlange für meine Dienste gab, so hielt sie sich wenigstens taktvoll außer Sichtweite auf. Ich bezweifelte dies jedoch und dankte Gott, dass ich nicht zwanzig Jahre jünger war – dann hätte es eine geben können.
»Ich bin schon einmal Irokesen begegnet – Himmel, ich habe nach ihnen gesucht, ist das zu glauben! Das war schließlich der Sinn der ganzen Sache, die Irokesenstämme zu finden und dazu zu bringen, dass –«
»Ich weiß, was ihr vorhattet«, unterbrach ich ihn. »Hör mal, das ist weder die Zeit noch der Ort für ein langes Gespräch. Ich glaube, dass –«
»Die Irokesen sind üble Kerle, wirklich, Mann«, sagte er und unterstrich seine Worte, indem er mir seinen Finger in die Brust stach. »Sie würden gar nicht glauben, was sie mit denen machen, die –«
»Ich weiß. Mein Mann ist auch einer.« Ich funkelte ihn an, eine Miene, deren Wirkung – seinem Zusammenzucken nach – durch den Zustand meines Gesichtes noch verstärkt wurde. Das hoffte ich jedenfalls; es schmerzte furchtbar, sie aufzusetzen.
»Okay, was du jetzt machst«, sagte ich und legte so viel Autorität in meine Stimme, wie ich nur aufbringen konnte, »ist, zum Feuer zurückgehen, ein bisschen warten, dann stehst du beiläufig auf, schleichst dich weg und besorgst zwei Pferde. Ich höre da unten einen Bach –« Ich wies kurz nach rechts. »Da treffen wir uns. Wenn wir in sicherem Abstand vom Lager sind, erzähle ich dir alles, was ich weiß.«
Ich konnte ihm zwar wahrscheinlich nichts erzählen, was ihm half, aber das wusste er ja nicht. Ich hörte ihn schlucken.
»Ich weiß nicht …«, murmelte er unsicher und schaute sich erneut um. »Hodge ist ziemlich skrupellos. Vor ein paar Tagen hat er einen Typen erschossen. Hat nicht mal was gesagt, ist einfach nur zu ihm gegangen, hat seine Knarre gezogen und peng!«
»Wieso?«
Er zuckte mit den Achseln und schüttelte den Kopf.
»Keine Ahnung, Mann. Einfach … peng, klar?«
»Klar«, versicherte ich ihm. Meine Beherrschung und mein Geisteszustand hingen an einem seidenen Faden. »Okay, dann lassen wir das mit den Pferden also. Gehen wir einfach.« Ich wuchtete mich umständlich auf ein Knie hoch und gab die Hoffnung nicht auf, dass ich in ein paar Sekunden in der Lage sein würde aufzustehen, vom Laufen ganz zu schweigen. Die großen Muskeln meiner Oberschenkel waren dort, wo Boble mich getreten hatte, feste Knoten; der bloße Versuch zu stehen ließ meine Muskeln krampfhaft erzittern, und ich war praktisch gelähmt.
»Mist, doch nicht jetzt!« In seiner Erregung packte der junge Mann meinen Arm und riss mich neben sich zu Boden. Ich fiel auf meine Hüfte und stieß einen Schmerzensschrei aus.
»Kommst du da zurecht, Donner?« Die Stimme kam irgendwo hinter mir aus der Dunkelheit. Sie klang beiläufig – offenbar hatte einer der Männer das Lager verlassen, um seine Blase zu entleeren –, doch ihre Wirkung auf den jungen Indianer war elektrisierend. Er warf sich der Länge nach auf mich, schlug meinen Kopf auf den Boden, und mir blieb die Luft weg.
»Ja … wirklich … gut«, rief er seinem Kameraden zu und keuchte übertrieben, offenbar um sich den Anschein eines Mannes in der Agonie halb vollendeter Lust zu geben. Er klang wie jemand, der im Begriff ist, an Asthma zu sterben, doch ich kritisierte ihn nicht. Ich konnte es gar nicht.
Mein Kopf hatte schon öfter Hiebe eingesteckt, und normalerweise sah ich dann mehr oder minder schwarz. Diesmal sah ich allen Ernstes bunte Sterne. Ich lag schlaff und verwirrt da und fühlte mich, als säße ich ganz ruhig ein Stück über meinem gemarterten Körper. Dann legte mir Donner eine Hand auf die Brust, und ich kehrte abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück.
»Lass mich sofort los!«, zischte ich. »Was glaubst du eigentlich, was du da tust?«
»Hey, gar nichts, gar nichts, tut mir leid«, versicherte er mir hastig. Er zog die Hand fort, blieb aber auf mir liegen. Er wand sich ein wenig, und ich begriff, dass ihn der enge Kontakt erregt hatte, ob beabsichtigt oder nicht.
»Runter da!«, flüsterte ich außer mir.