Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich konnte nicht sagen, was vor sich ging, aber irgendetwas war jedenfalls im Gange; jedes Mal, wenn ich den Blick eines anderen auffing, stellten sich die Haare auf meinen Armen auf.« Schließlich war er in den Stall gegangen, wo er den Alten Alec traf, Colums Stallmeister. Der Alte war ein großer Verehrer Ellen MacKenzies gewesen, und er war um ihret- wie um Jamies willen freundlich zu ihrem Sohn.
»Das ist das flammende Kreuz, Junge«, hatte er zu Jamie gesagt, ihm einen Striegel zugeworfen und mit einem Ruck seines Kopfes auf die Boxen gewiesen. »Hast du das denn noch nie gesehen?«
Es war alt, hatte er gesagt, einer jener Bräuche, die schon seit Jahrhunderten befolgt wurden, ohne dass irgendjemand wusste, wo sie herkamen und wer damit begonnen hatte oder warum.
»Wenn ein Highlandhäuptling seine Männer zum Krieg ruft«, hatte der alte Mann gesagt, während er mit seiner knorrigen Hand geschickt durch die verknotete Mähne eines Pferdes fuhr, »lässt er ein Kreuz anfertigen und steckt es in Brand. Man löscht es sofort, weißt du, mit Blut oder Wasser – aber man nennt es trotzdem das flammende Kreuz, und es wird dann durch die Täler und Schluchten getragen, ein Zeichen für die Männer des Clans, zu den Waffen zu greifen und sich an den Sammelplatz zu begeben, bereit zum Kampf.«
»Aye?«, hatte Jamie gesagt und die Aufregung in seiner Bauchhöhle gespürt. »Gegen wen kämpfen wir denn? Wohin reiten wir?«
Die zerfurchte Stirn des alten Mannes hatte sich in beifälliger Belustigung über dieses »wir« gekräuselt.
»Du gehst, wohin dein Häuptling dich führt, Junge. Aber heute Nacht ziehen wir gegen die Grants.«
»So war es auch«, sagte Jamie. »Allerdings nicht in dieser Nacht. Als es dunkel wurde, hat Dougal das Kreuz in Brand gesteckt und hat den Clan gerufen. Er hat das brennende Holz mit Schafsblut gelöscht – und zwei Männer sind mit dem flammenden Kreuz vom Burghof geritten, um es durch die Berge zu tragen. Vier Tage später standen dreihundert Männer auf diesem Hof, bewaffnet mit Schwertern, Pistolen und Dolchen – und in der Dämmerung des fünften Tages sind wir gegen die Grants gezogen.«
Er hatte den Finger weiter im Mund des Babys, und sein Blick war abwesend, während er zurückdachte.
»Das war das erste Mal, dass ich mein Schwert gegen einen anderen Menschen eingesetzt habe«, sagte er. »Ich weiß es noch sehr gut.«
»Das kann ich mir vorstellen«, murmelte ich. Jemmy fing erneut an, sich zu winden und zu protestieren; ich streckte die Arme aus und hob ihn auf meinen Schoß, um ihn mir anzusehen – und natürlich, seine Windel war nass. Zum Glück hatte ich noch eine dabei, die ich mir für den Fall des Falles in meinen Gürtel gesteckt hatte. Ich legte ihn über meine Knie, um ihn zu wickeln.
»Also hat dieses Kreuz auf unserem Hof …«, sagte ich vorsichtig, den Blick auf meine Arbeit gerichtet, »… mit der Miliz zu tun, ja?«
Jamie seufzte, und ich konnte sehen, wie sich der Schatten der Erinnerung hinter seinen Augen bewegte.
»Aye«, sagte er. »Früher einmal konnte ich rufen, und die Männer sind gekommen, ohne zu fragen – weil sie meine Männer waren. Blutsverwandte, Männer von meinem Land.«
Sein Blick war verschleiert und richtete sich auf den Berghang, der sich vor uns erhob. Ich glaubte allerdings nicht, dass er die bewaldeten Höhen der Wildnis von Carolina sah, sondern vielmehr die kahlen Berge und die steinigen Katstellen von Lallybroch. Ich legte meine freie Hand auf sein Handgelenk; seine Haut war kalt, doch ich konnte seine Hitze spüren, gleich unter der Oberfläche, wie steigendes Fieber.
»Sie sind um deinetwillen gekommen – aber du hast das Gleiche für sie getan, Jamie. Du bist in Culloden zu ihnen geeilt. Du hast sie dorthin geführt – und du hast sie zurückgebracht.«
Welche Ironie, dachte ich, dass die Männer, die damals gekommen waren, um auf sein Geheiß zu dienen, zum Großteil nach wie vor sicher in Schottland lebten. Kein Fleck der Highlands war von dem Krieg unberührt geblieben, doch Lallybroch und seine Bewohner waren zum Großteil unversehrt – dank Jamie.
