Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich ging näher heran, um herauszufinden, welche Sorte Holz es war; Fergus bevorzugte Hickoryholz, weil es sich leichter spalten ließ und dem gemälzten Korn einen süßen Geschmack verlieh. Jamie, dessen Whiskyverständnis tief in der Tradition verwurzelt war, benutzte nie etwas anderes als Eichenholz. Ich berührte ein Holzscheit; grobe Körnung, helles Holz, dünne Rinde. Ich lächelte. Also war Jamie noch vor kurzem hier gewesen.
Normalerweise wurde stets ein kleines Whiskyfass beim Mälzboden aufbewahrt, sowohl aus Gastlichkeit als auch aus Vorsicht. »Falls jemand Marsali hier allein überrascht, ist es besser, wenn sie ihm etwas anbieten kann«, hatte Jamie gesagt. »Was wir hier tun, ist kein Geheimnis; es ist besser, wenn niemand versucht, Marsali zu entlocken, wo der Whisky ist.« Es war nicht der beste Whisky – normalerweise war es sehr junger, roher Alkohol –, aber für ungeladene Besucher und zahnende Kinder war er mit Sicherheit gut genug.
»Du hast ja sowieso noch keine Geschmacksknospen, was soll’s also?«, murmelte ich Jemmy zu, der sich im Schlaf rührte, mit den Lippen schmatzte und sein kleines Gesicht zu einer Grimasse verzog.
Ich sah mich suchend um, doch ich fand keine Spur von dem kleinen Whiskyfass, weder an seinem normalen Platz hinter den Gerstensäcken noch im Inneren des Brennholzstapels. Vielleicht hatte es jemand mitgenommen, um es nachzufüllen, vielleicht war es gestohlen worden. Wie auch immer, es war nicht so schlimm.
Ich wandte mich nach Norden, am Mälzboden vorbei, ging zehn Schritte weit und wandte mich nach rechts. Hier kam der Felsenkern des Berges zum Vorschein, ein fester Granitblock, der aus dem Tupelo- und Färberwurzdickicht ragte. Nur, dass er nicht fest war. Zwei Felsplatten lehnten aneinander, und die offene Spalte darunter war mit Stechpalmen maskiert. Ich zog Jemmy mein Schultertuch über das Gesicht, um ihn vor den scharfen Kanten der Blätter zu schützen, dann schob ich mich vorsichtig dahinter vorbei und duckte mich, um die Spalte zu durchschreiten.
Am anderen Ende der Spalte senkte sich der Felsboden in einem Gewirr großer Brocken ab, und Baumschösslinge und Kriechgewächse sprossen überall aus den Ritzen zwischen den Felsen. Von unten sah es unpassierbar aus, doch von oben konnte man schwach einen Pfad erkennen, der zu einer weiteren, kleinen Lichtung führte. Lichtung war fast zu viel gesagt; es war nicht mehr als eine Lücke zwischen den Bäumen, in der eine klare Quelle aus dem Felsen entsprang und wieder im Boden verschwand. Im Sommer war die Stelle auch von oben nicht zu sehen, abgeschirmt durch das Laub der Bäume ringsum.
Jetzt, an der Schwelle des Winters, war der weiß leuchtende Fels durch das blattlose Dach der Erlen und Bergeschen gut zu sehen. Jamie hatte einen großen, hellen Stein gefunden und ihn zum Ausgangspunkt der Quelle gerollt, wo er die Form eines Kreuzes hinein geritzt und ein Gebet gesprochen hatte, um die Quelle für unseren Gebrauch zu segnen. Damals hätte ich fast einen Witz über den Vergleich zwischen Whisky und Weihwasser gemacht – und auch jetzt musste ich an Vater Kenneth und die Taufen denken –, doch dann hatte ich es mir verkniffen; ich bezweifelte, dass Jamie es witzig gefunden hätte.
Ich bahnte mir vorsichtig meinen Weg bergab. Der angedeutete Pfad führte zwischen den Gesteinsbrocken hindurch und schließlich um einen Felsvorsprung herum, bevor er auf der Lichtung mit der Quelle endete. Mir war warm vom Gehen, aber es war so kalt, dass meine Finger, die die Enden des Schultertuches hielten, taub geworden waren. Und Jamie stand am Rand der Quelle und trug nichts als sein Hemd.
Durch ein immergrünes Gebüsch verdeckt, blieb ich wie angewurzelt stehen.
Es war nicht sein halb bekleideter Zustand, der mich innehalten ließ, sondern vielmehr etwas an seinem Gesichtsausdruck. Er sah müde aus, aber das war nur verständlich, da er schon so früh auf den Beinen gewesen war.
