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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Eine leere Schale, die sich an nichts erinnert? Die von Dämonen heimgesucht wird, Dämonen, die in seinem Inneren herumlaufen und gegen die Wände schlagen? Keine angenehme Aussicht.«

«Das sind keine Dämonen, Darling. Das bist du — Bruchstücke deiner Erinnerung, die wütend, ärgerlich sind, schreien und hinaus wollen, weil sie nicht in die Schale gehören, die du ihnen gegeben hast.«

«Und wenn ich diese Schale kaputtmache, was finde ich dann?«

«Wahrheit. Manches wird dir gut vorkommen, manches schlecht, und viele Wunden werden dich schmerzen. Aber Cain wird nicht da sein, das verspreche ich dir. Ich glaube an dich, Darling. Bitte, gib nicht auf.«

Er verlor nicht die Fassung. Zwischen ihnen war etwas wie eine gläserne Wand.»Und wenn wir uns irren? Endgültig! Was dann?«

«Dann verlaß mich sofort. Oder töte mich. Mir ist es gleichgültig.«

«Ich liebe dich.«

«Ich weiß. Deshalb habe ich keine Angst.«

«Ich habe im Büro der Lavier zwei Telefonnummern gefunden. Die erste in Zürich, die andere hier in Paris. Mit etwas Glück führen mich diese Nummern auf die richtige Spur.«

«New York? Treadstone?«

«Ja. Dort liegt die Antwort. Wenn ich nicht Cain bin, dann weiß derjenige, dem diese Nummer gehört, wer ich bin.«

Sie fuhren nach Paris zurück, weil sie der Meinung waren, innerhalb der Menschenmassen weniger aufzufallen, als in einem einsam gelegenen Landgasthof. Ein blonder Mann mit einer Schildpattbrille und eine Frau, deren herbe, aparte Schönheit etwas streng wirkte und die das Haar wie eine Studentin der Sorbonne in einem Knoten im Nacken trug, würden in Montmartre nicht auffallen. Sie nahmen ein Zimmer im >Terrasse< an der Rue de Maistre und trugen sich als Ehepaar aus Brüssel ein.

Als man ihnen ihr Zimmer zugewiesen hatte, verharrten sie eine Weile. Sie schwiegen, weil ihnen Worte überflüssig erschienen. Sie sahen sich an und umarmten sich. Die Welt, die ihnen keinen Frieden gönnte, die sie dazu zwang, sich außerhalb der menschlichen Gemeinschaft zu bewegen, versank um sie herum. In diesem Augenblick mußte Borowski Borowski sein.»Wir wollen schlafen«, sagte er.»Schlafen. Es wird ein langer Tag werden.«

Sie liebten sich, sanft und zärtlich. In der Geborgenheit des Bettes gaben sie sich einander vorbehaltlos hin. Plötzlich mußten sie beide kichern. Es war ein verlegenes Kichern, das bald einem hemmungslosen Lachen Platz machte. Es brach aus ihnen hervor wie eine Flut, der sie nicht Einhalt gebieten konnten. Es half ihnen, die schrecklichen Visionen einer entmenschlichten Welt zu vergessen. Blühende Gärten,

Sonnenlicht und blaues Wasser ersetzte die Finsternis.

Erschöpft schliefen sie ein, wie Kinder hielten sie sich die Hände.

Borowski erwachte als erster, hörte das Hupen der Autos weit unten auf den Straßen. Er sah auf die Uhr; es war zehn Minuten nach ein Uhr nachmittags. Sie hatten fast fünf Stunden geschlafen. Der Tag versprach lang zu werden. Er wußte noch nicht, was sie tun würden; er wußte nur, daß es zwei Telefonnummern gab, die ihn zu einer dritten führen mußten. In New York.

Er wandte sich Marie zu, die tief atmend neben ihm lag, das Gesicht — ihr schönes, liebliches Gesicht — halb vom Kissen verdeckt, die Lippen geöffnet, nur wenige Zoll von den seinen. Er küßte sie, und sie legte mit immer noch geschlossenen Augen die Arme um seinen Hals.

«Du bist ein Frosch, und ich mache dich zum Prinzen«, sagte sie schlaftrunken.»Oder geht das anders herum?«

«Ich weiß es nicht, Liebes.«

«Dann wirst du ein Frosch bleiben müssen. Hüpf herum, kleiner Frosch, zeig, was du kannst.«

«Führe mich nicht in Versuchung. Ich hüpfe nur, wenn man mir Fliegen zu fressen gibt.«

«Frösche fressen Fliegen? Ja, das tun sie wahrscheinlich. Puh, das ist schrecklich.«

«Komm schon, mach die Augen auf. Wir müssen beide hüpfen. Wir müssen anfangen zu jagen.«

Sie blinzelte und sah ihn an.»Wonach jagen?«

«Nach mir«, sagte er.

