Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie kamen, kamen näher, irgendwo im Wald, links von mir, und das spottende Tip-Tap-Tip-Tap der Schläge hatte sich verändert. Es donnerte jetzt. Keine Kunst, nur Drohung. Näher und näher.
Wilde Gewehrschüsse, so dicht bei mir, dass ich das Mündungsfeuer sehen und den Rauch riechen konnte, der dicht und heiß in der Luft hing. Die Glut des Feuers war verstreut worden, brannte jedoch noch und glomm gedämpft zwischen den Bäumen hindurch.
»Da sind sie! Ich sehe sie!«, rief jemand am Feuer, und es folgte eine weitere Musketensalve in Richtung der Trommeln.
Dann erhob sich rechts von mir ein gespenstisches Heulen in der Dunkelheit. Es war nicht das erste Mal, dass ich hörte, wie sich Schotten schreiend in die Schlacht stürzten, doch bei diesem kreischenden Highlandschrei stellten sich sämtliche Haare an meinem Körper auf, vom Steißbein bis zum Nacken.
Jamie. Trotz meiner Angst setzte ich mich kerzengerade hin und lugte gerade rechtzeitig hinter meinem schützenden Baum hervor, um Dämonen aus dem Wald rasen zu sehen.
Ich kannte sie – wusste genau, dass ich sie kannte –, doch ich fuhr zurück, als ich sie sah, rußgeschwärzt, kreischenden Höllenwahn auf den Lippen, roten Feuerschein auf den Klingen ihrer Messer und Äxte.
Mit dem ersten Schrei hatte das Trommeln abrupt aufgehört, und jetzt brach zu meiner Linken weiteres Geheul aus, als die Trommler in den Kampf rasten. Ich presste mich mit dem Rücken an den Baum, das Herz atemberaubend groß in meiner Kehle, versteinert vor Angst, dass die Klingen auf jede zufällige Bewegung im Schatten losgehen könnten.
Jemand kam krachend durch die Dunkelheit auf mich zugestolpert – Donner? Ich krächzte seinen Namen, um ihn auf mich aufmerksam zu machen, und die schmale Gestalt wandte sich in meine Richtung, zögerte, entdeckte mich dann und stürzte sich auf mich.
Es war nicht Donner, sondern Hodgepile. Er packte mich am Arm, zerrte mich hoch und zerschnitt gleichzeitig das Seil, das mich an den Baum band. Er keuchte heftig vor Anstrengung – oder Angst.
Ich begriff sofort, was er vorhatte; er wusste, dass er kaum eine Chance hatte zu entkommen – mich als Geisel zu haben, war seine einzige Hoffnung. Aber zum Teufel, wenn ich seine Geisel sein würde. Nicht noch einmal.
Ich trat mit aller Kraft nach ihm und traf ihn seitlich am Knie. Es warf ihn nicht um, lenkte ihn aber eine Sekunde lang ab. Ich ging mit gesenktem Kopf auf ihn los, traf ihn mitten vor die Brust, und er ging zu Boden.
Der Aufprall war schmerzhaft; ich stolperte, und meine Augen tränten. Er stand auf und stürzte sich wieder auf mich. Ich trat nach ihm, traf daneben und fiel mit voller Wucht auf den Rücken.
»Kommt schon, verdammt!«, zischte er und zerrte mit aller Kraft an meinen gefesselten Händen. Ich duckte mich, ließ mich nach hinten fallen und riss ihn mit mir zu Boden. Ich rollte und kroch durch das Laub und versuchte mit aller Macht, meine Beine um ihn zu schlingen, in der Hoffnung, seine Rippen zu packen zu bekommen und dem dreckigen Wurm das Leben auszupressen, doch er befreite sich, rollte sich auf mich und schlug nach meinem Kopf, um meine Gegenwehr zu brechen.
Er traf mich am Ohr, und ich zuckte zusammen und schloss reflexartig die Augen. Dann war sein Gewicht plötzlich fort, und als ich die Augen öffnete, sah ich Jamie, der Hodgepile mehrere Zentimeter über dem Boden festhielt. Hodgepile wedelte wie verrückt mit seinen spindeldürren Beinen und versuchte vergeblich, zu entkommen. Ich verspürte ein irrsinniges Verlangen zu lachen.
Ich muss auch tatsächlich gelacht haben, denn Jamies Kopf fuhr herum, und er sah mich an; ich erkannte kurz das Weiße in seinen Augen, bevor er sich wieder Hodgepile zuwandte. Er stand im Gegenlicht der schwach glühenden Holzkohle; ich sah für eine Sekunde sein Profil, dann spannte er sich ächzend an und senkte den Kopf.
Er hielt Hodgepile mit einem Arm dicht vor seiner Brust. Ich kniff die Augen zu und öffnete sie wieder; sie waren halb zugeschwollen, und ich begriff nicht ganz, was er da tat. Dann hörte ich ein leises, angestrengtes Grunzen, Hodgepile schrie erstickt auf, und Jamies angewinkelter Ellbogen senkte sich abrupt.