Die abgetragene Hose, die er zum Reiten trug, lag in einem Haufen neben ihm auf dem Boden, sein Gürtel war nebst den dazugehörigen Utensilien ordentlich daneben aufgerollt. Mein Blick fiel auf einen dunklen Farbklecks, der halb im Gras verborgen lag; der blau und braun gemusterte Stoff seines Jagdkilts. Er zog sich vor meinen Augen das Hemd über den Kopf und ließ es fallen, dann kniete er nackt an der Quelle nieder und besprengte sich Arme und Gesicht mit Wasser.
Seine Kleider waren vom Reiten mit Schlamm bespritzt, doch er selbst war überhaupt nicht schmutzig. Eine schlichte Hand- und Gesichtswäsche hätte gereicht, dachte ich – und sie hätte sich sehr viel angenehmer in der Küche am Herd erledigen lassen.
Doch er stand auf, ergriff den kleinen Eimer, der am Rand der Quelle stand, füllte ihn mit kaltem Wasser und übergoss sich gezielt damit. Er schloss die Augen und biss die Zähne zusammen, als es über seine Brust und seine Beine strömte. Ich konnte sehen, wie sich seine Hoden schutzsuchend hochzogen, als das eisige Wasser durch sein buschiges, dunkelrotes Schamhaar spülte und von seinem Glied tropfte.
»Dein Großvater hat nicht mehr alle Tassen im Schrank«, flüsterte ich Jemmy zu, der sich im Schlaf regte und eine Grimasse zog, jedoch keinerlei Notiz vom eigentümlichen Verhalten seines Ahnherrn nahm.
Ich wusste, dass Jamie nicht völlig unempfindlich gegen die Kälte war; vom Schutz des Felsens aus konnte ich sehen, dass er nach Luft schnappte und zitterte, und ich erschauerte mitfühlend. Als waschechter Highlander störte er sich nicht an Dingen wie Kälte, Hunger oder generellem Unwohlsein. Dennoch fand ich, dass er es hier mit der Reinlichkeit übertrieb.
Er holte tief und keuchend Luft und übergoss sich ein zweites Mal mit Wasser. Als er sich bückte, um den Eimer ein drittes Mal zu füllen, dämmerte mir langsam, was er tat.
Ein Chirurg wäscht sich natürlich vor einer Operation aus Sauberkeitsgründen, aber das ist es nicht allein. Das Ritual des Einseifens der Hände, der Nagelreinigung, des Abspülens der Haut, wieder und wieder, bis es fast schmerzt, ist genauso sehr eine geistige wie eine körperliche Handlung. Dieser Akt des obsessiven Waschens dient dazu, die Konzentration des Verstandes zu schärfen und den Geist vorzubereiten; man wäscht sich von äußerlichen Problemen frei, spült jede belanglose Ablenkung genauso fort, wie man sich von den Keimen und Hautschuppen befreit.
Ich hatte das oft genug getan, um das Ritual zu erkennen, wenn ich es sah. Jamie wusch sich nicht einfach; er reinigte sich innerlich, und das kalte Wasser war nicht nur ein Schmutzlöser, sondern auch ein Mittel der Kasteiung. Er bereitete sich auf etwas vor, und der Gedanke ließ mir ein kleines Rinnsal über den Rücken laufen, so kalt wie das Quellwasser.
Und genau, nach dem dritten Guss stellte er den Eimer ab und schüttelte sich, so dass die Tropfen von seinen nassen Haarspitzen wie Regen ins Gras prasselten. Kaum mehr als halb trocken, zog er sich das Hemd wieder über den Kopf und wandte sich nach Westen, wo die Sonne tief über den Bergen stand. Einen Augenblick stand er still – ganz still.
Das Licht strömte so hell durch die blattlosen Bäume, dass ich ihn von meinem Beobachtungspunkt aus nur als Silhouette sehen konnte, das feuchte Leinen seines Hemdes von Licht durchflutet, sein dunkler Körper ein Schatten unter dem Stoff. Er stand mit erhobenem Kopf da, die Schultern gerade, ein Mann, der lauscht.
Worauf? Ich versuchte, meine Atemgeräusche zu unterdrücken, und presste den Kopf des Babys sanft an meine Schulter, damit es nicht aufwachte. Ich lauschte ebenfalls.
Ich konnte den Klang des Waldes hören, ein ständiges, sanftes Seufzen von Nadeln und Ästen. Der Wind wehte nur schwach, und in meiner Nähe konnte ich das Wasser der Quelle hören, das gedämpft über Steine und Wurzeln rauschte. Ich hörte sehr deutlich, wie mein Herz schlug und Jemmy an meinem Hals atmete, und plötzlich bekam ich Angst – als seien die Geräusche zu laut, als könnten sie die Aufmerksamkeit von etwas Gefährlichem auf uns lenken.
Ich erstarrte, stellte jede Bewegung ein, versuchte, nicht zu atmen und ein Teil des Waldes ringsum zu werden, wie ein Kaninchen unter einem Busch. Jemmys Puls schlug blau, eine zarte Vene, die sich über seine Schläfe zog, und ich beugte meinen Kopf darüber, um sie zu verbergen.