Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
»Bravo, bravo, Blinder! Du spielst deine Rolle wirklich famos, das muß man sagen!« rief der Lahme, und dabei klatschte er wie unsinnig in die Hände ...
»Im Traume hab ich sie alle wiedergesehen, die durch mich ihr Leben gelassen haben: den kleinen Alten in der Rue du Roule – die ersäufte Frau – den Viehhändler – und über all diesen Gespenstern schwebtest du, Eule! Hören sie auf, all die Gespenster, über den schwarzen Schleier, den ich vor Augen habe, hin und her zu ziehen, dann foltern mich andere Qualen, dann kommen Vergleiche, die mich zu vernichten drohen ... Dann sage ich zu mir: Wäre ich ein ehrlicher Mann geblieben, dann wäre ich jetzt frei und könnte ruhig und glücklich leben, in Ehren und geliebt von den Meinigen ... statt daß ich geblendet, gefesselt, meinen Mitschuldigen in die Hände geliefert, hier in diesem Keller hausen muß ... Sieh, diese Gedanken übten solchen heilsamen Einfluß auf mich, daß mein Grimm verraucht, daß es mir wird, als fände ich die Kraft nicht, den Willen nicht, dich zu bestrafen.«
Er hatte der Eule, während er so sprach, unwillkürlich einige Freiheit gewährt, und die Eule hatte sie benutzt, den Dolch zu fassen, den sie nach Sarahs Ermordung in ihr Leibchen geschoben hatte, und Bakel einen Stich in die Seite zu versetzen, der ihm einen schrillen Schmerzensschrei entlockte ...
All sein Haß wurde hierdurch wieder wachgerufen ... »Ha, Schlange!« rief er mit zornbebender Stimme, und packte die Eule in demselben Moment, als sie entweichen wollte, »dazu bist du hergekrochen? Na, warte! ich will dich zermalmen wie einen Wurm ... Da, sieh die Gespenster! Dort aus dem Dunkel kommen sie hervor, bleiche Gerippe, aber das Blut raucht unter ihnen ... He? Fürchtest du dich vor ihnen? O, sträube dich nicht! Sei ruhig, Kanaille! Du sollst sie nicht sehen die Gespenster, denn ich will dich blenden, wie er mich blendete! Wie ich, sollst du hinfort keine Augen mehr haben ... Dann, Eule, stehen wir einander wieder gleich – dann können wir wieder spielen mit gleichen Karten!«
Die Eule schrie so fürchterlich, daß der lahme Junge auf dem Treppenabsatze, auf dem er noch immer kauerte, wie von einer Tarantel gestochen, in die Höhe fuhr ... »Krächze, Eule, krächze dein Totenlied!« rief Bakel leise, »sei froh, denn nun siehst du sie nicht mehr, die unter unsern Händen verbluteten! den kleinen Alten in der Rue du Roule, die ersäufte Frau, den Viehhändler – keinen mehr siehst du! Aber ich sehe sie! da kommen sie heran im Gänsemarsche, einer immer bluttriefender als der andere ... O! wie kalt sie sind! wie bleich sie sind!« – In dem Aufschrei des Entsetzens, der sich von seinen Lippen rang, erlosch der letzte Schimmer von Vernunft, der den Geist dieses Bösewichtes noch erhellte ... Hinfort kam kein Wort mehr über seine Lippen ... wie ein wildes Tier rannte er in dem Keller umher, nur dem Instinkte der Vernichtung noch gehorchend...
Im Keller unten vollzog sich Entsetzliches ... Ein wildes Stampfen, unterbrochen durch dumpfes Geräusch, wie wenn ein Knochenkasten von einem Steine abprallte, auf dem er zerschmettern soll... Dazwischen krampfhaftes Klagegeschrei und teuflisches Gelächter. Zuletzt Todesröcheln ... Dann wieder Gestampf und dumpfe Schläge... Starr vor Grauen hockte der lahme Junge nach wie vor auf dem Treppenabsatze, bis ihn fernes Geräusch von Tritten und Stimmen aufschreckte. Am Treppenhalse wurde Licht sichtbar. Männer kamen die Treppe herunter gerannt. Im nächsten Augenblick füllte der Keller sich mit Polizisten, an ihrer Spitze Detektiv Borel... Der lahme Junge wurde gepackt, der Korb der Eule ihm abgenommen. Detektiv Borel stieg an der Spitze einiger Leute in den Keller hinunter. Alle wichen zurück vor dem gräßlichen Anblick, der sich ihnen bot ... Bakel, der sich von der Kette freigemacht hatte, die seinen Fuß an einen schweren Stein gefesselt hielt, rannte, ein Bild des Grauens, mit starrem Haar, langem Barte, schäumendem Munde, triefend von Blut, den Leichnam der Eule an beiden Beinen hinter sich her schleifend, wie ein wildes Tier in dem Keller herum ... Nur mit Gewalt konnten ihm die blutigen Ueberreste seiner Kumpanin entwunden werden, und es währte geraume Zeit, bis es gelungen war, ihn zu fesseln. Dann brachte man ihn in die Schenkstube hinauf, wo Niklas Martial, seine Mutter und Schwester und Barbillon bereits gefesselt unter scharfer Bewachung am Boden lagen. Man hatte sie in dem Augenblicke festgenommen, als sie der Diamantenmäklerin den Garaus hatten machen wollen.
