Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
»Das Mädchen ist unser guter Engel,« erwiderte Martial, »und sie sieht ja auch aus wie ein Engel so schön! Nicht wahr, Herr Doktor, der Tod wird sie noch nicht holen?« – »Ich kann Gewisses darüber noch nicht sagen,« erwiderte Griffon, »vor allem muß ich wissen, ob sie hier bleiben kann, und hier die rechte Pflege finden wird?« – »Hier?« rief die Wölfin, »in solcher Mörderhöhle?« – »Still!« rief Martial, ihr mit der Faust drohend. – »Freilich,« sagte der Doktor zu dem verwundert dreinschauenden Grafen, »das Haus steht nicht im besten Rufe, und es sollte mich freilich wundern..« – »Sie sind also gewalttätigen Menschen zum Opfer gefallen?« fragte der Graf den Verletzten.. »wer hat Sie denn so zugerichtet?« – »Ich bin in einer Schlägerei verwickelt gewesen,« sagte Martial ausweichend, »und dabei verletzt worden.. aber,« setzte er hinzu, »daß das Mädchen hier bleibt, wird schwerlich angehen, denn ich bleibe auch nicht hier und will auch meinen Bruder und meine Schwester nicht hier lassen... wir werden der Insel auf Nimmerwiedersehen den Rücken wenden..«
»Ach, wie schön! wie schön!« riefen Franz und Amandine wie aus einem Munde... »Und wann wollen Sie weg?« fragte der Doktor, »das ohnmächtige Mädchen bedarf noch der größten Schonung. Es wäre deshalb wohl gut, wenn wir ein sicheres Obdach für sie fänden.. Wie wäre es mit dem Hause, Herr Graf, das Sie mir angewiesen haben? Die Gärtnersfrau mit ihrer Tochter würden gute Pflegerinnen abgeben, und Sie haben, scheints, selbst Interesse genug für die Arme, daß Sie hin und wieder wohl nach dem Rechten sehen würden?«
Der Graf zollte diesem Plane aus vollem Herzen Beifall, und eine halbe Stunde später befand sich Marienblume, noch immer ohnmächtig, im Hause des Arztes und unter der Obhut der Gärtnersfrau desselben und der Wölfin, die nicht eher von ihr weichen wollte, als bis sie sie außer Gefahr wußte.
Fünftes Kapitel.
Das Porträt.
Auf einem der Boulevards in der Nähe des Observatoriums ging Tom Seyton, der Bruder der Gräfin Sarah Mac Gregor, auf und nieder, als er der Eule ansichtig wurde, aus deren Strohtasche die Spitze der Mordwaffe hervorguckte, die bislang Bakel bei sich geführt hatte, und die Seytons Blicke entgangen war.. »Eben schlägts drei,« sagte sie, »ich komme also pünktlich.« – »Folgen Sie mir!« sagte Seyton und führte sie durch ein ödes Gäßchen unfern der Straße Cassini. An einem Drehkreuze in seiner Mitte blieb er stehen, schloß eine Pforte auf und hieß, sie hier warten. Darauf verschwand er. Die Eule ging mit sich zu Rate... »Hoffentlich läßt er mich hier nicht zu lange stehen,« sagte sie bei sich, »denn ich muß, um die Mäklerin abzufertigen, mit Martials bei Rotarm sein. Meinen Dolch habe ich ja! Aha! Da guckt sich der Spitzbube um! Geschieht mir schon recht, warum habe ich ihn nicht in der Scheide gelassen! Na, vielleicht kann er mir dieser Mäklerin gegenüber Dienste tun! 30 000 Franks, das war ein feiner Fang heute! Da ist doch ein bißchen mehr abgefallen als bei dem Halunken von Notar, der sich keinen Sou abzwacken ließ... Da konnte ich schön drohen: es half alles nichts! Der hatte keine Furcht, als ich ihm sagte, seine Haushälterin hätte mir doch das Mädchen, das jetzt die Schalldirne sei, überantwortet, sondern schalt mich eine Lügnerin und schlug mir die Tür vor der Nase zu..« – Sie sah sich scheu um und bemerkte, daß am Ende der Allee eine Dame auftauchte.. »Aha!« sagte sie, »die bleiche Frau wieder, die mit dem langen schwarzen Duckmäuser im Weißen Kaninchen war.. Hm, da heißts auf dem Posten sein!«
