Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Im selben Augenblick traten Tebbe und zwei weitere Männer vor, die Hände auf ihren Messern und Pistolengriffen.
Hodgepiles schmales Gesicht war vor Wut verzerrt, doch der Moment drohender Gewalt war verstrichen. Er ließ sein Messer sinken, und die Bedrohung schwand.
Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, das die Lage weiter entschärfen sollte, doch Browns Neffe kam mir mit einem panischen Schrei zuvor.
»Sie darf nichts sagen! Sie wird uns alle verfluchen!«
»Oh, Teufel noch mal«, sagte Hodgepile, dessen Wut jetzt in simplen Ärger übergegangen war.
Ich hatte einige Taschentücher von den Männern gesammelt, um Browns Schiene festzubinden, Hodgepile bückte sich und schnappte sich eines davon, knüllte es zu einer Kugel zusammen und trat vor.
»Mund auf«, sagte er kurz angebunden, packte mit einer Hand mein Kinn, zwang mich, den Mund zu öffnen, und stopfte den Stoffball hinein. Er funkelte Tebbe an, der sich ruckartig auf ihn zubewegte.
»Ich werde sie nicht umbringen. Aber sie sagt kein Wort mehr. Nicht zu ihm –« Er nickte in Browns Richtung, dann in Tebbes. »Nicht zu dir. Und nicht zu mir.« Er richtete den Blick wieder auf mich, und zu meiner Überraschung sah ich Beklommenheit in seinen Augen lauern. »Zu niemandem.«
Tebbes Miene war unentschlossen, doch Hodgepile band mir schon sein Halstuch um den Kopf, und ich war geknebelt.
»Nicht ein Wort«, wiederholte Hodgepile und sah sich funkelnd unter seinen Männern um. »Und jetzt los.«
Wir überquerten den Fluss. Lionel Brown überlebte zu meiner Überraschung, doch das Ganze zog sich sehr in die Länge, und die Sonne stand schon tief, als wir zwei Meilen hinter der Klamm am anderen Ufer unser Lager aufschlugen.
Alle waren durchnässt, und es wurde ohne weitere Diskussionen Feuer gemacht. Die Untertöne der Zwietracht und des Misstrauens waren zwar noch spürbar, doch der Fluss und die Erschöpfung hatten sie gedämpft. Alle waren zu müde für weitere Auseinandersetzungen.
Sie hatten mir die Hände lose zusammengebunden, meine Füße aber ungefesselt gelassen; ich hielt auf einen umgestürzten Baumstamm neben dem Feuer zu und ließ mich restlos ausgelaugt zu Boden sinken. Ich war feucht, mir war kalt, und meine Muskeln zitterten vor Erschöpfung – nach der Flussüberquerung hatte ich laufen müssen –, und zum ersten Mal begann ich, mich zu fragen, ob mich Jamie wirklich finden würde. Jemals. Um Marsali versuchte ich mir keine Gedanken mehr zu machen. Entweder hatte man sie in der Zwischenzeit gefunden – oder nicht. Auf alle Fälle hatte sich ihr Schicksal in der Zwischenzeit entschieden.
Vielleicht war Jamie ja der falschen Banditengruppe gefolgt. Vielleicht hatte er sie gefunden und angegriffen – und war im Kampf verwundet oder getötet worden. Ich hatte die Augen geschlossen, öffnete sie aber wieder, um die Bilder zu verdrängen, die dieser Gedanke heraufbeschwor.
Immerhin brannte das Feuer; durchgefroren, durchnässt und begierig nach warmem Essen, hatten die Männer einen immensen Haufen Holz zusammengetragen. Ein kurzgewachsener Schwarzer stochte schweigend das Feuer, während ein paar der Jungen die Packtaschen nach Essbarem durchstöberten. Ein Topf Wasser mit einem Stück Pökelfleisch wurde auf das Feuer gestellt, und der löwenmähnige junge Indianer schüttete Maismehl in eine Schüssel, in der sich ein Klumpen Schmalz befand.
Ein weiterer Schmalzklumpen schmolz brutzelnd auf einem Eisenblech. Es roch wundervoll.
Mein Mund füllte sich mit Speichel, der sofort von dem Stoffball aufgesogen wurde, und trotz meines Unbehagens weckte der Essensgeruch meine Lebensgeister ein wenig. Meine Korsettstangen, die sich im Lauf der letzten vierundzwanzig Stunden unterwegs gelockert hatten, hatten sich wieder verengt, als die nassen Schnüre trockneten und schrumpften. Die Haut unter dem Stoff juckte, aber die dünnen Stangen gaben mir das Gefühl, gestützt zu sein, und das konnte ich derzeit nur zu gut brauchen.
Mr. Browns Neffen – Aaron und Moses, wie ich inzwischen erfahren hatte – kamen langsam in das Lager gehumpelt und hatten eine improvisierte Trage zwischen sich hängen. Sie setzten sie dankbar am Feuer ab, was einen lauten Aufschrei des Kranken nach sich zog.