»Aye, so ist es.« Er wandte sich mir zu und sah mich an, und ein reuiges Lächeln huschte über sein Gesicht. Seine Hand umspannte für einen Moment die meine, dann ließ er wieder locker, und die Linie zwischen seinen Augenbrauen vertiefte sich erneut. Er wies mit einer ausladenden Geste auf die umliegenden Berge.
»Aber diese Männer – es gibt keine verwandtschaftlichen Verpflichtungen zwischen ihnen und mir. Sie sind keine Frasers, ich bin weder ihr Gutsherr noch ihr Familienoberhaupt. Wenn sie kommen, um an meiner Seite zu kämpfen, ist es ihr freier Wille.«
»Der«, sagte ich trocken, »und Gouverneur Tryons.«
Er schüttelte den Kopf.
»Nein, das stimmt nicht. Weiß der Gouverneur, welche Männer hier leben oder seinem Ruf folgen?« Er verzog leicht das Gesicht. »Er kennt mich – und das reicht ihm voll und ganz.«
Ich musste zugeben, dass dem so war. Tryon würde weder wissen, noch würde es ihn interessieren, wen Jamie ihm brachte – wichtig war nur, dass er mit einer zufriedenstellenden Anzahl von Männern erschien, um für den Gouverneur die Drecksarbeit zu erledigen.
Darüber dachte ich nach, während ich Jemmys Pobacken mit meinem Rocksaum trocken tupfte. Alles, was ich von der amerikanischen Revolution wusste, waren die Dinge, die ich Briannas Schulbüchern aus zweiter Hand entnommen hatte – und ausgerechnet ich wusste nun wirklich, wie groß die Kluft zwischen Geschichtsschreibung und Realität sein konnte.
Außerdem hatten wir in Boston gelebt, und natürlich spiegelten die Schulbücher die Lokalgeschichte wider. Der allgemeine Eindruck, den man bekam, wenn man Begriffe wie Lexington und Concord las, war, dass jeder waffenfähige Bewohner dieser Gegend Mitglied der Miliz war und dass sie alle beim ersten Anzeichen eines Alarms zu den Waffen eilten und nur so darauf brannten, ihren Dienst an der Gemeinschaft zu leisten. Vielleicht war es ja so, vielleicht auch nicht – aber das Hinterland von Carolina war mit Boston nicht im Mindesten zu vergleichen.
Ich hob Jemmy hoch, der sich aufbäumte und wand wie ein Fisch auf dem Trockenen und heftig dagegen protestierte, zwangsgewickelt zu werden. Er trat mir in den Bauch. »Oh, Kind, nun hör doch auf damit.«
Jamie streckte die Hände aus, packte das Baby unter den Armen und hob es von meinem Schoß.
»Komm, ich nehme ihn. Braucht er noch Whisky?«
»Ich weiß es nicht, aber wenigstens kann er nicht plärren, wenn er deinen Finger im Mund hat.« Ich überließ ihm Jemmy mit beträchtlicher Erleichterung und widmete mich erneut meinem Gedankengang.
»Boston ist schon seit über hundert Jahren besiedelt, selbst jetzt«, sagte ich. »Dort gibt es Dörfer und Farmen – und die Farmen sind nicht weit von den Dörfern entfernt. Die Leute leben schon lange dort, jeder kennt jeden.«
Jamie nickte bei jeder dieser verblüffenden Enthüllungen geduldig in dem festen Vertrauen, dass ich irgendwann zur Sache kommen würde. Was ich auch tat, nur um festzustellen, dass er mir genau dasselbe gerade vor Augen geführt hatte.
»Wenn also dort jemand eine Miliz einberuft«, sagte ich und begriff plötzlich, was er mir die ganze Zeit erklärt hatte, »dann kommen sie, weil sie es gewohnt sind, gemeinsam zu kämpfen und ihre Wohnorte zu verteidigen, und weil keiner von ihnen von seinen Nachbarn für einen Feigling gehalten werden möchte. Hier dagegen …« Ich biss mir auf die Lippe und betrachtete die hohen Berge ringsum.
»Aye«, sagte er und nickte, als er sah, dass in meinem Gesicht die Erkenntnis dämmerte. »Hier ist es anders.«
Es gab im Umkreis von hundert Meilen keine Siedlung, die so groß war, dass sie die Bezeichnung »Ortschaft« verdient hätte, ausgenommen die Herrnhuter in Salem. Davon abgesehen gab es im Hinterland nur verstreute Heimstätten; manchmal auch einen Ort, wo sich eine Familie niedergelassen und ausgebreitet hatte, und wo Brüder oder Vettern ihre Häuser in Sichtweite der jeweils anderen errichtet hatten. Kleine Siedlungen und entlegene Blockhütten, oft in den Bergtälern verborgen und von Lorbeerbüschen verdeckt, deren Bewohner manchmal monate- oder gar jahrelang keinen anderen Weißen zu Gesicht bekamen.