Von einer Telefonzelle in der Rue Lafayette wurde von einem Mr. Briggs ein R-Gespräch mit einer Nummer in Zürich geführt. Borowski nahm an, daß Jacqueline Lavier keine Zeit verloren hatte, Alarm zu schlagen.

Als die Verbindung hergestellt war, gab Jason Marie den Hörer. Sie wußte, was sie sagen mußte.

Doch sie bekam keine Gelegenheit dazu. Die Vermittlung in Zürich schaltete sich ein.

«Die Nummer, die Sie rufen, ist leider nicht mehr in Betrieb.«

«Vor kurzem war sie das aber noch«, unterbrach Marie,»es ist sehr wichtig. Nennen Sie die neue Nummer.«

«Das Telefon ist nicht mehr in Betrieb, Madame. Es gibt keine neue Nummer.«

«Vielleicht hat man mir die falsche gegeben. Es ist wirklich sehr dringend. Könnten Sie mir den Namen des Teilnehmers sagen, der diese Nummer hatte?«

«Das ist leider nicht möglich.«

«Ich sagte Ihnen doch, es ist sehr wichtig! Kann ich bitte mit Ihrem Vorgesetzten sprechen?«

«Der kann Ihnen auch nicht helfen. Wir dürfen darüber keine Auskunft geben. Guten Tag, Madame.«

Die Verbindung wurde unterbrochen.»Aufgelegt«, sagte sie.

«Es wird Zeit«, drängte Borowski und blickte die Straße hinunter.»Laß uns hier verschwinden.«

«Du meinst, sie könnten das Gesprach belauscht haben? In Paris? In einer öffentlichen Telefonzelle?«

«Man kann binnen drei Minuten eine Vermittlung ausfindig machen und einen Bezirk eingrenzen.«

«Woher weißt du das?«

«Ich wollte, ich könnte dir das sagen. Gehen wir.«

«Jason. Warum verstecken wir uns nicht und warten?«

«Worauf? Daß sie uns schnappen? Die haben eine Fotografie und können überall Leute aufstellen.«

«Ich sehe ganz anders aus als in den Zeitungen.«

«Aber ich nicht. Gehen wir!«

Sie schoben sich durch die dichte Menschenmenge, bis sie zehn Blocks weiter den Boulevard Malesherbes und wieder eine Telefonzelle erreichten, die aber an ein anderes Amt angeschlossen war. Diesmal ging es ohne Vermittlung. Marie trat in die Zelle, Münzen in der Hand und wählte.

Die Worte, die durch die Leitung kamen, versetzten sie allerdings in Erstaunen:

«Hier ist das Haus von General Villiers. Guten Tag… Hallo? Hallo?«

Einen Augenblick lang brachte Marie kein Wort heraus. Sie starrte bloß das Telefon an.»Pardon«, flüsterte sie.»Falsch verbunden. «Sie legte auf.

«Was ist denn?«fragte Borowski und öffnete die Glastür.»Was ist passiert? Wer war das?«

«Das gibt keinen Sinn«, sagte sie.»Ich sprach gerade mit dem Hauspersonal eines der geachtetsten und mächtigsten Männer von Frankreich.«

Kapitel 24

«Andre Francois Villiers«, wiederholte Marie und zündete sich eine Zigarette an. Sie waren ins Hotel >Terrasse< zurückgekehrt, um Ordnung in ihre Gedanken zu bringen und die erstaunliche Information zu verarbeiten, die sie erhalten hatten.»Absolvent von Saint-Cyr, Held des Zweiten

Weltkriegs, eine Legende in der Resistance und bis zu dem Bruch, der sie in der Algerienfrage entzweite, de Gaulles Kronprinz. Jason, einen solchen Mann mit Carlos in Verbindung zu bringen, ist einfach unglaublich.«

«Aber die Verbindung beweist es doch. Glaub mir.«

«Ich kann es nicht. Villiers ist so etwas wie die personifizierte Ehre Frankreichs. Er stammt aus einer Familie, die man bis ins siebzehnte Jahrhundert zurückverfolgen kann. Heute ist er einer der bedeutendsten Deputierten der Nationalversammlung — politisch steht er natürlich rechts von Karl dem Großen —, aber ein Mann, dem Gesetz und Ordnung aus allen Poren quellen. Es wäre genauso, als brächte man Douglas MacArthur mit einem bezahlten Killer der Mafia in Verbindung. Das gibt einfach keinen Sinn.«

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