Als Rotarm, in dessen Beisein das Haus auf das schärfste durchsucht worden war, von Borel in die Schenkstube geführt wurde, verzerrten sich die Züge der alten Frau Martial unwillkürlich, und ihre kleinen, trüben Augen funkelten wie die einer wütenden Schlange ... Sie zweifelte keinen Augenblick mehr an Rotarms Verrat und zischte ihm zu: »Daß du meinen Aeltesten nach Toulon gebracht, hab ich schon lange gewußt ... Jetzt verschacherst du auch uns, Ischarioth! Nun, sei es! Die Welt soll sehen, wie echte Martials zu sterben wissen.«
Schäumend vor Wut, spuckte sie ihm ins Gesicht, als sie an ihm vorbei nach dem Polizeiwagen abgeführt wurde. Mit Barbillon, Niklas und Rotarm wurde sie ins Zuchthaus abgeführt, während Bakel in die Irrenabteilung gebracht wurde.
Siebentes Kapitel.
Nachricht über allerhand Figuren des Romans.
Ein paar Tage nach diesen Vorgängen begab Rudolf sich in das Haus in der Rue du Temple. Wie der Leser weiß, hatte er, um der List Ferrands ein Gegengewicht zu schaffen, aus einem Gefängnisse in Deutschland Cecily, die unwürdige Frau seines Negerarztes David, eine gewandte und kluge Kreolin, nach Paris bringen lassen. Der Leser weiß ferner, daß diese Kreolin durch Frau Seraphim, als Ersatz für Luise Morel in Jakob Ferrands Haus gekommen war. Rudolf wollte sich in der Rue du Temple erkundigen, wie die Dinge in Ferrands Hause seitdem standen ... Frau Pipelet eilte ihm mit den Worten entgegen: »Ach, Herr Rudolf, wieviel haben wir Ihnen zu erzählen! Denken Sie sich nur, gestern ist auch die Frau Burette von der Polizei abgeholt worden! Sie scheint außer ihrer Pfandleihe noch andere Geschäfte getrieben zu haben, man hat gehört von Hehlerei, Einschmelzen von Gold und Silber undsoweiter, und was das allerschlimmste ist, ihr alter Freund und Gönner, der Rotarm, der das Haus gepachtet und im einzelnen abvermietet hat, ist auch verhaftet worden ...« Und nun erzählte sie, was sich bei Rotarm ereignet hatte ...
»Rotarm?« dachte Rudolf bei sich, »Rotarm verhaftet, und die Eule tot? Nun, die hat ein besseres Schicksal wirklich nicht verdient ... Die arme Marienblume ist wenigstens gerächt worden ... Aber,« setzte er laut hinzu, »wie stehts mit Cecily und mit dem Notar?«
»Als wir zu ihm kamen, mochte es ungefähr sieben Uhr sein. Ich sagte dem Pförtner, er solle mich bei ihm melden, ich sei mit der Person da, über die schon Frau Seraphim mit ihm gesprochen. Der Pförtner stutzte und fragte mich, ob mir nichts darüber bekannt sei ... O, Herr Rudolf, das ist eine gar schlimme Sache ... Die Seraphim ist auf einer Landpartie, die sie mit einer jüngeren Person – wie gesagt wird, einer Verwandten von ihr – ertrunken.« –
»Ertrunken? Auf einer Landpartie? Jetzt im Winter?« fragte Rudolf verwundert. »Und Ferrand? Ist ihm Cecilys Schönheit aufgefallen?« – »Bei unserm Eintritt ist er, wie erschrocken, aufgesprungen, wahrscheinlich vor Verwunderung über Cecilys elsässischen Anzug. Ohne ihm Zeit zum Besinnen zu lassen, sagte ich ihm, er möchte verzeihen, daß meine Nichte in ihrer Landestracht käme; sie sei aber gerade angekommen, und ich sei nicht in den Verhältnissen, gleich für einen andern Anzug zu sorgen. Es möchte sich auch wohl deshalb der Mühe nicht lohnen, weil wir doch bloß kämen, um ihm zu danken für seine Bereitwilligkeit, das Mädchen in seinem Hause aufzunehmen. Dann drückte ich meine Besorgnis aus, Cecily möchte ihm am Ende gar nicht gefallen?« –