Mr. Brown hatte die Flussüberquerung zwar überlebt, aber sie hatte ihm nicht besonders gutgetan. Natürlich hatte ich ihnen gesagt, dass sie ihm viel zu trinken geben sollten. Dieser Gedanke brachte mich trotz meiner Müdigkeit aus der Fassung, und ich stieß hinter meinem Knebel ein ersticktes Prusten aus.
Einer der Jungen hörte mich und streckte zögernd die Hand nach dem Knoten meines Knebels aus, ließ sie aber sofort sinken, als Hodgepile ihn anknurrte.
»Weg da!«
»Aber – muss sie denn nichts essen, Hodge?« Der Junge sah mich beklommen an.
»Jetzt nicht.« Hodgepile hockte sich vor mich hin und musterte mich von oben bis unten. »Habt Eure Lektion doch noch gelernt, wie?«
Ich machte keine Bewegung. Saß einfach nur da und sah ihn an, so verächtlich ich nur konnte. Die Schnittwunde an meinem Finger brannte, und meine Handflächen hatten angefangen zu schwitzen – doch ich starrte ihn an. Er versuchte, zurückzustarren, konnte es aber nicht – sein Blick huschte immer wieder zur Seite.
Das machte ihn noch wütender; das Blut stieg ihm in die knochigen Wangen.
»Hört auf, mich anzusehen!«
Ich kniff langsam die Augen zu und öffnete sie wieder, dann sah ich ihn weiter an und hoffte, dass mein Blick einen ungerührten, aufmerksamen Eindruck machte. Er sah ziemlich mitgenommen aus, der gute Mr. Hodgepile. Dunkle Ringe unter den Augen, die Muskelfasern um seinen Mund sahen aus wie in Holz geschnitzte Linien. Nasse, heiße Schweißflecken unter den Achselhöhlen. Das Tyrannendasein musste anstrengend sein.
Ganz plötzlich stand er auf, packte mich am Arm und riss mich hoch.
»Ich bring dich irgendwohin, wo es nichts mehr anzustarren gibt, du Hexe«, murmelte er und schob mich vor sich her am Feuer vorbei. Ein Stückchen außerhalb des Lagers fand er einen Baum nach seinem Geschmack. Er band meine Hände los und fesselte meine Handgelenke, indem er eine Schlinge um meine Taille legte und meine Hände daran festband. Dann knüpfte er eine einfache Schlinge mit einem Laufknoten, die er mir um den Hals legte, und band das lose Ende an den Baum.
»Damit Ihr nicht davonspaziert«, sagte er und zog den groben Hanf um meinen Hals fest. »Will ja nicht, dass Ihr verlorengeht. Nachher frisst Euch noch ein Bär, und was dann, wie?« Damit war seine gute Laune wiederhergestellt; er lachte unbändig und kicherte noch vor sich hin, als er ging. Einmal jedoch drehte er sich um, um noch einen Blick auf mich zu werfen. Ich saß aufrecht da und starrte ihn an, und der Humor wich abrupt aus seinem Gesicht. Er drehte sich um, schritt davon und hielt dabei die Schultern so steif, als wären sie aus Holz.
Obwohl ich Hunger und Durst hatte und mich durch und durch unwohl fühlte, empfand ich tatsächlich tiefe, wenn auch nur vorübergehende Erleichterung. Ich war zwar nicht im strengen Wortsinn allein, doch ich war zumindest unbeobachtet, und selbst dieses Minimum an Zurückgezogenheit war Balsam für meine Seele.
Ich befand mich gute zwanzig Meter vom Feuer entfernt, außer Sichtweite sämtlicher Männer. Ich ließ mich gegen den Baumstamm sacken. Meine Gesichtsmuskeln gaben im selben Moment nach wie mein restlicher Körper, und es schüttelte mich, obwohl es nicht kalt war.
Bald. Jamie würde mich bestimmt bald finden. Es sei denn – Ich schob den Zweifel beiseite, als sei er ein giftiger Skorpion, und genauso jeden Gedanken an Marsali und daran, was wohl passieren würde, wenn er uns fand. Ich wusste nicht, wie er es schaffen würde, aber er würde es schaffen. Er würde es einfach schaffen.
Die Sonne war fast untergegangen; Schatten sammelten sich unter den Bäumen, und das Licht wich langsam aus der Luft, bis die Farben flüchtig wurden und feste Gegenstände ihre Tiefe verloren. Irgendwo in der Nähe rauschte Wasser, und Vögel zwitscherten laut in den weiter entfernten Bäumen. Sie verstummten allmählich, als sich der Abend abkühlte, und wurden durch das erwachende Zirpen der Grillen in der Nähe ersetzt. Mein Auge fing eine huschende Bewegung auf, und ich sah ein Kaninchen, grau wie die Abenddämmerung, das sich unter einem Busch auf die Hinterbeine aufsetzte und mit der Nase zuckte.