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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Rosemund«, sagte Kivrin, »ich werde den Esel füttern. Du mußt gehen und deine Gäste begrüßen.«

»Sir Bloet sagte, daß er mir ein Schmuckstück mitbringen will«, sagte Agnes.

Rosemund öffnete die Hand und ließ den Hafer zu Boden fallen. »Wenn er dir so gut gefällt, kannst du ja Vater fragen, ob er dich Sir Bloet heiraten läßt«, sagte sie. Sie wandte sich ab und ging langsam zurück zum Gutshof.

»Ich bin zu klein«, sagte Agnes.

Auch Rosemund ist noch zu klein, dachte Kivrin, nahm Agnes bei der Hand und folgte ihrer Schwester. Rosemund ging nun schneller, das Kinn erhoben, ohne sich die Mühe zu machen, ihre schleifenden Röcke aus dem Schnee zu heben. Sie ließ Agnes’ wiederholte Bitten, auf sie zu warten, unbeachtet.

Die Gesellschaft war bereits im Hof, und Rosemund näherte sich dem anderen Ende des Dorfangers. Kivrin beschleunigte ihren Schritt, zog Agnes mit sich, daß sie laufen mußte.

So kamen sie beinahe gleichzeitig auf den Hof. Dort machte Kivrin überrascht halt.

Sie hatte eine förmliche Begrüßung erwartet, die Familie mit steifen Ansprachen und höflichem Lächeln an der Tür, aber hier ging es ganz zwanglos zu — alle trugen Kästen und Körbe und Säcke hinein, begrüßten einander mit Ausrufen und Umarmungen, redeten durcheinander, lachten. Man hatte Rosemund noch nicht einmal vermißt. Eine große, dicke Frau mit einer riesigen gestärkten Haube packte Agnes mit beiden Händen, hob sie in die Höhe und küßte sie, und drei junge Mädchen drängten sich quietschend und lachend um Rosemund.

Bedienstete, auch sie offensichtlich in Festtagskleidung, trugen gedeckte Körbe und eine riesengroße Gans in die Küche und führten die Pferde in den Stall. Gawyn, noch auf Gringolet, beugte sich aus dem Sattel und sprach mit Imeyne. Kivrin hörte ihn sagen: »Nein, der Bischof ist in Wiveliscombe«, aber Imeyne sah nicht unglücklich aus, also mußte er die Botschaft dem Archidiakon übergeben haben.

Sie wandte sich, einer jungen Frau in einem leuchtendblauen Umhang, der noch auffallender als Kivrins war, vom Pferd zu helfen, und führte sie zu Eliwys. Beide lächelten.

Kivrin versuchte auszumachen, wer von den Ankömmlingen Sir Bloet war, aber sie zählte mindestens ein halbes Dutzend Berittene, alle mit silberbeschlagenem Zaumzeug und pelzbesetzten Umhängen. Glücklicherweise sah keiner von ihnen hinfällig und altersschwach aus, und ein paar kamen Kivrin recht ansehnlich vor. Sie wandte sich zu Agnes, um sie zu fragen, aber die Kleine war noch im Griff der gestärkten Haube, die ihr immer wieder den Kopf tätschelte und sagte: »Du bist so gewachsen, daß ich dich kaum wiedererkannte.« Kivrin unterdrückte ein Lächeln. Das Menschliche blieb sich immer gleich.

Mehrere der Besucher hatten rotes Haar, darunter auch eine Frau, die annähernd so alt wie Imeyne sein mußte, ihr verblichenes rotes Haar jedoch wie ein junges Mädchen offen trug. Sie hatte einen verkniffenen, unglücklich aussehenden Mund und war offensichtlich unzufrieden mit der Art und Weise, wie die Bediensteten das Gepäck abluden. Sie entriß einen überladenen Korb den Händen eines Dieners, der sich damit abmühte, und stieß ihn einem dicken Mann in einem grünen Samtrock in die Arme.

Auch er hatte rotes Haar, ebenso wie die am nettesten aussehenden der jüngeren Männer, und ein rundes, offenes, sommersprossiges Gesicht von gutartigem Ausdruck.

»Sir Bloet!« rief Agnes, rannte an Kivrin vorbei und gegen die Beine des dicken Mannes.

Ach nein, dachte Kivrin. Sie hatte angenommen, der Dicke sei mit der Frau in der gestärkten Haube verheiratet. Er war mindestens fünfzig und mußte annähernd zweieinhalb Zentner wiegen, und als er Agnes anlächelte, zeigte er große braun angefaulte Zähne.

»Hast du mir was mitgebracht?« fragte Agnes, beide Hände um seinen Rocksaum geschlossen, um ihn nicht entkommen zu lassen.