Hodgepiles dunkler Kopf wurde zurückgebogen – und weiter zurück. Ich sah seine scharfe Marionettennase und sein angehobenes Kinn – unmöglich hoch erhoben, und Jamies Handfläche klemmte fest darunter. Es war ein gedämpftes Pop! zu hören, das ich in meiner Magengrube spürte; Hodgepiles Genick brach, und die Marionette erschlaffte.
Jamie ließ den Puppenkörper fallen, streckte die Hände nach mir aus und zog mich hoch.
»Du lebst, du bist nicht verletzt, a nighean donn?«, fragte er drängend auf Gälisch. Er tastete mich mit fliegenden Händen ab, während er gleichzeitig versuchte, mich aufrecht zu halten – meine Knie schienen sich übergangslos in Wasser verwandelt zu haben – und das Seil zu finden, mit dem meine Hände gefesselt waren.
Ich weinte und lachte, schniefte Tränen und Blut, stieß ihn mit meinen zusammengebundenen Händen an und versuchte ungeschickt, sie ihm hinzuhalten, damit er das Seil durchschneiden konnte.
Er hörte auf, mit seinen Händen zu suchen, und drückte mich so fest an sich, dass ich einen Schmerzenslaut ausstieß, als mein Gesicht gegen sein Plaid gepresst wurde.
Er sagte noch etwas, drängend, aber es gelang mir nicht, es zu übersetzen. Energie durchpulste ihn, heiß und brutal, wie Strom in einem geladenen Draht, und ich begriff vage, dass es noch der Berserker war, der aus ihm sprach; er hatte sein Englisch noch nicht wiedergefunden.
»Ich habe nichts«, keuchte ich, und er ließ mich los. Auf der Lichtung hinter den Bäumen flammte das Licht auf; jemand hatte die verstreuten Kohlen eingesammelt und neues Brennholz darauf geworfen. Sein Gesicht war schwarz, und seine Augen blitzten plötzlich blau darin auf, als er den Kopf wandte und das Licht auf sein Gesicht fiel.
Der Kampf war noch nicht ganz vorbei; es schrie niemand mehr, doch ich konnte das Grunzen und Rumpeln im Kampf verschlungener Körper hören. Jamie hob meine Hände, zog seinen Dolch und sägte das Seil durch; meine Hände fielen wie Bleigewichte herunter. Er starrte mich eine Sekunde an, als suchte er nach Worten, dann schüttelte er den Kopf, nahm kurz mein Gesicht in seine Hand und verschwand in Richtung der Auseinandersetzung.
Ich sank benommen zu Boden. Hodgepiles Leiche lag mit verdrehten Gliedern neben mir. Ich sah ihn an, in meinem Kopf ein deutliches Bild von einer Halskette, die Brianna einmal als Kind gebastelt hatte und die aus verbundenen Plastikperlen bestand, die sich voneinander lösten, wenn man daran zog. Ich wünschte mir vage, ich würde mich nicht daran erinnern.
Das Gesicht hatte ein spitzes Kinn und hohle Wangen; er sah überrascht aus, die Augen im flackernden Licht weit aufgerissen. Doch irgendetwas kam mir merkwürdig verkehrt vor, und ich versuchte blinzelnd herauszufinden, was. Dann begriff ich, dass sein Kopf falsch herum saß.
Möglich, dass es Sekunden oder Minuten waren, die vergingen, während ich dasaß und ihn anstarrte, die Arme um die Knie gelegt, den Kopf total leer. Dann ließ mich der Klang leiser Schritte aufblicken.
Arch Bug kam aus der Dunkelheit, hochgewachsen, dünn und schwarz vor dem Flackern des wachsenden Feuers. Ich sah, dass er mit der Linken eine Axt festhielt; auch sie war schwarz und verströmte kräftigen Blutgeruch, als er sich über mich beugte.
»Ein paar von ihnen leben noch«, sagte er, und ich spürte, wie etwas Kaltes, Hartes meine Hand berührte. »Möchtet Ihr jetzt an ihnen Rache nehmen, a bana-mhaigistear?«
Ich senkte den Blick und sah, dass er mir einen Dolch mit dem Heft zuerst entgegenhielt. Ich war aufgestanden, konnte mich aber nicht daran erinnern.
Ich konnte nicht sprechen, mich nicht bewegen – und doch krümmten sich meine Finger, ohne dass ich sie dazu brachte, und meine Hand hob sich, um das Messer entgegenzunehmen, während ich ihr schwach neugierig dabei zusah. Dann senkte sich Jamies Hand auf den Dolch und nahm ihn an sich, und ich sah wie aus großer Entfernung, dass das Licht auf seine Hand fiel, die bis über das Handgelenk hinweg schwarz von verschmiertem Blut glänzte. Hier und dort leuchteten rote Tropfen auf, dunkel glühende Juwelen, die sich in den lockigen Haaren auf seinem Arm fingen.