Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Dann wollen wir sehen, ob wir einen finden. Worüber kam es zu dem Bruch mit de Gaulle?«
«Algerien. Anfang der sechziger Jahre. Villiers gehörte der OAS an — einer der algerischen Oberste unter Salan. Sie standen in Opposition zu den Übereinkünften von Evian, in denen Algerien die Unabhängigkeit gewährt wurde, und waren der Ansicht, daß es rechtens zu Frankreich gehörte.«
«Die verrückten Colonels von Algier«, sagte Borowski und wußte wie bei so vielen Worten und Sätzen nicht, woher sie kamen oder weshalb er sie aussprach.
«Sagt dir das etwas?«
«Das muß es wohl, aber ich weiß nicht was.«
«Du mußt nachdenken«., sagte Marie.»Warum sollte dieser Begriff von den >verrückten Colonels< dich an etwas erinnern? Was kommt dir in den Sinn? Schnell, sag!«
Jason sah sie hilflos an, dann kamen die Worte.»Bombenanschläge… Infiltration. Provocateure. Man studiert
sie, studiert ihre Methoden.«
«Warum?«
«Ich weiß nicht.«
«Basieren Entscheidungen auf dem, was man lernt?«
«Ich denke schon.«
«Was für Entscheidungen? Was entscheidest du denn?«
«Unterbrechungen.«
«Was bedeutet das für dich? Unterbrechungen.«
«Ich weiß nicht! Ich kann nicht denken!«
«Schon gut… schon gut. Wir kommen ein andermal darauf zurück.«
«Dafür ist keine Zeit. Wir wollen auf Villiers zurückkommen. Was war nach Algerien?«
«Es gab eine Art Versöhnung mit de Gaulle; Villiers war nie direkt in irgendwelche terroristischen Aktionen verwickelt, und seine militärischen Leistungen erforderten das einfach. Er kehrte nach Frankreich zurück — wurde willkommen geheißen— ein Kämpfer für eine verlorene, aber respektierliche Sache. Er übernahm wieder seine Kommandoposition und bekleidete den Rang eines Generals, ehe er in die Politik eintrat.«
«Dann ist er also Politiker?«
«Eher ein Sprecher. Ein >Elder Statesmans Er ist immer noch ein fanatischer Militarist und immer noch darüber erbost, daß Frankreichs militärische Bedeutung geringer geworden ist.«
«Howard Leland«, sagte Jason.»Da hast du deine Verbindung mit Carlos.«
«Wie? Warum?«
«Leland ist ermordet worden, weil er sich gegen die Waffenexporte des Quai d'Orsay ausgesprochen hatte. Mehr brauchen wir nicht.«
«Es erscheint mir unglaublich, ein solcher Mann…«Marie verstummte; plötzlich überkam sie die Erinnerung.»Sein Sohn ist ermordet worden. Es waren politische Motive im Spiel, fünf oder sechs Jahre ist das jetzt her.«
«Sag mir mehr.«
«Sein Wagen wurde auf der Rue du Bac in die Luft gesprengt. Es stand damals überall in den Zeitungen. Er war ein Politiker mit Leib und Seele, ebenso wie sein Vater stockkonservativ, der bei jeder Gelegenheit gegen die Sozialisten und Kommunisten zu Felde zog. Ein junger Parlamentarier, der gegen jegliche Steuerverschwendung protestierte, der aber recht beliebt war. Ein charmanter junger Mann aus bester Familie.«
«Wer hat ihn getötet?«
«Man dachte damals, kommunistische Fanatiker. Er hatte es geschafft, irgendeine Gesetzgebung zu blockieren, die dem äußersten linken Flügel wichtig war. Nach seiner Ermordung fiel die Front auseinander, und das Gesetz wurde verabschiedet. Viele glauben, daß deshalb Villiers seinen Abschied nahm und sich für die Nationalversammlung aufstellen ließ. Deshalb ist das Ganze ja so unwahrscheinlich, so voller Widersprüche. Schließlich ist sein Sohn ermordet worden; man würde meinen, der allerletzte, mit dem er etwas zu tun haben wollte, wäre ein professioneller Meuchelmörder.«
«Da ist noch etwas. Du sagtest, er wäre in Paris willkommen gewesen, weil er nie direkt mit Terrorismus zu tun hatte.«
«Vielleicht gab es Hinweise in den Akten«, unterbrach Marie.»In solchen — pikanten Dingen ist man hier recht tolerant. Schließlich war er ja ein Held, das darfst du nicht vergessen.«
«Ein Terrorist bleibt ein Terrorist!«
«Leute können sich auch ändern.«
«Nur in manchen Dingen. Bei Terroristen ist die Sache komplexer. Wer einmal in dieser Maschinerie drin steckt, kommt nicht mehr raus. Aber was Villiers angeht, bin ich ganz sicher. Ich werde mit ihm Verbindung aufnehmen. «Borowski trat an das Nachtkästchen und nahm das Telefonbuch.»Wir wollen sehen, ob er hier im Telefonbuch steht, oder ob er eine Geheimnummer hat. Ich brauche seine Adresse.«