»Ja freilich«, sagte er mit einem Blick zu Rosemund, die mit den anderen Mädchen schwatzte. »Für dich und deine Schwester.«

»Ich hole sie«, sagte Agnes und rannte hinüber zu Rosemund, bevor Kivrin sie halten konnte. Bloet stapfte ihr nach. Die Mädchen kicherten und machten Platz, als er herankam, und Rosemund schoß Agnes einen mörderischen Blick zu, dann lächelte sie und reichte ihm die Hand. »Guten Tag und willkommen, Sir«, sagte sie.

Ihr Kinn war so hoch, wie sie es recken konnte, und ihre blassen Wangen zeigten zwei fiebrig rote Flecken, aber Bloet nahm diese anscheinend für Schüchternheit und Aufregung. Er nahm ihre zarten Finger in seine fetten und sagte: »Sicherlich wirst du deinen Mann im kommenden Frühjahr nicht mit solcher Förmlichkeit begrüßen.«

Die Flecken wurden röter. »Es ist noch Winter, Sir.«

»Es wird bald genug Frühling sein«, sagte er und fletschte die braunen Zähne in einem Lachen.

»Wo ist mein Mitbringsel?« verlangte Agnes zu wissen.

»Agnes, sei nicht so habgierig«, sagte Eliwys. Sie trat zwischen ihre Töchter. »Es ist ein schlechtes Willkommen, von einem Gast Geschenke zu verlangen.« Sie lächelte ihm zu, und wenn sie diese Heirat fürchtete, ließ sie es sich nicht anmerken. Sie sah entspannter aus als Kivrin sie bisher gesehen hatte.

»Ich versprach meiner künftigen Schwägerin ein Mitbringsel«, sagte er, griff in seinen zu engen Gürtel und brachte einen kleinen Stoffbeutel zum Vorschein. »Und meiner Verlobten ein Brautgeschenk.« Er steckte zwei Wurstfinger in den kleinen Beutel und zog eine mit Edelsteinen besetzte Brosche heraus. »Ein Unterpfand der Liebe für meine Braut«, sagte er und hakte die Schließe auf. »Du mußt an mich denken, wenn du sie trägst.« Er trat schnaufend näher, um sie Rosemund an den Umhang zu stecken. Kivrin hoffte, daß ihn der Schlag treffen würde. Rosemund stand stocksteif und mit hochroten Wangen, während seine dicken Hände an ihrem Hals fummelten.

»Rubine«, sagte Eliwys erfreut. »Bedankst du dich bei deinem Verlobten nicht für sein kostbares Geschenk, Rosemund?«

»Ich danke dir für die Brosche«, sagte Rosemund mit tonloser Stimme.

»Wo ist mein Mitbringsel?« rief Agnes. Sie tanzte von einem Fuß auf den anderen, während er wieder in den kleinen Beutel griff und etwas herauszog, das er in der Faust verbarg. Er bückte sich schwer atmend, bis er in Augenhöhe mit Agnes war, und öffnete die Hand.

»Eine Glocke!« sagte Agnes erfreut. Sie hielt sie in die Höhe und schüttelte sie. Sie war rund und aus Messing, wie die Schlittenglocke eines Pferdes, und hatte oben einen Metallbügel.

Agnes bestand darauf, daß Kivrin mit ihr ins Damengemach gehe, um ein Band zu holen, das sie durch den Glockenbügel ziehen und um den Hals oder am Arm tragen könne. »Mein Vater brachte mir dieses Band vom Jahrmarkt«, sagte Agnes, als sie es aus der Truhe zog, in der Kivrins Kleider verwahrt worden waren. Das Band war fleckig eingefärbt und so steif, daß Kivrin Schwierigkeiten hatte, es sauber durch den Bügel der kleinen Glocke zu ziehen. Selbst die billigsten Bänder bei Woolworth zum Verpacken von Weihnachtsgeschenken waren besser als dieses augenscheinlich hochgeschätzte Schmuckband.

Kivrin band es mit einer Schleife um Agnes’ Handgelenk, und sie gingen wieder hinunter. Die Geschäftigkeit des Abiadens und Verstauens hatte sich ins Innere des Hauses verlagert. Bedienstete trugen Kisten, Körbe, Bettzeug und frühe Versionen von Reisetaschen in die Diele. Sie hätte sich nicht zu sorgen brauchen, daß Sir Bloet und seine Reisegesellschaft sie mitnehmen würden. Allem Anschein nach waren sie gekommen, um wenigstens den Winter hier zu verbringen.

Auch ihre Sorgen, daß man über ihr Schicksal diskutieren würde, waren offenbar unbegründet. Niemand hatte ihr auch nur einen Blick geschenkt, nicht einmal, als Agnes darauf bestand, zu ihrer Mutter zu gehen und ihr Armband vorzuzeigen. Eliwys war in ein Gespräch mit Bloet, Gawyn und dem gutaussehenden Mann vertieft, der ein Sohn oder Neffe sein mußte, und Kivrin sah, daß Eliwys in nervöser Unruhe die Hände rang. Die Nachrichten aus Bath mußten schlecht sein.

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