Die nahende Person war tatsächlich die Gräfin Sarah, auf deren Gesicht all jene Verachtung zum Ausdrucke kam, die von vornehmen Leuten gemeinhin gegen Leute niedrigen Standes empfunden wird, die sie als Werkzeuge oder Mitschuldige nicht entbehren können. Ihr Bruder hatte sich geweigert, die bisherige Rolle weiter zu spielen, und sich bloß dazu noch verstanden, seine Schwester zu diesem Zusammentreffen mit der Eule zu begleiten, lehnte aber jede Beteiligung an den Plänen, die sie neuerdings geschmiedet hatte, entschieden ab. Rudolf wieder an sich zu ziehen dadurch, daß sie die ihm ihrer Meinung nach teuren Bande zerriß, war ihr nicht geglückt. Nun dachte sie, ihren ehrgeizigen Traum so zu verwirklichen, daß sie ihn auf unwürdige Weise hinterging: es sollte ihm eingeredet werden, die ihm von Sarah geborene Tochter sei nicht tot, und eine Waise für ihrer beider Kind ausgegeben werden. Dazu hatte sie Ferrand bestimmen wollen, der sich aber, wie dem Leser bekannt ist, geweigert hatte, ihr dabei zu helfen, statt dessen, und zwar aus Furcht vor der Aussage der Eule einerseits, aus Besorgnis vor dem Ansinnen der Gräfin anderseits, beschlossen hatte, die Schalldirne verschwinden zu lassen. Die Gräfin aber, nach wie vor der Meinung, daß sich Ferrand noch bestechen oder einschüchtern lassen werde, sobald sie ein junges Mädchen gefunden hätte, das zu solcher Rolle sich eigne, hatte ihren Plan keineswegs aufgegeben ... Sarah eröffnete das Gespräch mit der Eule ohne weiteres durch die Frage, ob sie ihr ein Mädchen nachweisen könne, das von frühester Jugend an verwaist sei, ein hübsches, einnehmendes Gesicht und ein sanftes Gemüt habe, auch nicht über 17 Jahre alt sein dürfe ... »So etwas wird wohl so leicht nicht zu finden sein,« erwiderte die Eule, die Gräfin verblüfft anstarrend ... »Man wird sich in den Findelhäusern umsehen müssen ... » antwortete die Gräfin. – »Es käme auf den Preis an, der sich dabei verdienen ließe,« meinte die Eule ... »schaut ein ordentliches Stück Geld dabei heraus, dann ließe sich schon darüber reden.« – »Nun, ich zahle Ihnen, was Sie fordern, wenn mir die Person recht ist, die Sie mir zuführen,« versetzte die Gräfin. – »Das läßt sich hören,« sagte schmunzelnd die Eule; »mir fällt gleich ein Mädel ein, das sich eignen könnte – kennen Sie die Schalldirne?« – »Wer ist das?« fragte die Gräfin ihrerseits. – »Die wir aus Bouqueval abgeholt haben,« sagte die Eule. – »Von der kein Wort,« rief die Gräfin zornig, »die bleibt ganz außer Betracht, verstehen Sie?« – »Na, warum denn? Sie paßt doch für Sie, wie gemacht! Wenn sie aus Saint-Lazare entlassen wird, könnten Sie sie, meiner Meinung nach, gar wohl verwenden. Sie ist noch keine 17 Jahre alt, ist hübsch, hat ein zutrauliches Wesen und weiß sich auch zu bewegen ... Vor zehn Jahren, als sie mir der Schuft Ferrand überantwortete, war sie knapp sechs Jahre alt, und Tournemine, der auf die Galeeren gekommen ist und sie zu mir brachte, hat mir ausdrücklich gesagt, das Mädel sei ganz sicher ein Kind, das beseitigt und für tot erklärt werden solle ... »