«Du wirst nie an ihn herankommen. Wenn er mit Carlos in Verbindung steht, wird er bewacht werden. Die töten dich sofort; sie haben doch dein Foto!«
«Das nützt ihnen nichts. Ich bin nicht der, den sie suchen. Hier steht es. Villiers, A. F., Parc Monceau.«
«Ich kann das immer noch nicht glauben. Für die Lavier muß das doch ein Schock gewesen sein.«
«Oder es hat ihr eine solche Angst eingejagt, daß sie alles tun würde.«
«Kommt es dir nicht seltsam vor, daß man ihr eine solche Nummer gibt?«
«Eigentlich nicht, Carlos will, daß seine Drohnen wissen, daß er es ernst meint. Er will Cain.«
Marie stand auf.»Jason? Was ist eine >Drohne<?«
Borowski blickte zu ihr auf.»Ich weiß nicht… Jemand, der blind für jemand anderen arbeitet.«
«Blind? Ohne zu sehen?«
«Ohne zu wissen. Jemand, der glaubt, eine Sache zu tun und in Wirklichkeit etwas anderes tut.«
«Das verstehe ich nicht.«
«Ich gebe dir den Auftrag, an einer bestimmten Straßenecke nach einem Wagen Ausschau zu halten. Der Wagen erscheint dort nie. Aber die Tatsache, daß du dort bist, bedeutet für jemanden, der dich beobachtet, daß etwas anderes geschehen wird.«
«Im arithmetischen Sinne also eine Nachricht, die man nicht auf ihren Ursprung zurückverfolgen kann.«
«Ja, so könnte man es nennen.«
«So wie in Zürich. Walther Apfel war eine Drohne. Er hat diese Geschichte über den Bankeinbruch weitergegeben, ohne zu wissen, was er in Wirklichkeit damit sagte.«
«Und was hat er gesagt?«
«Nun, ich vermute, man wollte dir sagen, du solltest mit jemandem Verbindung aufnehmen, den du sehr gut kennst.«
«Treadstone Seventy-One«, sagte Jason.»Womit wir wieder bei Villiers angelangt wären. Carlos hat mich über die Gemeinschaftsbank in Zürich gefunden. Das bedeutet, daß er über Treadstone informiert sein mußte; wahrscheinlich trifft das auch für Villiers zu. Wenn nicht, können wir ihn vielleicht dazu bewegen, es für uns in Erfahrung zu bringen.«
«Wie?«
«Sein Name. Wenn er so ist, wie du sagst, läßt er seinen Namen nicht in den Schmutz ziehen. Die Ehre Frankreichs in Verbindung zu bringen mit einem Schwein wie Carlos könnte seine Wirkung haben. Ich werde drohen, zur Polizei zu gehen, die Presse zu informieren.«
«Er würde es einfach leugnen. Er würde sagen, das sei unerhört.«
«Macht nichts. Kommt es wirklich zu einem Dementi, dann steht das auf derselben Seite wie sein Nachruf.«
«Zuerst mußt du mit ihm Kontakt aufnehmen.«
«Das werde ich. Du weißt ja, ich bin ein halbes Chamäleon.«
Die von Bäumen gesäumte Straße im Parc Monceau kam ihm irgendwie vertraut vor, aber er wußte nicht, warum. Es war vielmehr die Atmosphäre. Zwei Reihen gepflegter Steinhäuser, deren Türen und Fenster glänzten, deren polierte Eisenbeschläge blitzten, Häuser mit sauber geschrubbten Treppen und beleuchteten Zimmern, Hängepflanzen vor den Fenstern. Eine wohlhabende Straße in einem wohlhabenden Stadtteil, und er wußte, daß er schon einmal eine Straße wie diese erlebt hatte, und daß das von ausschlaggebender Bedeutung gewesen war.
19.35 Uhr, eine kalte Märznacht unter klarem Himmel, und das Chamäleon war dem Anlaß entsprechend gekleidet. Borowskis blondes Haar war von einer Kappe bedeckt, sein Hals vom Kragen einer Jacke geschützt, auf deren Rücken in großen Lettern der Name eines Botendienstes stand. Über seiner Schulter hing ein Segeltuchstreifen, an dem eine fast leere Tasche befestigt war; dieser Bote war ziemlich am Ende seiner Tour angelangt. Noch drei oder vier Stationen lagen vor ihm; gleich würde er es wissen. Bei den Umschlägen in seiner Tasche handelte es sich in Wirklichkeit gar nicht um Umschläge, sondern um Prospekte, die Seine-Rundfahrten mit den Bateaux Mouche anpriesen, Prospekte, die er sich in einer Hotelhalle geholt hatte. Er würde sich willkürlich ein paar Häuser in der Nähe der Wohnung des Generals Villiers aussuchen und die Broschüren in die Briefkastenschlitze stecken. Seine Augen würden alles in Sekundenschnelle registrieren. Was für Sicherheitsvorkehrungen hatte Villiers getroffen? Wer bewachte den General, und wie viele waren es?